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Man darf sich selbst nicht aus den Augen verlieren

Interview mit Oliver Plaschka, geführt von Tanya Carpenter am 16. Nov. 2009.


Oliver Plaschka Oliver Plaschka
Oliver Plaschka erhielt 2008 den Deutschen Phantastik Preis für sein Roman-Debüt „Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew“. Im Frühjahr 2010 wird sein neuer Roman bei Klett-Cotta erscheinen.

Tanya Carpenter führte via E-Mail ein Interview mit dem sympathischen Autor aus Speyer.

T.C.: Vielen Dank, Oliver, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst.

O.P.: Aber gerne doch. Vielen Dank für die Gelegenheit, sich zu unterhalten!

T.C.: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?

O.P.: Nun, ich habe ziemlich lange studiert, eine Menge seltsamer Jobs gehabt, und mache, wenn ich kann, auch gerne Musik. Meistens halte ich mich in Speyer und Heidelberg auf.

T.C.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus? Was würdest Du selbst als Deine Fehler oder Schwächen bezeichnen?

O.P.: Das überlasse ich den Menschen, die mit mir zu tun haben ... Eine Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass es ziemlich egal ist, was man von sich selbst hält, und man sollte es nicht überbewerten.

T.C.: Wolltest Du immer schon Schriftsteller werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?

O.P.: Es war nicht direkt ein Plan, aber nun auch nicht gerade ein Zufall. Ich habe meinen ersten Roman mit 14 geschrieben; "Fairwater" ist streng genommen der vierte Roman, den ich abgeschlossen habe. Hätte ich keine Chance erhalten, Kontakte zur Verlagswelt zu knüpfen, hätte ich einfach weiter vor mich hingeschrieben, auch wenn der Leidensdruck, immer nur "für die Schublade" zu arbeiten, nicht zu unterschätzen ist.

T.C.: Für Deinen ersten Roman „Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew“ hast du 2008 den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie Deutsches Roman-Debüt erhalten. Magst du uns ein wenig über den Roman erzählen?

O.P.: "Fairwater" ist ein Episodenroman, der in einer kleinen Stadt an der amerikanischen Ostküste spielt. Die Bewohner der Stadt werden in verschiedene mysteriöse Vorkommnisse verwickelt. Im Laufe von sieben Kapiteln fügt sich nach und nach zusammen, was tatsächlich in der Stadt passiert: da gibt es finstere Agenten, wahnsinnige Dichter, sprechende Tiere, außerirdische Prinzessinnen, verliebte Vampire ... aber, wie kritische Rezensenten oft anmerkten, auch ziemlich viel Drogen und Rockmusik.

T.C.: Wie bist Du auf die Idee zu dem Roman gekommen?

O.P.: Durch einen Stephen King gewidmeten Schreibwettbewerb auf arte ... einen Unikurs ... und wahrscheinlich auch durch Rockmusik.

T.C.: Wie entwickelst Du Deine Charaktere? Und bist Du ihnen beim Schreiben sehr nah oder wahrst Du eher die Distanz?

O.P.: Meine Charaktere stehen mir sehr nahe, anders könnte ich auch nicht arbeiten. Das heißt nicht, dass sie mir ähnlich sein müssen – nur, dass ich sie mögen muss, selbst die unsympathischen.

T.C.: Welcher Charakter des Romans ist Dir am nächsten? Und welcher hat sich selbst für Dich überraschend entwickelt?

O.P.: Ich habe ein ziemlich enges Verhältnis zu Marvin, Lysander und Gloria. Der shooting star der Nebenfiguren war aber sicherlich Mandelblum.

T.C.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt angehst? Oder arbeitest Du eher spontan und intuitiv?

O.P.: Ich habe früher eher spontan gearbeitet. Dann begann ich, während des Arbeitens die nötigen Strukturen festzuzurren; mittlerweile gebe ich mir Mühe, so viel möglich schon vorab zu klären. Das erleichtert einfach die Arbeit. Ich hätte es früher aber nicht gekonnt, und auch nicht gewollt.

T.C.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?

O.P.: Auch da hat sich viel geändert. Früher war ich ein Nachtschreiber; einige Passagen von "Fairwater" entstanden morgens um 5. Heute schreibe ich am liebsten Vormittags. So oder so, ich brauche eine Menge Kaffee dafür.

T.C.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?

O.P.: Ungestörtheit brauche ich schon. Meistens mache ich sogar Klingel und Telefon aus. Es geht aber nur darum, nicht unterbrochen zu werden. Manchmal höre ich Musik beim Schreiben, oft sogar ziemlich laut.

T.C.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?

O.P.: Wenn möglich, trenne ich gerne. Leider geht das aber nicht immer. Mittlerweile arbeite ich manchmal sogar am selben Tag an verschiedenen Projekten; es geht also schon, gut finde ich es aber nicht.

b>T.C.: Könntest Du dir vorstellen, auch in anderen Genres zu schreiben und wenn ja, in welchen?

O.P.: Science Fiction, Fantasy, Phantastik liegen mir alle gleichermaßen am Herzen. Wenn es sich ergäbe, könnte ich mir auch historische Texte oder Krimis vorstellen, aber noch habe ich da etwas Berührungsängste, und großen Respekt vor den Autoren, die das gut beherrschen. Es muss ja aber auch nicht sein.

T.C.: Du bist ja auch in Anthologien vertreten. Was macht für dich den Reiz dabei aus und was muss eine Anthologie bieten, damit du einen Beitrag dazu schreiben möchtest?

O.P.: Ich mag Kurzgeschichten, und finde es sehr schade, dass ihre Vermarktungschancen seit langer Zeit recht schlecht sind. Kurzgeschichten sind nicht einfach bloß kurze Texte, sondern eine eigene literarische Form, die einem ganz andere Möglichkeiten bietet als ein Roman. Eine Kurzgeschichte von acht Seiten kann einem unter Umständen mehr Arbeit machen als ein Kapitel von achtzig Seiten, und in den meisten Fällen kriegt man kein oder nur ein minimales Honorar dafür. Wichtig ist mir daher, dass die Anthologie professionell editiert wird; Thema, Texte, Autoren, alles muss stimmen. Ich habe selbst schon an Sammlungen mitgearbeitet, und weiß daher ganz gut, wie viel Arbeit das ist.

T.C.: Es gibt von dir ein Buch zum Rollenspiel „Narnia“, wo du mit einem anderen Autor zusammengearbeitet hast. Schreibst du generell lieber solo, oder könntest du dir auch künftig vorstellen, mit einem anderen Autor zusammen zu schreiben. Falls ja, gäbe es da Favoriten?

O.P.: Ich arbeite prinzipiell sehr gerne mit anderen Autoren zusammen, und die Arbeit mit Ulrich Drees am Narnia-Rollenspiel hat auch gut funktioniert und großen Spaß gemacht. Es kann aber auch extrem viel schief gehen. Ohne ein solides Konzept und ein Höchstmaß an beiderseitigem Vertrauen hat so etwas keinen Sinn. Von daher habe ich auch keine besonderen "Wünsche", was zukünftige Projekte angeht; es muss sich einfach finden.

T.C.: Bist du selbst aktiver Live-Rollen-Spieler, und magst du uns ein bisschen davon erzählen?

O.P.: Ja, ich habe früher recht viel Rollenspiel gemacht, auch Live, vor allem Fantasy und Vampire. Heute komme ich nur noch selten dazu, finde das aber auch nicht schlimm. Es war eine tolle Zeit, und ich habe eine Menge erlebt. Von einigen dieser Eindrücke kann ich auch heute beim Schreiben noch zehren.

T.C.: Du hast ja auch schon als Übersetzer gearbeitet. Was reizt dich daran und arbeitest du auch künftig in dieser Richtung?

O.P.: Da muss man unterscheiden. Ich habe einige Übersetzungen gemacht, weil ich sie als Herausforderung ansah; nächstes Jahr kommt im Blitz-Verlag beispielsweise ein Band, für den ich eine Kurzgeschichte James Branch Cabells übersetzen durfte, den ich sehr bewundere. Ich bin aber froh, jetzt auch für Publikumsverlage zu arbeiten, weil mir die Arbeit nämlich Spaß macht, und gemessen an all den Aushilfstätigkeiten, von denen ich viele Jahre zu leben versuchte, auch fair bezahlt ist.

T.C.: Liest Du regelmäßig? Wenn ja, was bevorzugt?

O.P.: Leider nicht mehr so viel wie früher. Mein Geschmack ist recht konservativ; es gibt viele alte Klassiker, die ich noch lesen muss, und wenn ich einen Autor für mich entdeckt habe, bleibe ich ihm auch treu. T.H. White war so jemand, den ich viel zu lange vor mir hergeschoben hatte. Auch E.R. Eddison steht noch auf meiner Liste.

T.C.: Hast Du irgendwelche Idole oder Vorbilder? Generell oder als Autor?

O.P.: Peter S. Beagle hat mich immer sehr berührt, vor allem die Art, wie er mit seinen Figuren umgeht, und wie Texte, Lieder und Gedichte in seiner Fantasie alle ineinander übergehen. Auch Mervyn Peake oder Lord Dunsany wären wohl Vorbilder, vor allem stilistisch. Ich werde zwar nie schreiben können wie sie, muss das aber auch nicht. Ich denke, dass man von vielen Autoren lernen kann, wenn man sich nur eingehend mit ihnen und ihrem Werk beschäftigt. Man darf aber auch sich selbst nicht aus den Augen verlieren dabei.

T.C.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?

O.P.: Nun, ohne meine Agentur, Schmidt & Abrahams, wäre ich heute nicht hier. Das ist eigentlich alles, was es dazu zu sagen gibt ...

T.C.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu den Lesern?

O.P.: Ich finde es sehr wichtig, und sehr schön, Menschen zu haben, denen die gleichen Dinge gefallen wie einem selbst, und mit denen man sich austauschen kann. Wer dabei der Autor, und wer der Leser ist – ich, sie, jemand anderes – ist aber egal.

T.C.: Wie schaltest Du ab, bzw. tankst Du auf?

O.P.: Man muss einfach einmal von allem wegkommen können. Entweder mit Menschen, mit denen man auch andere Interessen als berufliche teilt, oder indem man in Urlaub verschwindet. Ich bin zum Beispiel sehr gerne am Meer.

T.C.: Noch eine abschließende Frage, die Deine Leser sicher brennend interessiert. Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

O.P.: So lange weitermachen, wie ich kann! Nächstes Jahr wird sehr aufregend für mich, und wohl auch einige Weichen stellen. Es fängt an mit den "Magiern von Montparnasse" im Februar bei Klett-Cotta. Weitere Projekte sind in Vorbereitung, und dann ... wer weiß?

T.C.: Vielen Dank für das geduldige Beantworten meiner Fragen.

O.P.: Ich danke Dir!

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