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Leseprobe 1

DUNKLES LICHT IN HELLER NACHT

Wolfgang A. Gogolin
Roman / Thriller

Oldigor Verlag
Covergestaltung: Klaud Design

Taschenbuch, 128 Seiten
ISBN: 978-3945016060

Nov. 2013, 8.99 EUR
Bestellen: Jetzt bestellen / auch als eBook erhältlich

Langsam. Stück für Stück zerlegte Capitaine Morel die Tafel Schokolade. Es war nicht irgendeine Schokolade. Es war eine von Fauchon. Lait Noisette. Die kleine Tafel knackte verführerisch beim Zerbrechen. Seine Lesebrille rutschte tiefer. Sie war eindeutig derzeit unnütz, er nahm sie ab. Über die Maßen verlockend lag die Schokolade vor ihm, gleichzeitig traf sie seinen Geruchssinn. Zart vanillige Aromen erfüllten plötzlich den Raum. Dazu noch ein samtiger Rotwein und die Welt würde in Vergessenheit geraten, dachte Morel. Man könnte sich damit in das Paradies hinein genießen. Aber offiziell war Alkohol verboten. Nur Schokolade nicht und so gab es ein ungeschriebenes Gesetz: Wer Gutes tat, wurde mit Gutem belohnt.

„Emil! Mathis!“, brüllte Morel. Die beiden Inspecteurs hatten gehört. Der Capitaine blickte durch seinen gläsernen Käfig. Gemächlich kamen die beiden zu ihm. Morels Gesichtszüge entspannten sich. Er wusste, dass sie insgeheim ihren morgendlichen Coup nochmals Revue passieren ließen. Gewiss, es hatte ein wenig Glück dazu gehört, so schnell einen Vergewaltiger und Mörder dingfest zu machen. Aber was sollte es. Aus Glück und Zufall bestand das halbe Leben.
„Bonjour, Monsieur Morel.“
„Messieurs!“ Der Chef grinste breit, legte die gestückelte Schokolade in Richtung der beiden Inspecteurs und bot mit einer eleganten Handreichung die Schokoladensinnlichkeit an.
Fauchon“, flüsterte Emil andächtig und Morel nickte. „Ich nehme mir nur ein kleines Stückchen.“
Durand hingegen hätte fast abgelehnt, besann sich jedoch. Der Chef griff sich schließlich als Letzter einen Happen Himmel. Schmelzige Ruhe breitete sich im Büro aus und einigen Beobachtern aus dem Dunstkreis des Chefbüros lief der Speichel im Mund zusammen.

„Wirklich ausgezeichnet.“ Emil unterbrach als Erster die genüssliche Gelassenheit.
„Ihr habt es euch verdient. Es war ein guter Fang. Schnell und sauber. So soll es sein!“
„Wir hatten Glück.“ Durands intensive grüne Augen visierten Morel genau an.
„Das gehört ohnehin immer dazu, Mathis. Was am Ende zählt, ist das Ergebnis.“
„Die schmeckt einfach hervorragend. Darf ich noch ein Stückchen?“ Emil hatte nicht den Chef im Visier. Morel nickte lächelnd.
„Ihr habt gut gearbeitet. In besonderen Fällen gebe ich einen Tag frei und heute ist so ein Fall.“
Emil griente. Schokolade und ein freier Tag. Er lutschte aufgeregt weiter.
Durand holte Luft. Es fehlte nur noch ein Seufzer.
„Ach ja“, setzte der Capitaine nach „es ist damit eine Aufgabe verbunden.“ Er sah Emil und Mathis streng an. Gemessen stand er auf. „Macht euch einen schönen Tag!“

Szenentrenner


„Maman?“ Emil legte den Haustürschlüssel auf dem Schränkchen im Flur ab. Das Geräusch, das damit verbunden war, hatte den gleichen Wohlklang wie das Wort „Feierabend“. „Maman! Erschreck dich nicht, ich bin schon früher zu Hause!“ Er zog die Schuhe aus und stellte die Aktentasche in seinem Zimmer ab.
Madame Legards brüchige Stimme tönte aus dem Wohnzimmer. „Emil? Was machst du denn schon so früh zu Hause? Es ist noch Vormittag!“
„Wir haben einen Fall schnell gelöst und dafür habe ich einen freien Tag bekommen“, frohlockte Emil in Richtung Wohnzimmer.
Witwe Legard schaute um die Ecke. Ihr weißes Haar leuchtete angriffslustig. Genau nahm sie ihren Sohn in Augenschein.
„Einen Tag frei? Dein Vater hat noch fünfzig Stunden in der Woche gearbeitet und du hast einen Tag frei.“ Das weiße Haar wogte hin und her. „Du lebst in einer guten Zeit, Emil. Viel Müßiggang. Zu viel Müßiggang!“
„Maman, freue dich doch. Ich besorge für heute Abend ein leckeres Essen und wenn du magst, gehen wir nachher ein Stück spazieren.“
„Spazieren gehen?“
„Ja, spazieren. Es wird Frühling!“
„Hältst du mich für eine senile Alte? Am Liebsten würdest du wohl sehen, dass ich Tauben füttern gehe?“
Emils Schultern sackten zusammen. Niemand, wirklich niemand konnte sich freuen. Einfach so. Über Applaus, über Schokolade, über den freien Tag. Gab es nur noch Menschen, die zu viel dachten? Zu viel denken war mindestens genauso schlimm wie zu wenig denken. Sein Leben pendelte hin und her zwischen Mördern und Spaßbremsen.
„Dann gehe ich eben allein in den Park.“
Für einen Moment hielt Madame Legard inne. Der zerbrechliche, achtzigjährige Körper stemmte sich in den Krückstock. „Du hast wohl gar nichts für deine Mutter übrig?“
Ohne darauf einzugehen, zog sich der Inspecteur in sein Zimmer zurück. Er war diese Scharmützel gewohnt. Siegen konnte man nur durch Rückzug.
„Ich lege mich noch für einen Moment hin.“
Madame Legard schnaubte. Gerade hatte sie sich hochgefahren, schon wurde ihr die Reibungsmöglichkeit entzogen. „Aber, lass die Fensterläden offen. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn sie zu so später Stunde noch geschlossen sind?“
Der Mann, der in der Nacht zuvor einen Mörder gestellt hatte, fragte sich, warum fast nur junge und hübsche Frauen ermordet wurden. Seltsam. Er wüsste effektiveres Handeln.

Lavendel und Bohnerwachs. Sein Zimmer roch intensiv danach. Lavendel überwog, jener Geruch, der an alte Frauen und Mottentod erinnerte. Oder waren es Friedhof und Verdammnis? Genauso morbide wie es roch, sah sein Eichenbett aus. Sauber betucht, das Bettlaken gespannt bis zum Anschlag. Er schob den Überwurf beiseite, seine Gedanken nicht. Nur kurz ausruhen, sich strecken, er nahm die Arme hinter den Kopf. Waren alle Frauen dieser Welt so? Er schaute auf einen Punkt, der weit hinter der Zimmerdecke lag. Vermutlich nicht. Marie, sie war anders. Ganz bestimmt! Marie, die schöne Bäckereiverkäuferin. Marie, das Wesen seines Wollens. Oder wollte er nicht? Was wollte er eigentlich? Steckten in seiner Aktentasche nicht noch die Eclairs von heute Morgen? Sie hatte sie berührt mit sanften, pastelligen Händen. Maries füllige Figur und die Aussicht auf Eclairs ließen ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ein kleiner Griff zur Aktentasche und schon würde zumindest ein Bedürfnis befriedigt sein. Herzhaft biss er in das Eclair hinein. Das fluffige Gebäck enttäuschte ihn nicht.

Augenverschlossen schlemmte Emil. Eine Sünde bedeutete noch kein Fegefeuer. Der Griff zum nächsten Teilchen geschah ganz unbewusst. Marie, der Name lag plötzlich leicht tänzelnd wie zartrosafarbener Tüll in der Luft. Seit einem Jahr war sie in der kleinen Bäckerei um die Ecke tätig und seitdem schlug sein Herz Purzelbäume. Marie hatte blitzblaue Augen und brünettes Haar und ihre Figur konnte nur mit rasanter Geste unter Zuhilfenahme beider Hände nachgezeichnet werden. Alles weich, alles fluffig. Genauso wie der letzte Bissen des süßen Stückchens. Zum wiederholten Mal stellte er sich Fragen. War eine Frau im Leben ein Gewinn? Sollte man zusammen wohnen? Gar heiraten? Er wog ab. Hin und her. Er prüfte sich. Er wollte Marie prüfen. Doch es geschah immer das Gleiche. Er ging in das Geschäft, bestellte, und ihr Lächeln riss ihn fast zu Boden. Jedes Mal nahm er sich vor, sie zu fragen, ob sie mit ihm Essen gehen wolle. Oder ins Kino. Oder zu „Alexandre“, dem Bistro mit den besten Austern des Viertels. Doch außer einem „Merci“ für die überreichte Backwarentüte brachte er nichts zuwege. Das Leben konnte grausam sein.
Noch grausamer allerdings traf der Erkenntnisschock. Seine Schüchternheit entsetzte ihn. Bis jetzt hatte er nicht einmal geahnt, wie tief seine Befangenheit reichte. Als Kind war er zaghaft gewesen. Als junger Mann zaudernd. Doch inzwischen war er älter und sein Handicap hatte er fast vergessen gehabt. Bis zu dem Tag, an dem Marie seine Bäckereiverkäuferin wurde.

Lärm aus dem zweiten Hinterhof drang zu ihm. Der Schlaf war gnädig. Weitere Gedankenqualen blieben ihm erspart. Durch das geöffnete Fenster wehte ein leicht kühler Wind, der mit den Gardinen spielte. Marie – langsam zog der imaginäre rosa Tüll ihn in Morpheus’ Arme. Die von Marie wären ihm lieber gewesen.

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