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Jeder Autor sollte sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen

Interview mit Thomas Backus, geführt von Florian Hilleberg am 29. Nov. 2011.


Thomas Backus Thomas Backus
Hallo Thomas,

„Zombies – sie werden Dich fressen“ ist dein erstes Buch. Doch schon lange zuvor hast du Kurzgeschichten verfasst und veröffentlicht. Wie bist du zum Schreiben gekommen und was macht dir daran so viel Spaß?


Ich habe schon immer viel gelesen. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, auch mal schlechte Geschichten zu erwischen – und irgendwann sagte ich mir: Das kannst du besser. Wobei es von Vorteil war, dass ich mit einer sehr lebhaften Phantasie gesegnet bin.


Wieso ausgerechnet Horror und speziell ein Buch über Zombies? Was gibt es Neues über die lebenden Toten zu berichten?

Als Kind habe ich Märchen geliebt. Später die klassischen Sagen der Antike, oder deutsche Sagen. Hexen, Drachen und allerlei Ungeheuer waren für mich praktisch alltäglich. Ich las dann irgendwann GESPENSTER-GESCHICHTEN, und später JOHN SINCLAIR. Meine ersten Geschichten veröffentlichte ich dort als „Leserstory der Woche“.

Von allen Geschichten mit phantastischem Hintergrund hat mich Horror immer am stärksten fasziniert, weil das Übernatürliche in unsere alltägliche Welt hereinbricht.
Es kann uns also alle treffen – jederzeit.

Das ist auch die Grundidee von „Zombies! Sie werden Dich fressen!“. Klar, ich habe schon etliche Zombiefilme gesehen, aber die Zombiefizierung geschieht immer in den USA – und ich wollte mal sehen, was passiert, wenn es uns Deutschland erwischt.
Schusswaffen sind hier eher selten, und wir greifen auch nicht so selbstverständlich zur Kettensäge.
Außerdem finde ich, dass sich jeder Autor mit der Gesellschaft auseinandersetzen sollte, und auch mit den aktuellen Problemen. Massentierhaltung und Fleischkonsum, Altersheime, Hartz 5, Machtmissbrauch … all das war mir wichtig.



Die apokalyptischen schreiber Die apokalyptischen schreiber
© Thomas Backus
Wie lange hat die Arbeit an „Zombies ...“ gedauert?

Ziemlich lange. Die ersten Zombiegeschichten (die ich jedoch für das Buch sehr stark überarbeitete) schrieb ich 1993 – Sie erschienen in einem streng limitierten Fanzine, das nur auf dem damaligen Marburg-Con vertreiben wurde.
Das eigentliche Buch ging ich an, als „In Blut geschrieben“ der Apokalyptischen Schreiber veröffentlicht war. Ich wusste einen Verlag im Hintergrund, und das erleichtert die Arbeit doch sehr.
Ich habe viele Ideen gesammelt, einzelne Geschichten geschrieben, einige Geschichten verworfen, die restlichen in Reihenfolge gebracht und angepasst (es gibt einen roten Faden, der sich durch die Geschichten zieht), und noch ein paar wenige Geschichten verworfen, andere dazugeschrieben.
Dann holte ich mir die Meinungen meiner Apokalyptischen Mit-Schreiber ein, und überarbeitete die Geschichten nochmals – ebenso nach dem sehr kritischen Lektorat von Anke Brandt (die das Buch erheblich verbessert hat).



Wie kam der Kontakt zum Persimplex Verlag zustande?

Der Verlag hat uns gefunden. Peter Göring sprach uns Apokalyptische Schreiber an, und wollte mit uns ein Buch machen. Dabei ließ uns unser Herausgeber alle Freiheiten. Wir konnten uns praktisch austoben.
So entstanden unsere Anthologie „In Blut geschrieben“ und Hazys Roman „Fast tot“.
Dabei ist er ein Risiko eingegangen, schließlich hat Persimplex vorher gar keinen Horror im Programm gehabt.



Von dem Buch „Zombies – sie werden Dich fressen“ gibt es zwei Fassungen. Eine zensierte und eine ungekürzte, quasi der Director's Cut. Aus welchem Grund ist das so? Ich denke, wer sich derartige Literatur besorgt, der geht davon aus, dass es nichts für schwache Mägen oder die katholische Sonntagsschule ist.

Cover Unrated Cover Unrated
© Thomas Backus
Tja, da ist das Lektorat schuld. Anke hat nicht nur die Rechtschreibung unter die Lupe genommen, sie geizte auch nicht mit Kommentaren zum Inhalt. Dabei wollte sie gerne den Text entschärfen, und zwar, darauf weist sie ausdrücklich hin, vor allen Dingen was die sexuellen Passagen betrifft (Und hier traf es vor allen Dingen „Kurtchen und die Frauen“). Sie sagt, dass das Buch das nicht nötig hat.
Ich überlegte sehr stark, wie weit ich zu entschärfen bereit war – und hätte lieber die besagte Geschichte komplett aus dem Buch genommen, als sie zu zerstückeln. Ich wollte die Nekrophilie nicht andeuten, sondern in all ihrer Verwerflichkeit auch schildern. Wobei Kurtchen ja nicht wirklich Böses tut – denn das würde voraussetzen, dass er zwischen Gut und Böse unterscheiden kann …
Anke meinte, dass die Geschichte an sich noch schockierender wäre, wenn seine aten nur angedeutet würden … und da Du ja beide Fassungen gelesen hast, was ist Deine Meinung dazu?
Bei „Zombies im Mädchenpensionat“ wurde hauptsächlich die Sprache entschärft. Von Porno in Softporno, sozusagen.
Ach ja, und „Happy Zombie-Slapping“ und „Zombie-Ballern“ waren auch ganz schön heftig, da habe ich auch zurückgerudert.
Aber ich fragte meinen Verleger, ob man nicht eventuell eine harte Fassung für spezielle Horrorfans machen könnte – und der Verlag willigte ein. Ich weiß nicht, ob das bei einem anderen Verlag, als eben Persimplex auch gegangen wäre.



Welche Literatur bevorzugst du privat?

Ich habe mit dem Lesen von Heftromanen angefangen, und das tue ich immer noch. Ansonsten nach wie vor Stephen King, Clive Barker, Dean Koontz. Und alles von Lovecraft.
Ich habe „Der kleine Hobbit“ gelesen, und „Herr der Ringe“, bevorzuge aber im Fantasy-Bereich „Conan“. Im Bereich SF Robert A. Heinlein.
Aber ich mag auch Klassiker. „Der Pate“ war grandios, und „Der Fänger im Roggen“, und seit „Frühstück bei Tiffany“ bin ich der grandiosen Sprache von Truman Capote verfallen.
Natürlich lese ich noch viel mehr, und ich würde noch mehr lesen, wenn ich mehr Zeit hätte.



Welche Autoren haben Dich maßgeblich beeinflusst?

Zum einen Stephen King, denn seine Geschichten spielen gleich Nebenan. Und Hugh Walker (Hubert Straßl), weil er mir zeigte, dass der Horror auch in Deutschland zuschlägt.


Wovon lässt Du Dich inspirieren?

Von allem und nichts. Klar, die Ideen liegen auf der Straße, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht. Das Leben schreibt die Geschichten.
ABER: Gute Ideen liegen auch in schlechten Büchern (oder Filmen). Immer wenn man sich ärgert, dass Potential verschwendet wurde, liegt darin unter Umständen der Anstoß für eine bessere Geschichte.



Thomas Backus Thomas Backus
Wie sieht ein Arbeitstag im Leben von Thomas Backus aus? Gibt es eine bestimmte Tageszeit, in der Du besonders kreativ bist?

Allerdings – ich bin ein Frühaufsteher und schreibe am Kreativsten am Morgen. Mit einer oder zwei Tassen Kaffee und einem Kopf, in dem die Träume der Nacht noch lebendig sind.


Was kommt nach den Zombies? Welches Projekt willst du als nächstes in Angriff nehmen?

Gute Frage. Im Moment arbeite ich an Weihnachtsgeschichten (kein Horror). Ich will da ein eigenes Buch voll bekommen, schaffe aber nur 2 Geschichten pro Jahr (sie sollen ja auch originell sein).
Außerdem wird es Zeit, dass ich einen Roman fertigstelle. Habe da zwei Kandidaten, an denen ich immer wieder mal arbeite …



Was ist dem Menschen Thomas Backus wichtig?

Geld nicht. Es wäre zwar schön, welches zu haben, aber wenn ich geldgeil wäre, würde ich meine Zeit nicht mit Schreiben verschwenden.
Mir ist es wichtig, dass ich etwas hinterlasse, wenn ich diese Welt verlasse (und das wird früher oder später passieren).
Natürlich habe ich nichts dagegen, dass den Leuten meine Geschichten schon jetzt gefallen – im Gegenteil: ich genieße es, wenn ich sie vor Publikum vorlese, und ich die Reaktionen der Zuhörer mitbekomme.



Lieber Thomas, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für deine zukünftigen Projekte.

Ich habe Dir zu danke, Florian. Schon zu sehen, dass sich mein bescheidenes Werk in das Zombie-Special von Dir einfügt … ich fühle mich sehr wohl dort!
Thomas Backus macht als Zombie eine gute Figur.
Thomas Backus macht als Zombie eine gute Figur.
© Thomas Backus


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