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Ich kann wirklich sagen, dass mir noch nie zuvor ein Roman so nah gegangen ist.

Interview mit Tanja Bern, geführt von Alisha Bionda am 15. Mai. 2015.


Dieses Interview ist Teil der Kolumne:

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A. Bionda
6 Beiträge / 26 Interviews / 2 Kurzgeschichten / 37 Galerie-Bilder vorhanden
Tanja Bern Tanja Bern
Alisha Bionda führte via Mail einen weiteren Teil eines umfangreichen Interviews mit TANJA BERN.

A.B.: Liebe Tanja, heute möchte ich mit Dir über Deinen aktuellen Romance-Roman NAH BEI MIR reden. Dieser ist ja vor Kurzem als eBook aber auch sehr edles Hardcover mit farbigen Innengrafiken als Band 1 der von mir herausgegebenen „Edition Romantica“ im Arunya-Verlag erschienen. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Genres Du mittlerweile bedienst. Du scheinst Dich in den letzten beiden Jahren enorm entwickelt zu haben. Teilst Du meine Meinung? Und wenn ja, was war maßgeblich für diese Entwicklung?
T.B.: Ja, ich empfinde das sehr ähnlich und bin selbst erstaunt darüber. Ich begann ja mit der Contemporary-Fantasy und habe in den ersten Jahren nur an meiner Sídhe-Reihe geschrieben. Das wandelte sich zwar mit der Zeit und ich liebäugelte auch mit anderen Geschichten, aber wirklich entwickelt habe ich mich, seit ich zu Deiner Agentur Ashera gehöre. Du bringst mich auf Ideen, die ich nie in Erwägung gezogen hätte. Ich habe durch unsere Zusammenarbeit und auch durch die Verlagslektorate eine Menge dazulernen dürfen und versuche mich immer weiter zu verbessern. Ich finde es zurzeit unglaublich faszinierend, wie man ältere Geschichten mit neuem Wissen aufwerten kann, wenn man sie neu überarbeitet. Genau das tue ich gerade mit meiner ersten Buchreihe und der neue 1. Band ist selbst für mich eine enorme Überraschung gewesen, weil ich hier besonders gemerkt habe, wie sehr hier die Entwicklung ist. „Nah bei mir“ ist allerdings noch mal etwas Besonderes, denn diese Story hat sich viele Jahre lang entfalten müssen.

A.B.: Was erwartet die Leser in Deinem Liebesroman NAH BEI MIR?
T.B.: Es beginnt mit Katelyn. Sie wird von ihrer Großmutter in ein altes Familiengeheimnis eingeweiht. So kommt sie mit den Tagebüchern von Jonathan McKay in Berührung, der im 18. Jahrhundert gelebt hat. Als sie von ihm ein Porträt in einem Medaillon findet, ist sie sehr erschrocken, denn es ist der Mann, von dem sie seit der Kindheit träumt. Tief bewegt nimmt sie die Tagebücher und taucht in Jonathans Geschichte ein. Hier beginnt die eigentliche Story. Jonathan, von allen nur Sir John genannt, begegnet auf einem Ausritt der Familie O‘Malley, Fahrende, die auf dem Land seines Vaters lagern. Er bringt es nicht übers Herz sie fortzujagen. Weil sie auf dem McKay-Anwesen dringend Hilfe benötigen, bietet John ihnen schließlich an, für sie zu arbeiten. Schon von Anfang an ist er von Jake O’Malley fasziniert. Der geheimnisvolle Mann reizt John und weckt Gefühle in ihm, die er eigentlich komplett verdrängt hatte. Zunächst sperrt er sich dagegen, denn er ist mit Hellen verheiratet, der er sehr verbunden ist. Er liebt sie, obwohl ihre Ehe arrangiert worden ist, doch seine Liebe beruht auf Vertrauen und eher geschwisterlichen Gefühlen. Bei Jake ist es etwas völlig anderes. Der junge Mann weckt Empfindungen, die so tief gehen, dass John davon zu Anfang regelrecht erschüttert ist. Und Jake O’Malley erwidert diese Liebe. Trotz aller Widrigkeiten beginnen sie eine heimliche Beziehung, die immer mehr zur Gratwanderung wird. – Es gibt drei Tagebücher und zwischen Johns Erzählung geht der Leser immer wieder zu Katelyn zurück und deckt das Geheimnis auf, das sie in sich trägt. Denn ihr Leben ist eng mit Johns verknüpft.


A.B.: Steht Dir ein Charakter des Romans besonders nah? Wenn ja, warum?
T.B.: John ist mein unangefochtener Liebling. Wie Jake bin ich hoffnungslos in ihn verliebt. Ich habe das Gefühl zu ihm schon als Kind wahrgenommen und aus ihm hat sich eigentlich alles entwickelt. Immer war er nah bei mir, ganz egal, was ich geschrieben habe. Er ist wie meine Muse, inspiriert mich nach wie vor. Es war, als flüsterte er mir seine Geschichte ins Ohr. Ich identifiziere mich dadurch eher mit Jake, schlüpfte regelrecht in seine Rolle. Oft „sah“ ich Szenen auch aus seiner Sicht. Das war beim Schreiben manchmal ganz schön schwierig, da ja eigentlich John erzählt.

A.B.: Ich finde, der Roman lebt auch durch die besonderen Nebencharaktere. Hast Du diese streng nach Exposé geschrieben, oder haben sie eher ein Eigenleben geführt?
T.B.: Ach, das Exposé war hier wirklich total unwichtig für mich. Als ich es schrieb, war das Buch schon halb fertig, und ich kannte die Story komplett. Die Charaktere haben sich alle selbstständig entwickelt. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich hatte da gar nicht mitzureden. Die Nebenfigur Hellen, Johns Frau, sticht ihr unglaublich hervor. Mit ihrer Toleranz und ihrem Verständnis hat sie mich oft sprachlos vor dem PC sitzen lassen. Hellen ist unglaublich. Ich wusste anfangs nicht, wie sie sich verhalten wird. Eifersucht wäre hier das Naheliegende gewesen, aber da hat sie mir gehörig den Kopf gewaschen. Auch Johns Schwester Deidre entwickelte sich völlig anders, als ich eigentlich ursprünglich geplant hatte. Hier fließt es allerdings in eine andere Richtung, die mich eher traurig stimmte. Wer mir auch sehr ans Herz gewachsen ist: die Fahrende Noirin O’Malley, Jakes Schwester. Sie hatte ich immer ganz klar vor Augen.


A.B.: Wie kamst Du auf die Idee zu NAH BEI MIR?
T.B.: Ich glaube, als Idee kann man das nicht bezeichnen. John war irgendwie immer da, inspirierte mich und seine Story entfaltete sich jahrelang in meinen Gedanken. Immer wieder tauchten Szenen auf, die mich so beschäftigten, dass ich sie einfach aufschreiben musste. Das Puzzle fügte sich also immer mehr zu einem Ganzen. Als ich die erste Hälfte fertig hatte, stockte es aber. Einerseits begann ich durch die Agentur an anderen Geschichten zu schreiben, andererseits wollte sich die zweite Hälfte nicht so entfalten, als sperrte ich mich dagegen. Als ich aber vom Arunya-Verlag die Zusage erhielt, ich völlig in den Roman eintauchte, ohne Ablenkungen, floss es mir wirklich aus den Fingern. Ich kann wirklich sagen, dass mir noch nie zuvor ein Roman so nah gegangen ist.

A.B.: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?
T.B.: Perfekt. Die Lektorin war sehr berührt von der Geschichte. Es wurde kaum etwas geändert, wirklich nur Kleinigkeiten, da sie Johns persönliche Ausdrucksweise nicht zerstören wollte.



A.B.: Hattest Du irgendwelche Vorgaben vom Verlag bzw der Herausgeberin der Reihe?
T.B.: Nein, überhaupt nicht. Der Grundplot war ja durch das Exposé bekannt und ich hatte in allem freie Hand.

A.B.: Wie gefällt Dir der Buchumschlag/das Layout der Reihe?
T.B.: Das Cover gefällt mir wirklich unglaublich gut. Es bildet vollendet den Rahmen der Story. Die Elemente finden sich alle im Buch wieder. Als ich das Endcover das erste Mal gesehen habe, war ich sofort verliebt. Das Layout der Reihe finde ich genauso ansprechend. Das seitlich gelegte Herz mit den Schattierungen ist ja das Erkennungszeichen der Edition Romantica, und obwohl ich sonst kein Fan von Herzen bin, finde ich dieses außergewöhnlich schön.

A.B.: NAH BEI MIR ist Deine erste Hardcover-Veröffentlichung – sogar mit farbigen Innengrafiken. Was für ein Gefühl ist das für Dich als Autorin?
T.B.: Ich kann es immer noch nicht richtig glauben. Manchmal nehme ich mein persönliches Exemplar in die Hand, sehe es an, streiche über den Einband und genieße das Gefühl dazu. Ich hatte für das Buch ja anfangs nur einen eBook-Vertrag. Diese Geschichte als Print, sogar als Hardcover, in Händen zu halten, ist die Erfüllung eines Traums, da mich John und Jake so viele Jahre schon begleiten. Ich fühle mich jedes Mal wie Katelyn. Wenn sie Johns Tagebücher berührt, ist sie immer sehr bewegt, fühlt eine Verbundenheit dazu. Ähnlich geht es mir mit „Nah bei mir“.


A.B.: Was hat Dich gereizt in der EDITION ROMANTICA zu veröffentlichen?
T.B.: Es war eher so, dass der Arunya-Verlag auf mich zugekommen ist. Beziehungsweise hast Du die Geschichte ja dort vorgestellt und ich habe dann eine Zusage bekommen. Dass es Teil einer romantischen Reihe wird, habe ich erst im Nachhinein erfahren. Aber ich werde auch noch einen Band der „Edition Romantica“ mitbestreiten, die Novellen-Sammlung „Love Letters“. Da freue ich mich schon drauf. Auch wenn die Story noch nicht dran ist, spinnen schon Ideen in meinem Kopf herum. In meinen Geschichten findet sich eigentlich immer eine Liebesgeschichte, mal steht sie im Vordergrund, mal gehört sie schlicht dazu. Ich glaube, es ist eine Stärke von mir, den Protagonisten Gefühl und Leben einzuhauchen. Deshalb ist diese Reihe sehr interessant für mich.

A.B.: NAH BEI MIR war Dein erster Ausflug in die History Romance. Würde es Dich reizen, einen weiteren Roman in dem Genre zu bestreiten?
T.B.: Doch, auf jeden Fall. Besonders bei den Anthologiebeiträgen habe ich schon Ideen, die ebenfalls in diese Richtung fließen könnten. Es ist zwar eine gute Recherche notwendig und für historische Bücher würde ich wohl mehr Schreibzeit benötigen, aber es ist auf jeden Fall ein Genre, was mich sehr reizt.

A.B.: In NAH BEI MIR dreht sich der Hauptplot ja um die Liebe zweier Männer. Was hat Dich daran gereizt?
T.B.: Es begann alles damit, dass ich als Jugendliche den Film „Philadelphia“ mit Tom Hanks gesehen habe. Das Thema berührte mich, in Gedanken beschäftigte ich mich damit. Irgendetwas faszinierte mich daran, obwohl es ja ein sehr trauriger und nachdenklicher Film ist. Es mag damit zusammenhängen, dass ich ja John zu dieser Zeit schon als Buchcharakter wahrgenommen habe. Aber damals schrieb ich noch nicht. Unterschwellig wusste ich aber, dass es da in Johns Leben jemanden gibt, den er liebt. Wer das war, konnte ich noch nicht erfassen, aber ich erahnte eine ungewöhnliche Liebe. Später lernte ich immer mehr homosexuelle Menschen kennen. Sie wurden zu Freunden oder blieben gute Bekannte, die ich sehr schätze. Ich lese aber auch sehr gerne Gay-Romance und bin Fan der Serie „Queer as folk“. Soll heißen, dieses Thema gehörte für mich irgendwie immer dazu. Es war noch nie etwas, das mir befremdend vorkam, im Gegenteil. Ich sehe keinen Unterschied zwischen einer hetero- oder einer homosexuellen Beziehung. In John und Jake habe ich mich dadurch problemlos einfühlen können.


A.B.: Was mir an Deinem Roman besonders gefällt, ist die Tatsache, dass er mehrere Formen der Liebe beleuchtet. War das von Anfang an so von Dir beabsichtigt oder hat sich das während des Schreibens entwickelt?
T.B.: Das hat sich komplett verselbstständigt und während des Schreibens entwickelt. Von vielen Facetten der Charaktere war ich total überrascht. Vor allem Johns und Hellens Verbundenheit ist da sehr außergewöhnlich. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber es hat mich tief berührt, denn ich als Autor nehme diese Gefühle während des Schreibens wahr. Das war vor allem bei dieser Geschichte etwas Besonderes.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Was wird als Nächstes von Dir erscheinen? Worauf dürfen sich Deine Leser freuen?
T.B.: Im Juli erscheint meine Vampir-Gay-Romance „Flüstern der Ewigkeit“ bei Bookshouse. Es geht um Andrei, der gegen seinen Willen zu einem Vampir gewandelt wird und auf Samuel trifft, in den er sich verliebt, ohne zu wissen, dass der junge Mann eigentlich sein Feind ist. Schreibtechnisch arbeite ich gerade an dem ersten Teil meiner Dilogie „Wunschjuwel“, ebenfalls für Bookshouse. Da stecke ich sozusagen mitten im Finale. Der zweite Teil wird dieses Jahr auch noch fertig geschrieben. Für 2015 und 2016 ist auch noch einiges geplant. Zum Beispiel wird im Verlag O’Connell Press eine Fantasy-Romance erscheinen, die ich mit dem Internetblogger Pierre Petermichl von „Ich liebe Fantasybücher“ ausgetüftelt habe, zumindest die Idee dazu. Das Buch muss ich natürlich noch schreiben. Ich hüte gerade auch noch ein kleines Geheimnis. Mal sehen, wann ich das lüften kann.

A.B.: Zum guten Schluss für heute: Wirst Du demnächst irgendwo lesen? Wenn ja wo? Ggfs auch aus NAH BEI MIR?
T.B.: Ich lese am 20. Juni um 19 Uhr in Markus Bücherkiste (Werler Landstraße 260 - 59494 Soest) aus meinem Mystery-Krimi „Ruf der Geister“ und aus „Nah bei mir“. Am Samstag, den 5. September um 13 Uhr bin ich in der Mayersche Buchhandlung (Hochstraße 9 - 45894 Gelsenkirchen-Buer) und stelle auch hier „Ruf der Geister“ vor. Und am 8. Oktober um 18 Uhr lese ich in der Stadtbibliothek Gelsenkirchen-Horst (Turfstraße 21 - 45899 Gelsenkirchen), aus „Nah bei mir“.

A.B.: Wieder einmal vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen.
T.B.: Ich habe zu danken! Ich habe ja schon einige Interviews zu „Nah bei mir“ geführt, aber Deine Fragen beleuchteten noch mal ganz andere Seiten davon. Das war für mich sehr interessant.

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