Loading
Main Logo
THE FOOTBALL FACTORY
Home Autoren und ihre Werke Künstler und ihre Werke Hörbücher / Hörspiele Neuerscheinungen Vorschau Musik Filme Kurzgeschichten Magazine Verlage Specials Rezensionen Interviews Kolumnen Artikel Termine / Lesungen Ausschreibungen Institutionen Preise / Auszeichnungen Links Das Team
PDF
Startseite > Interviews > Carsten Steenbergen > „Das kann ich besser“

„Das kann ich besser“

„Das kann ich besser“

Interview mit Carsten Steenbergen, geführt von Florian Hilleberg am 08. Okt. 2009.


Hallo Carsten,
seit wann schreibst du? Wann reifte in dir der Entschluss als professioneller Autor tätig zu werden?


Hallo Florian,
die Initialzündung, vom Leseverrückten ins Schreiberlager zu wechseln, fand tatsächlich irgendwann 2001 statt. Auslöser war ein im Selbstverlag erschienener und von mir im Internet erstandener Roman einer jungen Kollegin, die eine Weitererzählung von Tolkiens „Herr der Ringe“ geschrieben hatte. Leider habe ich weder das Buch noch den Namen der Autorin mehr parat, so dass ich ihr bisher nicht dafür danken konnte, dass sie mich zum Schreiben gebracht hat. Wohl nicht, weil das Buch so sensationell war. Eher im Gegenteil. Das Gelesene hat mich entrüstet und erschüttert zugleich und zu dem verhängnisvollen Satz verleitet: „Das kann ich besser“.
Leider unter Zeugen, daher war ich ja förmlich dazu gezwungen, meiner großen Klappe Taten folgen zu lassen. Den ersten Versuch, knappe fünfzig Seiten eines Fantasy-Epos, in denen es die ganze Zeit so häufig regnete, dass es einem dabei selbst nass und kalt wurde, musste ich zwangsläufig ad acta legen. Wegen eindeutiger Unlesbarkeit.
Bis 2004 war die Sache mit dem Schreiben so ziemlich eingeschlafen, kam dann aber wieder auf, als ich auf den ersten Kurzgeschichten-Wettbewerb im Internet stieß. Ich schrieb eine Fantasy-Story über einen eingekerkerten Werwolf, reichte sie ein und – gewann natürlich nicht. Aber das Ergebnis in den vorderen Rängen bei mehreren hundert Einsendungen zeigte mir, dass die Idee mit dem Schreiben nicht ganz so abwegig war. Ich machte mich also wieder an die Arbeit, wenn auch nur sporadisch.
Mitte 2006 wurde dann schließlich meine vierte bis dahin verfasste Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlicht. Der Knoten war endgültig geplatzt. Seitdem bin ich mit Feuereifer dabei und freue mich über diverse Veröffentlichungsmöglichkeiten, die es mir erlaubt haben, meine Storys unter das Volk zu bringen.


YWas war Deine erste Veröffentlichung?

Das waren zwei Märchen für eine Anthologie des Märchenbasars: „Die kleine Waldfee“ und „Der unbedachte Abenteuer“. Der Herausgeber, der Dortmunder Märchensammler Mario Eberlein, war in einem Schreibforum auf meine Waldfee gestoßen und hatte mich kurzerhand eingeladen, an seinem privaten Projekt teilzunehmen. Was ich dann gerne gemacht habe. Natürlich! Dass ich dann sogar noch den Klappentext beisteuern durfte, war für mich schon eine große Sache.



Welche Autoren haben Dich maßgeblich beeinflusst?

Da gibt es einige. Wo fange ich da an? In den ersten, jungen Lesejahren waren es die klassischen Autoren der Abenteuerliteratur, zum Beispiel Karl May oder Robert Louis Stevenson. Zwischendurch gab es auch einmal eine intensive Krimiphase, dominiert vom großartigen Edgar Wallace.
Später, als ich mich für die phantastische Literatur zu begeistern begann, stand J.R.R. Tolkien ganz oben, dazu kamen dann Michael Moorcook, Robert Jordan, Michael A. Stackpole, Terry Brooks, Matt Ruff. Preston & Child als Thriller-Autoren nicht zu vergessen.
Tatsächlich sind es noch so einige mehr, die mich über viele, viele Stunden zum Lesen (und damit auch zum Schreiben) angehalten haben, aber es wären wohl zu viele, um sie alle zu nennen. Belassen wir es einfach bei einem umfangreichen Spektrum. ;)



Wovon lässt Du Dich inspirieren?

Von so ziemlich allem. Es passiert ja auch genug in der Welt, mit dem man jede Menge Geschichten erzählen kann. Das reicht von einem Song im Radio, zufällig mitgehörte Sätze von Passanten, Photographien bis hin zu alten Schautafeln im Wald. Man muss eigentlich nur Augen und Ohren offen halten, das ist das Schöne daran.
Besonders inspirierend empfinde ich allerdings historische Dokumentationen und Fachbücher, Antike bis Mittelalter. Dort steht oft soviel Phantastisches drin, dass die Ideen von ganz alleine zu sprudeln anfangen. Zeitungsberichte gehen natürlich auch gut.



Wie sieht ein Arbeitstag im Leben von Carsten Steenbergen aus? Gibt es eine bestimmte Tageszeit, in der Du besonders kreativ bist?

Wie so viele Kollegen der schreibenden Zunft, verdiene ich meine Brötchen noch mit einem „ordentlichen“ Hauptberuf. Die meiste Zeit des Tages, also in der Regel von morgens bis abends, verbringe ich als Softwarebetreuer in einem Rechenzentrum. Nach Feierabend geht es dann an den Computer zum Schreiben, wenn es sich einrichten lässt für ein bis zwei Stunden. Immerhin fordern Alltag und Familie berechtigterweise auch noch ihren Anteil, daher klappt das nicht immer so ganz.
Am Wochenende wird dann nicht ausgeschlafen, sondern in aller Frühe weitergetippt.
Das ist dann auch die Zeit, in der ich am meisten schaffe. Wenn niemand außer mir wach ist und man noch nicht so viele Dinge auf dem Tagesplan hat, die einen ablenken. Also Dinge, die mit „ich muss nachher unbedingt noch“ anfangen.
Wenn es sein muss, kann ich mich aber auch im vollbesetzten Zug oder kurz vor Mitternacht dran setzen. Abgabetermine nehmen auf kreative Phasen ja leider selten und nur wenig Rücksicht.



Welches Deiner Werke würdest Du empfehlen, wenn man bislang keinen Deiner Texte kennt?

Spontan meinen ersten Solo-Roman („Der Pilwiz“), eine historische Darkfantasy-Erzählung, die aktuell von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams vertreten wird. Da sich hierzu noch kein VÖ-Termin gefunden hat, verweise ich gerne solange auf www.steamtown.de, einer Webnovel aus dem Steamfantasy-Genre, die ich zusammen mit meinen Kollegen Thomas und Stefan Orgel schreibe. Die ersten sechs von acht Kapiteln kann man online bereits lesen.


Welche Art von Literatur bevorzugst Du privat?

Eigentlich alles Phantastische, also das was ich selbst auch schreibe. Das kann Fantasy in all seinen Spielarten sein, Sci-Fi, Horror oder auch mal etwas Skurriles. Dazu lese/höre ich sehr gerne spannende Thriller oder auch Jugendliteratur. Generell bin ich für alles offen. Ok, bei klassischen Heimatromanen würde ich doch eher passen.


YWoran arbeitest Du gerade, beziehungsweise auf was dürfen sich Deine Fans und Leser als nächstes freuen?

Da stehen mehrere, verschiedene Dinge an. Steamtown ist momentan ein Dauerprojekt mit drei Online-Veröffentlichungen in der Woche. Der erste Steamtown-Roman „Die Fabrik“ dürfte ca. im November fertig sein, wir stehen allerdings schon in Verhandlungen mit diversen Hörspiel-Labels, um daraus eine hörbare Fassung zu produzieren. Eine Printversion will natürlich auch nicht unversucht sein.
Daneben arbeite ich an einem in Amsterdam spielenden Thriller, einerseits als Roman und andererseits parallel dazu als gekürzte Hörbuchversion. Letztere dürfte Anfang 2010 veröffentlicht werden.
Weitere Hörbücher und auch ein klassischer Fantasy-Roman sind bereits in Planung, Einzelheiten kann ich darüber allerdings noch nicht verraten.



Die Kurzgeschichte, insbesondere im Genre „Düstere Phantastik“, fristet in Deutschland immer noch ein Schattendasein. Woran mag das Deiner Meinung nach liegen?

Ganz begreifen kann ich das leider auch nicht. Dabei gibt es so viele lesenswerte, qualitativ hochwertige Storys und nicht nur von Profiautoren.
Es vergeht ja kaum ein Monat, in dem nicht wenigstens eine neue ambitionierte Kurzgeschichtensammlung zu unterschiedlichsten Themen erscheint. Die dazu mit viel Liebe und Hingabe produziert wurde und oftmals in ihrer Qualität einem geachteten Roman in nichts nachstehen.
Der Roman wird offensichtlich allgemein als Königsdisziplin angesehen, gegen die „einfache“ Kurzgeschichten nicht ankommen. (Du hast ein Buch veröffentlicht? Toll! und wovon handelt der Roman? Ach, Kurzgeschichten. Na, denn. Auch schön) Geht es dann noch in den Bereich „Düstere Phantastik“, das seltsamerweise in einer Nische vor sich hinvegetiert, so wie Fantasy noch vor einigen Jahren, ist anscheinend schnell der Ofen des Interesses aus. Und das, obwohl viele Leute auf die entsprechenden Filme durchaus anspringen. Seltsam ist das schon. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn sich in diesem Sektor etwas mehr bewegen würde.



YDu arbeitest auch emsig im Bereich Hörspiel/Hörbuch. Zuletzt hast du „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson für eine Lesung bearbeitet. Was reizt dich an dem Medium?

Zuerst einmal alte Erinnerungen. Ich gehöre mit zu der Generation „Kassettenkinder“ bzw. Plattenkinder und habe früher selbst (auch heute noch) immer gerne Hörspiele gehört. Im Keller lagern noch einige Schätzchen, von ???, Fünf Freunde, Commander Perkins oder Flash Gordon, um nur einige zu nennen. Wenn mir zwischendurch wenig Zeit zum Lesen bleibt, lege ich mir auch gerne ein Hörbuch von aktuellen Romanen auf den MP3-Player oder höre sie im Auto, wenn ich mal wieder unterwegs bin. Mittlerweile gibt es ja ein breites Angebot auf dem Markt, da ist eigentlich für jeden etwas dabei. Die Faszination des gehörten Abenteuers ist bei mir jedenfalls ungebrochen. Ich mag dieses Gefühl von Kopfkino einfach. Von daher war der Schritt dahin, selbst Hörbücher/Hörspiele zu schreiben, nicht so ganz abwegig.


Was für ein Gefühl ist es, einen Klassiker der Weltliteratur für ein Hörbuch zu bearbeiten? Wie gehst du an eine solche Aufgabe heran?

Auf jeden Fall ein gutes. Gerade die Schatzinsel war früher eins meiner Lieblingsbücher und ich habe es sicher mehrfach verschlungen (So wie Moby Dick oder die Erzählung um Sir Francis Drake, dem Freibeuter der Königin). Und tue es auch heute immer wieder gerne. Es erfüllt mich natürlich ein wenig mit Stolz, dass ich die Hörbuchversion für Sdk-Media bearbeiten durfte. Man könnte das schon irgendwie als Kindheitstraum bezeichnen. Dass dann auch noch ein Held meiner Jugend, Mr. Silas himself, also Patrick Bach, als Sprecher gewonnen werden konnte, rundet die Sache ordentlich ab. Er verleiht der Geschichte mit seiner Stimme die gleiche umwerfende Atmosphäre, wie ich sie auch aus dem Buch kenne.
Für die Bearbeitung habe ich den Roman natürlich erst einmal gelesen. In einer möglichst alten und originaltreuen Übersetzung. Ganz auswendig wollte ich das dann doch nicht machen.
Anschließend habe ich mir Notizen gemacht, welche der Ereignisse oder Szenen den Kern der Story ausmachen. Immerhin gab es eine zeitliche Vorgabe, will heißen, die Geschichte sollte so zusammengefasst werden, dass der Rahmen einer CD nicht überschritten wird. Da muss man sich zwangsläufig auf die wichtigsten Elemente konzentrieren.
Mit der so erstellten Gliederung habe ich mich dann Kapitel für Kapitel durchgearbeitet, immer mit dem Blick auf den noch vorhandenen Platz. Wichtig für mich war, dass die Atmosphäre der Geschichte erhalten bleibt und auch die Sprache der damaligen Zeit transportiert wird.



Vielen Dank für das interessante Interview und alles Gute.

Sehr gerne und vielen Dank für das nette Gespräch.

„Das kann ich besser“
Quelle: http://carsten-steenbergen.de
[Zurück zur Übersicht]

Über LITERRA

News-Archiv

Gewinnspiel

Partner

TOP TEN

Special Info

LITERRA empfiehlt diesen Monat den historischen Roman VLAD, von C.C. Humphreys, erschienen im Heyne-Verlag.

Heutige Updates

Signierte Bücher
Die neueste Rattus Libri-Ausgabe
Dilimag
Jokers-Button
Home | Impressum | Links | News-Archiv
Copyright © 2006 - 2010 literra.info