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Leseprobe 2

DUNKLES LICHT IN HELLER NACHT

Wolfgang A. Gogolin
Roman / Thriller

Oldigor Verlag
Covergestaltung: Klaud Design

Taschenbuch, 128 Seiten
ISBN: 978-3945016060

Nov. 2013, 8.99 EUR
Bestellen: Jetzt bestellen / auch als eBook erhältlich

Die Nacht steckte noch in seinen Gliedern. Existenz zwischen Erwachen und Dasein. Der erste bewusste Atemzug des Tages. Das erste Fühlen nach der Nacht. Nur eine Sekunde lang war alles in Ordnung. Sein Verstand suchte nach dem Fehler. Alles in Ordnung? Die tönerne Klangschale der Erkenntnis erreichte die letzen Fasern seines Körpers.
Etwas durchzog sein Gesicht. Jetzt die Augen öffnen! Der Körper stellte Forderungen. Jetzt morgendliche Bilanz ziehen! Jucken. Etwas Schweres lag auf seinem Hals. Die Schwere rieb sich an der Haut. Kitzelte sein Kinn. Zwischen dem Verlangen nach Erkenntnis und der Angst vor der Wirklichkeit hielt er die Augen weiterhin geschlossen. Wo war er?
Fiepen. Bei Gott, es fiepte und bewegte sich. Unaufgefordert öffnete sich das rechte Auge mechanisch einen Spalt. Naturgemäß schärfte sich der Blick. Langsam zog ein langer Schlauch vor seinem Auge eine Bahn. Ein behaarter langer Schlauch. Die Augen rissen auf, Gelassenheit zerfiel.
Ruckartig und schreiend stand der Mann, dessen Welt für eine kurze Zeitspanne in Ordnung gewesen war, auf. Er befand sich in der Kanalisation! Die angeschmutzte Kleidung klatschte samt menschlichen Inhalts an die Wand. Als wolle er mit ihr verschmelzen, breitete er seine Arme aus und drückte sich an die gewölbte Tunnelmauer. Die Lungen pressten Luft heraus, der Puls raste. Die Last von seinem Hals war in das Rinnsal aus Urin und Exkrementen gefallen. Das Ding am Boden bewegte sich herausfordernd und ließ keinen Zweifel daran, dass es sein Territorium war, auf dem sie sich befanden. Vorwurfsvoll sah es ihn mit stieren Augen an. Die Ratte fauchte.

„Verpiss dich!“ Der Mann löste sich von der Wand. Das Ding brachte sich schnaubend in Position. „Hau ab, du Dreckstück!“ Redete er mit einer Nutte oder mit einem Tier? Er beruhigte sich. Nur kein Stück zurückweichen. Zeigen, wer der Herr ist. Dominanzverhalten suggerieren.
Wiederholtes „Verpiss dich!“, wiederholtes Schnauben. Die Ratte wagte sich ein Stück vorwärts.
Dann, völlig unvermittelt, schrie der Mann den Urschrei der Menschheit. Geburt, Leben und Ende in Einem. Ein Schrei ohne Unterbrechung. Die Stimmbänder angespannt, der Hals sehnig. In der Kanalisation hallte der Urlaut, so als würde er sich kaskadenförmig nach oben schrauben, von den Wänden abprallen und den Kontrahenten erschlagen. Das Ding sah es ähnlich, jäh drehte es sich um und schlug rasant den Fluchtweg ein.
Es blickte sich nicht um. Ein wesentlicher Verhaltensunterschied zu den Menschen. Einen Blick zurück gönnte sich Homo sapiens meistens. Aus Angst oder Erleichterung. Doch ergab ein Rückblick Sinn? Ratten waren in jedem Fall die besseren Überlebenskünstler.

Der Mann lehnte sich an die Tunnelwand. Zurück zum Schutzwall. Er atmete tief ein und laut aus. Mehrmals wiederholte er den Versuch, durch kontrolliertes Atmen Gleichmut herzustellen. Dann wischte er sich den Schweiß von der Stirn. In seinem Mund befand sich etwas Längliches. Die Zunge umspielte die weiche Körperlichkeit. Nur nichts vom Rattenschwanz! Lass es nichts vom Rattenschwanz sein! Mit den Fingern erfasste er den bespeichelten Störenfried.

Statistisch gesehen verschläft der Mensch dreiundzwanzig Jahre seiner Lebenszeit und verspeist dabei versehentlich acht Spinnen. Ein Achtel seines statistischen Versehens hing jetzt zwischen seinem Daumen und Zeigefinger. Angeekelt schloss er die Augen und tauchte in das Nichts ein.
Klingeln. Wieso Klingeln? Hier? Das Geräusch blieb aufdringlich, brachte ihn zu einer vertrauten Geste. Der Mann fingerte in seiner Jackentasche herum. Das Handy spielte Polka.
„Mathis Durand“, meldete sich der Mann und die Stimme klang heiser. Die Wände multiplizierten den Namen. Mathis Durand. Mathis Durand. Mathis Durand.
Es klackte in der Leitung. Warum nur legte der Anrufer auf?

Szenentrenner


Capitaine Morel rieb sich die Stirn. Um aufzuwachen, um sich bewusst zu machen, dass dies alles kein Albtraum war. Das Kümmerkonto war schon jetzt weit überzogen und der Tag hatte noch nicht einmal richtig begonnen.
Mittlerweile war die Hälfte der Jungs im Büro. Nach und nach würde es sich weiter füllen. Der Capitaine dachte deutlich und seufzte. Durand würde als Letzter eintreffen, soviel war gewiss.
Ein heller Ton belästigte Morel unangemeldet. Ein heller Ton unter fast ausschließlich männlichen Kollegen? Magda zählte nicht, sie war fast ein Kerl. Gabrielle Murat! Auch das noch! Die Ärztin!
In Sicherheit bringen. Unmöglich. Akten! Sofort Akten aufschlagen und sie ausgiebig studieren, vielleicht zog der Sturm dann an ihm vorbei. Normalerweise wich Morel einer Kollision mit Frau Doktor Murat nicht aus, aber heute war er ungeneigt. Streit waberte plötzlich in der Luft, er roch ihn förmlich; Gaspard war garantiert wieder geschwätzig gewesen. Dieser verdammte Gaspard!
Die Frau flog in einem roten, wehenden Kleid mit hochhackigen Schuhen geradewegs in sein Büro ein. Der Farbton ihres Lippenstiftes signalisierte Kampf. Sicherlich hatte sie hervorragende Eigenschaften. Zwei als Frau und noch mehr als Ärztin. Aber sie war … sie war … fast so, wie seine Frau. Unerbittlich weiblich.

„Capitaine Morel!“ Docteur Gabrielle Murat stemmte beide Arme in die Hüften. Das zeigte eindeutig ein Aufblähen für ein bevorstehendes Gefecht. Körperhaltung und die energischen blauvioletten Augen sprachen ebenfalls für Gewitter. Was hatte sie nun schon wieder? Warum konnte sie nicht einfach nur hübsch sein? Gab es einen plausiblen Grund, weswegen sie immer Streit suchte? Ein Fass voller Fragen rollte auf den Capitaine zu, nach außen hin aber blätterte er gemächlich eine Seite der Akte um. Doktor Gabrielle Murat war ein empfindliches Problem. Sein empfindliches Problem.

„Doktor Murat. Was kann ich für Sie tun?“ Sanft läutete er eine scheinbare Zugewandtheit ein. Bedächtig schlug er die nächste Seite um. Bei Gott, sah das Mädel hübsch aus. Dieser Schmollmund. Hatte eine so schöne Frau es nötig, hier im Kommissariat zu arbeiten? Es gab auf dieser Erde doch sicherlich einen großzügigen Mann, für den sie sich nur nackt auf einem Bärenfell räkeln musste.

„Ich sage nur: Mathis Durand!“ Die Lippen des Schmollmunds bebten.
Der Capitaine nahm seinen Kaffeebecher zur Hand. Gut, wenn schon Blutvergießen, dann bis zum bitteren Ende. Er musterte den schönen Feind ausgiebig. Die langen Beine, die schmale Taille. Es war betörendes Blut, das er gleich vergießen würde, wenn das Geschick ihn ließ.
„Und?“, fragte er fordernd und begutachtete sie, wohlwissend, dass unabhängige Frauen es abscheulich fanden, wie Fleisch betrachtet zu werden. Doch wenn Fleisch so präsentiert wurde, warum sollte man es dann nicht mit Vergnügen zur Raserei treiben? Gerne hätte er noch eine augenscheinliche Runde über ihren Körper gedreht. Er begnügte sich indes mit einem ausführlichen Blick auf das Dekolleté. Vermutlich schwappte der Schmollmund gleich über und das Mäuschen würde ihn niederstrecken. Er grinste inwendig. Gedankenfeuerwerk für einen alten, gütigen Chauvinisten.

„Sie wissen genau, was ich meine. Mathis Durand gehört mir!“
„Durand gehört niemanden.“
„Ich werde ihn therapieren!“
„Nein!“
„Was heißt das?“
„Was an dem Wort „nein“ ist unverständlich?“ Der Capitaine pustete seinen Kaffee mit geschürzten Lippen kalt und nahm einen Schluck. Mittlerweile schaute eine höchst interessierte Schar an Mitarbeitern in das Glaskastenbüro. Ein willkommenes Scharmützel am Morgen. „Kindchen, Sie hatten ihre Chance.“
„Kindchen!?“ Gabrielle Murat schnaubte. „Kindchen!?“
Morel grinste. Jetzt hatte er sie, emanzipierte Frauen hassten das Wort „Kindchen“. Simone mochte das Wort auch nicht, es war eine Todesgrube. Gleichzeitig aber auch eine nahezu perfekte Waffe, um Frauen wütend zu machen und vom eigentlichen Thema abzulenken.

„Das verbitte ich mir. Ich bin sicherlich nicht Ihr Kindchen! Ich bin Ärztin mit psychologischer Zusatzausbildung und ich werde die Therapie mit Mathis Durand fortsetzen!“
„Nein!“
Morel stand auf, ging zur Tür und brüllte hinaus. „Habt Ihr nichts anderes zu tun als zu gaffen?“ Dann schloss er die Glastür vernehmlich, geschäftiges Treiben vor seinem Büro setzte ein. „Liebe Frau Doktor Murat!“ Morel hatte wieder eine feste Sitzposition eingenommen, rechte und linke Fingerspitzen berührten sich. Er sah durch die Pyramide hindurch, die er mit seinen Händen aufgestellt hatte.
„Sie haben es nicht geschafft, Durand zu heilen. Man kann und sollte niemanden endlos therapieren, das habe ich bereits mehrmals kundgetan. Somit ist für Sie die Möglichkeit einer weiteren Therapie nicht gegeben.“ Morel akzentuierte jedes einzelne Wort.
Die Doktorin mit Zusatzausbildung pustete. „Man kann einen Mann nicht heilen, der seine Tochter auf so unglückliche Art verloren hat. Man kann ihm nur helfen, damit umzugehen.“
„So erklärt man persönliches Versagen. Sie meinen also, dieses Lernen-damit-umzugehen-Ding ist der Grund, verehrte Frau Doktor, warum er wieder in der Kanalisation schläft?“
Gabrielle Murat ballte die rechte Faust unmerklich. „Manchmal braucht es Zeit.“
„Zeit, meine liebe Frau Kollegin, die Sie nicht mehr haben.“
„Heißt das, dass Sie ihn untherapiert lassen?“
Morel ließ die Pyramide einkrachen. „Nein, das heißt es nicht. Den Job macht nur ein Anderer.“
Doktor Murat blickte ihn eisig an. Ein widerlich kalter Windhauch zog durch das Büro.
„Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen!“
„Doch Kindchen, das ist es!“
Das rote Kleid flatterte bösartig. Fast hätte die aufgerissene Glastür das Zuschlagen nur in Splittern überlebt. Selbst Emma wurde in Schrecken versetzt, ihre Blätter vibrierten.

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