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Nichts ist schöner als das Nichts.

Interview mit Wolfgang A. Gogolin, geführt von Alisha Bionda am 23. Jan. 2015.


Dieses Interview ist Teil der Kolumne:

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A. Bionda
8 Beiträge / 38 Interviews / 5 Kurzgeschichten / 72 Galerie-Bilder vorhanden
Wolfgang A. Gogolin Wolfgang A. Gogolin
Alisha Bionda führte via Mail den ersten Teil eines umfangreichen Interviews mit WOLFGANG A.GOGOLIN.

A.B.: Lieber Wolfgang, zuerst möchte ich Dir einige persönlichen Fragen stellen, damit Dich die Leser besser kennen lernen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
W.A.G.: Mein Lebensweg ist gradlinig verlaufen. Ich habe in der hamburgischen Justiz gelernt und bin Diplom-Rechtspfleger geworden, anschließend war ich lange Jahre als Standesbeamter tätig. Ich bin verheiratet und die Sünde, eine Sachbearbeiterin aus meiner Abteilung geheiratet zu haben, ist inzwischen verjährt. Wir sind über dreißig Jahre zusammen. 2002 wurde ich von ihr geheiratet. Meine Frau wusste schon immer, was sie wollte und in dem Fall war ich das.

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
W.A.G.: An erster Stelle steht, so empfinde ich es, mein „Humor“, auch wenn er nicht immer auf Anhieb verständlich ist und zuweilen britisch unterkühlt daherkommt. In zweiter Linie ist es meine geradezu überbordende Bescheidenheit, denn es fällt mir so ohne weiteres kein weiterer Pluspunkt ein.

A.B.: Was magst Du, und was eher nicht?
W.A.G.: Ich liebe die offene See, den Himmel und Katzen. Katzen sind wunderschöne Tiere! Und ich mag exorbitant gutes Essen, ich interessiere mich für edle Speisen aller Länder und halte Essen für eine wunderbare Verbindung aller Völker untereinander. Franzosen liegen mir besonders, selbstbewusst und genusssüchtig. Gut so! Eine große Nation!
Für Genussmenschen betreibe ich eine eigene Webseite: www.genussgenie.de

Was ich nicht mag: Ungerechtigkeit. Darum habe ich feminismuskritische Romane (‚Der Puppenkasper’) geschrieben. Außerdem: Spinat mit Ei – schmeckt absolut furchtbar, gehört verboten!

A.B.: Welche Hobbies hast Du?
W.A.G.: Ich bin im Kulturpunkt Barmbek Basch tätig. Ich möchte bewirken, dass Literatur auch zu Leuten gelangt, die damit sonst nichts am Hut haben, Lesen und Sprache sind das Bindeglied zwischen uns. Nur mit Hilfe von Geistesbildung und Gespräche können wir Verständnis untereinander herstellen. Außerdem koche ich gerne, gehe gerne fein Essen und einen guten Roten weiß ich auch zu schätzen.

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftsteller werden? Oder gab es da eine Initialzündung oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
W.A.G.: Nein, das wollte ich bestimmt nicht! Ich habe irgendwann einmal meinen beruflichen Frust im Rahmen einer Beamtensatire aufgeschrieben. Der Roman damals hieß 'Karawane des Grauens' und spielte in einer fiktiven Finanzbehörde. Meine Frau meinte bei Erscheinen, mehr als acht Leser wirst du kaum erreichen – es wurden aber dann doch ein paar tausend Verkäufe.

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
W.A.G.: Ungefähr im Jahr 2002, eben mit der erwähnten ‚Karawane des Grauens’.

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt umsetzt?
W.A.G.: Ich bin ein emotionaler Schreiber. Zwar habe ich ein grobes Grundgerüst, ein Thema. Aber Plot und Charaktere entwickeln sich, die Figuren nehmen während des Schreibens Gestalt an und erleben wie von selbst ihre Geschichte.

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
W.A.G.: Ich schreibe nachts, wenn das Haus am ruhigsten ist. In der Stille gedeihen die interessantesten Charaktere. Mein Tagesablauf fängt mit dem Aufstehen an und hört mit dem Schreiben auf, dazwischen nehme ich die Herausforderungen des Lebens an: Kochen für die Liebste zum Beispiel.

©C. Bley
© ©C. Bley

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
W.A.G.: Ruhe ist wichtig. Schon das Surren der Festplatte ist mir manchmal zu laut. Ruhe ist der Reinraum für meine Gedanken. Nichts ist schöner als das Nichts.

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
W.A.G.: Ein bei ein, wie man hier im Norden sagt, nur eine Sache zur Zeit. Ein alter Mann schafft nicht alles auf einmal.

A.B.: Schreibst Du nur Romane oder auch Kurzgeschichten?
W.A.G.: Derzeit schreibe ich an einem Roman und so peu a peu schreite ich voran. Kurzgeschichten liegen mir auch und sind etwas, was ich gelegentlich, um Abwechslung zu haben, einschiebe. Offenbar brauche ich öfter Abwechslung, denn es gibt bereits drei Bände mit Kurzgeschichten von mir.

A.B.: Welchen Genres ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten?
W.A.G.: Auch wenn Verlage es ungern sehen – sie wollen einen Krimi, eine Liebesgeschichte oder etwas, das mit Sex im Allgemeinen und Peitschenknallen im Besonderen zu tun hat – ich bin jemand, der eine Geschichte schreibt, die in erster Linie darauf wartet, erzählt zu werden und nicht darauf, in ein Genre zu gepresst zu werden. Die Sache selbst muss mich bewegen und berühren, alles andere fände ich langweilig.

A.B.: Deine Romane DUNKLES LICHT IN HELLER NACHT und GEIST DER VENUS sind im Oldigor-Verlag erschienen. Schilder uns doch bitte kurz, was den Leser darin erwartet.
W.A.G.: 'Dunkles Licht in heller Nacht' spielt in Paris, der quirligen Stadt der Liebe, der knusprig-duftenden Baguettes, des tiefdunklen Rotweins, des Savoir-Vivre. Das Leben in der französischen Hauptstadt könnte wunderbar entspannt und so himmlisch leicht sein, doch auf die Mordkommission wartet eine ernste Aufgabe: Auf einem Spielplatz wurde ein junges Mädchen ermordet aufgefunden und sie sollen den Täter möglichst rasch ausfindig machen. Aber der flüchtige Mörder ist keinesfalls das Hauptproblem: Jeder der drei Polizisten hat mit eigenen Schicksalsschlägen, mit unerwiderter Liebe, mit schweren persönlichen Verlusten zu kämpfen, was zwar zwischen frisch gebackenen Madeleines mit grimmigem Humor kommentiert wird, was aber die Ermittlungsarbeit im Morddezernat nicht gerade erleichtert.

'Geist der Venus' handelt von meinem Lieblingsthema: vom Essen und Trinken! Es geht in diesen Kurzgeschichten um das, was Menschen zwischen Tisch und Bett so erleben und erleben möchten, es geht um Wein, Weib und – Katzen.


A.B.: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Oldigor?
W.A.G.: Ich habe eine Leseprobe von vielleicht zwanzig Seiten zum Verlag geschickt, weil ich Text und Verlag als zusammengehörig empfand. Eine reine Bauchentscheidung. Nach ein paar Wochen wurde das gesamte Manuskript angefordert und einige Zeit paar später haben wir uns auf einen Vertrag geeinigt.

A.B.: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit dort?
W.A.G.: Ich fühle mich sehr gut aufgehoben bei Oldigor, nicht jeder Verlag kann so viel an Zuwendung und Betreuung und so gute Bedingungen bieten. Auch wir Autoren leben in einer Ellenbogengesellschaft; die Beziehung zwischen Verleger und Schreiberling muss stimmen, sonst wird Kreativität schon im Vorfeld abgewürgt. Es geht erfreulich unbürokratisch zu bei Oldigor, als Beamter kann ich das beurteilen.

A.B.: Kloud Design hat die Buchumschläge Deiner Romane gestaltet, wie gefällt Dir die Optik der Bände?
W.A.G.: Ich liebe das Cover von „Geist der Venus“, es ist so samtig-freundlich und trifft die Grundstimmung.
Der düstere Einband von „Dunkles Licht in heller Nacht“ passt mit dem eingebauten Labyrinth sehr gut zum etwas rätselhaften Thema. Mit meiner Begeisterung stehe ich nicht allein da, denn von dem Titelbild existiert schon mindestens ein Plagiat.

A.B.: Hast Du ein Vorbild – literarisch und/oder allgemein?
W.A.G.: Tom Sharpe (‚Puppenord’) – ein unglaublicher Schreiberling. Ich werde ihn nie erreichen.

A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt?
W.A.G.: Ich lese viel. Aber querbeet, Genre eher nicht. Ich habe gerade „Herr Spiro“ von Birgit Theisen gelesen, davor „Auf dem scharzen Schiff“ von Bernhard Lassahn. Beides ziemliche Wälzer und unbedingt lesenswert. Auf meinem Nachttisch liegt noch ungelesen „Der Junge muss an die frische Luft“ von Hape Kerkeling. Ich bin gespannt.

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?
W.A.G.: Ach, ich bin nicht sonderlich teamfähig. Schreiben ist eine einsame Sache, was ich durchaus schätze. Momentan wird Kontakt zum Leser ja sehr zelebriert, über soziale Netzwerke, über Homepages, Events und mehr. Selbst für einige Bücher gibt es inzwischen Making-Of-Seiten.
Persönlich halte ich wenig davon. Ich sehe mir auch niemals das Making-Of-Material eines Films an, denn so etwas macht für mich den ganzen Zauber kaputt.

©C. Bley
© ©C. Bley

A.B.: Wie gestaltet sich dieser?
W.A.G.: Er beschränkt sich auf Lesungen und auf Kontakte via Facebook oder Mail – denn natürlich bin ich erreichbar und an der Meinung meiner Leser interessiert. Darum veranstalte ich auch ab und zu eine autorenbegleitete Leserunde auf Lovelybooks.

A.B.: Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen?
W.A.G.: Ja, monatlich findet im Hamburger Kulturpunkt die Spät-Lese statt. Da bin ich zwar Veranstalter, lese gelegentlich aber auch selbst. Ansonsten mache ich vier oder fünf Lesungen im Jahr, meist auf Anfrage von Veranstaltern hin.

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
W.A.G.: Ja, ich habe einen guten Mentor. Ich möchte diskret bleiben, aber an dieser Stelle: Danke, Dieter! Und einen weiteren Geist, der meinen Blick schärft und mich sehr motiviert: Danke Norbert Krüger! (www.das-dritte-prinzip.de/ ). Und natürlich meine Frau, sie ist die schärfste Kritikerin überhaupt. Das ist zuweilen wirklich anstrengend, denn man kommt bei Frauen nicht unbedingt mit Logik weiter … Frauen haben eine seltsam besondere Art, manche Dinge emotional falsch zu verstehen.

A.B.: Welchen Rat würdest Du Newcomer-Autoren für die Verlagssuche geben?
W.A.G.: Ganz wichtig: niemals aufgeben! Der Rest kommt von allein. Wer Krimis, Thriller oder Liebesgeschichten schreibt, sollte sich an eine Agentur wenden. Auf keinen Fall ist es eine gute Idee, unlektorierte oder gar unbearbeitete Texte einzureichen.

A.B.: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?
W.A.G.: Kleinverlage können sich dem Autoren in besonderer Weise widmen, ihn aufbauen. Es entsteht sehr individuelles Betreuungsverhältnis. Das Problem kleiner Verlage liegt meistens im Bereich des Vertriebs, weil Buchhändler lieber die Bestseller der Großverlage präsentieren.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?
W.A.G.: Ich arbeite an einem neuen Roman. Eine Milieustudie einer Kleinstadt in der Normandie, also dort, wo die vielen Apfelbäume wachsen und wo der Cidre hergestellt wird. Wieder kein Genreroman. Ich werde es nie lernen, in eine Schublade zu passen.
Aber ich möchte weiterhin meine Gedanken hegen, die mich eben in solche Geschichten treiben.

A.B.: Vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen.
W.A.G.: Immer gerne!
©C. Bley
©C. Bley


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