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Der häufige Vorwurf „Bei der Phantastik ist ja eh alles nur ausgedacht!“ beruht auf einem Denkfehler. ALLE Literatur ist rein fiktiv – meine Professorin nannte das den ‚Realitätstrugschluss’

Interview mit Laura Flöter, geführt von Alisha Bionda am 22. Feb. 2012.


Dieses Interview ist Teil der Kolumne:

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A. Bionda
87 Beiträge / 27 Interviews / 31 Kurzgeschichten / 5 Artikel / 59 Galerie-Bilder vorhanden
Laura Flöter Laura Flöter
Alisha Bionda führte den ersten Teil eines umfangreichen Interviews mit LAURA FLÖTER - u.a. zu ihrem Debütroman DER ENGELSEHER, der jüngst im Fabylon-Verlag erschienen ist.

A.B.: Liebe Laura, zum Einstieg möchte ich Dir erst einige persönliche Fragen stellen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
L.F.: Oh, sicherlich ganz verschiedene Dinge – je nachdem, wen man fragt! Ich interessiere mich für fast alles, bin neugierig und habe immer viel vor – und noch mehr Ideen, was es da sonst noch so alles gibt. Es ist wirklich sehr schade, dass ein Tag nur 24 Stunden hat und man deshalb eine Auswahl treffen muss. Mir fällt es oft schwer, mich auf einen Weg festzulegen, weil ich immer glaube, ich verpasse dann etwas anderes. Tragisch!

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
L.F.: Also, eigentlich sagt man ja, Eigenlob stinkt – aber wenn Du mich schon fragst: Ich weiß genau, was ich will – und was ich nicht will. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, bringt mich nichts mehr davon ab. Ich bin also vor allem beharrlich. Na ja, man könnte es auch ‚stur’ nennen, denke ich. Das ist wohl eine Frage der Perspektive. Ansonsten bin ich fleißig und angemessen diszipliniert. Ich kann gut planen und organisieren und mich dann auch daran halten – mehr oder weniger jedenfalls. Zudem würde ich von mir sagen, dass ich kreativ bin – aber ohne eine sprudelnde Phantasie hätte ich wohl gar nicht erst mit dem Schreiben angefangen. Oder mit dem Malen. Allerdings würde ich wohl viel mehr Geld verdienen, wenn mir Informatik oder Technik genauso liegen würde wie Schreiben oder Malen. Aber ich fürchte, das kann man nur teilweise beeinflussen.

A.B.: Was magst Du, und was eher nicht?
L.F.: Das ist eine sehr allgemeine Frage. Mal sehen. Ich mag mit Freunden zusammen sein, Spaghetti Carbonara, Tee und spazieren gehen. Ich mag Tiere, Regen und Gewitter und lange, laue Sommernächte am Meer. Ich mag meine persönliche Freiheit und respektiere die anderer Menschen. Ich bin dankbar dafür, mehr oder weniger so leben zu können, wie ich es für richtig halte, und ich hasse es, dass es auf dieser Welt so viele Menschen gibt, die andre daran hindern, das Gleiche zu tun!

A.B.: Welche Hobbies hast Du?
L.F.: Mein allerliebstes Hobby sind phantastische Rollenspiele – ich spiele seit etwas mehr als zehn Jahren mit annähernd der gleichen Clique, und zwar jeden Sonntag Abend. Das ist ein fester Termin in der Woche, und der ist mir sehr wichtig; wir wechseln dabei zwischen fantasy und Phantastik und spielen Das Schwarze Auge oder World of Darkness/Crossover. Aber ich gehe auch gern ins Kino, ins Theater und in die Oper oder in Museen und Kunstgalerien. Außerdem reite ich, wenn ich auch leider längst nicht mehr soviel Zeit dafür habe, wie mir lieb wäre, und ich lese natürlich leidenschaftlich gern! Immer abends vor dem Einschlafen, und, wenn die Zeit es zulässt, auch morgens, eine Tasse Kaffee lang.

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
L.F.: Ich glaube, diese Frage kann ich sehr kurz und präzise beantworten: Ich wollte das schon immer. Das Schreiben von Geschichten und das Buch als der Gegenstand, der sie enthält, haben mich schon immer fasziniert. Es war immer ein großer Traum von mir, so etwas auch einmal selbst zu tun – und jetzt ist es tatsächlich passiert. Unglaublich!

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
L.F.: Ich fing mit dem Schreiben an, sobald ich Rechtschreibung und Alphabet einigermaßen beherrschte – also in der Grundschule. Mein erstes Schreibgerät war ein Aufziehfüller, schwarz mit dunkelrotem Muster, das weiß ich noch genau, den meine Eltern mir geschenkt hatten. Ich war völlig entzückt von diesem Füller! Damals liebte ich die Nils Holgersson-Zeichentrickserie über alles, und so schrieb ich zunächst vor allem Gänsegeschichten – Abenteuer von Däumling und Martin, die ich mir selbst ausgedacht hatte, aber auch Geschichten über unsere vielen Haustiere. Ich schrieb auf unliniertes Papier, malte Bilder dazu und tackerte dann alles zusammen – fertig war das ‚Buch’! Die habe ich auch heute noch. Geschichten waren aber schon immer in meinem Kopf; als ganz kleines Kind habe ich mit meinen Freundinnen stundenlang Fantasiespiele gespielt. Aufs Papier fanden die Geschichten aber erst mit dem Schreibenlernen.

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt „angehst“?
L.F.: Ich habe inzwischen auf jeden Fall meine Methode gefunden. Meist beginnt alles mit einem winzigen Splitterchen – das kann eine Figur sein, ein bestimmtes Ereignis oder Bruchstück einer bestimmten Szene. Dann entwerfe ich, wenn sie noch nicht ‚da’ ist, die Hauptfigur und lege die Handlung in groben Zügen fest und notiere dabei alles, was mir sonst noch dazu einfällt – eine Kulisse, eine Skizze der Figurenbiographie oder auch nur einen einzigen Satz. Dann schreibe ich einfach los; nebenher entwickle ich Handlung, Schauplätze, Figuren und Konflikte weiter. Dabei notiere ich mir sehr sorgfältig, was sich aus dem Text ergibt – Informationen über die Hintergrundwelt und die einzelnen Charaktere, die Konflikte in Kurzfassung, die Motivationen der Figuren etc., und bringe es in einen systematischen Zusammenhang; das ist sehr wichtig, um die Logik der fiktiven Welt und der Figuren durchzuhalten, die drin leben. Mit diesem Vorgehen habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Allerdings halte ich mich nie sklavisch an meine eigenen Vorgaben; ich schreibe zwar wenn möglich am geplanten Handlungsverlauf entlang – eine Geschichte fängt nun mal am Anfang an und hört am Ende auf – aber wenn es an einer Stelle ‚klemmt’ oder sich etwas andres ‚vordrängelt’, das mir spontan einfällt, ändere ich die Reihenfolge eben und gucke, was sich daraus ergibt; so lösen sich ‚Knoten’ ganz oft quasi ‚rückwirkend’ auf, weil sich etwas ergeben hat, das logischerweise auch das Vorangegangene irgendwie betrifft und einem so über die Stelle hinweghilft, mit der man Schwierigkeiten hatte. Ein Text ist für mich ein ‚lebendiges’ Gebilde, das kann man nicht in starre Abläufe zwängen. Er muss ein Gerüst haben, aber auch den Raum, um zu wachsen und sich zu entfalten – eben wie das Korallenriff, das ich in Deinem SunQuest-Interview beschrieben habe!

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
L.F.: Also, da, muss ich sagen, passe ich nicht ganz in’s Schriftsteller-Klischee – ich setze mich morgens an meinen Arbeitstisch und schreibe los. Punktum. Ausflüchte gelten nicht – na ja, zumindest nicht immer ;) Ich habe keine exklusive Schreib-Zeit, auch wenn es natürlich Tage gibt, an denen die Worte einfach nicht so richtig wollen. Aber das ändert sich dann meistens auch für heute nicht mehr – deshalb lasse ich es dann einfach ganz und mache etwas Anderes, z.B. an meiner Dissertation schreiben; die möchte ja auch nicht vernachlässigt werden! Wenn ich aber sowieso nicht den ganzen Tag Zeit für’s Schreiben habe, dann lege ich meine Schreibstunden in den Nachmittag. Zwischen 16 und 20 Uhr bin ich eigentlich am kreativsten. Auch, wenn ich malen möchte, bevorzuge ich diese Zeit. Ganz allgemein sind bei mir die Morgenstunden besser für ‚Sachliches’, und der Nachmittag für ‚Kreatives’ – jedenfalls empfinde ich das so.

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
L.F.: Früher habe ich beim Schreiben gern Musik gehört, die von der Stimmung her gerade zum Text passte; irgendwann habe ich dann zu rein instrumentaler Musik gewechselt, ohne Vocals – z.B. Apocalyptica. Inzwischen empfinde ich aber ständige Nebengeräusche an sich als störend, brauche also besondere Ruhe. Keine Ahnung, wie das kommt – vielleicht ist Metal an sich einfach zu laut für leise Gedanken...

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
L.F:: Ich kann ganz gut auch an verschiedenen Projekten zugleich arbeiten, nehme mir aber nie mehr als drei Texte zeitgleich vor, denn dann beginnen sie sich gegenseitig zu stören. So habe ich aber oft erlebt, dass Texte sich wechselseitig beflügeln, wenn auch jeder seinen eigenen Rhythmus hat: Hat ein bestimmter Text gerade einen ‚Wachstumsschub’, d.h. läuft es gerade besonders gut mit dem Schreiben und treiben die Ideen kräftig aus, dann fordert das mehr Aufmerksamkeit, so dass ein anderer etwas in den Hintergrund treten muss; aber dann geht es auch wieder andersherum. Glücklicherweise ist mir aber noch nie passiert, dass zwei Texte gleichzeitig so ‚explodiert’ sind – das stelle ich mir anstrengend vor!

A.B.: Welchen Genres ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten?
L.F.: Das ist keine Frage – mein Genre ist die Phantastik, sowohl beim Malen als auch beim Schreiben. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich intensiv mit der phantastischen Kunst und Literatur auseinandergesetzt und daraus sehr viel für meine eigene Arbeit gewonnen; auch in meiner Dissertation geht es teilweise um das Phantastische. Seine große Faszination besteht für mich in seiner engen Verschwisterung mit unserer Lebenswirklichkeit – das klingt seltsam, ist aber tatsächlich so; das Phantastische formt die empirische Realität in Bilder um, was ihm ermöglicht, Zusammenhänge verständlich zu machen, ohne seitenweise Erörterungen zu bemühen. Sie deutet, ohne zu erklären, deshalb ist die Phantastik für mich die Königsdisziplin der Literatur. Und sie ist ein anspruchsvolles Genre: Denn zum einen müssen treffende Bilder für das gefunden werden, was man wiedergeben möchte – das bedeutet, man muss sein Thema wirklich verstanden haben. Und dann darf die bildliche Logik im Text nicht mehr gebrochen werden.
Der häufige Vorwurf „Bei der Phantastik ist ja eh alles nur ausgedacht!“ beruht auf einem Denkfehler. ALLE Literatur ist rein fiktiv – meine Professorin nannte das den ‚Realitätstrugschluss’; fiktiv-realistische Literatur wird gern für ‚wahr’ gehalten, aber das ist sie nicht. Sie besitzt genauso wenig, wie man in der Logik sagen würde, einen Wahrheitswert, wie das Phantastische. In der Gestaltung eines Textes geht es nicht um wahr oder nicht wahr, sondern um einen ästhetischen Modus, eine Darstellungsweise; diese kann natürlich einem speziellen Thema passend oder unpassend erscheinen, persönlich gefallen oder nicht gefallen – aber sie kann nie richtig oder falsch sein.

A.B.: Im Januar ist im Fabylon Verlag in der ARS LITTERA Dein Roman “Der Engelseher” erschienen. Schilder uns doch bitte kurz, was den Leser darin erwartet.
L.F.: „Der „Engelseher“ erzählt die Geschichte von Jeásh, den Schwermut und Wahnvorstellungen plagen, seit er sich erinnern kann, ohne dass er weiß, warum – er kennt seine Herkunft nicht. Als er versucht, sich umzubringen, wendet sich Malach, sein Schutzengel, von ihm und dem Guten an sich ab, an das er immer geglaubt hat – er ‚erlischt’. Er gibt Jeásh und seiner menschlichen Schwäche die Schuld an seinem eigenen Unglück und will ihn vernichten, um ihn dafür zu bestrafen. Das aber droht die Ordnung der Welt zu verletzen, der alle Engel verpflichtet sind. Und so ist Ezariel, Jeáshs schwarzer Engel, plötzlich gezwungen, für seinen Sterblichen zu kämpfen – und gegen das Böse selbst, das er in sich trägt und dem er die Treue geschworen hatte. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, muss er etwas an Jeásh finden, dass er lieben kann – aber mit der Liebe hat Ezariel eigentlich für immer gebrochen. Dass Jeásh selbst Gefühle für seinen dunklen Beschützer entwickelt, macht es für beide nicht leichter. Dann finden sie heraus, woher Jeásh wirklich kommt, und das stellt die Welt, die sie bisher kannten, auf den Kopf. Es geht also im Grunde um die Macht der Liebe – und ob sie wirklich jede Grenze überwinden kann.

A.B.: Hast Du ein Vorbild – literarisch und/oder allgemein?
L.F.: Vorbilder im engeren Sinne habe ich nicht – man kann ohnehin nur sein eigenes Leben leben, und so sein wollen wie jemand andres macht einen auf Dauer, glaube ich, eher unzufrieden. Aber selbstverständlich gibt es viele Menschen, die mich beeindrucken und die mir ein Beispiel davon gegeben haben, was möglich ist, was man erreichen kann. Was das Schreiben angeht: Ganz besonders bewundere ich Michael Ende – ein großer Literat mit einer unerschöpflichen Vorstellungskraft und unvergleichlichem sprachlichen Vermögen, dem das phantastische Genre nicht nur in Deutschland enorm viel zu verdanken hat.

A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder mit einem Co-Autor (wie im Fall des Romans „Maskentanz“ in der SunQuest-Serie) arbeiten? Wer würde Dich da noch reizen?
L.F.: Offen gestanden: Was das betrifft, bin ich Einzelgängerin. Bei „Maskentanz“ war es so, dass wir jeder von uns ein eigenes Exposé hatte, nach dem wir gearbeitet haben – das ergab zwei ganz unterschiedliche Geschichten, auch, wenn sie hinterher einen Band darstellten und die Handlungen ineinander griffen. Sicherlich haben wir das ein oder andre abgesprochen, aber die Zusammenarbeit hat, muss ich sagen, meinen Schreibprozess kaum beeinflusst. Für mich war das aber auch genau die richtige Art von Zusammenarbeit – ich könnte mir nur schwer vorstellen, einen einzigen Text gemeinsam mit einem andren Autor zu schreiben. Ich brauche da ganz klar mein eigenes Reich, in dem ich meine Ideen, meinen Stil und meine Vorstellungen umsetzen kann.

A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt?
L.F.: Ich lese natürlich sehr gerne Phantastisches, aber ich schränke mich da nicht ein; vor einiger Zeit habe ich „The Road“ von Cormac McCarthy gelesen, außerdem etwas von Juli Zeh und Jonathan Franzen – also auch Fiktiv-Realistisches. Ich finde es wichtig, sich mit möglichst vielen unterschiedlichen Texten auseinanderzusetzen, gerade, wenn man selber schreiben möchte, um seinen literarischen Horizont und damit auch den eigenen Vorstellungsschatz und das persönliche Ausdrucksvermögen zu erweitern. Gutes Erzählen beruht auf Regeln, die über Genre und Gattung hinaus gültig sind.

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?
L.F.: Bisher habe ich ja auch hier gar keine Erfahrung – aber ich weiß, dass er mir SEHR wichtig sein wird! Man schreibt ja einen Text, damit er gelesen wird – wie mein alter Prof immer sagte: „Ein Text in der Schublade ist kein Text, das ist ein Stapel Papier mit Zeichen drauf!“ Insofern möchte ich natürlich unbedingt daran teilhaben, WIE mein Text gelesen wird – ob er auch so wirkt, wie ich es mir gewünscht habe. Und das erfährt man nur, wenn man mit den Lesern sprechen kann. Hoffentlich werde ich bald und ausgiebig Gelegenheit dazu bekommen!

A.B.: Wie gestaltet sich dieser?
L.F.: Also, daran knobele ich gerade noch ein bisschen. Interviews wie dieses hier öffnen natürlich ein Türchen in die ‚Dichterwerkstatt’, aber eigentlich ist der Leser ja nur indirekt am ‚Gespräch’ beteiligt. Im Augenblick denke ich darüber nach, mir z.B. eine zusätzliche Seite bei facebook einzurichten, auf der man sich austauschen kann, oder so etwas, und einen Blog habe ich ja auch. Da werde ich wohl ein wenig experimentieren müssen, wie ich das am besten gestalte, und das persönliche Gespräch ersetzt es natürlich sowieso nicht.

A.B.: Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen?
L.F.: Na, das hoffe ich doch! Ich habe ein paar ‚Kontakte zweiten Grades’ zu Buchhandlungen, d.h. ich kenne jemanden, der jemanden kennt ... und vielleicht wird sich da etwas einrichten lassen; der Verlag wird sicherlich auch das ein oder andre in die Wege leiten. Und ja, natürlich, ich liebe Cons, Messen und Veranstaltungen rund um Fantasy! Ich bin eigentlich jedes Jahr auf der Role Play-Convention in Köln, hin und wieder auch noch auf der SPIEL in Essen. Außerdem gehe ich mit meiner Rollenspiel-Clique auf jede pen&paper-Con, die sich anbietet – die FeenCon in Bonn, die RatCon in Dortmund, aber auch die kleinen Hauscons rund um das Ruhrgebiet, wie die Pogo in Köln, die KrähenCon in Krefeld oder die KlingenCon in Herne. Sobald der „Engelseher“ erschienen ist, werde ich vorab bei der jeweiligen Orga anfragen, ob ich ein paar Seiten lesen darf ... die meisten, gerade kleineren Cons, freuen sich ja über jeden zusätzlichen Programmpunkt!

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
L.F.: Also, da waren natürlich zum einen meine Lehrer – meine Grundschullehrerin war begeistert von meinen selbstgemachten Büchern, und da ich auf eine Montessori-Grundschule gegangen bin, wo wir immer die ersten beiden Unterrichtsstunden ‚Freiarbeit’ hatten, das heißt, wir durften uns selbst aussuchen, womit wir uns beschäftigten, hatte meine Begeisterung für Geschichten natürlich viel Raum, sich zu entfalten. Auf der weiterführenden Schule trat das in den Hintergrund, aber meine Deutschlehrer lobten mich immer für meine Schreibbegeisterung. Aus eigenem Interesse besuchte ich viele Schreibwerkstätten; besonders wichtig für mich war das Seminar von Uschi Zietsch. Ich habe außerdem weiterhin viel gelesen und einfach immer weiter geschrieben. Als meine Großmutter noch gelebt hat, ‚lektorierte’ sie meine ersten Geschichten – maschinengetippt und selbst illustriert! Bücher und Lesen spielten in meiner Familie immer eine besonders große Rolle. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie meine Mutter uns Kindern vorgelesen hat – auch viel phantastische Kinderliteratur, wie „Krabat“ oder „Die Brüder Löwenherz.“ Ich bin sogar ganz entfernt verwandt mit August Derleth, der ein Freund von Lovecraft war und u.a. mit ihm am Cthulhu-Mythos gearbeitet hat. Daher habe ich also wahrscheinlich mein ‚phantastisches Gen’.... Überhaupt begegnete meine ganze Familie meinen Schreibversuchen und meiner Begeisterung für Bücher und Geschichten mit großer Freude; ich glaube, das war noch viel wichtiger als eine echte ‚Schreiberziehung’. Beim offiziellen Schreiben spielt meine Freundin Melanie eine große Rolle; wir spielen schon sehr lange pen & papers-Rollenspiele, was ein riesiger Fundus an Anregungen ist. Mellie und ich sind bei Kunst und Literatur insgesamt ziemlich auf einer Wellenlänge. Wenn es grade ‚klemmt’, hat sie immer ein offenes Ohr. So jemanden zu haben ist ein Riesenglück! Oh, und dann ist da natürlich noch Pastis, die ‚Flöterkatze’ und Liebling der ganzen Familie – er legt sich zwischen mir und meinem Laptop auf meine Unterarme und schläft und schnurrt. Das unterstützt mich ungemein!

A.B.: Welchen Rat würdest Du Newcomer-Autoren für die Verlagssuche geben?
L.F.: Also, zunächst einmal muss ich sagen, dass ich mich selbst noch als absolute Newcomerin verstehe. Ich habe zwar schon ein, zwei Sachen gemacht, aber ich bin noch Lichtjahre davon entfernt, eine arrivierte Autorin zu sein, und, wenn ich realistisch bin: Es steht in den Sternen, ob ich jemals so weit komme. Deshalb fühle ich mich nicht so wirklich in der Position, schon Ratschläge zu geben. Ich kann nur erzählen, wie es bei mir gelaufen ist, und hoffen, dass es anderen, die noch genauso auf dem Weg sind wie ich, ein bisschen Mut macht. In meinem Fall war es, wie bei so vielen anderen auch, ein elend langer und enorm anstrengender Prozess. Vier Jahre lang habe ich versucht, meinen Erstling, den „Sternenlichtschatten“, irgendwo unterzubringen – da war ich vielleicht achtzehn oder neunzehn, jedenfalls so zu Abiturzeiten. Ich schrieb also sämtliche große Verlagshäuser an und schickte ihnen ein nettes Schreiben und ein paar Seiten Probetext – das ist in jedem Fall ein ganz wichtiger Punkt: Ehe man sein Manuskript irgendwo hinschickt, muss man sich erkundigen, was der Verlag sehen möchte. Meiner Erfahrung nach ist das völlig unterschiedlich, auch, wenn sie überhaupt eine Sparte haben, in die der eigene Text passen könnte. Im Vorhinein habe ich also schon jede Menge Recherchen angestellt und meine Einsendung dann entsprechend konzipiert. Ein großer Verlag hätte meinen Text dann fast genommen, aber leider scheiterte das Manuskript dann in der letzten Instanz. Ergo: Absage. Das war sehr bitter, ich hatte mich schon unglaublich gefreut. Aber Absagen in letzter Minute, das hab ich inzwischen raus, sind einfach Alltag, wenn man in meinem Bereich tätig sein will und einen bestimmten Bekanntheitsgrad unterschreitet. Nachdem es da also nicht geklappt hatte, begann ich mit der Suche nach Kleinverlagen, die vielleicht interessiert sein könnten – auch das war enorm zeitaufwändig, denn ich hatte ja noch nie einen Verlag von innen gesehen und keine Ahnung, wie man so etwas systematisch angeht. So stieß ich dann per Zufall auf den Zeitspur-Verlag. Der verlegt zwar keine fantasy, aber ich schrieb trotzdem hin – und erhielt eine der wenigen Antworten, die überhaupt zurückkamen! Mein Text passe nicht ins eigene Programm, aber der Text gefalle sehr und man kenne da jemanden – Frau Zietsch vom Fabylon-Verlag. Der Text sei ihr schon zugegangen, das sei hoffentlich in meinem Sinne, viel Erfolg und mit freundlichen Grüßen. Zwei Wochen später bekam ich eine nette Email von Uschi – ob wir nicht einmal telefonieren wollten? Ich bin fast aus dem Anzug gehüpft vor Aufregung! Auch sie mochte den Text sehr gern, leider war er aber für ihren Verlag zu groß. Ob ich nicht eine andere Geschichte hätte, die kürzer sei ...? Bäm! So hat es bei mir angefangen. Auch wenn zwischen dieser Email und dem ersten fertigen Text JEDE MENGE Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen nötig waren – ich hab durchgehalten, und darauf, muss ich sagen, bin ich schon stolz. Meine Tipps für alle, die schreiben wollen, wären also: Zäh sein. Hart arbeiten. Und ein bisschen Glück haben.

A.B.: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?
L.F.: Da ich bisher nur für den Fabylon-Verlag gearbeitet habe, kann ich das natürlich nur eingeschränkt beurteilen. In dem Kleinverlag von Uschi Zietsch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich alle Personen kenne, die mit mir an meinem Text arbeiten, und die Möglichkeit habe, mich mit ihnen auszutauschen; das schafft Vertrauen, und das ist die Voraussetzungen dafür, dass sich Text und Autor entwickeln und ihr Potential ausschöpfen können. So habe ich persönlich sehr viel gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar – und natürlich überhaupt dafür, als absolute Newcomerin gefördert zu werden.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?
L.F.: Augenblicklich arbeite ich an einem Märchenroman – meinem ersten selbst entworfenen Romanprojekt! Die Geschichte spielt im selben Universum wie die des „Engelsehers“, aber auf einer andren Welt, vor einer dystopischen fantasy-Kulisse. Jeónathar, der junge Protagonist, macht sich auf eine Suche, denn bei seinem Volk, den Arkhalaéyi, die halb Mensch, halb Vogel sind, gibt es keinen Zweiten Namen für ihn; ohne diesen aber kann Jeó nicht erwachsen werden. Die Sternseherin, die geistige Führerin seines Stammes, rät ihm deshalb, fortzugehen – „Der Schatten deines Vaters liegt auf dir“, erklärt sie ihm. Deshalb macht sich Jeó auf nach Neverlôr, ein Legendenreich, denn auf dieser Reise, heißt es, finde man sich selbst. Aber auf diesem Weg begreift er, dass er seinen Namen nicht erhalten wird, wenn er nicht herausfindet, wer sein Vater ist – und was die Worte der Sternsehenden bedeuten.

A.B.: Zum Abschluss noch die Frage: Wirst Du von einer Agentur vertreten?
L.F.: Nein, ich vertrete mich selbst – jedenfalls bisher. Und es hat bis hierhin ja auch schon ganz gut geklappt!

A.B.: Vielen Dank für das geduldige Beantworten meiner Fragen.
L.F.: Aber gerne doch – Künstler reden doch am allerliebsten über sich und ihre Werke ;)

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Bei mir ist es ja so, dass zumindest die Hauptfiguren in meinen Geschichten oft literarisch aufbereitete Charaktere aus phantastischen Rollenspielen sind. - interviewt von Alisha Bionda (14. Juni 2013)


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