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Von Kriegstaktik-Plänen und altmodischen Weckern mit Berufsstolz.


Mein Besuch bei der Primarschule in Fanas vom Montag, 14. November 2016
LADINA BORDOLI
berichtet.
© der Fotos Daniel Nigg

Im Spätsommer 2016 wurde ich von dem Primarlehrer Daniel Nigg aus Fanas eingeladen, im kommenden Herbst als Gast an seinem Unterricht teilzunehmen. Die Schüler behandelten das Thema »Geschichten schreiben« und hatten mit dem Text »Liebesbrief an meinen Wecker« bereits erste Erfahrungen mit der Materie gemacht. Der Besuch einer Schriftstellerin sollte für sie ein besonderes Erlebnis und eine Austauschmöglichkeit sein.

Sobald der Termin für meine Einladung bei der 4. bis 6. Klasse feststand, übermannte mich der altbekannte »kreative Wahnsinn«. In diesen intensiven Momenten komprimierter Ideenschöpfung rückt die Realität in weite Ferne. Lichtjahre vom Rest der Welt entfernt, durchforstete ich also meine gesamte Wohnung und stürzte mich zuletzt sogar noch in die dunklen Gewölbe des Kellers. Schließlich präsentierte sich mir ein Chaos aus lieb gewonnenen Büchern, bedeutungsvollen Gegenständen und belustigenden Texten aus Kindertagen. Darunter befanden sich auch Kleinode, die ich beinahe vergessen hatte. So zum Beispiel mein allererstes Schriftstück, das ich im Alter von sieben Jahren verfasst hatte. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, eben diese Lobeshymne, die offenbar dem Helden und Rächer Zorro gewidmet war, zu entziffern. Dies gelang mir bis auf eine Zeile innerhalb nützlicher Frist. Am letzten Buchstabenwurm scheiterte mein logisches Denkvermögen jedoch kläglich, weshalb ich schon befürchtete, meinen Vortrag in der Schule mit einem verlegenen Schulterzucken beginnen zu müssen. Irgendwann – Stunden später, um genau zu sein – fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was mein kühner, berittener Champion gemäß meinen Ausführungen tatsächlich in seinen starken Armen hielt ... waren »Kriegstaktik-Pläne der Cowboys« (deren Vorhaben er natürlich mit einem Fingerschnippen vereitelte).
So. Danach erlaubte ich mir endlich, mich schlafen zu legen.


Am Montagmorgen schleppte ich mein gesamtes Leben (denn ungefähr so fühlte sich die Fülle an Büchern, Bildern, Textfetzen und Schnickschnack, die ich für die Schulkinder zusammengetragen hatte, an) nach Fanas. Mithilfe des Klassenlehrers Daniel Nigg bereitete ich mich auf die Ankunft der Schüler vor und «deckte» den Autorentisch. Kurze Zeit später trudelten die Kinder ein; es konnte losgehen! Vierzehn neugierige Augenpaare musterten das rätselhafte Wesen, das vor ihnen stand.
»Frau Bordoli ist Autorin«, stellte mich der Lehrer vor. Ich fand diese Beschreibung ziemlich nett von ihm. Mir fielen da augenblicklich bis zu zehn weniger schmeichelhafte Synonyme ein.
Textmonster. Bücherfreak. Wort-Fetischist. (Um nur einige zu nennen ...)
Wie auch immer ... »Autorin« gefiel den Kindern und mir sehr gut, also beließen wir es dabei, bevor ich andere Vorschläge machen konnte.


Gemeinsam begaben wir uns anhand der mitgebrachten Bücher, Texte und Gegenstände in meine Vergangenheit und folgten der Buch-Spur bis in die Gegenwart zu meinem aktuellen Roman »Die Lazarus Verschwörung« (Fabylon Verlag, SteamPunk, Band 6). Die Leidenschaft für Geschichten (ob in Form von Romanen oder selbst verfassten Schriftstücken) hatte mich all die Jahrzehnte meines bisherigen Lebens begleitet. Fremde Welten hatten mich von Kindesbeinen an fasziniert. Mal düster, mal heiter hatten sie meinen jugendlichen Alltag mit Farbe gefüllt.
Bei meinen gegenwärtigen Projekten angekommen, zeigte ich den Kindern den Weg von der ersten Idee bis zum fertig gedruckten Buch. Zusammen erforschten wir den Kreativprozess und stellten fest, dass man aus einer einzelnen, imaginären Rose die Inspiration für einen ganzen Roman entwickeln kann. Aus einem öden, grauen Wecker wurde plötzlich ein altmodisches, koboldähnliches Hutzelmännchen mit Berufsstolz.
Weiter ging es mit den verschiedenen Formen der Recherche zu einem Buchprojekt und dem »Bewerbungsschreiben« mit dem kauzigen Namen »Exposé«. Es folgte das effektive Schreiben des Manuskriptes (mit seinen Tücken) sowie dessen Überarbeitung mithilfe des »bösen« Lektors (der ja genau wie der Lehrer überall sein rotes Gekritzel im Text anbringt!). Zum Schluss durften sich die Kinder noch nach Lust und Laune durch meinen Autorentisch wühlen und mich mit Fragen löchern. Eine kurze Lesung aus meinem aktuellen Roman »Die Lazarus Verschwörung« rundete den gemeinsamen Autoren-Vormittag ab.

Für mich war dieser Schulbesuch eine sehr bereichernde und schöne Erfahrung. Der Austausch mit den Kindern hat mir große Freude bereitet und ich hoffe, dass ich ihnen einen spannenden Einblick in die verrückte Welt einer Autorin geben konnte. Bei einigen Gesprächen begegnete ich sogar gleich gesinnten Wesen ... Ich glaube, aus dem einen oder anderen Küken könnte eines Tages ein »Textdrache« werden!
Meine Meinung dazu? Um aus einem meiner Lieblingskinderbücher zu zitieren:
Das wäre SATANARCHÄOLÜGENIALKOHÖLLISCH!

AGENTUR ASHERA
Beitrag Von Kriegstaktik-Plänen und altmodischen Weckern mit Berufsstolz. von Alisha Bionda
vom 18. Nov. 2016


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