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Der Traumwandler
Interview mit Markus Winter, geführt von Florian Hilleberg am 17. Jun. 2009.Hallo Markus, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. Aber sehr gerne doch :-). Kannst Du kurz etwas zu Deiner Person sagen?Klar. Haken wir zunächst das Private ab, da ich davon eigentlich nicht zu viel an die Öffentlichkeit weitergeben möchte. Geboren 1973 in Düsseldorf, wohnhaft in Leverkusen. Unverheiratet, aber in festen Händen. Keine Kinder, aber eine Katze. So, das sollte genügen. ;-) Mit dem Schreiben habe ich schon sehr früh angefangen. Die ersten Kurzgeschichten habe ich so mit 11 oder 12 verfasst. Meine erste Veröffentlichung hatte ich mit 16 beim Basteiverlag. Gleichzeitig habe ich auch immer schon Musik gemacht. 1995 hatten wir sogar einen kleinen Charthit in Belgien und den Niederlanden. 1998 erschien bei Ullstein mein erster, und bisher einziger (die Zeit rast aber auch ;-))) Roman unter dem schrägen Pseudonym James D. Parker, der nicht wirklich erfolgreich war und mittlerweile als „verschollen“ anzusehen ist. Ich besitze selbst kein Exemplar mehr. Zu etwa dieser Zeit habe ich auch mein Studium der Anglistik (englische Sprachwissenschaft) beendet, welches mir in der Folgezeit einige interessante Aufgaben im englischen Sprachraum bescherte. So habe ich, selbst überzeugter Holmesianer, einige Holmes Geschichten für die Sherlock Holmes Society geschrieben. Das Label WinterZeit Tonträger wurde von mir und meiner Lebensgefährtin Anfang 2001 gegründet. Seither veröffentlichen wir dort regelmäßig meine eigenen Scheiben und seit diesem Jahr auch erstmals Fremdproduktionen. Mit meinem Projekt HERTzTON erschienen bislang drei Alben und 2002/2003 waren wir letztmalig live unterwegs. Auch komponiere ich von Zeit zu Zeit Jingles und erledige lokale Auftragsarbeiten in meinem kleinen Studio. Denn vom Schreiben alleine kann ich absolut nicht leben. Zum Hörspiel kam ich dann irgendwann 2006, als sich, auf eine lockere E-Mail hin, Corinna (Wodrich, Produktmanagerin der drei???) telefonisch bei mir gemeldet und kurze Zeit später mein Manuskript zum Jahrhundertstein für die neue Serie DiE DR3i eingekauft hat. Leider war das ja bloß ein kurzes Intermezzo, was sehr schade war, da wir alle noch soviel vor hatten. Da ich seit meiner Kindheit Hörspielfan bin (ich erinnere mich noch genau, wie ich mein erstes Hörspiel bekam. Es war eine labbrige, selbst aufgenommene MC, die mir mein Cousin geschenkt hat. Auf der einen Seite „Der unheimliche Drache“ von den DREI???, auf der anderen „Der silberne Buddha“ von Perry Clifton. Für mich noch heute DIE wichtigsten Hörspiele meines Lebens ;-)), war aber klar, dass ich in dem Medium weiterarbeiten wollte. Per Zufall lernte ich dann Mario (Cuneo, Chef von delicious media productions) kennen, der sofort Interesse an meinem Roman „Traumwandler“ zeigte, so dass wir beschlossen, diesen in ein Hörspiel um zu arbeiten. Daneben arbeite ich im Kölner Raum an Theaterprojekten, u.a. ja der erfolgreichen Eventreihe Fang den Mörder, bei denen Guildo Horn und wechselnde Schauspieler interaktive Ratekrimis präsentieren. Du hast für delicious media productions die Serie TRAUMWANDLER verfasst. Worum geht es in der Serie und inwieweit unterscheidet sie sich von anderen Mystery- oder Horror-Hörspielserien? TRAUMWANDLER ist die Geschichte eines Mannes, der eines Tages feststellt, dass die Dinge, die er träumt, plötzlich wahr werden. Was anfangs noch relativ harmlos zu sein scheint, steigert sich im Verlauf der Geschichte und er tut schreckliche Dinge. Darunter hat er natürlich psychisch sehr zu leiden. Er versucht der Sache auf den Grund zu gehen und stellt fest, dass er nicht der Einzige ist, dem diese Dinge widerfahren. Mehr mag ich eigentlich nicht sagen, denn sonst nehme ich Ereignisse und Erklärungen vorweg und damit den Hörern die Spannung. Ich denke, die Serie unterscheidet sich grundlegend von den meisten anderen Serien auf dem Markt. Zum einen, weil ich mich bemüht habe, eine eher psychologische Geschichte zu schreiben. Man baut ein Verhältnis zur Hauptperson auf, leidet mit ihr, obwohl das, was sie tut, ja alles andere als schön ist. Der Grusel ist sicher etwas leiser und eher unheimlich als bei all den knalligen und actionlastigen Produkten auf dem Markt. Ein düsteres Setting, unterschwellige Angst. Das wollte ich transportieren und ich hoffe, es ist gelungen. Zum anderen ist es eine Serie, die man nicht so nebenbei hören kann, wenn man ihr denn folgen will, da sie auf verschiedenen Ebenen spielt. Es gibt einmal die Erzählzeit, also die Zeit, in der Jonathan Drake (der Hauptcharakter) seine Erlebnisse auf Band spricht. Dazu macht er ja auch hin und wieder Angaben. Dann die erzählte Zeit, die chronologisch abläuft, also angefangen mit seinem ersten Traum, dem dann, mehr oder weniger schematisch, weitere, immer intensivere, folgen. Dazu kommen Flashbacks, die im übrigen die meisten wichtigen Informationen für die Auflösung der Geschichte, enthalten, sowie losgelöste Visionen und Szenen, die von der erzählten Zeit aus in der Zukunft spielen. Also irgendwo zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit liegen, wobei einige davon eben Visionen sind, und so nie passieren werden. Klingt jetzt recht kompliziert, aber ich denke, wenn man aufmerksam zuhört, erschließt sich einem das System recht schnell. Wir brechen dieses Schema allerdings auch rasch auf. In Folge drei verabschieden wir uns von den wiederkehrenden Träumen, die das Tagesgeschehen reflektieren. Folge fünf ist fast ein Krimi und fügt die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammen und Folge sechs ist bis auf einen kleinen, hinten angestellten Epilog ein Echtzeithörspiel. Die Grundgeschichte spielt bewusst mit Althergebrachtem und enthält sogar einige Zitate, aber die Gesamtkomposition und Umsetzung des Ganzen ist, glaube ich, etwas total Neues und Innovatives, das es so auf dem Gruselsektor noch nicht gibt. Die Geschichte ist äußerst düster und sehr mysteriös. Welches Publikum sprichst Du mit den Hörspielen primär an? Alle, die Spaß an unheimlichen und düsteren Geschichten haben. Ich bezeichne Traumwandler immer gerne als Psychothriller und gar nicht so sehr als Grusel oder Mysteryserie, wobei das natürlich durchaus auch Aspekte sind, die behandelt werden. Ich denke, es sollte einfach Jeder einmal rein hören, der spannende Hörspiele mag, denn ich glaube, was auch in bisher jeder Rezension gesagt worden ist, TRAUMWANDLER fesselt einfach. Aufgrund der Heftigkeit einiger Szenen, wie die mit der italienischen Straßendiebin in Folge 2, haben wir mal als Empfehlung „ab 16 Jahren“ ausgesprochen, denn ich weiß, dass gerade bei der Szene auch einige Erwachsene einen Kloß im Hals gehabt haben. Es ist eben doch Grusel und schierer Horror, was mit Jonathan Drake passiert. ;-) Gibt es zu TRAUMWANDLER eine literarische Vorlage? Ja und nein. Ich habe Traumwandler 2002 als Roman begonnen. Der Roman ist auch in der Rohversion fertig. Allerdings spielt er noch in Deutschland und die Hauptpersonen heißen völlig anders. Auch habe ich für das Spielbuch einige Szenen dazu geschrieben und andere, langwierige Passagen gestrichen, da es bei einem Hörspiel, auch wenn es ein eher ruhiges wie TRAUMWANDLER ist, schon auf ein zügiges Voranschreiten der Handlung und einen guten Spannungsbogen ankommt. Manchmal, gerade beim ersten Teil, kommst Du um einige längere Passagen nicht herum, weil Du Charaktere oder Handlungsstränge einführen musst, aber ich habe es gegenüber dem Buch sehr kurz und knapp gehalten. Auch die Auflösung am Ende ist nicht so ausführlich und haarklein, wie im Buch. Das brauschst Du bei einem Hörspiel einfach nicht. Damals beim Jahrhundertstein hatte ich irgendwie den Wunsch alles bis ins kleinste Detail erklären zu wollen. Das war ja denn auch schön, weil ich so tatsächlich keine Fragen offen ließ, aber das Resultat war eine 10 minütige Aufklärungsarie am Ende der Geschichte. Gut, das ist eigentlich schon wieder DREI??? typisch, somit also ein fester Bestandteil nahezu jeder Folge ;-), aber im Nachhinein hat mich das doch gestört. Das wäre eleganter gegangen. Und bei TRAUMWANDLER habe ich es jetzt etwas anders gemacht. Somit wäre eine Veröffentlichung des Buches sicher eine feine Sache, um mehr Hintergrundinformationen zu erhalten. Möglicherweise machen wir das auch noch, aber das liegt letztlich in der Hand von Mario Cuneo. Die Serie wird insgesamt aus 6 Folgen bestehen. Ist danach definitiv Schluss? Auch hier jein ;-) Das Schöne ist, dass wirklich Beides möglich ist. Du kannst das nach den sechs Folgen durchaus als abgeschlossen so stehen lassen und keiner wird etwas vermissen, oder glauben, es sei noch das ein oder andere ungeklärt. Dennoch ist eine Fortsetzung absolut möglich. Und ehrlich gesagt: ich habe sie bereits im Kopf. Ich weiß genau, wie es weitergehen sollte. Aber ich denke, hier gilt, was ich auch im Falle des Buches gesagt habe. Es kommt sicher auf die Verkaufszahlen an, ob wir weitermachen oder nicht. Und entscheiden tut das alleine Mario Cuneo. Warst Du an der Sprecherauswahl zu TRAUMWANDLER beteiligt, oder lag dies völlig im Ermessen von Mario Cuneo?Nein, dafür war, wie für die gesamte Produktion, alleine Mario Cuneo zuständig. Ich habe die Hörspiele auch erst gehört, als sie bereits im Handel waren. Letztlich tut das immer ein bisschen weh, sein „Baby“ so komplett aus der Hand zu geben, aber es ist eben die Arbeitsweise von Mario und ich habe mich dann auf seinen Wunsch hin ausgeklinkt. Wenn man aber jetzt das Resultat hört, so bin ich aber beruhigt und mit seiner Arbeit voll und ganz zufrieden. Er hat das super hinbekommen und genau die Atmosphäre geschaffen, die ich beim Schreiben im Sinn hatte. Und das ist ja das Wichtigste. Gerade die Tatsache, dass der Hauptsprecher eine unverbrauchte Stimme ist, spielt der Story in die Hände. Das Vertrauen, dieses „Mitfiebern“, das für mich ein wesentlicher Bestandteil der TRAUMWANDLER Konzeption war, um sie zum „Funktionieren“ zu bringen, geht so wesentlich besser vonstatten, weil Du Jens Wesemann einfach abnimmst, er sei Jonathan Drake. Mit einer inflationär eingesetzten Hörspielstimme hätte das überhaupt nicht funktioniert. Du hast auch Skripte zu der Detektivserie DIE3 verfasst, sowie mehrere Kurzgeschichten. Was reizt Dich persönlich am Medium Hörspiel? Um diesen strapazierten Begriff zu gebrauchen: ich bin eben einfach auch eines der „Kassettenkinder“. Hörspiele wie die drei???, TKKG oder die TSB Sinclair Serie haben meine Kindheit und Jugend geprägt. Dennoch habe ich ja zunächst nur „Prosa“ verfasst und kam eher zufällig durch den „Jahrhundertstein“ wieder zu den Hörspielen zurück. Dadurch aber hatte ich Blut geleckt. Direkt bei meinem Debutskript mit der legendären Heikedine Körting arbeiten zu können, war natürlich ein Traum. Ich habe von ihr und nicht zuletzt auch Oliver Rohrbeck während dieser Zeit viel gelernt und war schlichtweg angefixt und schnell im Genre drin. Das Schöne ist, dass Du im Hörspiel sehr viel Handlung über den Dialog transportierst, was eigentlich beim Roman das genaue Gegenteil ist. Du lässt dem Hörer viel mehr „Luft“, wenn ich das mal so nennen darf. Du forderst ihn mehr als beim Roman, wo doch sehr viel „beschrieben“ wird. Das ist im Theater ähnlich, wobei Du da aber wieder das Visuelle hast, weil du den Schauspieler mit dem Charakter assoziierst, beim Hörspiel bist Du völlig frei. Nirgendwo wird gesagt, wie denn Jonathan Drake überhaupt aussieht. Der Charakter entsteht vor dem geistigen Auge des Hörers, gelenkt durch seine eigene Fantasie und die Worte, die ich ihm in den Mund lege. Das macht einfach unheimlich Spaß und ist eine faszinierende Arbeit. Wird es absehbarer Zeit auch eine Buchveröffentlichung von Dir geben? Ich hoffe es. Ja. Ich arbeite an zwei Büchern parallel. Da ich aber auch noch so viele andere Dinge mache, ist momentan noch nicht abzusehen, wann sie erscheinen. Das eine wird ein Verschwörungsthriller, der im 19. Jahrhundert spielt und sich mit einer Geheimorganisation beschäftigt, die in Bayern angesiedelt ist. So eine Art deutscher Dan Brown im Westentaschenformat, wenn Du so willst. Das zweite wird ein Sachbuch. Was planst Du als nächstes Projekt in Sachen Hörspiele?Viel ;-) Aber ich kann nur wenig dazu sagen. Auf jeden Fall wird es, eventuell noch dieses Jahr – aber wir machen uns da keinen Druck, eine neue Serie aus meiner Feder geben. Arbeitstitel ist „Ein Fall für die Rosen“ und ich bin da sehr zuversichtlich, dass der Pool kreativer Menschen, die gerade daran arbeiten, da etwas wirklich Großes auf die Beine stellen wird. Grob gesagt ist es eine Jugendkrimiserie, die aber doch völlig anders und absolut einzigartig werden wird, das kann ich schon jetzt versprechen. Die drei Hauptcharaktere verbindet nämlich ebenfalls ein großes Geheimnis. Die Serie spielt im Paris des 19. Jahrhunderts, Fin de Siecle, und wird deutlich erwachsener produziert werden. So wird es, was ja bei anderen Serien ein „No Go“ ist, auch Tote geben. Sie hat einen deutlichen Fantasyeinschlag, ohne allerdings ins Gruselgenre zu gehen. Das Hauptaugenmerk liegt trotz des mystischen Settings auf in sich abgeschlossenen Krimi und Detektivepisoden. Mehr möchte ich noch nicht verraten. Darüberhinaus arbeite ich demnächst auch als Autor an einigen anderen Projekten mit, worauf ich mich auch sehr freue. Die genannten „Rosen“ und TRAUMWANDLER sind von Anfang an meine Kreationen und Schöpfungen, bei den anderen Projekten bin ich nur ein Teilgestalter eines Kosmos, den jemand Anderes ersonnen hat. Das finde ich sehr spannend. Wie beurteilst Du derzeit den deutschen Hörspielmarkt? Wirkt sich die Wirtschaftskrise auch auf die Zukunft der Hörspiele aus? Ich glaube, das tut sie schon. In Zeiten einer Krise wird immer erst an den sogenannten Luxusgütern gespart, also den Dingen, die der Unterhaltung dienen. Und wenn man sieht, wie viele kleine Labels nach nur wenigen Veröffentlichungen wieder die Segel streichen, dann ist das schon traurig. Der Markt ist überflutet worden, weil es vor einigen Jahren einen regelrechten Boom gab. Und wie immer in solchen Zeiten gibt es dann ganz viele, die da auf den Zug aufspringen und ein Stück vom Kuchen haben wollen. Da sind sicher viele wirklich innovative und schöne Sachen dabei, aber leider nimmt mit der Menge natürlich auch die Anzahl der Produkte zu, die qualitativ, na sagen wir mal, nicht mehr so das Gelbe vom Ei, sind. Ich erlebe das ja tagtäglich, wenn ich mich „bewerbe“. Viele Kleine verzichten aus Kostengründen darauf, einen professionellen Autor anzuheuern, und denken sich „Ach, das bisschen schreiben, kriege ich schon alleine hin!“. Ebenso wird ganz oft bei den Sprechern verfahren. Der Punkt ist aber, dass man es letzten Endes dann doch hört. Und das ist sehr schade. Die generelle Hörspielschwemme erlebten wir in den letzten Jahren und ein wenig hält sie noch an. Aber ich denke, es wird abnehmen. Man wird dann sehen, welche Produkte am Ende überleben. Das ist ja auch alles eine Marketing- und damit eben wieder eine Geldfrage. Viele kleine Labels haben tolle Produkte am Start, aber einfach nicht das Geld, diese angemessen zu bewerben und zu präsentieren. Und die Zeiten, wo jemand durch das Geschäft spaziert und irgendetwas aufgrund des interessanten Covers oder Klappentextes mal einfach so mitnimmt, sind leider vorbei. Da haben viele zu kämpfen. Da sehe ich ja auch gerade an Mario und TRAUMWANDLER. Das Potenzial für diese Serie ist wirklich riesig, wenn man nur mal die bisherigen Meinungen und Rezensionen anschaut, aber man stößt halt als kleines Label schnell an seine Grenzen. Welche Autoren liest Du privat gerne? Welche haben Dich besonders geprägt? Als Holmesianer ersten Grades natürlich erstmal Sir Arthur Conan Doyle. Somit überhaupt alles, was mit Krimis zu tun hat, also sowohl die Klassiker Agatha Christie, Chesterton, Futrelle oder Durbridge als auch sehr gerne die neue skandinavische Fraktion mit Henning Mankell und Hakan Nesser oder die deutsche mit Petra Hammesfahr und dem von mir sehr geschätzten Homesianerkollegen und Triumvirat Schöpfer Gisbert Haefs. J.K. Rowlings Harry Potter habe ich auch sehr gerne gelesen, sowie Cornelia Funkes „Tintenherz“ oder Stephanie Meyers „Twilight“ im englischen Original. Witzig ist, dass einige TRAUMWANDLER mit Stephen King verglichen haben, ich aber noch nie ein King Buch in der Hand gehabt habe. Dan Brown ist okay, wobei er sich meiner Meinung nach langsam zu oft wiederholt. Ansonsten noch ganz viele Klassiker, gerade auch im Jugendbereich, Kästner und Ende z.B. Und allen voran die Werke von Don Rosa, aber das sind ja keine Bücher im strengen Sinn ;-) Wovon lässt Du Dich inspirieren? Von der Welt im Allgemeinen und im Kleinen. TRAUMWANDLER entstand zum Beispiel während eines Besuches einer Freundin, die sich zwecks Entspannung in einer Kurklinik aufhielt. Ihre Zimmernachbarin sprach immer davon, dass sie alles, was sie tut, von zwei glühenden Augen befohlen bekommt. Ein paar Tage später war sie plötzlich in die geschlossene Abteilung verlegt worden. Das hat mich damals irgendwie getroffen und nicht mehr losgelassen. Und es war der Auslöser für die Geschichte von Jonathan Drake. Den „Jahrhundertstein“ schrieb ich, nachdem ich eine Dokumentation über Nostradamus gesehen hatte. Viele Personen, gerade bei „Fang den Mörder“ übrigens – weil du dann den Nerv des Livepublikums treffen musst, haben ein Äquivalent in meinem Bekanntenkreis oder sind mir irgendwo mal flüchtig begegnet oder aufgefallen. Nur so bekommst du es, in meinen Augen, authentisch hin. Natürlich ist 90 % all meiner Geschichten reine Phantasie, aber gewisse Dinge ziehe ich eben aus dem wahren Leben. So schreibe ich auch meistens über Orte, die ich kenne. Daher spielt TRAUMWANDLER in London und Mailand, da ich beide Städte bereits mehrfach besucht habe und einfach weiß, wie es dort ausschaut. Gut, in Rocky Beach war ich noch nicht, was vielleicht auch daran liegt, dass es gar nicht existiert ;-), aber in solchen Fällen habe ich dann einfach das Feeling für den Ort aus meiner langen Verbundenheit mit der Reihe oder informiere mich vorher ausführlich, über was ich schreiben sol. So geschehen, als ich zum Beispiel einen Krimi an der Wall Street spielen ließ, die ich noch nie in meinem Leben mit eigenen Augen gesehen habe. Wie sieht ein Arbeitstag im Leben von Markus Winter aus? Gibt es eine bestimmte Tageszeit, in der Du besonders kreativ bist? Unspektakulär ;-). Das Schöne, aber auch Anstrengende an der kreativen Tätigkeit ist, dass man keine geregelten Arbeitszeiten hat, sie gar nicht haben kann. Du musst dann arbeiten, wenn Dir etwas einfällt. Und das kann morgens, abends, nachts, am Wochenende oder in der Woche sein. Dann mache ich mich an die Arbeit. Einer meiner größten Fehler ist es übrigens, nicht aufhören zu können, ohne eine gewisse Etappe erreicht zu haben. Wenn ich aufhöre zu arbeiten, mich entspannen oder ausruhen will, dann geht das nur, wenn ich ein für mich persönlich zufriedenstellendes Ergebnis erreicht habe. So kommt es sehr oft vor, dass ich von morgens neun bis nachts um fünf durcharbeite, nur, weil mir eine Kleinigkeit keine Ruhe lässt. Dann gibt es wieder Tage, da sitze ich am PC oder habe meine Gitarre in der Hand und es kommt einfach nichts. Keine Inspiration, kein Flow, nichts. Dann hat es keinen Sinn und ich mache auch schon mal tagelang gar nichts, weil es einfach nicht geht. Nur selten funktioniert es unter Druck, wobei ich aber jeden Abgabetermin bisher eingehalten habe. Irgendwie schaffe ich es doch immer wieder rechtzeitig, den Schalter umzulegen. Was ist dem Menschen Markus Winter wichtig? Huch, ja… der philosophische Teil ;-). Nun, im Bereich meiner Arbeit ist es mir am Wichtigsten, die Menschen zu unterhalten, sie zum Nachdenken anzuregen, irgendetwas zu bewegen. Geld oder Erfolg interessieren mich überhaupt nicht, sonst hätte ich auch schon vor Jahren etwas Anderes machen müssen ;-). Solange ich nicht am Hungertuch nage, bin ich vollends zufrieden. Ansonsten bin ich jemand, der Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit schätzt. Schade ist lediglich, dass es davon viel zu wenig gibt, gerade in dem Bereich, wo ich arbeite. Einfach mal die Karten auf den Tisch, wäre manchmal besser, als irgendwelche leeren Versprechungen zu machen, um irgendetwas zu erreichen oder selber besser dazustehen. Leider verfalle ich ab und an auch schon in diese der heutigen Gesellschaft so typischen Verhaltensmuster, besonders wenn man mich verletzt und angegriffen hat. Aber ich ärgere mich noch im selben Moment darüber und arbeite ständig daran, dass zu ändern und zu verbessern. Wir sind eben alles nur Menschen. Was irgendwie auch so ein Grundsatz von mir ist: Nie den Menschen hinter dem Produkt vergessen. Vielen Dank, für das interessante Gespräch und weiterhin viel Glück und Erfolg für die Zukunft. [Zurück zur Übersicht] |
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