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Lady Terminator


In den achtziger Jahren konnten amerikanische Firmen und Privatleute einen großen Teil ihrer Investitionen in die kanadische Filmindustrie direkt von ihrem Einkommen abschreiben lassen. Die Boomzeit des kanadischen Kinos mit einer Reihe obskurer, aber auch heute noch ansehenswerter Genreperlen. Da in Asien die Uhren immer anders gehen, ist es kein Wunder, dass Indonesien seine im Grunde nicht vorhandene Filmindustrie mit einem sehr kuriosen Gesetz zu beleben suchte. In den siebziger bis in die mittleren achtziger Jahre verordnete die indonesische Führung, dass jeder Verleih, der einen Film im Inland drehe, fünf ausländische Filme in das kinoverrückten Land importieren durfte. So begann die kurze Zeit der indonesischen Filme, die im Grunde bis auf ein an Trash interessiertem Publikum im damaligen Videokassettendschungel niemand wirklich interessierte. Die meisten anderen asiatischen Märkte blieben Indonesien aufgrund der schlechten Qualität ihrer Filme verschlossen. Zu den wenigen bekannten Höhepunkten dieser Zeit gehörte der harte Actionstreifen „The Warrior“, der in erster Linie durch seine holländische ungekürzte Veröffentlichung für Furore sorgte. In der Tradition der Hongkong Kung Fu Filme mit einer Hommage an den japanischen „Lone Wolf“ gedreht. 1988 drehte der fleißige, wenn auch nicht unbedingt erfolgreiche H. Tjut Djalil einen der nicht zuletzt aufgrund seines reißerischen Titels und seiner falschen Anlehnung an James Camerons „The Terminator“ bekannt geworden ist: „Lady Terminator“. Die Coverbeschreibung und die Intention des Regisseurs würde eher zu Mark Lesters deutlich unterschätzten „Die Klasse von 1999“ passen. Ganz bewusst hat Djalil eine alte Sage aus den indonesischen Küstenregionen mit einem Actionstreifen inklusiv einiger weniger schwacher Make Up-Effekte kombiniert.

Vor langer Zeit in einem Schloss am Meer: Die „South Sea Quee“ schläft mit einem Mann nach dem anderen. Sie ist unersättlich und die Männer können sie nicht befriedigen. Nach der Paarung tötet sie diese, indem ein Aal aus ihrer Vagina sich die Geschlechtsteile des Mannes abbeißt und diese verbluten. Doch ihr hundertster Mann schafft es, den Aal herauszuziehen. Der verwandelt sich in einen Dolch, mit dem er die Lebensenergie der Königin bannen kann. Sie zieht sich ins Meer zurück und schwört, 100 Jahre später an der Urenkelin des Mannes Rache zu nehmen.
In der Gegenwart sucht die Anthropologin Tanya Wilson (Barbara Anne Constanle) nach der Königin und ihrem Schloss, das inzwischen im Meer verschwunden ist. Als sie im Ozean taucht, wird sie von der Dämonin besessen und schreitet, nach Sex gierend und mordend, durch die Stadt. Ihr Ziel ist die Sängerin Erika (Claudia Angelique Rademaker), die Urenkelin des wackeren Mannes. Die einzige Hilfe, welche diese hat, um sich den Angriffen zu erwehren, ist der tapfere Polizist Max McNeil (Christopher J. Hart).

Die Legende von der Königin der Südsee hat ja für viele Filme herhalten müssen, aber die Kombination mit James Camerons „The Terminator“ ist wahrscheinlich einzigartig. Da der Film eine Reihe von Szenen aus dem amerikanischen Science Fiction-Vorbild kombiniert, fanden die Produzenten und der Regisseur die Brücke wahrscheinlich passend. So dringt der weibliche Gott-Terminator natürlich auch in eine Polizeizentrale ein und sorgt wie Arnold Schwarzenegger für ein Massaker. Im Gegensatz zu der amerikanischen Vorlage nicht das erste Massaker des Films. Gleich nach dem Auftauchen in der Gegenwart besucht die Göttin das Konzert der Urenkelin, einer aufstrebenden Sängerin; und kümmert sich martialisch um die Fans. Weiterhin operiert sie sich selbst an ihrem mechanischen Auge – ebenfalls eine Würdigung entsprechender Szenen des amerikanischen Originals. Auch wenn teilweise das Make Up bescheiden aussieht; laut den Credits ist hierfür ebenfalls die Hauptdarstellerin verantwortlich gewesen, das Multitalent ist aber zumindest unter diesem Namen in keinem anderen Film mehr aufgetreten -, ist die Eruption von Gewalt packend, mit hektischen Kamerabewegungen und fallenden Stuntmen nicht schlecht aufgenommen worden. Dem Film hätte es aber deutlich besser getan, wenn das Drehbuch vielleicht einen Zwischenspurt eingelegt und die Reinkarnation der Göttin in einem Cyborg als schief gegangenes Experiment verrückter Wissenschaftler beschrieben hätte. Das aus dem Meer staksen und zwei betrunkene Männer als Energiequelle zu Tode zu lieben, ist zwar optisch die attraktivere Variante – wobei die Kameraeinstellungen mehr als amateurhaft sind - , wirkt aber handlungstechnisch wie eine Reihe anderer Szenen unlogisch.
Der Film lebt von seiner rasanten Abfolge nicht immer überzeugend inszenierter und unter dem fast nicht vorhandenen Budget leidenden Actionszenen. So scheinen Sängerin und Polizist – ein unfreiwilliger Vorgriff auf Filme wie „Bodyguard“ – der brutalen Stalkerin entkommen zu sein. Sie kommen sich ein wenig näher und schon finden sie sich am nächsten Tag wieder vor den zahllosen Flinten der Gottheit. Diese zarten Beziehungsbande stehen zwar im Widerspruch zu einer vorherigen Szene, in welcher der Polizist als beziehungsunfähig charakterisiert worden sind, aber inhaltliche zum Teil konträre Sprünge machen aus „Lady Terminator“ eben einen unverwechselbaren Film. Was Hollywood in seinen Millionenproduktionen andeutet, kann Indonesien schon lange.
Die Autos stehen stets mit startbereiten Zündschlüsseln bereit und ein automatisches Maschinengewehr mit einem scheinbar endlichen Vorrat an Munition sollte in einer aufstrebenden Demokratie mit königlichen Wurzeln auch kein Problem sein. Dass gleich zu Beginn die schöne Taucherin breitbeinig aufs Bett gefesselt wird und der Aal aus dem Bett in ihre Vagina eindringt, um mit ihrem/seinem Rachefeldzug zu beginnen, ist eine der erotisch grenzwertigen Szenen, mit denen vor allem Männer ins Kino gelockt worden sind.

Hier geht es nicht um intellektuell hochstehende Filme, sondern die Wiederveröffentlichung dieser Trash-Perle zeigt die Wurzeln der koreanischen Filme, die heute zum Teil als neue Offenbarungen gefeiert werden. Während Südkoreas Filme oft in Bezug auf die Handlung ähnlich unstrukturiert, aber auch unkompliziert daherkommen, weisen sie zumindest eine überraschend kompetente Optik auf.
„Lady Terminator“ verfügt allerdings im Gegensatz zu einigen auf Laienschauspielerniveau liegenden anderen indonesischen Produktionen über Schauspieler, die eine solide Leistung abliefern. Barbara Anne Constable überzeugt als verführerischer, erotischer und unersättlicher Vamp. Als „Lady Terminator“ in enger schwarzer Kleidung mit hohen Stiefeln und der Maschinenpistole in der Hand steht sie auch sehr gut ihren Cyborg. Ausdruckstechnisch hat sie sehr wenig zu tun. Das liegt sicherlich auch daran, dass sowohl die deutsche als auch die verfügbare englische Synchronisation unter keinen Umständen der asiatischen Sprache angepasst werden können. Dazu kommt ein stoisch starrer Gesichtsausdruck, eine unfreiwillige Hommage an Arnold Schwarzeneggers beschränkte schauspielerische Fähigkeiten. Claudia Angelique hat wie viele asiatische Schauspielerinnen das Problem, das ihre englische Synchronstimme nicht singen kann und das sie auf der Bühne wirklich an das dunkle Zeitalter der Disko erinnert. Im Gegen zu Miss Constable hat sie relativ wenig zu tun, muss immer wieder auf die Bedrohungen reagieren und darf auch nur mit einem Mann schlafen. Ihr Gegenpart vernascht in den ersten zehn Minuten des Films alleine vier Männer! Der Polizist zwischen den Fronten – Christopher J. Hart – macht seinem angenommenen Namen allerdings nicht alle Ehre. Viel zu weich, viel zu klischeehaft und in seiner Liebesbeziehung zu der hübschen Möchte-Gern- Sängerin ohne Fortune.

Die Neuveröffentlichung der DVD wurde hierzulande juristisch geprüft, ist also nur Erwachsenen zugänglich. Der Film ist aber auf einem unfreiwillig komischen Niveau gewalttätig. Die Trickeffekte sind unrealistisch und wenn der Terminator wegen eines Schmuckstücks Frauen auf deren Toilette niederschießt, wird die beunruhigende Gewalt durch die amateurhafte Inszenierung negiert. Es fließt viel Blut, aber diese Situationen sind komisch überzeichnet. Einzig der grimmige, nihilistische Ton könnte ein „ab 18“-Rating heute noch rechtfertigen. „Lady Terminator“ lebt in erster Linie von seinem Ruf, eine Trashkultperle zu sein. Diesen hat sich der Film über viele Jahre hart erarbeitet. Frei von jeglicher Logik mit viel nackter Haut – insbesondere die Hauptdarstellerin darf für einen asiatischen Film sehr Eva-haft posieren - und einigen deutlich überzogenen Schießereien ist dieser knapp achtzig Minuten lange Streifen die perfekte Ergänzung für eine Post-„Terminator“-Revival Party mit „The Class of 1999“ als Dessert.

Die CMV- Laserversion Fassung von „Lady Terminator“ weist neben der englischen eine deutsche Tonspur auf. Aus der kurzlebigen deutschen Kinofassung geschnittene Szenen sind untertitelt wieder eingefügt worden. Die Untertitel müssen allerdings vor Beginn des Abspielens aktiviert werden. Die Bildqualität ist akzeptabel, zu Beginn fehlt es noch an der Schärfe und die Farben wirken verwaschen. Als einziges Extra gibt es den Kinotrailer.

CINE TRASH & TREASURY
Beitrag Lady Terminator von Thomas Harbach
vom 31. Jul. 2017


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