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Startseite > Bücher > Mystery-Thriller > rouven-finn verlag > Sören Prescher > MARTY I > Leseproben > Leseprobe 1

Leseprobe 1

MARTY I

Sören Prescher
Roman / Mystery-Thriller

rouven-finn verlag
Covergestaltung: Klaud Design

Taschenbuch, 225 Seiten

Mar. 2015, 13.90 EUR
Bestellen: Jetzt bestellen / auch als eBook erhältlich

An der Wohnungstür empfing ihn Carol mit strahlendem Lächeln und einem sehr, sehr angenehmen Wangenkuss. Martys Pulsschlag stieg und zauberte ihm ein ähnliches Lächeln wie seiner Angebeteten ins Gesicht. Verstärkt wurde es durch ihr atemberaubendes und für Anfang Juni viel zu luftiges Kleid. Der Ausschnitt ließ eindeutige Fantasien zu und Marty sah sich in Gedanken die Träger abstreifen. Das machte es nicht gerade einfach, Carol weiterhin ins Gesicht zu schauen. Ihre vollen Lippen und die winzige Nase zogen ihn aber ebenfalls in ihren Bann. Das, zusammen mit den schulterlangen dunklen Haaren, gab eine nahezu verboten schöne Mischung ab. Marty spürte, wie er ihr von Sekunde zu Sekunde mehr verfiel. Vergnügt gingen sie zu seinem Wagen.
„Wohin führst du mich denn heute aus?“, fragte sie während der Fahrt.
„Ins L’artiste.“ Die Worte klangen wie pures Gold und verfehlten ihre Wirkung nicht.
„Alle Achtung. Muss man die Tische dort nicht Monate im Voraus buchen?“
Betont lässig zuckte er mit den Schultern. „Wenn man die richtigen Leute kennt, ist das kein Problem.“ Was der Wahrheit recht nahe kam. Dank einiger ziemlich wohlmeinender Artikel über das Restaurant hatte ein kurzer Anruf beim Besitzer genügt, um für heute Abend im Reservierungsbuch zu stehen.
So angesehen das L’artiste war, so horrend waren die Preise. Aus Rücksicht auf sein nicht üppiges Reportergehalt entschied sich Marty für das vergleichsweise günstige Putenfilet, während Carol ohne zu zögern eine exquisite Gänseleberpastete nach Art des Hauses bestellte. Bereitwillig nahm der Ober die Bestellung entgegen und kehrte mit einer Flasche teuren französischen Rotweins zurück. Wenigstens schmeckte er gut.
Es dauerte nicht lang und die Weinflasche war bis zur Hälfte geleert. Was größtenteils Carols Verdienst war. Marty hatte nichts dagegen, denn mit jedem Glas entspannte sie sich mehr. Dazu passend wurde ihr Blick immer auffordernder. Allerdings nicht wegen der Pastete, die sie bisher kaum angerührt hatte.
Ich will dich, schienen ihre Augen zu sagen. Hier auf der Stelle.
In Martys Innerem brodelte es. Warum zum Kuckuck aß Carol nicht schneller, damit sie bezahlen und gehen konnten? Gleichzeitig ermahnte er sich selbst, sich nicht wie Barney Stinson zu verhalten. Hier ging es nicht bloß um eine schnelle Nummer, sondern um etwas Richtiges, etwas Längeres, etwas Festes. Nichtsdestotrotz sah Carol unglaublich heiß aus.
Sie fing an, ausgiebig über ihre Kindheit und den Ärger mit ihren älteren Brüdern zu reden. Marty lauschte aufmerksam und bedauerte es, als Einzelkind aufgewachsen zu sein.
„Glaube mir, manchmal ist das sehr viel besser“, sagte Carol. „Keine ständigen Revierkämpfe. Keiner, der einem ständig was wegnimmt oder kaputt macht.“
„War bestimmt nicht nur so. Später haben sie dich sicher vor zu aufdringlichen Verehrern geschützt.“
Carol lachte auf und hielt kurz inne, um sich ein winziges Stück Pastete abzuschneiden. Wieso um alles in der Welt aß sie nur solche Miniportionen? Genoss sie einfach jeden Bissen oder besaß sie eine Essstörung? Oft genug aufs Klo verschwand sie jedenfalls. Ein Punkt, der Marty seit ihrem ersten Date beschäftigte. Er war mit seinem Putenfilet fast fertig und selbst der Beilagensalat war nur noch in Ansätzen vorhanden. Außerdem verglich sie ständig seinen und ihren Teller miteinander. Sollte er ein schlechtes Gewissen bekommen, dass er schneller und mit mehr Appetit aß?
„Ich kann mich bloß an ein einziges Mal erinnern, bei dem meine Brüder dazwischen gegangen sind. Das haben sie allerdings auch nur gemacht, weil sie direkt daneben standen und ihnen der Junge auf die Nerven ging. Ansonsten haben sie sich größtenteils für Sport und Mädchen interessiert. Da blieb nicht viel Zeit für die kleine Schwester.“
„Unglaublich. An ihrer Stelle hätte ich dich wahrscheinlich keine Sekunde aus den Augen gelassen. Es laufen eine Menge Freaks da draußen herum.“
„Das ist lieb.“ Sie schaute ihm tief in die Augen. In Martys Bauch köpften die Endorphine die ersten Sektflaschen. Gleich würde sie ihn fragen, ob sie gehen wollten. Doch Carol senkte den Blick und widmete sich ihrem Essen. „Was ist eigentlich zurzeit los in der Stadt?“ Sie schnitt sich ein weiteres Minipastetenstück ab. „Du als Reporter musst doch wissen, was gerade am Köcheln ist.“
„Nichts. Im Augenblick ist es so ruhig wie am Samstagabend in der Kirche. Bloß die üblichen Sachen. Ein paar Unstimmigkeiten beim Verkehrsamt und irgendwelche Leute, die sich ungerecht behandelt vorkommen. Keine brisante Schlagzeile oder Topstory.“
Und das in einer der Städte mit der höchsten Mordrate in den ganzen USA, fügte er in Gedanken hinzu.
„Das klingt aus deinem Mund wie ein Vorwurf. Was ist denn für dich eine brisante Schlagzeile? Geheime Waffengeschäfte? Amoklaufende Psychopathen? Mörder auf der Flucht?“
„So was in der Art. Ich verrate dir mal ein Geheimnis: Wir Medienvertreter müssen immer berichten, ganz gleich, ob was Interessantes passiert oder nicht. Zeitungen wollen gefüllt werden. Deshalb gibt es manchmal völlig absurde Schlagzeilen und jede Menge Promi-Mist. Nur so bekommt man täglich seine Seiten voll. Ich glaube nicht, dass es einen Zeitungsleser sonderlich interessiert, wenn sich oben, im vierundzwanzigsten Distrikt, Straßengangs einen harmlosen Streit liefern. Erst wenn es blutig wird, wird es für die Leser interessant.“
„Das ist traurig.“
„Das ist das Leben.“ Er hoffte, das Thema damit abgehandelt zu haben. Prinzipiell sprach er gern über seine Arbeit. Ebenso über die Verbrechensstatistiken und jene Gebiete im Norden Philadelphias, von denen man sich lieber fernhielt. Aber nicht heute Abend. Bandenkriege und Drogenopfer vertrugen sich nicht mit romantischen Dates.
Marty setzte seinen Hundeblick auf und hoffte, jenen wundervollen Moment von vorhin zurückholen zu können. Seine volle Blase störte ihn dabei. Sie zu ignorieren, half nichts. „Entschuldige mich bitte für einen Augenblick“, sagte er leise und stand auf.

Beim Öffnen der Tür stieg ihm der Duft eines milden Reinigers in die Nase. Unangenehm war der keinesfalls. Marty steuerte zielsicher zum Pissoir. Der gesamte Raum war in einem weichen Grünton gehalten und strahlte ökologische Ruhe aus. Fehlten nur noch Wasserplätschern und Vogelgezwitscher.
Mit einem leisen Seufzer erledigte er sein Geschäft und überlegte, wie der Abend wohl weitergehen würde. Wollte er Carol zu einem romantischen Spaziergang einladen oder gleich die berühmte „Zu dir oder zu mir“-Frage stellen? Aus dem Augenwinkel heraus nahm er eine Bewegung wahr und schaute auf. Neben ihm stand eine drahtige Gestalt, Ende dreißig, mit ausgewaschenen Jeans und zerknittertem Hemd. Marty traute seinen Augen kaum. „Peter?! Was zur Hölle machst du hier?“
Bevor er antwortete, warf Peter einen vorsichtigen Blick in Richtung Eingangstür. „Ich bin dir gefolgt.“ Kurz schaute er zu Marty und sah sich dann weiter im Raum um.
„Ach, nein, wirklich? Warum hast mich nicht einfach angerufen? Oder besser: Warum bist du nicht einfach zu unserem Treffen erschienen? Immerhin waren wir verabredet.“
„Genau deswegen bin ich hier.“ Peter überprüfte die Toilettenkabinen. Erst als er -wirklich überzeugt zu sein schien, dass sie beide allein waren, schenkte er Marty seine volle Aufmerksamkeit. „Heute Mittag konnte ich nicht kommen, weil ich sicher war, beobachtet zu werden. Aber dann war es doch bloß der Typ aus dem Nachbarhaus. Er glaubt, ich habe ihm den Briefkasten demoliert. Ist eine ganz witzige Geschichte …“
„… die du mir bei Gelegenheit gern erzählen kannst. Jetzt verrate mir lieber, was so brisant ist, dass du nicht am Telefon darüber reden wolltest.“
„Da ist was verdammt Großes im Gange. Nicht irgendwelche kleinen Fische, sondern ein ausgewachsener Coup. Gestern habe ich ein Telefonat belauscht, in dem es um ein geheimes Treffen ging, bei dem alles über die Bühne gehen soll.“
„Was soll über die Bühne gehen?“
„Kann ich nicht genau sagen. Aber es sind wichtige Leute darin verstrickt.“
„Was für Leute?“
„Kein Kommentar. Namen nenne ich keine. Außerdem kennst du sie eh nicht.“
„Mann, deine Geheimniskrämerei nervt. Weshalb erwähnst du es überhaupt, wenn du dann doch nichts erzählst?“
„Reine Vorsichtsmaßnahme. Aber glaub mir, es lohnt sich. Es ist genau die Sache, die du brauchst, um bei deinem Chef endlich als Nummer eins dazustehen.“
Marty seufzte. „Wann findet denn das ominöse Treffen statt? Und vor allem: wo?“
„Unten im Hafen, in Lagerhalle 32. Um zwei in der Nacht. Nachmittags ist dort viel zu viel los.“
„Von wem hast du diese Information?“
„Unwichtig. Es ist ohnehin Zufall, dass ich es aufgeschnappt habe. Und wenn mich jemand fragt, streite ich alles ab. Ich habe dir das auch bloß gesagt, weil du mir oft aus der Patsche geholfen hast. Nicht auszudenken, wenn rauskommt, dass ich dir was gesteckt habe.“
Genau genommen hast du mir fast gar nichts gesteckt, überlegte Marty.
„Denk darüber nach und überleg dir, was du tun willst“, sagte Peter. „Ich sage nur, dass es sich für dich lohnen würde. Die Sache könnte aber auch verdammt heikel werden.“
Noch während er sprach, drehte er sich zum Ausgang um. Seine Schuhe quietschten auf den Fliesen. Mit der Hand auf dem Knauf verharrte er. „Vergiss nicht: Von mir weißt du kein Sterbenswort. Das ist besser für uns alle.“
Bevor Marty was erwidern konnte, verschwand der Informant durch die Tür. Verdutzt schaute er ihm hinterher und leckte sich die Lippen. Obwohl er noch immer im Dunkeln tappte, hatte Peter es geschafft, ihn neugierig zu machen. Vor allem mit der Versicherung, dass es eine Sache wäre, mit der er bei Adam glänzen könnte. Vielleicht hatte er Carol nicht die Wahrheit gesagt und in der Stadt braute sich doch etwas zusammen. Eine Topstory, wie er es vorhin genannt hatte.
Nachdenklich trat er ans Waschbecken und beugte sich hinab, um sich auch das Gesicht zu waschen. Peters Neuigkeiten hatten ihn ins Schwitzen gebracht. Beim Aufrichten schaute er in den Spiegel und erstarrte. Statt seines Spiegelbildes erblickte er eine junge Frau mit dunkelblonden Haaren und ernster Miene. Erschrocken wich Marty zurück. Sein Atem stockte.
Eine Sekunde darauf war das Frauengesicht verschwunden und der Spiegel zeigte nur einen blassen jungen Mann mit dunklen Haaren. Im ersten Moment verstärkte dies seine Verwirrung. Dann setzte sein rationales Denken ein und ihm dämmerte, dass er das Gesicht der Frau kannte. Mehr noch, er wusste von ihrem urplötzlichen Auftauchen und Verschwinden.
Dies hier war bei weitem nicht ihr erster Besuch. In den letzten Jahren hatte sie sich immer wieder mal gezeigt, meist in Momenten, in denen er es am wenigsten gebraucht hatte. Wie das möglich war oder weshalb die Frau ihn heimsuchte, verstand er nicht. Vielleicht war sie ein Hirngespinst, ein imaginärer Freund, wie ihn Kinder manchmal besaßen.
Er wusste nicht einmal mehr, wie oft er sie oder wann er sie das erste Mal getroffen hatte, nur, dass es nicht besonders häufig gewesen war. Trotzdem hatte ihm die Erscheinung eine Zeitlang wirklich Angst gemacht und er war deswegen zu einem Neurologen gegangen. Doch der hatte weder Anzeichen für ein Hirntumor noch ein Schädeltrauma gefunden. Zwei Sitzungen lang hatte er einen Psychiater sein Glück probieren lassen und es ergebnislos abgebrochen. Die ganze Angelegenheit blieb rätselhaft.
Vorsichtig trat Marty wieder ans Waschbecken und stellte den Wasserhahn ab. Was zur Hölle bedeutete dieser kurze Besuch? Weshalb zeigte sich die Frau ausgerechnet jetzt? Grübelnd kehrte er zu seinem Tisch zurück und hoffte, dass Carol nichts von seinem Schrecken bemerkte. Doch ihr ernster Blick ließ kaum Zweifel übrig. „Alles okay mit dir?“
„Keine Sorge, ich bin in Ordnung.“
Zum Glück hakte Carol nicht weiter nach. Marty lächelte dankbar.
Sie blieben noch eine reichliche halbe Stunde und Carol erzählte auf höchst amüsante Weise, wie sie gestern im Supermarkt den Wagen verwechselt hatte und sich danach zehn Minuten lang die Standpauke einer älteren Dame hatte anhören müssen. Während sie sprach, konnte Carol ihr eigenes Lachen kaum zurückhalten. Die Fröhlichkeit färbte auf Marty ab und er stimmte in das Lachen mit ein. Bereits nach wenigen Minuten hatte er Peter und die geheimnisvolle Frau vergessen.

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