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“Eine Hexe ist für mich eine Frau, die sich bemüht zwischen den Zeilen des Lebens zu lesen.”

Interview mit Hexe Claire, geführt von am 23. Jul. 2008.


Hexe Claire Hexe Claire
Vielleicht ist der Hexenglaube die älteste Religion der westlichen Welt, denn seine Ursprünge reichen weit bis in die Anfänge der Menschheit zurück, länger als alle uns heute bekannten Weltreligionen. Die Verehrung von Mutter Natur und das Wissen um ihre Kräfte, der Lauf von Sonne und Mond und der Stand der Sterne. Und meist waren es weise Frauen, die dieses Wissen bewahrten und zum Wohl ihres Clans anwendeten. Bis das weibliche Prinzip im Laufe der Herausbildung des Patriarchats immer weiter unterdrückt und im Zuge der Hexenverfolgung durch die Kirche gar dämonisiert und verteufelt wurde. Doch seit einigen Jahren gewinnt das Hexentum an neuer Bedeutung. Während rationale Wissenschaften an ihre Erklärungsgrenzen stoßen und in ihren Denksystemen immer mehr Entfremdungen produziert, suchen mehr und mehr Menschen den Weg zurück zur Natur, ihrer Ursprünglichkeit und erhoffen sich Hilfe durch das Wissen, was in dieser verborgen liegt.
Claire, eine junge Hexe, erzählte mir aus ihrem Leben und von ihrer Tätigkeit als Hexe – ein spannendes Interview, denn ich hatte mich zuvor noch nie mit diesem Thema auseinander gesetzt.


Nancy: Hallo Claire! Ich freue mich, dass du die Zeit gefunden hast, mir Rede und Antwort zu stehen. Welche Bedeutung hat zunächst der Begriff „Hexe“ für dich persönlich?
Claire: Hallo! Eine Hexe ist für mich eine Frau, die sich bemüht zwischen den Zeilen des Lebens zu lesen. Die mit Hilfe natürlicher Kräfte Einfluss nimmt auf die Gestaltwerdung von Dingen, aber genau diese Kräfte auch ehrt und studiert. Es ist also nicht wie im Supermarkt: ich will etwas und mache dafür einfach dieses und jenes Ritual. Es geht ums verbunden sein, nicht darum sich nur zu bedienen.

Nancy: Kannst du ein wenig erzählen, wie du selber zu dem Weg der Hexe gefunden hast und was man unter einer Druidin versteht? Denn du kombinierst in deiner Tätigkeit ja beide Traditionen.
Claire: Ich bin auf dem Land groß geworden, wo viel Brauchtum gepflegt wurde, das im Grunde nichts anderes als weitergegebene Naturmagie ist. Das Interesse fürs Magische war bei mir schon immer da, aber zu DDR-Zeiten höchstens in Geschichtsbüchern lebbar. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, aber in einem sozialistischen Staat war es zum Beispiel unmöglich als Wahrsagerin zu arbeiten, da hätte einen sofort die Stasi abgeholt. Mit der Wende veränderte sich das völlig und durch meine Mutter bin ich in der Folge mit dem Kartenlegen in Kontakt gekommen. Alles Weitere wuchs Schritt für Schritt über Kontakte zu anderen Hexen, natürlich auch über viele, viele Bücher und Erfahrungen. Das Druidentum keimt erst langsam auf im deutschsprachigen Raum. Was in Großbritannien und den USA eine sehr lebendige Strömung ist, ist bei uns noch gar nicht so bekannt. Als Druidin unterscheide ich mich insoweit vom Hexentum, als das es eine auf das Keltische ausgerichtete Philosophie ist. Das Druidentum ist eher philosophisch, mehr auf die innere Veränderung ausgerichtet. Beide Wege in nüchternen Worten zu trennen, ist gar nicht so einfach, so verschieden sie sind, so ähnlich sind sie sich in vielen Punkten.

Nancy: Welche Bedeutung haben die historischen Ereignisse rund um die Hexenverfolgung auf die modernen Hexenbewegungen?
Claire: Sie haben eine große Bedeutung, weil sie zeigen, was passiert, wenn weibliches Wissen dämonisiert wird und eine Religion, oft mit ganz weltlichen Interessen, denn das Land der „Hexen“ fiel der Kirche zu und sie hat es bis heute, mit aller Gewalt versucht, Andersdenkende auszulöschen.

Nancy: Welche modernen Hexenbewegungen gibt es überhaupt, wie sind diese organisiert und was ist deren Inhalt? Was sind z.B. „Junghexen“ und was hat es mit der Glaubensrichtung des „Wicca-Kult“ auf sich, die ja sehr stark die naturreligiöse Dimension des Hexentums betont?
Claire: Es gibt so viele Wege das Hexentum zu leben, wie es Hexen gibt. Wir lassen uns ungern etwas vorschreiben und daher sind Definitionen schwierig. Ständig entstehen neue Gruppen, bilden sich neue Ansätze und Wege heraus. „Junghexen“ sind oft von Serien wie „Charmed“ oder „Sabrina“ beeinflusst und dadurch zu ihrem Interesse am Hexentum gekommen. Bei vielen wächst über den Serienhokuspokus hinaus ein ernsthaftes Interesse für die Natur und ihre Kräfte, für das echte Hexentum also. Zahlenmäßig würde ich jedoch die größte Gruppe von Hexen in einer Altersschicht von 25 – 55 Jahren sehen.
Die Wiccabewegung hat ganz entschiedene Impulse zur Wiederbelebung des Hexentums geleistet. Wer das Hexentum eher religiös leben möchte wird dort viele gute Ansätze finden. Aber wie immer wenn Spiritualität zu Religion wird ist auch die Gefahr der Erstarrung gegeben. Daher wenden sich viele Hexen dem so genannten „freifliegenden“ Weg zu, was natürlich auch bedeutet, dass man selbst für seinen Weg und das innere Wachstum verantwortlich ist.


Nancy: Was ist ein „Coven“?
Claire:Ein Coven ist ein Hexenzirkel im Wicca. Er ist der Ort der Ausbildung, in dem Hexen lernen, zusammen arbeiten und die Initiationen des Wicca empfangen können. Oftmals ist er für die Mitglieder wie eine lieb gewonnene Wahlfamilie und wenn man sich die Familie schon aussuchen kann, dann sollte man gut wählen! Viele Coven nehmen ihre Mitglieder ohnehin erst nach einer gewissen Phase des gegenseitigen Beschnupperns auf. Das ist auch richtig so, denn gemeinsam magisch zu arbeiten erfordert ein hohes Maß an Offenheit und Vertrauen. Die Leute müssen gut zusammen passen, im Idealfall ergänzen sie sich gegenseitig um verschiedene Facetten und magische Interessen, so dass der Coven lebendig bleibt und sich in steter Entwicklung befindet.

Nancy: Wie unterscheiden sich „Weiße“ und „Schwarze“ Magie und welche Bedeutung haben sie für eine Hexe?
Claire: Das ist gar nicht so einfach zu definieren! Man schaue sich nur einmal all die entzückenden, rosaroten Büchlein mit Liebeszaubern an. Wer würde da schon Böses vermuten? Aber wenn man sich die Zauber darin einmal durchliest, dann wird es einem anders: da soll nicht selten ganz massiv in den freien Willen des zu Bezaubernden eingegriffen werden. Als „schwarz“ würde ich daher alles bezeichnen, was darauf abzielt, Macht über andere zu gewinnen, ihre Entscheidungen zu beeinflussen oder ihren freien Willen zu unterwandern.
„Weiß“ ist im Gegensatz dazu das Wecken der Kraft von innen, man spricht also das an was sich verändern soll, den Kern der Sache, nicht die beteiligten Personen. Manchmal kann es trotzdem notwendig und gut sein, sich zumindest in graumagische Bereiche zu begeben. Wenn zum Beispiel eine Mutter mit Kindern vom Exmann belästigt und bedroht wird, dann kommt man nur mit „Licht und Liebe“ nicht weit. So etwas muss im Einzelfall ganz genau abgewogen werden und man muss sich der Verantwortung, die man dabei trägt, stellen.
Manchmal kommen Leute jedoch mit ziemlich absurden Forderungen zu mir, wollen zum Beispiel ihren Chef aus eigenen Eitelkeiten heraus vernichten. Aber was wenn ein solcher Zauber gelingen würde? Das bedenken viele nicht: Magie ist kein Spielzeug und ich habe nicht erst einen Menschen kennen gelernt, der vor Jahren oder Jahrzehnten einem anderen böses gewünscht hat und dann kam es tatsächlich so. Die Opfer erlitten in diesen Fällen tatsächlich Schäden. Ich weiß das hört sich drastisch an, aber das ist es auch. Erst denken, dann zaubern!


Nancy: Welche Bedeutung haben Natur und Religion für dich?
Claire: Die Natur bringt einer Hexe bei was sie wissen muss. Oder anders herum: das Hexentum ist eine Art Sprache, mit der man lernen kann mit der Natur zu kommunizieren. Ein Ritual ist letztendlich nichts anderes als eine Kommunikation in Symbolen, die beide Seiten verstehen. Religion kann Halt geben, aber wie schon erwähnt auch beengend wirken und persönliche Erfahrungen verhindern. Ich bin kein Fan von Religionen, ich glaube nicht gerne irgendetwas, ich will erfahren und erspüren und das kann mir niemand durch irgendwelche Glaubenssätze abnehmen. Aber ich lasse mich gerne von spirituellen Philosophien, wie dem freien Hexentum oder dem modernen Druidentum inspirieren und weiter tragen.

Nancy: Du bist ja auch beruflich als Hexe tätig. Wie gestaltet sich das genau und wer kommt mit welchen Anliegen zu dir?
Claire: Es gibt fast nichts, das es nicht gibt. Aber die meisten Anfragen sind eindeutig zu den Themen Liebe, Finanzen und Schutz. Ich arbeite ganz unterschiedlich. Für viele Kunden fertige ich persönliche Glücksbringer an, manchmal braucht es auch Rituale, um einen Knoten zu lösen. Das Kartenlegen ist ebenfalls sehr gefragt, aber da muss ich oft erst einmal klarstellen, was echtes Kartenlegen bedeutet. In Zeiten der telemedialen Wahnwitzigkeiten ist das nicht jedem von vorn herein klar. Die Kunden kommen aus allen Schichten, Altersstufen und Berufen, vom Arzt bis zur sechsfachen Mutter ist wirklich alles dabei. Wobei die Probleme als solche nichts damit zu tun haben. Sechzigjährige können sich genau so wie verliebte Teenies fühlen (na, zum Glück!), ein Geschäftsmann kann ähnlich existenzielle Sorgen um das liebe Geld haben wie eine kleine Unternehmerin.

Nancy: Wie reagieren die Menschen denn, wenn du von deinem Leben als Hexe erzählst?
Claire: Gelassener als man es meinen sollte. Die Esoterikwelle bringt zwar viele negative Dinge mit sich, aber sie hat auch viele Türen in den Köpfen der Menschen geöffnet. Ich denke, es hat einiges damit zu tun wie man sich gibt. Wenn ich klischeemäßig mit langen roten Nägeln, auftoupierten Haaren, kreischendem Make-up und behangen wie ein Weihnachtsbaum auftreten würde, dann würden sich viele Leute zu Recht am Kopf kratzen. So wie man auf die Leute zugeht, so bekommt man es meist auch reflektiert. Natürlich sind viele neugierig, aber manche sagen auch nur: „Hey, das passt gut zu dir!“- und fragen nicht weiter. Es ist nicht mehr so eine Sensation wie es noch vor 5 oder 10 Jahren war, aber ein bisschen bleibt das Image eines Paradiesvogels. Dagegen habe ich auch nichts.

Nancy: Du hast auch schon drei Bücher geschrieben, die allesamt beim U| Books Verlag erschienen sind. Eines zum Thema Kerzenmagie. Was ist das genau?
Claire: Kerzenmagie bezeichnet alle Zauber rund um Kerzen, aber im Grunde sind auch Öllampen und alle anderen Zauber rund um das transformierende Element Feuer damit verwandt. Kerzen haben eine lange magische Tradition, eine reiche Symbolik und erwirken sehr gute magische Ergebnisse. Man kann kreativ mit ihnen arbeiten, die eigene Persönlichkeit gut in die Gestaltung eines Kerzenzaubers einbringen.

Nancy: Dein aktuelles Buch heißt „Magie Der Hexen“ und gibt sehr interessante Einblicke in verschiedene magische Praktiken. Darunter Pflanzenkunde, magische Steine, Düfte, Planetenkunde oder auch Tarot. Wie kam es zur Entstehung dieses Buches und kannst du ein paar kurze Einblicke in Praktiken geben, die du sehr häufig anwendest?
Claire: Das Buch entstand aus Nachfragen zu meinem ersten Buch „Basiswissen Magie“. Viele fanden es einen guten Einstieg, wünschten sich aber noch mehr Wissen und Infos, um darüber hinaus arbeiten zu können.
Ich selbst arbeite sehr gerne magisch über die Hände, das heißt indem ich Glücksbeutel, magische Puppen, Maskengeister oder magischen Schmuck anfertige. Meine Magie fließt gut über ganz konkrete Dinge, aber auch über Rituale, in denen ich „indoor“ zumeist ganz klassisch mit Kerzen und weiteren Symbolen arbeite. Am liebsten gehe ich jedoch in die freie Natur, weil sich Magie direkt zwischen Himmel und Erde am besten entfalten kann. Dort arbeite ich ganz klassisch mit den vier Elementen und den Spirits der Natur. Ich habe einen sehr guten Draht zu Pflanzen und Bäumen, sie bilden meist zentrale Punkte meiner Rituale.


Nancy: Was findet der moderne Mensch deiner Ansicht nach so anziehend an Dingen wie Magie und Hexentum? Eigentlich lebt er ja in einer rational-durchtechnisierten Lebenswelt.
Claire: Ich denke gerade in einer technischen Welt braucht man spirituellen Halt umso dringender. Es ist kein Zufall, dass diese Themen gerade jetzt so stark aufkommen. Als man noch eingebettet in natürliche Abläufe wie die Jahreszeiten, Saat und Ernte usw. lebte, hatte alles seinen Platz im Leben und seine Zeit. Genau dieses Gefühl rutscht vielen Menschen weg im Informationszeitalter. Alles ist immer verfügbar, man kann rund um die Uhr arbeiten, die Verbindung zur Natur beschränkt sich bestenfalls auf einen Parkspaziergang am Wochenende. Viele spüren, dass das einfach zu wenig ist, um die Seele zu nähren, die in unserer schnellen Zeit kaum Ruhe hat, alles zu verarbeiten. Naturspirituelle Wege können genau diesen Halt geben, einen wieder verbinden mit dem Jahresrad und der Quelle unseres Lebens – der Natur.

Nancy: Was sind denn aktuelle Projekte, an denen du gerade arbeitest? Wird es weitere Bücher von dir geben?
Claire: Das wird es, für das vierte Buch laufen gerade die Vorbereitungen. Es greift das Thema Hexentum und natürliche Spiritualität in der Stadt auf. Diesen Spannungsbogen fand ich schon lange sehr interessant: einerseits wollen alle zurück zur Natur und andererseits ist die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen die Stadt. Beides zusammen zu führen ergibt eine interessante und lebendige Magie. Ich habe zudem ein paar neue Fernkurse im Aufbau, aber Kurse zu schreiben braucht seine Zeit, das dauert noch ein bisschen.

Nancy: Ganz lieben Dank für das schöne Interview! Hat großen Spaß mit dir gemacht!



Von Claire gibt es auch ein Tagebuch zu lesen unter: http://www.hexe-claire.de/pageID_3824067.html
http://www.hexe-claire.de
© http://www.hexe-claire.de


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