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Ganz am Anfang steht die Kernidee

Interview mit Michelle Raven, geführt von Tanya Carpenter am 03. Apr. 2010.


Michelle Raven Michelle Raven
„Michelle Raven“ schreibt Romantic Suspense Romane. Aktuell macht sie mit der Ghostwalker-Reihe bei Egmont LYX von sich reden. Bücher waren schon immer ihr großer Lebensinhalt. So studierte sie Bibliothekswesen und war einige Jahre in verschiedenen Bibliotheken tätig, unter anderem auch in der Library of Congress in Washington DC. Heute arbeitet sie im Braunschweigischen Landesmuseum und Staatlichen Naturhistorischen Museum als Bibliotheksleiterin.

Tanya Carpenter führte via E-mail ein Interview mit der sympathischen Autorin aus Braunschweig.

T.C.:Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
M.R.: Das mache ich gerne. Ich bedanke mich für das Interesse.

T.C.: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
M.R.: Eigentlich nicht wirklich viel, ich bin genauso wie jeder andere. Ich liebe Bücher. Und ich reise gerne und sehe mir faszinierende Landschaften an. Ich finde es toll, dass ich das mit dem Schreiben verbinden kann.

T.C.: Was kam zuerst? Die Arbeit als Bibliothekarin oder das Schreiben?
M.R.: Die Arbeit als Bibliothekarin. Ich habe erst 1999 mit dem Schreiben angefangen, als mir eine Idee kam, die ich unbedingt aufschreiben wollte. Tatsächlich habe ich vorher nie das Bedürfnis verspürt, etwas zu Papier zu bringen, auch keine Kurzgeschichten oder ähnliches.

T.C.: Wie wichtig sind Bücher für dich und wie wichtig das Schreiben?
M.R.: Bücher bedeuten mir sehr viel. Ich habe mich eigentlich immer mit Büchern umgeben, zuerst als Leser, dann als Bibliothekarin und schließlich auch als Autorin. Ein Leben ohne Bücher könnte ich mir gar nicht vorstellen. Das Schreiben ist mir in den 11 Jahren auch sehr wichtig geworden und ich hoffe, es noch lange tun zu können.

T.C.: Mit Romanen wie „Unheilvolle Begegnung“, „Riskante Nähe“ oder „Canyon der Gefühle“ hast du deine ersten Autorenerfolge erzielt. Magst du uns etwas darüber erzählen?
M.R.: „Canyon der Gefühle“ war damals mein erster Roman, entstanden aus dieser Idee, die ich 1999 hatte. Ich habe drei Jahre daran geschrieben – immer mal wieder ein paar Seiten – und es wurde sofort beim Bertelsmann Club angenommen, als es fertig gestellt war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich nie darüber nachgedacht, es Verlagen anzubieten, deshalb kam das Ganze ziemlich überraschend für mich. Noch bevor es erschienen war, habe ich den zweiten Band der Hunter-Serie geschrieben und war erstaunt, wie gut die Bücher bei den Lesern ankamen. Ermutigt durch diese ersten Erfolge, habe ich immer weitergeschrieben.

T.C.: Seit 2009 erscheint deine „Ghostwalker“-Reihe bei Lyx. Wie kam es dazu?
M.R.: Den ersten Band „Die Spur der Katze“ habe ich eigentlich als Spaßprojekt neben einem ‚Pflicht’-Projekt angefangen und hatte gar nicht die Absicht, es veröffentlichen zu lassen. Doch dann hat es meinen beiden Erstlesern gefallen und ich habe es an meinen Agenten gegeben. Er war auch davon begeistert und hat es an Lyx geschickt.

T.C.: Erzähl uns doch ein wenig darüber, was uns in der Reihe erwartet und auf wie viele Bände sie ausgelegt ist.
M.R.: In Ghostwalker geht es um Gestaltwandler, genauer gesagt eine Gruppe Berglöwen, die sich auch in Menschen verwandeln können (und anders herum). Es kommen aber auch andere Wandlerarten vor, so z.B. Adler und Leoparden. Generell geht es darum, dass die Wandler in der heutigen realen Welt versteckt in der Wildnis leben, damit die ‚normalen’ Menschen nichts von ihrer Existenz erfahren. Meine Geschichte setzt nun dort ein, wo doch Menschen von ihnen erfahren haben und einer der jugendlichen Wandler entführt wird. In jedem der Bücher geht es um ein anderes Hauptpaar, aber die früheren Charaktere spielen weiter mit, während die Wandler darum kämpfen, immer neuen Versuchen, sie gefangen zu nehmen oder zu töten, zu entkommen. Derzeit habe ich die Serie auf 6 Bände angelegt.

T.C.: Dein neuester Roman heißt „Pfad der Träume“. Worum geht es dabei?
M.R.: ‚Pfad der Träume’ handelt von dem Versuch der Leopardenwandlerin Kainda einen Weg zurück nach Afrika zu finden. Vor einigen Monaten war sie gemeinsam mit ihrer Schwester Jamila von einem Jäger gefangen genommen und in die USA gebracht worden. Dort wurden sie von ihm gezwungen, dabei zu helfen, die Berglöwenwandler daran zu hindern, ihren entführten Jugendlichen zu finden. Kainda ist nun also im südlichen Kalifornien unterwegs, als sie merkt, dass sie verfolgt wird. Bei ihrer Flucht wird sie von einem Truck angefahren und schwer verletzt. Der Fahrer bringt sie in die Tierklinik des San Diego Wild Animal Parks, wo sich der Tierarzt Ryan Thorne um sie kümmert. Doch auch dort ist sie nicht sicher und schon bald muss sie wieder um ihr Leben kämpfen – und um Ryans.

T.C.: Finden sich die Charaktere der einzelnen Bücher in der Gesamtreihe wieder, oder sind es alles eigenständige Romane mit unabhängigen Protas?
M.R.: Prinzipiell könnte man die Romane auch einzeln lesen, aber da es einen übergreifenden Plot gibt, der sich durch alle Bände zieht und sich die Charaktere auch immer weiter entwickeln, wäre es schon gut, mit dem ersten Band anzufangen. Die Hauptprotagonisten sind in jedem Band andere, aber sie spielen größtenteils schon in früheren und auch in späteren Bänden mit und auch einige der Nebenfiguren waren bereits Hauptcharaktere oder werden es in folgenden Bänden. Es spielt schon größtenteils in allen Büchern das gleiche ‚Personal’ mit.

T.C.: Wenn du deine früheren Romane mit „Ghostwalker“ vergleichst, wie würdest du die Unterschiede und Entwicklung in eigene Worte fassen?
M.R.: Früher habe ich reine Romantic Suspense geschrieben, also romantische Spannungsromane, in der Ghostwalker-Serie ist nun noch ein paranormales Element dazugekommen. Trotzdem sind auch diese Geschichten in der realen Welt angesiedelt, es geht um Liebe und Gefahr, es hat sich also eigentlich nicht so viel geändert.

T.C.: Wie kommst du auf die Plots für deine Geschichten?
M.R.: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich kann mir keine Plots ergrübeln, sondern bin auf ständig neue Ideen angewiesen, die mir irgendwann zufliegen. Meist, wenn ich gerade etwas ganz anderes tue. Ist die Grundidee erst einmal vorhanden, ist es einfacher für mich, ein Gerüst der Geschichte zu erstellen und es mit immer weiteren Szenen zu füllen, bis ich das Gefühl habe, mit dem Schreiben anfangen zu können.

T.C.: Wie entwickelst Du Deine Charaktere? Und bist Du ihnen beim Schreiben sehr nah oder wahrst Du eher die Distanz?
M.R.: Manchmal denke ich, die Charaktere entwickeln sich selbst. Ich versuche immer, die Charaktere der Geschichte und vor allem auch den anderen Figuren anzupassen – aber manchmal entwickelt sich die Geschichte auch nach den Vorgaben der Charaktere. Wichtig ist mir, dass die Protagonisten mir sympathisch sind und ihre Motive und Taten glaubhaft. Die Antagonisten können gerne richtig fies sein – irgendwie mag ich sie dann trotzdem.

T.C.: Welche Charaktere deiner Romane stehen Dir besonders nahe? Und welche haben sich selbst für Dich überraschend entwickelt?
M.R.: Aus meinen älteren Romanen ist immer noch Clint (‚Riskante Nähe’) mein Liebling, bei den Frauen mag ich Sam (‚Eine unheilvolle Begegnung’) sehr gerne. Bei den Ghostwalkern drängt sich immer wieder Marisa nach vorne, die Heldin aus ‚Die Spur der Katze’ und bei den Männern ist Torik mein heimlicher Liebling. Das ist auch so ein Fall, der sich überraschend entwickelt hat, eigentlich war er gar nicht eingeplant, als er plötzlich im ersten Band auftauchte und danach dann eine immer größere Rolle bekommen hat. Es passiert mir öfter mal, dass eine Nebenfigur ein wenig die Show an sich reißt.

T.C.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt angehst? Oder gehst Du eher spontan und intuitiv an ein Werk heran?
M.R.: Ganz am Anfang steht die Kernidee, die mich ganz unerwartet überfällt. Danach sammele ich dann über Monate oder manchmal auch Jahre weitere Ideen dazu, bis ein Grundgerüst steht und ich weiß, wo die Geschichte beginnt und wohin sie führt. Die handelnden Personen entstehen auch irgendwann zwischendrin und ich ordne sie dann noch ein wenig, denke über ihre Hintergründe nach, usw. Recherche über die Gegend, in der die Geschichte spielt, und andere Details darf natürlich auch nicht fehlen. Wenn ich dann das Gefühl habe, dass die Geschichte ‚reif’ ist, beginne ich mit dem Schreiben.

T.C.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
M.R.: Ich arbeite ganztags und kann deshalb in der Woche nur abends nach Feierabend schreiben. Am Wochenende habe ich dann mehr Zeit dafür und es kann durchaus passieren, dass ich den ganzen Tag durcharbeite.

T.C.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?

M.R.: Ja, Ruhe ist ganz wichtig (also keine Störungen – leise Instrumentalmusik geht) und am besten ein aufgeräumter, kahler Arbeitsplatz, damit ich mich nicht ständig ablenken lasse.

T.C.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
M.R.: Ich schreibe meine Bücher chronologisch hintereinander weg und nie zwei gleichzeitig. Es kann aber natürlich passieren, dass ich an einer Geschichte schreibe und mittendrin ein Lektorat für das vorherige Buch ansteht. Das reißt mich immer ein wenig raus, aber anders ist es leider nicht zu machen wenn ich im Jahr zwei Bücher veröffentliche.

T.C.: Könntest Du dir vorstellen, auch in anderen Genres zu schreiben und wenn ja, in welchen?
M.R.: Derzeit eigentlich nicht. Mit meinen Genres Romantic Suspense und Romantic Fantasy habe ich genug Abwechslung. Es könnte nur sein, dass ich irgendwann noch einmal etwas mehr in Richtung Thriller schreibe, wie ich es unter Michaela Rabe schon getan habe. Aber es wird immer auch eine Liebesgeschichte geben.

T.C.: Liest Du regelmäßig? Wenn ja, was bevorzugt?
M.R.: Ich lese eigentlich ständig, meist wenn ich mit Bus und Bahn zur Arbeit fahre, zu Hause schaffe ich es leider kaum noch, weil ich dann die Zeit zum Schreiben nutzen muss. Ich lese am liebsten Romantic Suspense.

T.C.: Hast Du irgendwelche Idole oder Vorbilder? Generell oder als Autorin?
M.R.: Generelle Idole oder Vorbilder habe ich nicht und auch beim Schreiben eigentlich nicht. Es gibt aber natürlich Autoren, die ich sehr gerne lese, wie z.B. Lisa Gardner, Sandra Brown, Linda Howard oder im paranormalen Bereich Nalini Singh.

T.C.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
M.R.: Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, wusste niemand davon. Irgendwann hat es dann meine Freundin Ina gelesen und mich auf dem Weg zur Veröffentlichung begleitet. Mit meinem Mann habe ich darüber gesprochen, bevor ich das erste Manuskript an Bertelsmann geschickt habe. Sonstige Freunde und Bekannte haben es erst erfahren, als das Buch bereits zu kaufen war. Sehr wichtig ist auch meine Kritikleserin Steffi, die mich immer wieder auf Dinge aufmerksam macht, die ich selbst nie bemerken würde. Ich bin auch sehr froh, in ihr einen Ansprechpartner für alle anderen größeren und kleineren Probleme, die es im Literaturbetrieb nun mal gibt, zu haben. Für meine Ghostwalker-Romane steht mir eine wunderbare Außenlektorin zur Verfügung, die ich jederzeit um Rat fragen kann, auch wenn gerade kein Lektorat ansteht. Ansonsten freue ich mich auch, in der Autorenvereinigung DeLiA (Deutschsprachige Liebesroman Autor/Innen) sehr nette Kollegen zum Austausch gefunden zu haben.

T.C.: Wäre es für Dich denkbar, mit einem anderen Autor gemeinsam an einem Roman zu schreiben? Und wenn ja, welche Voraussetzungen sollten da gegeben sein?
M.R.: Ich halte es für sehr schwierig, zu zweit an einem Roman zu schreiben. Vorteilhaft wäre sicher, dass man so viel mehr Ideen hat, bzw. sie miteinander besprechen und ausbauen kann. Aber zwei unterschiedliche Schreibstile in einem Roman so zu vermengen, dass es sich wie aus einem Guss anhört, halte ich fast für unmöglich.

T.C.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu den Lesern?
M.R.: Sehr wichtig. Schon seit dem Erscheinen meines ersten Buches habe ich eine Homepage (inzwischen sind es schon drei) und es gibt auch die Möglichkeit, mir eine Nachricht per Email zu schicken oder sich im Gästebuch einzutragen. Ich bin in einigen Foren aktiv dabei und habe dort bereits viele nette Leser kennengelernt. Ich nehme auch an Leserunden zu meinen Büchern teil und mache Lesungen, wodurch man gleich noch näheren Kontakt zu den Lesern hat.

T.C.: Schreibst du auch Kurzgeschichten?
M.R.: Eigentlich nicht, ich kann mich so schlecht kurz fassen. Ausnahme war die Kurzgeschichte ‚All Inclusive’ in der Bertelsmann-Anthologie ‚Mordsgeschichten’ (und später noch mal in ‚Sonne, Meer und Liegestuhl’) und gerade habe ich eine Kurzgeschichte zu meinen Ghostwalkern geschrieben, die ebenfalls in einer Bertelsmann-Anthologie erscheinen wird.

T.C. Würde es dich auch reizen, in Anthologien mitzuwirken und wenn ja, was müsste eine Antho bieten, damit Du dafür schreiben willst?
M.R.: Für mich ist eine Kurzgeschichte viel Arbeit (weil es mir eben nicht so liegt und ich sehr viel Mühe und Zeit hineinstecken muss, um sie kurz zu halten), die durch das Honorar nur unzureichend gedeckt wird. Deshalb sehe ich das eher als Prestige-Sache und schreibe nur für Anthologien, die gut verbreitet werden (großer Verlag, guter Vertrieb) und in denen andere bekannte, möglichst auch internationale Autoren vertreten sind.

T.C.: Wie schaltest Du ab, bzw. tankst Du auf?
M.R.: Am liebsten im Urlaub, in den USA oder irgendwo anders, wo ich weit weg vom Alltag bin.

T.C.: Noch eine abschließende Frage, die Deine Leser sicher brennend interessiert. Welche Pläne hast Du für die Zukunft und was darf man von dir schreibmäßig erwarten?
M.R.: Diese Woche werde ich den vierten Ghostwalker-Band anfangen, der dann vermutlich 2011 erscheinen wird. Irgendwann zwischendurch wird auch noch einmal das Feinlektorat für den dritten Band auf mich zukommen, der für den Dezember eingeplant ist. Allgemein werde ich die weiteren Ghostwalker-Bände vorplanen und 2010/2011 wohl Band 5 und 6 schreiben. Aber auch meine Romantic Suspense-Romane werde ich in nächster Zeit weiterschreiben, darauf freue ich mich schon sehr.

T.C.: Vielen Dank für das geduldige Beantworten meiner Fragen.
M.R.: Bitte, gerne.


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