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Über Bücher, Hörspiele, Filme und die Faszination der Phantastik

Interview mit Kai Meyer, geführt von Florian Hilleberg am 05. Apr. 2009.


Kai Meyer Kai Meyer
Wann und warum haben Sie sich dazu entschlossen einen Roman zu schreiben und diesen einem Verlag anzubieten?

YMein erstes Buch war 1993 ein True-Crime Roman, DER KREUZWORTRÄTSEL-MÖRDER. Vorher habe ich eine Handvoll Heftromane für Bastei-Lübbe geschrieben, den ersten mit neunzehn, glaube ich. Er wurde damals in der Serie „Mitternachts-Roman“ veröffentlicht, auch wenn ich ihn ursprünglich dem „Dämonen-Land“ angeboten hatte. Dort gab es aber zu der Zeit keine Originalromane, nur Nachdrucke, und so wanderte das Manuskript zur nächsten Redaktion.


Was war das für ein Gefühl Ihr erstes Buch gedruckt in Händen zu halten?

Natürlich war ich aufgeregt. Aber gleich darauf kam die Ernüchterung: Im Manuskript hatte ich die Namen der realen Personen, die in den Kriminalfall verwickelt waren, aus rechtlichen Gründen geändert – auf dem Cover war dann aber, innerhalb eines Zeitungsausschnitts, der dort verwendet worden war, der wahre Name des Mordopfers zu lesen. Das hat mich ziemlich aufgeregt, zumal es nicht lange dauerte und ich einen Anruf vom Weißen Ring bekam, einer Vereinigung, die die Rechte von Opfern wahrt und schlimmstenfalls einklagt. So weit ist es dann aber nicht gekommen.


Woran liegt Ihrer Meinung nach der Erfolg Ihrer Werke?

Ein Autor ist selbst der letzte, der das objektiv beantworten kann. Ich versuche, meinen Charakteren mindestens das gleiche Gewicht zu geben wie dem Plot, und das mag etwas sein, dass innerhalb der Genreliteratur manchmal zu kurz kommt. Und ich verweigere mich dem nahe liegenden Weg, das heißt, ich denke beim Entwurf der Handlung gern immer wieder um mehrere Ecken, um so auf Wendungen zu kommen, die die Leser hoffentlich nicht voraussehen können.


YWelches Ihrer Bücher würden Sie am ehesten empfehlen?

Dazu müsste ich den einen speziellen Leser kennen, der diese Frage stellt. Und seine Interessen oder zumindest seinen Geschmack. Fantasy-Fans sind sicher mit der STURMKÖNIGE-Trilogie gut bedient, Horror-Leser mit DIE VATIKAN-VERSCHWÖRUNG, DAS ZWEITE GESICHT oder GÖTTIN DER WÜSTE. Jemandem aus der Gothic-Szene würde ich DIE ALCHIMISTIN empfehlen. Jugendlichen eine der anderen Trilogien. Aber das ist alles sehr verallgemeinernd.


Haben Sie eine bestimmte Tageszeit an der sie besonders kreativ sind?

Früher am Vormittag, mittlerweile eher der späte Nachmittag.


Wie sieht ein Arbeitstag im Leben von Kai Meyer aus?

Aufstehen um sechs, gegen acht sitze ich am Laptop. Ich schreibe rund zehn Seiten am Tag, und das dauert mal bis zum Mittag, mal auch bis sieben, halb acht am Abend. Je nach der Menge der Unterbrechungen.


Wenn Sie die Idee zu einem Roman haben, setzen Sie sich dann einfach an den Computer und schreiben drauflos oder gibt es schon mal Tage, an denen Sie blockiert sind?

Ich schreibe nie einfach drauflos. Alle meine Bücher sind bis ins Detail durchgeplant, bevor ich die erste Seite schreibe. Szene für Szene, Charakter für Charakter. Darum bin ich auch selten ernsthaft blockiert. So lange ich mein Gerüst habe, an dem ich mich entlang hangeln kann, gibt es höchstens mal einzelne Tage, an denen es nicht so läuft wie es sollte.


YSie schreiben vornehmlich Romane vor historischem Hintergrund. Wie viel Zeit nimmt die Recherche für eine Geschichte bei Ihnen in Anspruch?

Abhängig von der Komplexität des Romans und meiner Vertrautheit mit der Epoche einen bis drei Monate.


Gibt es eine Epoche über die Sie besonders gerne schreiben?

Ich mag die Zwanzigerjahre gern, überhaupt das ganz frühe 20. Jahrhundert, aber das scheint bei den meisten Lesern nicht allzu gefragt zu sein. Was mir daran gefällt ist die Grenzsituation dieser Zeit, irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen Historie und Moderne.


Welche Art von Literatur bevorzugen Sie privat?

Ich kaufe wohl immer noch vorrangig Phantastik aller Art, aber ich lese immer weniger davon. Der letzte Roman, den ich absolut großartig fand, war Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“, und das ist eine waschechte Liebesgeschichte.


Gibt es eine Autorin oder einen Autor, der Sie besonders geprägt oder gar inspiriert hat?

Anfangs Alan Moore, Neil Gaiman, noch früher Clive Barker. Aber das ist fünfzehn oder noch mehr Jahre her. Mittlerweile sehe ich selbst bei den besten Autoren vor allem, welche Fehler auch sie machen, und wo sie sich mit meinen eigenen decken – das ist eine Berufskrankheit, schätze ich.


Woran arbeiten Sie gerade, beziehungsweise auf was dürfen sich Ihre Fans und Leser als nächstes freuen?

YIm Herbst erscheint der Auftaktband einer neuen Reihe, ARKADIEN ERWACHT, der im allerweitesten Sinne am ehesten mit der ALCHIMISTIN verwandt ist. Nicht inhaltlich, aber dahingehend, dass es im Kern eine phantastische Familiengeschichte ist. Außerdem ist gerade der zweite Band meiner STURMKÖNIGE-Trilogie erschienen, WUNSCHKRIEG. Der dritte Band kommt im Spätsommer oder frühen Herbst heraus.


Viele Ihrer Romane wurden bereits als Hörbuch oder Hörspiel vertont. Inwieweit sind Sie bei der Produktion involviert? Haben Sie Einfluss auf die Wahl der Sprecher?

Ich suche, wenn möglich, zumindest die Hauptrollen mit aus. Und ich korrigiere und überarbeite die Textadaptionen sehr, sehr gründlich, spreche sie dann noch einmal mit den Autoren durch und segne auch die fertigen Hörspiele ab und mache hier und da Anmerkungen für kleinere Änderungen. In den letzten Folgen der ALCHIMISTIN wurde daraufhin zum Beispiel noch einmal eine Rolle umbesetzt und komplett neu aufgenommen.


Mit „Die Alchimistin“ und „Die Vatikan-Verschwörung“ sind insgesamt drei Romane als aufwendige Hörspiele von Lübbe Audio vertont worden. Sind Sie selbst ein Hörspiel- und/oder Hörbuchfan oder reagieren Sie hier auf die Nachfrage des Marktes?

Hörbücher höre ich nur selten, aber mit Hörspielen bin ich aufgewachsen. Deshalb bin ich so hinter den Adaptionen her – von mir aus könnte jeder einzelne meiner Romane als Hörspiel umgesetzt werden. Und sehr viele sind ja auf dem besten Wege oder schon fertig. Ich kann meine eigenen Bücher nicht noch mal lesen, aber die Hörspiele kann ich wieder und wieder anhören. Das macht mich wieder zum – schreckliches Wort! – reinen Konsumenten, und ich darf Spaß an meinen eigenen Erfindungen haben. Auch weil ich versuche, Details, die mir nachträglich im Roman vielleicht nicht mehr so gefallen, bei der Überarbeitung der Adaption auszumerzen. Das sind Kleinigkeiten, stilistische Ungenauigkeiten oder mal ein falsches Bild. In den letzten Folgen der ALCHIMISTIN habe ich zum Beispiel öfter mal die Dialoge von Gillian und Charisma gegeneinander ausgetauscht, weil ich – mit mehreren Jahren Abstand zum Original – der Meinung war, diesen Satz sollte eher er sagen statt sie. Oder umgekehrt. Manchmal geht so etwas erstaunlich leicht.


YSie haben auch die Drehbücher zu den Horrorfilmen „Schrei, denn ich werde dich töten“ und „Insel der Angst“ (School’s out 1 & 2) geschrieben. Basieren die Filme auf Ihren Ideen?

Ja. Die Vorgabe von RTL war lediglich beim ersten, dass es ein Teen-Slasher sein sollte. Den haben sie bekommen – und sich dann gewundert, dass es massiven Ärger mit dem Jugendschutz gab.


Gibt es zu den Filmen Bücher aus Ihrer Feder?

Nein. Sie waren immer nur als Drehbücher geplant, genau wie DER BRENNENDE SCHATTEN und DER KLABAUTERKRIEG nie etwas anderes als Original-Hörspiele sein sollten. Zu beiden wird es keine Romane geben, auch wenn die Frage danach immer wieder mal gestellt wird.


Was ist dem Menschen Kai Meyer wichtig?

Im Privaten das übliche, was jeder für sich und seine Familie möchte. Beruflich vor allem Professionalität und Zuverlässigkeit. Hapert es an einem davon, macht mich das wahnsinnig.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.


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