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Andrea Gunschera: Ich schreibe Bücher, wie ich sie selbst gern lesen würde
Interview mit Andrea Gunschera, geführt von Alisha Bionda am 24. Sep. 2009.A.B.: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, einige Fragen zu beantworten. Zuerst einige persönliche Fragen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen? A.G.: Ich halte mich selbst für einen idealistischen Pragmatiker – das ist wohl das Bild, das mich am besten beschreibt. Alles, was ich tue, ist auf ein größeres Ziel ausgerichtet, oft sogar unbewusst. Ich arbeite hart, um meine Träume in Realität umzusetzen, konzentriere mich auf das Machbare, reize das aber bis zum Äußersten aus. Meine größte Furcht ist es wahrscheinlich, Zeit zu verschwenden. Es gibt so viel zu tun, zu lernen, zu erfahren. Daraus resultierend habe ich stets mehr Projekte auf meinem Schreibtisch zu liegen, als ich eigentlich schaffen kann. Wahrscheinlich bedingt durch meinen beruflichen Hintergrund bin ich Ästhet, ich liebe die Schönheit in allen Dingen, auch wenn die natürlich eine subjektive Empfindung ist. Vielfalt fasziniert mich, ungewohnte Formen und Farben ziehen mich an. Ich bin sehr neugierig, muss Dingen auf den Grund gehen. Wenn ich in einer fremden Stadt ein interessantes Gebäude am Ende einer Straße entdecke, muss ich dort hinfahren, um es aus der Nähe zu betrachten. A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus? A.G.: Ich bin ein zielstrebiger Mensch. Darüber hinaus bin enorm selbstkritisch, ohne aber mich selbst und meine Arbeit fundamental in Frage zu stellen. Außerdem sagt man mir nach, dass ich recht erfolgreich als Vermittler und Diplomat sei. Ich denke, es hat damit zu tun, dass ich die Menschen um mich herum beobachte und versuche, ihre Motivation zu verstehen. Das hilft nicht nur im Umgang miteinander, sondern auch in der schriftstellerischen Arbeit. Du kannst keine glaubwürdigen Figuren erschaffen, wenn du nicht in der Lage bist, dich in sie hineinzuversetzen. A.B.: Was magst Du, und was nicht? A.G.: Ich mag es, Dinge direkt und schnörkellos anzugehen, gern auch mit kalkuliertem Risiko, ich bin kein Freund von Halbherzigkeit. Heuchelei und Scheinheiligkeit sind mir zuwider. Dennoch strebe ich nach Balance (nicht zu verwechseln mit Opportunismus). Fanatismus ist mir unerträglich, gleich ob religiöser, moralischer oder politischer Natur. Jenseits dessen – ich mag Spannungsliteratur, symphonische Musik, Hollywood-Kino (wenn es gut gemacht ist) und interessante Architektur. A.B.: Welche Hobbies hast Du? A.G.: Klavierspiel und Malerei standen früher weit oben auf der Liste, leide vernachlässige ich beides in Ermangelung von Zeit. Darüber hinaus: Reisen, gutes Essen, Bücher und Filme. Und gut gemachte Computerspiele. A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung? A.G.: Man liest ja oft in Biographien, dass der Autor schon als Kind darauf hinarbeitete, Schriftsteller zu werden. Auch ich habe Geschichten in linierte Deutschhefte geschrieben, aber ich kann nicht von mir behaupten, dass ich schon in jungen Jahren beschlossen hätte, einmal Bücher zu verfassen. Ich war ein Traumtänzer, wollte unbedingt Maler werden. Dann eine Zeitlang Archäologe, inspiriert durch die Abenteuer von Indiana Jones ;-). Meine Mutter riet mir eindringlich, doch ‚etwas Ordentliches’ zu lernen und wir einigten uns auf einen Kompromiss. Ich studierte Innenarchitektur und Industriedesign anstatt freier Malerei. Das war eine glückliche Entscheidung, denn sie sicherte mein Auskommen. Die Schriftstellerei kam erst später. Vor knapp zehn Jahren, die New Economy Blase war noch nicht geplatzt, beteiligte ich mich an einem Projekt zur Entwicklung eines Computerspiels. Wir planten, mit unserem Werk Genre-Geschichte zu schreiben und nebenher steinreich zu werden – wie so ziemlich jeder, der zu dieser Zeit in der Branche unterwegs war. New Economy, die Sterne zum Greifen nah. Ich schrieb die Story, entwarf die Welt und die Charaktere. Nach weniger als einem Jahr zerschlug sich das Unternehmen, die Sache mit dem Reichtum auch, doch ich hatte Geschmack am Schreiben gefunden und begann, das Konzept in einen Roman umzuschreiben. Natürlich hatte ich damals keine Vorstellung, wie man so etwas angeht. Ich brauchte vier Jahre für das Manuskript, und noch ein weiteres, um den nötigen Abstand zum eigenen Werk zu finden. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem Hobby allerdings längst eine Passion geworden. Der darauf folgende Roman schaffte den Sprung in die Veröffentlichung durch einen ernsthaften Verlag und die Zeiträume für die Fertigstellung eines Manuskripts sind viel kürzer geworden. Man kann also sagen, mein Werdegang hin zur Schriftstellerei hat sich aus den Umständen ergeben. Heute bin ich jedoch sehr glücklich darüber. Ich schreibe Bücher, wie ich sie selbst gern lesen würde. Und was kann man sich sonst wünschen? A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit? A.G.: Meinen ersten Roman begann ich 2001. In der Retrospektive gesehen war es ein reichlich klischeebehafteter Fantasy-Schinken, ein Glück, dass den niemand drucken wollte. Die Lehrzeit war allerdings unbezahlbar. A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt „angehst“? A.G.: Früher habe ich ‚aus dem Bauch’ heraus geschrieben, also mich von den Handlungen meiner Protagonisten überraschen lassen, ohne vorher zu wissen, wie die Geschichte ausgeht. Inzwischen arbeite ich aber mit sehr viel Struktur. Die initiale Idee ergibt sich aus einer Inspiration – das kann ein Ort sein, oder ein Film, oder ein Bild, das eine Assoziation auslöst. Für ‚Engelsbrut’ war das beispielsweise ein Mann, der als Silhouette hinter einem Fenster im gegenüberliegenden Hochhaus steht, die Nacht dämmert herauf, darunter eine sechsspurige Straßenschlucht in Downtown Los Angeles. Und weit entfernt die allgegenwärtigen Polizeisirenen. Das und die Beschreibung der gefallenen Engel im Buch Henoch, über die ich bei Recherchen gestolpert bin. Aus solchen Eindrücken entwickle ich die Idee, und dann einen detaillierten Plot mit allen wichtigen Charakteren. Daneben verbringe ich viel Zeit mit Detailrecherche. Während dieser ersten Phase schreibe ich außerdem ein oder zwei Kapitel, um ein Gefühl für die Geschichte zu bekommen. Das daraus resultierende Konzept lasse ich ein paar Wochen liegen und überarbeite es in einer zweiten Runde. Ich füge Details hinzu, prüfe es auf Logik und Konsistenz. Erst dann beginne ich mit dem eigentlichen Schreiben. Diese Methode ist sehr effizient für mich; es passiert mir nur selten, dass ich komplette Kapitel später wegwerfen oder neu schreiben muss. A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus? A.G.: Da ich tagsüber meinem Hauptberuf nachgehe, fällt das Schreiben in die Abendstunden und aufs Wochenende. Ich bin häufig auf Reisen und stehle mir gern auch ein paar Stunden auf Flughäfen oder im Zug für die Schriftstellerei. Ein typischer Wochentag beginnt bei mir gegen sieben Uhr. Ich beantworte Emails, die ich über Nacht aus Europa bekommen habe, ein Kaffee-und-Zigaretten-Frühstück draußen auf der Terrasse, vielleicht noch eine halbe Stunde konzeptionelle Arbeit oder Korrekturlesen in einem Manuskript. Gegen halb neun fahre ich ins Büro. An ruhigen Tagen bin ich gegen sieben Uhr abends wieder zu Hause, dann Abendessen, eventuell noch eine Stunde Workout. Von neun Uhr bis ca. Mitternacht schreibe ich, am Wochenende auch morgens oder nachmittags. A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst? A.G.: Glücklicherweise bin ich in der Lage, in so ziemlich jeder Umgebung und bei jedem Lärmpegel zu schreiben. Wenn die Umgebungsgeräusche sehr ablenken, setze ich mir Kopfhörer mit Musik auf. Das funktioniert wie ein Vorhang, der die Realität aussperrt. A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt? A.G.: Das hängt von der Situation ab. Ich kann den Plot für einen Roman entwerfen, während ich an einem anderen arbeite. Wenn ich allerdings anfange, am eigentlichen Manuskript zu schreiben, so ca. die ersten150 Seiten, dann ist das wie Flitterwochen. Ich bin dann so verliebt in meine neuen Protagonisten und ihre Geschichte, dass ich mich kaum überwinden kann, meine Aufmerksamkeit noch auf ein zweites Projekt zu richten. Später ändert sich das. Oft brauche ich sogar den Ausgleich, den ein anderes Thema bietet. Diese Phase tritt normalerweise im letzten Viertel eines Manuskripts ein. Was ich allerdings nicht kann, ist, zwei Romane gleichzeitig niederzuschreiben. Dabei bleibt immer ein Manuskript auf der Strecke. A.B.: Welchem Genre ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten? A.G.: Ich lese und schreibe unterschiedliche Genres, mag es aber, die Stilelemente zu mischen. Fantastik und Spannungsthriller liebe ich gleichermaßen. Mein aktuelles Dark Romance Projekt ist ein Stück weit Genre-Mix – ein Teil Romanik, ein Anteil Fantasy, ein Teil Action. Das ist es auch, was mich besonders reizt – bestimmte Genres mit Elementen anderer Genres anzureichern, also das Beste beider Welten zusammenzuführen. Ich finde z.B. die Mischung aus Fantasy und Noir ungeheuer spannend, ebenso wie Thriller mit übernatürlichen Elementen. A.B.: Dein erster Roman im Sieben Verlag war der Polit-Thriller DAS DUNKLE FENSTER. Erzähle den Lesern doch bitte ein wenig darüber. Wovon handelt der Roman? Wie kamst Du auf die Idee? A.G.: DAS DUNKLE FENSTER erzählt die Geschichte des russisch-stämmigen, aber in Beirut geborenen Malers und Auftragskillers Nikolaj Fedorow, der nach einem missglückten Attentat auf einen jüdischen Senator untertaucht und Jahre später vom Mossad aufgestöbert wird, der Informationen über die Hintergründe des Attentats sucht. Der Spur der Israelis folgt bald eine dritte Partei, die Nikolaj zum Schweigen bringen will, um die Identität der Auftraggeber zu schützen. Die Ereignisse eskalieren, als Nikolaj auf Carmen trifft, eine Frau, die er einst liebte, die er verriet und die nun für seine Jäger arbeitet. DAS DUNKLE FENSTER ist eine Geschichte über Freundschaft und Verrat, über scheinbar unvereinbare moralische Gegensätze, verlorene Ideale und die Kraft der Liebe. Die grobe Idee hatte ich bereits für einige Zeit im Hinterkopf, ohne sie im Detail auszuarbeiten. Dann kam Steven Spielbergs Mossad-Thriller MUNICH in die Kinos und gab mir den endgültigen Anstoß, aus der Idee einen Roman zu machen. Mich faszinierte vor allem die Darstellung der individuellen moralischen Konflikte in den Protagonisten, ihre Anstrengungen, nicht am Spagat zwischen Pflicht und Überzeugung zu zerbrechen und „zu tun, was getan werden muss“, ohne zum emotionalen Krüppel zu werden. A.B.: Du verfasst ja auch Kurzgeschichten. In einer Anthologie des Lerato Verlag, der mittlerweile seine Pforten geschlossen hat, sind mit - Aquarell d'Amour - Lass uns doch ... vernünftig sein - Klare Ansage - Schlaglichter gleich mehrere Kurzgeschichten von Dir erschienen. Gibt es noch weitere Anthologien, in denen Deine Texte zu lesen sind? A.G.: In der Tat ist die 2006 bei Lerato erschienene Anthologie die einzige, in der ich Kurzgeschichten veröffentlicht habe. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mich in den letzten Jahren überwiegend auf Romane konzentriert habe. Liest Du selbst auch gerne Kurzgeschichten? Wenn ja, welche Anthologien (Aufmachung, Text-Mixtur) bevorzugst Du? A.G.: Ich bin ein bekennender Fan der Kurzgeschichten von Stephen King; ein weiterer Lieblingsautor von mir ist Andrzej Sapkowski, ein polnischer Schriftsteller, mit seinen beiden Kurzgeschichten-Bänden um den Hexer Geralt. Ich mag es, wenn Kurzgeschichten in einem Band thematisch zusammenpassen, entweder von einem Autor, oder aber von mehreren Autoren, die dann aber alle das gleiche Genre bedienen. A.B.: Gibt es einen Autor, dessen Kurzgeschichten Du besonders magst? A.G.: Steven King, Andrzej Sapkowski ;-) A.B.: Hast Du eine Kurzgeschichte, die Du selbst als Deine beste bezeichnen würdest? A.G.: EIN WINTERNACHTSMÄRCHEN mag ich sehr gern, das ist Krimi Noir mit einem Hauch Fantasy. Die Geschichte ist ja derzeit auf LITERRA zu finden. Ebenso wie meine NEBELGRENZE-Serie über den abtrünnigen Sidhe-Krieger Asriel, die ich für mich persönlich als sehr gelungen empfinde. A.B.: Was ist ausschlaggebend dafür, an welchen Anthologie-Projekten Du Dich beteiligst? Herausgeber? Verlag? Thematik? A.G.: An erster Stelle steht ganz klar die Thematik. Ich brauche einen Funken, um daraus eine Inspiration zu beziehen, und das ist dann gewöhnlich ein Leitmotiv oder Thema, das für die Anthologie vorgegeben ist. Verlag und Herausgeber spielen sicher auch eine Rolle, denn das hat letztlich Einfluss auf die Qualität des Anthologie-Bandes, seine Verbreitung und die potentielle Leserschaft. A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder würdest Du auch mit einem Co-Autor arbeiten? Wenn ja, wer würde Dich da reizen? A.G.: Ich fürchte, ich bin ganz klar ein Einzelgänger, was das Schreiben von Büchern angeht. Ich bin ein Sturkopf und ein Diktator, wenn es um’s Bücherschreiben geht. Eine Co-Autorenschaft kann ich mir, wenn überhaupt, dann nur dergestalt vorstellen, dass die Aufgaben ganz klar getrennt sind – also z.B. einer schreibt (und legt damit die Stilistik fest) und der andere liefert das Konzept, den Plot, besorgt die Recherche. A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt? A.G.: Ich lese mit Begeisterung, auch wenn in den letzten Jahren die zur Verfügung stehende Zeit dafür geschrumpft ist. Dabei pendle ich zwischen Thriller und Fantasy, wobei ich bei letzterem zunehmend nach ungewöhnlichen Konzepten suche. Gelegentlich streife ich auch ScienceFiction – dabei aber eher unmittelbare Zukunftsszenarios im Noir-Stil als Weltraum-Epen. Und zuletzt auch Urban Fantasy. Spannungsliteratur eben, in allen Facetten. A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt? A.G.: Sagen wir es so: Mir hat niemand Steine in den Weg gelegt. Ich habe Rückhalt und freundliches Interesse erfahren, in den ersten Jahren ebenso wie heute. Einige meiner besten Kritiker stammen aus meinem Freundes- und Kollegenkreis. Ihre Meinung schätze ich sehr. A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen? A.G.: Ich habe einen Folgeband für die CITY OF ANGELS Serie begonnen, die ersten Kapitel nehmen allmählich Gestalt an. Das Buch erzählt die Geschichte des Schattenläufers Gabriel, der seine eigene Rasse hasst und mit der Schuld lebt, eine geliebte Frau getötet zu haben. In der Geschichte spielt ein Pharmakonzern eine Rolle, der ein Heilmittel aus dem Blut von Schattenläufern destilliert, eine Sekte, die die Apokalypse einzuleiten versucht und ein gefallener Engel, der zu neuer Macht aufsteigt, um das Gleichgewicht der Kräfte zu wenden. Und natürlich ist es auch die Geschichte einer großen Liebe… A.B.: Hast Du ein Vorbild? A.G.: Oh, da gibt es einige. Bücher, die ich lese, beeinflussen natürlich auch meine Art zu schreiben. Ich nenne hier nur einige Autoren, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Im Dark Romance Genre bewundere ich Sherilyn Kenyon, ihre leichtfüßige und humorvolle Schreibe, mit der sie Romantik und Action zu einer spannenden Mischung verwebt. Und natürlich Anne Rice, die große Meisterin der Paranormalen Literatur. Ich beneide ganz aufrichtig Richard Morgan, der dichte Atmosphäre und Spannung meisterlich erschafft und Schöpfer von ungeheuer realistischen Charakteren ist, so glaubhaft, dass es schmerzt. Der Mann schreibt wie ein Gott. Aus dem Thriller-Genre haben mich Autoren wie Robert Ludlum, Eric van Lustbader, Barry Eisler und Daniel Silva stark beeinflusst. In den letzten Jahren faszinieren mich zunehmend auch russische und osteuropäische Autoren, weil ihre Art zu schreiben, ihre Sprachbilder und Metaphern sich so erfrischend abheben von unserer überwiegend aus dem Angelsächsischen geprägten Unterhaltungsliteratur. Sergej Litschenko, Andrzej Sapkowski oder Steven Brust sind Autoren, die ich lese, auch mit dem Blick eines Lernenden. Du bist ja unlängst nach Los Angeles gezogen – in die Stadt der Engel. Übt Dein Leben im sonnigen Kalifornien (auch wenn in LA ja eher die dicke Dunstglocke vorherrscht) einen positiven Einfluss auf Deine Kreativität aus? A.G.: Das mit der Dunstglocke über L.A. muss ich energisch als Gerücht zurückweisen ;-). (Anm. der Hrsg: Dann hatte ich die 48 Mal wohl immer Pech!?) Aber ja, natürlich inspiriert die Stadt. Das mag in erster Linie daran liegen, dass es etwas Neues ist, eine ungewohnte Umgebung, noch dazu eine Kulisse, die man aus unzähligen Filmen kennt. In jeder Straßenschlucht, hinter jedem Haus scheint eine Geschichte zu lauern. Aber die USA, und Los Angeles im Besonderen, ist natürlich auch ein Ort starker Gegensätze. Extremer Reichtum, extreme Armut, Hollywood auf der einen Seite und Gangland auf der anderen, mit Drive-by-Shootings und Straßenschlachten zwischen Polizei und wütendem Mob, zwölfspurige Straßen, Gothic-Clubs und Menschen aus allen Teilen der Welt. Ich glaube, es ist unmöglich, die Fantasie in dieser Umgebung im Zaum zu halten. Und dass es in Südkalifornien nur zwei Jahreszeiten gibt, einen warmen Frühling und einen heißen Sommer, macht das Verweilen natürlich noch angenehmer. A.B.: Auf LITERRA ging im September 2008 die Fantasy-Online-Reihe NEBELGRENZE von Dir online. Schildere doch bitte, worum es darin geht und wann es weitere Beiträge geben wird. A.G.: Die erste NEBELGRENZE-Story entstand ursprünglich aus einem Kurzgeschichten-Wettbewerb, die ich dann um weitere Episoden ergänzt habe, weil mir der Protagonist Asriel und seine Welt ans Herz gewachsen war. Die NEBELGRENZE-Reihe spielt in einem klassischen Fantasy-Universum, das neben den Menschen von weiteren humanoiden Rassen, insbesondere den Sidhe (eine Art elbischer Rasse, die über ein kollektives Bewusstsein verfügt) bevölkert ist. Die Nebelgrenze selbst ist eine magische Barriere, die durch ein Ödland verläuft und die bekannten Reiche vor einem großen Übel auf der anderen Seite schützt, das über die Zeitalter in Vergessenheit geraten ist. Asriel, ein Angehöriger der Sidhe, löst sich gewaltsam aus dem Kollektiv seines Volkes, nachdem seine Zwillingsschwester und Geliebte den Interessen des Kollektivs geopfert wurde und er den Glauben an die Ideale seines Volkes verliert. Auf der Flucht vor seinen Häschern überschreitet er unabsichtlich die Nebelgrenze – etwas, das noch nie einem lebenden Wesen gelang. Auf der anderen Seite der Barriere erwartet ihn ein unbekanntes Land … mit neuen Gefahren und Herausforderungen. A.B.: Im Sieben Verlag startet nun mit „City of Angels“ eine paranormale Print-Serie von Dir. Erzähle den Lesern doch bitte um was es in dieser Serie und in Band 1 geht. A.G.: In CITY OF ANGELS geht es um die Schattenläufer, Kinder aus der Verbindung der gefallenen Engel mit Menschentöchtern. Schattenläufer gleichen äußerlich Menschen, doch das Blut der Engel lässt sie nahezu nicht altern und verleiht ihnen die Fähigkeit, sich selbst von schwersten Verletzungen rasch zu erholen. Dennoch kann man sie töten, wenn man ihre Schwachstellen kennt. Der Legende nach wurden ihre Stammväter, die gefallenen Engel, in grauer Vorzeit gejagt und zur Strecke gebracht, doch da sie unsterblich waren, rissen ihre Jäger ihnen die Seelen aus den Körpern und kerkerten sie ein. Doch es soll einen Weg geben, sie wieder zusammenzufügen, mit Hilfe von menschlichem Blut. Im ersten Band der Serie, ENGELSBRUT, wird die Geschichte von Alan und Eve erzählt. Eve berichtet als freie Journalistin über eine Mordserie in Los Angeles, bei der jede Nacht zwei Obdachlose getötet werden. Dabei begegnet sie dem attraktiven Maler Alan Glaser, der mehr über die Morde zu wissen scheint, als er vorgibt. Als sie Alan das Leben rettet, wird sie in die Welt der Schattenläufer gezogen, die unerkannt unter den Menschen leben, und gerät in große Gefahr. Ein tödlicher Jäger heftet sich an ihre Fersen, und auch Alan ist nicht das, was er vorgibt zu sein. Seine Liebe ist nicht ohne Makel… Mehr will ich nicht verraten, denn sonst macht es ja keinen Spaß mehr, das Buch zu lesen ;-) A.B.: Vielen Dank, für das ausführliche Beantworten meiner Fragen und viel Erfolg mit Deiner Serie. [Zurück zur Übersicht] |
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