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Ich muss gestehen, ich rede sehr gern über meine Geschichten – mehr als über mich selbst, jedenfalls

Interview mit Oliver Plaschka, geführt von Alisha Bionda am 30. Mai. 2012.


Oliver Plaschka Oliver Plaschka
Alisha Bionda führte den zweiten Teil eines umfangreichen Interviews mit OLIVER PLASCHKA.

A.B.: Lieber Oliver, wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
O.P.: Ich habe schon als Kind alle möglichen Sachen geschrieben, und meine ersten Romane dann ab 14. Das waren aber vor allem ziemlich schlechte Rip-Offs der Stoffe, die mich als Teenager faszinierten, vor allem Stephen King und J.R.R. Tolkien. Anfang zwanzig folgte ein nie gedruckter Shadowrun-Roman. „Fairwater“, meine erste Veröffentlichung, ist also eigentlich mein viertes Buch. Daran kann man sehen, wie lange man „für die Tonne“ schreibt, bis etwas dabei rauskommt, was zum Verlegen überhaupt taugt.

A.B.: Welcher Roman von Dir ist derzeit neu auf dem Markt?
O.P.: Meine Romane kamen leider etwas schubweise, deshalb erschienen 2010 „Die Magier von Montparnasse“ und auch gleich „Der Kristallpalast“, und der Neue kommt erst 2013, obwohl er schon so gut wie fertig ist.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?
O.P.: Der neue Roman trägt den Arbeitstitel „Das Licht zwischen den Wolken“ und wird mein erster High-Fantasy-Roman. Auf http://navylyn.rainlights.net veröffentliche ich jeden Montag Updates und Leseproben.

A.B.: Du verfasst ja auch Kurzgeschichten. Was reizt Dich daran?
O.P.: Kurzgeschichten sind eine eigene literarische Form mit eigenen Regeln. Manche Ideen (besonders düstere zum Beispiel) funktionieren als Kurzgeschichte einfach besser als in Romanlänge. Sie machen trotz oder gerade wegen ihrer Kürze aber auch viel Arbeit, deshalb schreibe ich lieber weniger und arbeite dafür länger daran.

A.B.: Gibt es einen Autor, dessen Kurzgeschichten Du besonders magst?
O.P.: Peter S. Beagle hat sich die letzten Jahre vor allem als Kurzgeschichtenschreiber hervorgetan und produziert wunderbare Fantasy und Urban Fantasy. Meine jüngste Entdeckung war James Tiptree Jr.; hinter diesem Pseudonym verbarg sich die Science-Fiction-Autorin Alice Sheldon – feministische und düstere Themen in einem überbordenden, komplexen Stil, wie er mir sehr gefällt. Auch Ray Bradbury und H.P. Lovecraft lese ich immer wieder mit großer Freude ... wenn das denn das richtige Wort dafür ist. Lord Dunsany sowieso.

A.B.: Hast Du eine Kurzgeschichte, die Du selbst als Deine beste bezeichnen würdest?
O.P.: Ich stelle nicht gerne Hierarchien auf, aber eine, die mir besonders leicht von der Hand ging und trotzdem genau so wurde, wie ich sie wollte (und das ist selten) war „Drachenschwingen“ in der Anthologie „Geisterhafte Grotesken“ von Fabienne Siegmund.

A.B.: Du bist u.a. auch in der Krimi-Anthologie CHILL & THRILL vertreten, die im November 2011 im Fabylon Verlag in der SEVEN FANCY Reihe erschienen ist.
Was hat Dich an dem Konzept gereizt?

O.P.: Krimis sind für mich beim Schreiben ein bisschen wie Jazz in der Musik: Ich mag sie, traue mir aber eigentlich nicht zu, auf diesem Terrain zu wildern, weil ich die Regeln nicht richtig durchschaue. In „Chill & Thrill“ hatte ich aber Gelegenheit, zu zwei meiner Lieblingsfiguren aus „Fairwater“ zurückzukehren, und das reizte mich ... auch wenn das Ergebnis nun ein wenig quer zu den übrigen Geschichten in der Sammlung steht.

A.B.: Erzähl uns doch bitte etwas zu Deiner darin enthaltenen Story.
O.P.: Im Prinzip ist es eine 15-Jahre-später-Geschichte. Es blieben in „Fairwater“ sehr viele Fragen offen – das sollte ja auch so sein, aber gerade für die Reporterin Gloria, eine sehr rational denkende Figur, waren die Erlebnisse in Fairwater doch ein ziemliches Trauma. Ich hielt es für notwendig, dass ihr nochmal jemand berichtet, was aus der ganzen Sache jetzt wurde, damit sie endlich damit abschließen kann. Da ich aber natürlich auch neue Leser ansprechen wollte, habe ich das ganze mit einem humoristischen Einbruchs-Plot verknüpft. Was mir dabei besonders großen Spaß gemacht hat, war die Taxifahrt durch D.C. zu Beginn: Ich bin die Strecke daheim in Google Streetview nachgefahren und habe einfach die Eindrücke beschrieben. Wie Solomon in der Geschichte sagt, das Internet ist schon toll für Leute wie uns. Na ja, eigentlich für alle.

A.B.: Ebenso bist Du in der Holmes-Anthologie SHERLOCK HOLMES - DER VERWUNSCHENE SCHÄDEL, mit phantastischen Plots, die im April 2011 bei Voodoo Press erschien, vertreten. Hast Du eine besondere Affinität zu dem wohl berühmtesten Meisterdetektiv? Was fasziniert Dich daran?
O.P.: Peter S. Beagle hat mal eine Holmes-Pastiche veröffentlich („Mr Sigerson“), in der eine Figur meinen Nachnamen trägt ... das hat mir damals sehr viel bedeutet, und da dachte ich, daran sollte ich anknüpfen („Sigerson“ ist ein häufig genutztes Pseudonym von Holmes, der Vorname „Oscar“ in meiner Geschichte stammt meines Wissens aber von Peter). Also schrieb auch ich meine erste Pastiche.
A.B.: Verrate uns doch bitte auch hier etwas über Deine Story und warum es Dich reizte an diesem Projekt teilzunehmen.
O.P.: Zugegeben war die ganze Sache ja von meiner Seite aus ein Missverständnis – ich dachte, Thema seien Geschichten über Holmes und Voodoo, und ich fand Voodoo aus meinem Ethnologiestudium immer sehr spannend. Leider kapierte ich nicht, dass damit eigentlich der nicht-kanonische Halbbruder Sherlocks aus der Feder Berndt Riegers gemeint war. Nun ist der aber gar nicht in der Sammlung vertreten, ich habe als einziger eine Geschichte über („richtigen“) Voodoo geschrieben, und dann kam die Sammlung passenderweise noch in der frisch gegründeten Voodoo Press heraus. Wann da keine Magie im Spiel war ...

A.B.: Im November diesen Jahren wird eine Holmes-Novelle von Dir in der Kurzgeschichtensammlung SHERLOCK HOLMES UND DIE TOCHTER DES HENKERS erscheinen, die als Band 3 der neuen MEISTERDETEKTIVE-Reihe im Fabylon Verlag vertreten sein wird. Diese Novelle bestreitest Du zusammen mit Erik Hauser. Erzähle uns doch bitte etwas zu der Zusammenarbeit, aber vor allem auch, was an dieser Novelle besonders ist.
O.P.: Ich habe Erik an der Uni Heidelberg kennengelernt (mein zweites Fach, in dem ich dann letztlich auch promoviert habe, war Anglistik). Er war damals mein Dozent – er hat jahrelang wirklich tolle Seminare zu Phantastik, Science Fiction und Fantasy gegeben. Heute versuche ich so gut ich kann in seine Fußstapfen zu treten, denn diese Genres sind auch meine Steckenpferde, und ich merke, wie sehr sich die Studenten freuen, wenn man ihnen etwas in der Richtung anbietet.
Irgendwann hat Erik mich angesprochen, ob ich nicht für seine und Frank Rainer Schecks Sammlung „Als ich tot war“ ein paar Geschichten von Vernon Lee übersetzen wollte. Das war unsere erste Zusammenarbeit (mit etwas Glück erscheint die nächsten Monate auch endlich der Folgeband „Aut Diabolus aut Nihil“).
Erik arbeitet anders als ich, brachte aber eine immense Belesenheit und Begeisterung für Holmes mit. Der Vorteil für mich war, dass ich ihn ein wenig die Richtung vorgeben lassen konnte – was ich normalerweise nicht so gern tue. Was nun die Geschichte selbst betrifft, so schreiben wir aktuell noch daran, weil wir uns in einer ziemlich komplexen Idee verrannt haben, die ich auch noch nicht verraten möchte. Es wird aber eine ganz schöne ... Dekonstruktion der Figur, und ich bin sehr gespannt darauf, wie die Fans das aufnehmen (nein, keine Angst – wir schneiden ihn nicht in Stücke ...)

A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder – wie jetzt bei der Holmes-Novelle – mit einem Co-Autor zusammen? Wer würde Dich da bei Letzterem noch reizen?
O.P.: Ehrlich gesagt arbeite ich, wie wahrscheinlich die meisten Autoren, lieber allein, weil die Arbeit, die einem ein Co-Autor „abnimmt“, fast immer von der Arbeit, die die Absprache und gemeinsame Planung erfordern, wieder aufgewogen wird. Gleichzeitig ist Schreiben bekanntermaßen aber ein sehr ungeselliges Hobby, und es ist schön, es gelegentlich mit jemand teilen zu können. Deshalb finde ich mich dann doch häufig in Kooperationen mit Freunden und Kollegen wieder, deren Arbeit ich schätze und auf die ich mich verlassen kann: Den „Kristallpalast“ habe ich zusammen mit Matthias Mösch und Alexander Flory geschrieben (ebenfalls Freunde von der Uni), das „Narnia“-Rollenspiel zusammen mit Ulrich Drees, den ich über meine Agentur kannte.

A.B.: Wie gestaltet sich aktuell der Kontakt zu Deinen Lesern?
O.P.: Ich habe schone mehrere Leserunden auf www.leserunden.de betreut, und freue mich immer, wenn mir Leser eine Mail schreiben. Über meine Blogs und meine Facebookseite bekomme ich alle Arten von Feedback. Am meisten freut mich aktuell, dass „Fairwater“ gerade Eingang in eine Magisterarbeit findet. Ich muss gestehen, ich rede sehr gern über meine Geschichten – mehr als über mich selbst, jedenfalls.

A.B.: Du hältst ja auch regelmäßig Lesungen ab und bist auf Cons anzutreffen. Wo kann man Dir demnächst lauschen?
O.P.: Ich habe jetzt im Frühjahr gerade mehrere Termine hinter mich gebracht. In der zweiten Jahreshälfte gibt es eventuell noch eine Lesung im Spessart und auf jeden Fall eine an der TU Ilmenau. Im Frühjahr bin ich dann wieder auf der Leipziger Buchmesse, wenn der neue Roman erscheint. Alle Termine gibt es immer hier: http://gazette.rainlights.net
A.B.: Du hast ja u.a. auch in Worms im Heyl-Schlösschen gelesen. Schildere uns doch mal kurz, wie es zu der Lesung kam, wie sie von statten ging und ob es weitere Möglichkeiten geben wird, Dich dort bei Lesungen live zu erleben.
O.P.: Die Lesung hattest ja Du möglich gemacht, und Worms ist für mich nur ein Katzensprung. Das Heysl-Schlösschen ist auch eine sehr schöne Location, und der Veranstalter sehr nett. Wir – das heißt, Erik, Robin Gates, Antje Ippensen und ich – hatten bloß etwas Probleme, gegen die Verlockung des örtlichen Weihnachtsmarkts zu bestehen ... Ich finde, wir sollten das bei Gelegenheit wiederholen – und nächstes Mal machen wir's besser.

A.B.: Nun noch etwas anderes: Welchen Rat würdest Du Newcomer-Autoren für die Verlagssuche geben?
O.P.: Jede erfolgreiche Veröffentlichung ist Ergebnis des Aufeinandertreffens von mindestens zwei der drei folgenden Faktoren: Talent, Beziehungen und Glück. Wenn man mindestens zwei davon hat, klappt es irgendwann, und an jedem der Faktoren kann man arbeiten: Man muss sehr, sehr viel schreiben, bis man sein Handwerk halbwegs beherrscht (siehe oben); man muss die richtigen Leute kennen, und sich aktiv um sie bemühen (ihnen dabei aber möglichst nicht zu sehr auf den Wecker fallen); und man muss es einfach versuchen, immer und immer wieder. Wer nicht spielt ... (Binsenweisheit, stimmt aber leider). Bei mir hat es ziemlich genau sieben Jahre gebraucht. Achtzehn, wenn man meine ersten Versuche mitrechnet.

A.B.: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?
O.P.: Da es zum Glück beides gibt, ergänzt sich das ja ganz gut. Die großen Verlage wollen wirtschaftlich arbeiten. Das heißt, sie zahlen zwar besser, und haben diese ganze Marketingmaschine im Rücken, dafür haben sie aber auch ziemlich genaue Vorstellungen davon, was sie wollen. Natürlich wollen auch Kleinverleger und ihre Autoren Geld verdienen, aber wenn das nicht so im Vordergrund steht, bleibt einfach mehr Raum für Experimente, für Fanprojekte und spezielle Geschmäcker. Man kommt zwar leider nie an die Auflagezahlen der „Großen“ heran – aber für den Fan, der die Bücher bloß sammelt und sich nicht für das Drumherum interessiert, ist das ja egal.

A.B.: Zum Abschluss noch die Frage: Wirst Du von einer Agentur vertreten? Wenn ja, wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie gestaltet sich diese?
O.P.: Ich werde von der Literaturagentur Schmidt&Abrahams vertreten. Prinzipiell halte ich Agenturen für sehr sinnvoll, weil sie den Autor davon entbinden, sich selbst lauthals anpreisen zu müssen, und zum Experten für Vertragsdeutsch und Steuerrecht werden zu müssen. Und sie bringen meistens schon mal einen der drei Punkte von oben mit, nämlich Vitamin B. Sie können aber auch keine Wunder vollbringen, und theoretisch kann man alles, was eine Agentur macht, auch allein hinkriegen. Es fällt bloß schwerer – für meinen Geschmack zu schwer.
Meine Zusammenarbeit mit der Agentur ist aber nicht repräsentativ, weil ich meine Agentinnen schon vorher kannte und ein sehr langsamer Autor bin, der nicht den Ehrgeiz hat, jedes Jahr drei neue Bücher auf den Markt zu bringen. Das heißt, unsere geschäftliche Zusammenarbeit beläuft sich in der Regel nur auf ein Telefonat ab und an. Den Rest der Zeit sind wir einfach Freunde.

A.B.: Vielen Dank für das geduldige Beantworten meiner Fragen auch dieses Teils des langfristig angelegten Interviews.
O.P.: Danke auch! Und Glückwunsch zum (verdienten) Vincent-Preis.

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