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Ausschnitt aus DON BALDO UND DIE FISCHMARKTBANDE von Andreas Flögel

MEERKATZEN
MEERKATZEN

Alisha Bionda (Hrsg.) / Tanya Carpenter (Autor) u.a.
Anthologie / Kurzgeschichten

Arunya-Verlag
Covergrafik: Shikomo
Covergestaltung: Shikomo
Innengrafiken: Shikomo

PFOTEN-REIHE: Band 1
eBook

Jan. 2016, 4.99 EUR
auch als eBook erhältlich

Signore Topolino sah sich um und seufzte schwer, als er, die kleine Maus, daran dachte, wie anstrengend es war, jetzt in sein Loch zu kommen. Wie immer um diese Zeit döste Don Baldo, der struppigste Kater der ganzen Küste, auf der Kaimauer. Es war kurz vor Mittag, die Sonne hatte noch nicht den höchsten Stand erreicht und ihre Strahlen wärmten angenehm in der leichten Brise, die vom Meer heranwehte. In einer halben Stunde würde der Don ein schattiges Plätzchen aufsuchen, wie er es jeden Tag tat, zuverlässig wie ein Zugvogel im Herbst, nur dass er der Sonne wich, während die Vögel ihr folgten.
Doch so lange konnte Signore Topolino nicht warten. Eine Maus hatte nun einmal weder die Zeit, noch die Geduld, im hellen Sonnenlicht auszuharren. Er wollte sein Loch in der Wand erreichen, flink wie der Blitz in die dunkle Kühle des Mauerwerks eintauchen, auch wenn dies bedeutete, sich an einem Kater vorbeizuschleichen. Andererseits handelte es sich hierbei um Don Baldo, sodass sich Signore Topolino nicht wirklich ängstigen musste.
Wie er aus Erfahrung wusste, kam es vor allem darauf an, sich an ein paar einfache Regeln zu halten, dann hatte er nichts zu befürchten. Als Erstes galt es, so lange wie möglich einen großen Abstand zu der Katze einzuhalten und dabei jegliche Deckung zu nutzen. Natürlich war Signore Topolino klar, dass der Kater ihn längst bemerkt hatte und jeden seiner Schritte durch die Schlitze der nur anscheinend geschlossenen Augen verfolgte. Er brauchte sich also keine Hoffnung zu machen, unentdeckt zu bleiben. Aber die Maus hatte nur ein einziges Mal, zu Beginn ihrer Bekanntschaft, den Fehler gemacht, diesen Teil abzukürzen und offen den direkten Weg über den Schotter zu nehmen. Der Don hatte dies als Frechheit und Respektlosigkeit seiner Person gegenüber gesehen und war damals ernsthaft erzürnt gewesen. Mit Schaudern erinnerte sich Signore Topolino an die Zähne, die sich in seinen Leib bohrten, seinen ganzen Körper wild hin und her schüttelten und ihn schließlich kraftvoll gegen die Steine schleuderten. Nein, keinesfalls würde er dem Don noch einmal einen Grund geben, zornig zu werden.
Hatte er so endlich und auf vielen Umwegen den Schatten der Steine erreicht, blieb der Maus nichts anderes übrig, als, tief gegen die Mauer geduckt, auf Don Baldo zuzuschleichen, da das Eingangsloch gleich neben dem Liegeplatz des Katers lockte. Hier kam die nächste Regel zum Tragen, nämlich höflich und respektvoll zu sein, ruhig auch etwas unterwürfig.
„Buongiorno, edler Don Baldovino.“ Es schadete nie, hier den vollen Namen zu verwenden. „Ich hoffe, die Strahlen der Sonne haben dein Gemüt erwärmt, oh Mächtiger, sodass du in deiner übergroßen Güte diese kleine Maus unbehelligt passieren lässt.“
Nun, Signore Topolino sah sich als gebildete Maus, und ursprünglich traute er sich kaum, so dick aufzutragen. Er nahm an, der Kater würde sich bei dieser Schleimerei veräppelt fühlen. Doch musste er feststellen, dass Don Baldo mit feinen Nuancen wenig anfangen konnte. Er wollte es triefend, also bekam er es auch so.
Um so überraschter war Signore Topolino über Don Baldos Erwiderung. „Ach lass gut sein, Lino. Schlüpf einfach durch. Ich bin heute nicht in Stimmung.“
Signore Topolino erstarrte mitten in der Bewegung. Das hatte es noch nie gegeben. Seit Wochen folgte ihre morgendliche Begegnung demselben vorbestimmten Ablauf, jeder einzelne Abschnitt hatte seine Choreografie, jeder Schritt war genauestens festgelegt, gleich einem Menuett am Hofe eines feudalen Königs. Und nun das. Ein totaler Bruch mit allen Konventionen. Das allein genügte schon, Signore Topolino in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Doch es war nicht nur, was der Kater sagte, es war auch das Wie. Die Stimme war so kraftlos, der Ausdruck so herzerweichend verloren, es war kaum vorstellbar, dass diese Klänge aus dem Mund des – wie er sich selbst oft nannte – „allereinzigartigsten“ Don Baldovino kamen. Und war da nicht sogar noch ein leiser Seufzer zu hören gewesen?
Signore Topolino hielt nicht nur einiges auf seine Bildung, noch wichtiger war ihm seine Fähigkeit zum Mitfühlen. Sofort beschloss er, sein heutiges Tagewerk liegen zu lassen und herauszufinden, was es mit dem Verhalten des Katers auf sich hatte.
„Du meine Güte, Baldo, was ist passiert? Hast du dir eine Krankheit eingefangen, ist dir nicht gut?“
Der Kater rührte sich nicht, sein Blick blieb in die Ferne gerichtet. „Nein, keine Erkrankung. Ich musste nur erkennen, wie vergänglich unser Sein und Tun ist. Wo ist der Sinn? Ich will es dir sagen, Lino. Er ist nirgends, es gibt ihn nicht. Ob wir etwas machen oder auch nicht, alles ist einerlei.“
Im letzten Moment hielt sich Signore Topolino davon ab, die kleine Krallenhand tröstend auf das Fell des Katers zu legen. „Ach, trübe Gedanken, die solltest du am besten schnell verscheuchen. Ich habe mir sagen lassen, auf dem Fischmarkt soll es heute besonders saftige Brocken geben. Willst du nicht lieber einige Pläne schmieden, wie du sie dir schnappen kannst? Das heitert dich doch bestimmt wieder auf.“
Bei der Erwähnung der schmackhaften Fischstücke hob der Kater den Kopf und Signore Topolino dachte schon, er hätte sein Ziel, Don Baldo aufzuheitern, erreicht. Doch gleich darauf sank der struppige Kopf mit dem eingerissenen Ohr wieder hinunter auf die Pfoten.
„Ach nein, dazu habe ich keine Lust.“
Nach einer kurzen Denkpause folgte der nächste Vorschlag der Maus. „Dann vielleicht eine Jagd, die bringt das Blut in Wallung, danach fühlst du dich sicher erfrischt und wie neu.“
„Und was, bitte, soll ich jagen?“
Signore Topolino seufzte nun selbst. Wohin einen ein mitfühlendes Herz doch bringen konnte. „Na, du könntest zum Beispiel mich ein wenig durch die Gegend scheuchen.“
Diesmal richtete sich Don Baldo sogar auf. „Oh, eine großartige Idee. Ich meine, es wird nicht lange vorhalten, weil du es nicht einmal bis zur Mitte des Platzes schaffen wirst. Im Eifer der Jagd werde ich dich dann sicher noch ein paar Minuten am Leben lassen, um zu spielen, ehe dein endgültig letztes Stündlein geschlagen hat. Aber doch, du hast recht, zumindest für kurze Zeit würde das meine Stimmung heben.“
Nun bekam Signore Topolino doch etwas kalte Pfoten. Bei allem Mitleid, vielleicht ging das ein wenig zu weit. „Ach, vergiss es. Ich möchte mich nicht aufdrängen.“
„Schade, wie gesagt, es hätte mich sicher aufgeheitert.“ Der Blick des Katers wanderte wieder in die Ferne und die Maus atmete erleichtert auf. Blöde Idee, das nächste Mal sollte er doch besser vorher nachdenken.
„Ich glaube, ich könnte dir am besten helfen, wenn ich eine Ahnung hätte, was die Ursache deiner Schwermut ist.“
Eigentlich hatte Signore Topolino angenommen, dass Don Baldo nicht so schnell mit der Sprache herausrücken würde, aber es schien, als hätte der Kater nur auf eine Gelegenheit gewartet, endlich ausführlich davon berichten zu können.

Shikomo
Shikomo
© http://www.shikomo.de

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