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Startseite > Bücher > Mystery-Thriller > rouven-finn verlag > Sören Prescher > MARTY I > Leseproben > Leseprobe 2

Leseprobe 2

MARTY I

Sören Prescher
Roman / Mystery-Thriller

rouven-finn verlag
Covergestaltung: Klaud Design

Taschenbuch, 225 Seiten

Mar. 2015, 13.90 EUR
Bestellen: Jetzt bestellen / auch als eBook erhältlich

Es dämmerte bereits, als Marty den Taurus in einer Nebenstraße der Baltimore Avenue parkte. Absichtlich wählte er einen Parkplatz drei Häuserblocks von seiner Wohnung entfernt. Hier standen unzählige andere Mittelklassewagen, sodass sein zwei Jahre altes Auto in der Masse unterging. Unter Umständen war das sehr wichtig.
Er folgte der Avenue an einigen Reihenhäusern und Geschäften vorbei. Ein gutes Dutzend Fußgänger war unterwegs, aber niemand achtete auf ihn oder sah ihn schräg an. Trotzdem schloss Marty nicht aus, dass irgendein Kameraauge auch bei Dunkelheit jeden seiner Schritte verfolgte. Eine Straßenbahn ratterte an ihm vorbei, doch kein Fahrgast schaute in seine Richtung.
War es Wahnsinn, nach Hause zurückzukehren, wenn zwei FBI-Agenten nach ihm suchten? Noch dazu, da ihn einer der beiden persönlich kannte? Vermutlich. Aber vielleicht bestand der Hauch einer Chance, dass sie noch nicht da waren und er einige Kleidung, etwas Bargeld, die SD-Karte und das Diktiergerät holen konnte.
Um auf Nummer sicher zu gehen, beobachtete er den Hauseingang zehn Minuten lang aus sicherer Entfernung. Abgesehen von einem Rentner, der mit seinem Pudel Gassi ging, kam niemand vorbei. Trotzdem hielt er es für besser, das Haus über den Hinterhof zu betreten.
Im Treppenhaus lauschte er nach verdächtigen Geräuschen. Es gab keine. Nur den üblichen Mix aus den gedämpften Stimmen, Fernsehergeräuschen und dem Klappern von Töpfen und Pfannen auf dem Herd.
Im dritten Stockwerk zog er vorsichtig den Schlüsselbund aus der Tasche. Nach wie vor war alles ruhig. Seine Nerven blieben angespannt. Behutsam öffnete er die Wohnungstür und hielt abermals inne.
Kein Pistolenlauf blitzte ihm entgegen und auch sonst geschah nichts.
Mit klopfendem Herzen betrat er das Apartment und betätigte den Lichtschalter im Flur. Seit dem Aufbruch heute Morgen schien sich nichts verändert zu haben. Seufzend schloss er die Tür und entledigte sich seiner Jacke und seines Handys. Völlig überzeugt war er noch immer nicht. Entsprechend leise schlich er in die Küche.
Das Licht darin ging an, bevor er nach dem Schalter gegriffen hatte. Marty war viel zu perplex, um erschrocken zu sein.
„Guten Abend“, ertönte es von links. Er zuckte zusammen und hätte um ein Haar aufgeschrien.
Quentin Hallbrook saß am Küchentisch, die Hand immer noch auf dem zweiten Lichtschalter verharrend. Das Filmplakat von Extrablatt hing direkt hinter ihm, sodass es aussah, als würde ihn Jack Lemmon streng mustern.
„Nette Kamera“, sagte der FBI-Agent und schwenkte die Nikon in der anderen Hand. „Schießt du damit all deine Fotos?“
Marty fuhr herum und war bereit, hinauszustürmen. Vielleicht schaffte er ins Treppenhaus, bevor Hallbrook sich erhoben hatte. Im selben Moment erschien der andere FBI-Agent im Türrahmen und versperrte den Weg.
„Nicht so hastig, Kumpel.“ In der Hand hielt er eine silberne Pistole, deren Lauf auf Marty zeigte.
„Er fragt sich bestimmt, weshalb wir hier sind, oder, Page?“, vermutete Hallbrook mit der Stimme eines Showmasters.
„Vielleicht wollt ihr einen Kaffee trinken. Mein Latte macchiato ist echt gut.“
„Mach nur deine Witze“, knurrte Page. „Dir wird dein Lachen noch vergehen.“
Hallbrook schnalzte mit der Zunge und stand auf. „Marty war schon immer ein Spaßvogel. Schön, dass du deinen Humor nicht verloren hast. Du wirst ihn noch brauchen.“
Ein weiteres Mal fragte sich Marty, wie sie überhaupt erfahren hatten, dass er in der Lagerhalle gewesen war. Er war doch sicher gewesen, dass ihn niemand bemerkte. Und wenn sie ihn entdeckt hatten, wieso hatten sie sich ihn nicht gleich gestern Nacht geschnappt?
„Weißt du eigentlich, dass du sehr fotogen bist? Vor allem auf Überwachungsvideos“, gab ihm Hallbrook einen Tipp.
Nun endlich verstand Marty und verwarf gleichzeitig die Hoffnung, dass sie nichts vom Diktiergerät wussten. Er war so unglaublich naiv gewesen. Hatte er ernsthaft angenommen, dass bei einem solchen geheimen Treffen keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden?
„Gib uns die Aufnahmen. Dann vergessen wir die ganze Sache. Wenn du brav bist, sehen wir drei uns höchstwahrscheinlich nie wieder.“
„Vielleicht mag ich ja eure Gesichter. Sie wirken so schön unschuldig.“
„Du hattest wohl einen Clown zum Frühstück“, bellte Page. Sein Gesicht verwandelte sich in eine zähnefletschende Maske, die mehr Ähnlichkeit mit einer Bulldogge als mit einem Menschen besaß.
„Was, wenn ich euch die Sachen nicht gebe?“
„Dann bringen wir dich um“, sagte Page, ohne mit der Wimper zu zucken.
Von Hallbrook hörte Marty zuerst nur ein weiteres Zungenschnalzen. Dann war der grauhaarige FBI-Agent hinter ihm.
„So schnell geht es natürlich nicht“, raunte er ihm ins Ohr.
„Stimmt. Vorher werden wir dich ein bisschen leiden lassen.“ Der Agent schien das witzig zu finden. Bei Marty hingegen stellten sich sämtliche Nackenhaare auf. Der Mann hatte eine Art an sich, dass er ihm sofort jedwede Quälerei zutraute.
„Wilson, hör auf. Du machst ihm doch Angst!“, sagte Hallbrook leise. Dass auch er sich nicht halb so ernsthaft verhielt, wie es eigentlich hätte sein müssen, führte die Situation ins Bizarre. Zwar hatte Marty ihn bereits früher als schadenfrohen Joker erlebt, aber dies hier war einfach absurd. Wie konnten sie Scherze machen und ihn gleichzeitig mit Waffen bedrohen? Die beiden waren eindeutig geistesgestört. Umso wichtiger war es, sie nicht weiter zu reizen.
„Also gut. Nehmt die SD-Karte aus der Kamera und wir vergessen die ganze Sache.“
„Was ist mit dem Tonbandgerät?“
„Das habe ich im Flur.“
Die Agenten warfen sich einen kurzen Blick zu. Dann trat Page zur Seite, damit Marty an ihm vorbeigehen konnte. „Wenn du auch nur mit der Wimper zuckst, zucke ich mit dem Zeigefinger“, raunte er ihm zu, als sie nebeneinander standen. Dazu zwinkerte er, als hätte er einen weiteren grandiosen Scherz gemacht. Als Marty ihn anschaute, fing er an zu grinsen und schaute erneut fragend zu seinem Partner. Darf ich ihm bitte wehtun? Nur ein kleines bisschen, schien der Blick auszudrücken.
Einen Moment schien er abgelenkt. Ohne groß darüber nachzudenken, griff Marty nach der Pistole. Sie zu bekommen, war gar nicht sein Ziel. Als Wilson die Waffe instinktiv zur Seite riss, rammte Marty ihm das Knie in den Unterleib. Der Agent keuchte dumpf und presste die Oberschenkel zusammen. Seine weit aufgerissenen Augen erinnerten an Pingpongbälle, denen jemand dunkle Punkte aufgemalt hatte.
Marty stürmte zur Wohnungstür. Verdammt, was machte er hier gerade? Wieso übergab er die Sachen nicht einfach? Immerhin hatte er Kopien davon sicher verwahrt. Aber alles in ihm sträubte sich dagegen, den Agenten auch nur einen kleinen Gefallen zu tun. Hinter ihm brüllte Hallbrook etwas, das eindeutig nicht nach einem Scherz klang.
Marty eilte die Treppenstufen hinab. Meist nahm er drei oder vier auf einmal. Nach wenigen Sekunden befand er sich im Erdgeschoss. Auf der Straße spendeten lediglich die Straßenlaternen noch Licht. Instinktiv rannte er in Richtung seines geparkten Wagens. Nach der halben Strecke dämmerte ihm, wie unklug das war und er suchte Schutz hinter einem beigefarbenen Geländewagen auf der anderen Straßenseite. Er keuchte erschöpft und sein Puls raste. Dennoch war er zufrieden. Dass seine Verfolger ihn hier aufspürten, war äußerst unwahrscheinlich.

Mit einer Mordswut im Bauch stürmte Hallbrook auf die Straße hinaus. Wenn er den Mistkerl zu fassen bekam, würde er ihm schon zeigen, was es hieß, sich mit ihm anzulegen. Glaubte der Idiot ernsthaft, dies hier war irgendein harmloses Spiel? Millionen Dollar und mehrere Leben standen auf dem Spiel. Von seiner und Wilsons Karriere ganz zu schweigen. Wenn die Waffengeschäfte mit Delgado ans Licht kamen, waren sie nicht bloß ihre Jobs los, sondern wanderten für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Hallbrook ballte die Hände zu Fäusten. Wo zur Hölle ist er, hämmerte es immerfort durch seinen Kopf. Kein einziger verdammter Fußgänger war unterwegs. Selbst Autos fuhren keine. Die ganze Straße wirkte wie ausgestorben.
Hatte er das Treffen mit Marty zu locker gesehen? Im Grunde genommen hatte es nichts zu sagen, dass er und sein Vater eine gemeinsame Vergangenheit bei der Armee hatten, ja, sogar Freunde waren. Letzen Endes stand jeder für seinen eigenen Arsch ein. Und seiner ging gewaltig auf Grundeis, wenn er die verdammten Video- und Tonaufnahmen nicht in die Finger bekam.
Verdammt, warum hatte er Marty nicht gleich von Peter Vaughn erzählt? Hätte der Reporter erfahren, was seinem Spitzelfreund zugestoßen war, hätte er wahrscheinlich keinen dämlichen Fluchtversuch unternommen.
Page erreichte ihn schnaufend und stemmte die Hände in die Hüften. „Wo ist er hin?“
„Wenn ich das wüsste, würde ich hier sicherlich nicht herumstehen.“ Kurz überlegte er, auf gut Glück eine der beiden Straßenseiten hinaufzulaufen. Doch die Chance, Marty irgendwo aufzuspüren, war gering. Außerdem gab es andere Möglichkeiten. „Der Junge hatte seine Chance. Ab sofort spielen wir richtig.“

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