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Ich schreibe immer und überall.

Interview mit Reni Dammrich, geführt von Alisha Bionda am 05. Mar. 2013.


Dieses Interview ist Teil der Kolumne:

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A. Bionda
8 Beiträge / 38 Interviews / 5 Kurzgeschichten / 72 Galerie-Bilder vorhanden
Reni Dammrich Reni Dammrich
Alisha Bionda führte via Mail ein umfangreiches Interview mit Reni Dammrich

A.B.: Liebe Reni, zuerst möchte ich Dir einige persönliche Fragen stellen, damit Dich die Leser besser kennen lernen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
R.D.: Nicht viel. Ich bin ein sächsischer Literatur-Kampfzwerg, der sich seit reichlich einem halben Jahrhundert auf dieser Welt herumtreibt.
Okay, okay, ich verrate etwas mehr. Zwei Kinder, 31 und 27 Jahre alt. Seit 28 Jahren immer mit demselben Mann verheiratet. Habe vor über 30 Jahren einen „ordentlichen“ Beruf als Wirtschaftskauffrau gelernt, später zwei Abschlüsse als Fachfrau EDV und Marketing gemacht und betreibe, trotz der Veröffentlichung von inzwischen 14 Romanen, das Schreiben nur als freischaffende Nebentätigkeit. Ich bin Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband und unterstütze die Initiative With (he)art against FGM.

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
R.D.: Dass ich generell anders reagiere, als irgendjemand erwarten würde. Ich lasse mich in kein 08/15-Schema pressen.

A.B.: Was magst Du, und was eher nicht?
R.D.: Wenn ich Versprechen gebe, dann werden sie generell und unverzüglich eingelöst. Das erklärt auch gleich den zweiten Teil der Frage.

A.B.: Welche Hobbies hast Du?
R.D.: Seit mein Hund nicht mehr lebt, das Schreiben, Fotografieren, Malen, Kleinskulpturen aus verschiedenen Materialien fertigen – also immer irgendwas, das irgendwo mit Kunst zu tun hat.

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
R.D.: Es gibt Dinge, die geschehen einfach. Ich wollte als Kind Balletttänzerin werden, habe auch Unterricht genommen. Aber es kommt erstens immer anders, als man zweitens denkt. Also habe ich irgendwann das Tutu an den Nagel gehängt und statt flinker Füße, flinke Finger beim Schreiben gemacht.

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
R.D.: Ich habe zu schreiben begonnen, kaum, dass ich es gelernt hatte. Meine überdimensionierten Aufsätze haben bei den Lehrern immer für echtes Entzücken gesorgt. Meine Mutter hatte eine Erika-Reiseschreibmaschine und auf der habe ich mit Vorliebe im Adler-Such-System (sprich mit zwei Fingern) herumgehämmert. Es waren jährlich zwölf Kurzgeschichten, die ich auf die A5-Rückseiten selbstgefertigter Kalender geschrieben habe, um anderen die Monate damit zu versüßen. Leider ist davon nicht mehr viel erhalten geblieben. Mein erstes, bei einem Verlag veröffentlichtes, Buch „Nigel – Aschenputtel entdeckt das Paradies“, ist die wahre Geschichte meines Foxhounds.

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt „umsetzt“?
R.D.: Ja, die habe ich. Ich beginne immer mit dem Endkapitel, dann kommt das erste Kapitel. Die beiden verändere ich höchst selten noch einmal grundlegend. Den großen Rest des Manuskriptes puzzle ich aus zwei bis vier gesondert geschriebenen Teilen zusammen. Entsteht ein Roman allerdings auf der direkten Grundlage einer Kurzgeschichte, dann beginne ich tatsächlich von vorn und fülle ihn langsam auf.
Ganz akribisch führe ich „Besetzungslisten“, um die Anzahl der Akteure in einem Rahmen zu halten, den der Leser auch wirklich überschauen kann.

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
R.D.: Ich schreibe immer und überall. Ich kann mir leider meine Zeit dazu nicht wirklich aussuchen, weil bei mir ein typischer Arbeitstag mit dem Weckerklingeln 4:20 Uhr beginnt. Bis 5 Uhr habe ich die Morgentoilette und das Frühstück hinter mir, dann geht es in der Regel bis 6 Uhr ans Schreiben. Bis Dienstbeginn bei meinem Arbeitgeber bleiben mir, je nach Verkehrsaufkommen noch 15 bis 30 Minuten, in denen ich auch schreibe.
Gegen 17 Uhr bin ich wieder zuhause, erledige die üblichen Hausfrauenarbeiten und hocke dann wieder an allem was schreibt, bis etwa 20 Uhr.
An den Wochenenden wird in jeder irgendwie verfügbaren Minute geschrieben.
Selbständigkeit als Zweitjob bringt auch eine Menge Verpflichtungen und so fallen auch stundenlange Büroarbeiten an.
Abends wird immer an irgendwelchen Manuskripten gewerkelt.
Im Sommer schreibe ich gern im Garten, der einige Kilometer von zuhause weg ist und wo mich nichts und niemand ablenken kann.
Dann sind eben die Abendstunden mit dem den Bürokram für Abrechnungen und Korrespondenzen ausgefüllt.
Zeit für Zweisamkeit und Kommunikation mit Kindern, Familie und Freunden bleibt trotzdem noch zur Genüge.

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
R.D.: Wenn ich mitten in einer Story bin, kann mich nur das Telefonklingeln beeindrucken. Für alle anderen Geräusche schalte ich komplett auf Durchzug.

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
R.D.: Ich schreibe generell an mehreren Projekten gleichzeitig.

A.B.: Welchen Genres ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten?
R.D.: In der Hauptsache schreibe ich Fantasy-Romane, manchmal auch reale (Liebes-) Geschichten, in denen mitunter ein Hauch Mystik mitschwingt. In Fantasy lässt sich der erhobene Zeigefinger besser verpacken, weil jeder denkt, ach ja, ist eine andere Welt…
Zwei Tage später fangen das große Überlegen und das Parallelen-Ziehen an. „Menschliche“ Werte, von Fantasy-Gestalten vertreten, kommen auch beim jüngeren Publikum viel besser an, ohne auf die „Moral von der Geschicht’“ hinweisen zu müssen.

A.B.: Dein Liebesroman CLAIRE ist beim Oldigor-Verlag erschienen. Schilder uns doch bitte, was den Leser darin erwartet.
R.D.: Claire ist die typische vernachlässigte Frau, eines äußerst skrupellosen englischen Geschäftsmannes, der als Waffenhändler lieber über Leichen geht, als sein Leben mit ihr zu teilen. Engagiert für andere, ist sie für sich selber eher die Stille und Unsichere, die stets unter der Angst vor ihrem Mann leidet. Alles, war er tut, tut er mit Berechnung und dem Vorsatz Kapital daraus zu schlagen. So setzt er eben auch alles daran, an die Summe ihrer Lebensversicherung zu kommen, was sie erst begreift, als es schon fast zu spät ist.
Ausgeraubt, ohne Papiere und nur noch im Besitz von dem, was sie gerade auf dem Leib trägt, versucht sie von Siwa nach Al Jaghbub, zu einem Treffpunkt zu kommen, wohin sie ihr Mann bestellt hat.
Der einzige Karawanenführer, der den Weg in das unsichere Krisengebiet nehmen würde, erliegt dem Zauber der schönen Europäerin und bietet ihr an, sie gegen Sex ans Ziel zu bringen. Claire nimmt in ihrer Verzweiflung an und bringt damit eine ungeahnte Lawine aus Ereignissen ins Rollen.
Aber was erzähle ich – am besten Buch schnappen und Claire ein Stück auf ihrem Lebens- und Leidensweg begleiten.

A.B.: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Oldigor Verlag?
R.D.: Durch Zufall, weil ich gerade wieder einmal auf Verlagssuche war und auf Facebook gestöbert habe.

A.B.: Hast Du ein Vorbild – literarisch und/oder allgemein?
R.D.: Ich habe keine Vorbilder im eigentlichen Sinne, weil ich es für ganz furchtbar halte, mit irgendjemandem verglichen zu werden.
Bei Aussagen über Autoren „schreibt wie…“ oder „ähnelt…“, sollte man manchmal lieber fragen „Schreibt ab von…?“.

A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder würdest Du auch mit einem Co-Autor arbeiten? Wenn ja, wer würde Dich da reizen?
R.D.: Ich schreibe lieber allein, weil ich als Leser schlechte Erfahrungen mit Co-Autoren anderer habe. Meist ist der Stilbruch zu deutlich.
Von mehreren Lesern unserer Stadtbibliothek weiß ich, dass sie erfolglos versucht haben, andere Autoren mit meinem Schreibstil zu finden. Das ist für mich ein zusätzlicher Ansporn allein zu arbeiten.

A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt?
R.D.: Ja, ich lese regelmäßig und da bin ich gleich wieder bei den Co-Autoren. Seit Jason Dark nicht mehr von Jason Dark allein stammt, sind die Bücher und Hefte einfach nicht mehr dieselben. Wirklich bevorzugt ist bei mir alte Science Fiction der russischen Schriftsteller Adamow, Obrutschew oder des Polen Lem.

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?
R.D.: Sehr wichtig.

A.B.: Wie gestaltet sich dieser?
R.D.: In Leipzig auf der Buchmesse finden seit vier Jahren feste Fantreffen statt. Es gibt inzwischen den harten Kern, der jedes Buch von mir haben will, selbst wenn es erst in Planung ist. Allerdings gehören Facebook-Bekanntschaften für mich definitiv nicht zum Leserkontakt. Diesen sogenannten Freundeskreis halte ich bewusst in äußerst engen Grenzen. Meine Leser sind im Durchschnitt 60 Jahre alt und halten sich kaum in sozialen Netzwerken auf.
Ansonsten finden nach Lesungen immer Diskussionsrunden statt, aus denen sich nicht selten dauerhafte Kontakte ergeben.
Ich habe, weil der Leser für mich König ist, auch schon einmal eine öffentliche Lesung mit nur einem Gast gehalten. Da hat der Informationsfluss über die Örtlichkeit nicht funktioniert und das Wetter war wenig leserfreundlich. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, die junge Frau einfach vor den Kopf zu stoßen, indem ich die Veranstaltung abgeblasen hätte, um beleidigte Leberwurst zu spielen.


A.B.: Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen?
R.D.: Mit ein- oder zweimal pro Jahr, sind öffentliche Lesungen eher eine Ausnahme. Sie werden normalerweise rechtzeitig auf meiner Homepage und in der Tageszeitung bekannt gegeben. Leider hat sich in unserer Region die Mentalität breit gemacht, die Lesungen kostenlos haben zu wollen und dann noch satte Raummiete zu berechnen – Dinge, die ein Schreiberling nun wirklich nicht brauchen kann. Fantasy gilt bei vielen Veranstaltern als Abschaum der Buchbranche und so ist es relativ schwer, einen geeigneten Rahmen für Lesungen zu finden.
Cons musste ich bisher immer fern bleiben, weil ich den, fast immer, nötigen Urlaub nicht so einfach bekommen kann.

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
R.D.: Wirklich dankbar bin ich meinem Mann, denn der muss all meine Schreib-Macken ertragen, wie immer die auch gerade geartet sind. Ansonsten ist mein Motto: Hilf dir selbst, denn wenn du dich auf andere verlässt, bist du verlassen genug.

A.B.: Welchen Rat würdest Du Newcomer-Autoren für die Verlagssuche geben?
R.D.: Keinen. Was für mich gut ist, muss es für andere noch lange nicht sein. Newcomer schreiben meist auch für junge Leute und da kann ich keinen Rat geben.
Oder doch, es gibt etwas: Bei Kleinverlagen immer vergleichen, vor allem die Verkaufs-Preise, zu denen die Bücher auf den Markt kommen. Teure Bücher kauft keiner, da kann der Inhalt noch so gut sein. Die Arbeit als Autor ist zu mühsam, um dann mit vorprogrammierten Ladenhütern ins Rennen zu gehen.

A.B.: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?
R.D.: Großverlage haben meist nur Einheitsbrei im Sinn. Das finde ich sehr schade. Vorgestern waren es die Vampire, gestern die Historienschinken, heute ist es der Versuch, sich über das Unvermögen anderer zu amüsieren und morgen – wer weiß. Wer als Autor nicht in der eintönigen Welle mitschwimmt, für den gibt es dort meist nichts zu holen.
Kleine Verlage haben mehr Vielfalt, mehr Sahnestückchen, aber eben auch das Problem, selten von den Ladengeschäften gelistet zu werden.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?
R.D.: Derzeit schreibe ich an einer Fortsetzung eines Romans von 2012. Der Schrei nach „mehr“ war schon wenige Tage nach der Veröffentlichung so laut, dass ich mich sofort ans Werk gemacht habe.
Eine Fantasy-Buchserie soll neu aufgelegt werden und diverse Kleinprojekte hängen halbfertig in der Warteschleife.
Für Neugierige habe ich auf meiner Homepage eine Seite mit geplanten und gerade laufenden Schreibaktivitäten, die ständig aktualisiert wird.

A.B.: Zum Abschluss noch die Frage: Wirst Du von einer Agentur vertreten?
R.D.: Nein. Ich bin von Agenten angeschrieben worden, habe aber stets abgelehnt, weil die Meinungen zu weit auseinander gehen und ich mich nicht verbiegen lasse, nur um bei einem der großen Verlage angenommen zu werden. Und gerade an dem Punkt, dass der Kontaktwunsch nicht von meiner Seite kam, beginnen bei mir sowieso die Alarmglocken zu schrillen.

A.B.: Vielen Dank für das geduldige Beantworten meiner Fragen.
R.D.: Bitte. Vielleicht sind einige Dinge zu offen angesprochen, aber meine Meinung ist für andere selten bequem.


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