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Wolfssommer![]() Sommerzeit, Urlaubszeit. Während sich die Zweibeiner auf die Völkerwanderung machen, beginnt bei den Wölfen eine harte Zeit. Die Welpen, die im April zur Welt gekommen sind, wiegen Anfang Juni fünf Kilogramm und ihre Mutter hört auf, sie zu säugen. Über kurze Entfernungen laufen sie schon hinter ihren Eltern her und gewinnen so Kraft in ihren kleinen Beinchen. Mit zehn bis zwölf Wochen (ca. Anfang Juli), wenn sie etwas länger laufen können, werden sie zu einem neuen Familientreffpunkt gebracht, dem sogenannten „Rendezvousplatz“. Er liegt etwa ein bis drei Kilometer von der Höhle entfernt. Jetzt sind die kleinen Rüden schon schwerer als die Weibchen. Der Größenunterschied ist deutlich zu sehen. Weibchen können jetzt bis zu sechs und Rüden bis zu neun Kilogramm schwer sein. Manchmal bringt die Mutter jetzt die Kleinen noch einmal an einen anderen Rendezvousplatz. Ob damit die Welpen als „bewegliches Ziel“ sicherer sind, oder ob ihnen so nur eine vielfältigere geografische Orientierung ermöglicht werden soll, wissen wir nicht. Mehrmals am Tag versammelt sich die Familie jetzt hier und ruft durch ein allgemeines Heulen die fehlenden Rudelmitglieder nach Hause zurück. Überall werden jetzt Tierbabys geboren. In Yellowstone sind es besonders die kleinen Bison- und Elchkälbchen, die nicht nur Tausende von Touristen, sondern auch die hungrigen Wölfe und Bären anlocken. Im Juli ergießen sich wahre Ströme bunter Frühlingsblumen in die Täler, die wie die farbigen Geysire ihre Pracht unkontrolliert in die Wiesen strömen lassen. Kolibris irren umher, als ob sie sich nicht entscheiden können, wo sie zu trinken beginnen sollen. Und auch die anderen zahlreichen Vogelarten treffen aus ihren südlichen Winterquartieren ein. Das Leben der Wolfsfamilien konzentriert sich jetzt auf die Erziehung ihres Nachwuchses. Die Welpen müssen lernen, sozial verantwortliche Gruppenmitglieder zu sein, und enge Bande mit den anderen Mitgliedern der Familie knüpfen. Sie heulen und spielen zusammen, und wenn die Erwachsenen von der Jagd zurückkommen, werden sie von den Daheimgebliebenen begeistert begrüßt. Die Welpen lecken den Heimkehrern die Mundwinkel und animieren sie so zum Hervorwürgen des vorverdauten Futters. Daraus entwickelt sich automatisch aktive Unterwerfung, was wiederum mit dazu beiträgt, das familiäre Band zu festigen. Im August ist Hochsaison in Yellowstone. Etwa vier Millionen Besucher kommen jährlich in den Park, die meisten davon in dieser Zeit. Überall stehen Touristenbusse und Wohnmobile im Stau. An der Länge des Staus lässt sich erkennen, welche Tierart zu sehen ist. Drei bis fünf Autos: Bisons, vier bis acht Autos: Kojoten (wobei viele Touristen die Kojoten für Wölfe halten), 20 und mehr Autos, Busse, Motorräder und alles, was Reifen hat, in doppelter Spur auf der Fahrbahn: Wölfe oder Bären. Diese Staus kann jeder vermeiden, der nur ein paar Meter abseits der Straße wandert oder in der Dämmerung bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang unterwegs ist. Dann sind die Touristen in den Hotels beim Frühstück oder Abendessen und der Park gehört wieder den „Wolfgroupies“. Das Wetter ist jetzt meist warm. Anfangs kommt es an den späten Nachmittagen noch zu heftigen Gewitterstürmen, die aber dann im Laufe des Sommers nachlassen. Überall blühen Wildblumen und in trockenen Jahren fallen gelegentlich Schwärme von Heuschrecken ein. Jetzt machen sich die Hirsche auf Wanderschaft. Auf uralten Wanderrouten ziehen sie aus den warmen Tälern in höhere, kühlere Gebiete. Mit ihnen ziehen die Wölfe. Die kleinen Wölfe gehen von Mitte August an durch eine juvenile Phase, wo sie funktionelles Jagen lernen. In dieser Phase, die bis zu zwei Jahre dauern kann, beginnen die jugendlichen Wölfe, sich zu Beutegreifern zu entwickeln. Wölfe müssen lernen, erfolgreiche Jäger zu werden. Die, die es nicht sind, überleben nicht lange. Nachdem die Juvenilen erst einmal hervorgewürgtes Fleisch kennengelernt haben, lernen sie nun, feste Nahrung zu fressen. Als Nächstes müssen sie lernen, Fressen mit Töten zu assoziieren. Wir beobachten gelegentlich, wie erwachsene Wölfe verwundete Beute zu ihren Welpen bringen, damit sie mit der Beute spielen und sie töten lernen. Das Spiel imitiert das Tötungsverhalten. Die Welpen beginnen, Mäuse zu jagen, einschließlich Anschleichen und Jagd. Schließlich kommt der Tag, wo die kleinen Wölfe die Erwachsenen zum ersten Mal bei der Jagd begleiten. Vielleicht ist es nur ein Kaninchen, aber die Welpen müssen lernen, wann, wo und wie sie jagen. Sie müssen wissen, wann sie leise sein müssen, wie man sich anschleicht, wann man eine Herde auf schwache Tiere testet, wann man jagt und wie man tötet. Durch viele Übungen, Spiel und vor allem durch das Beobachten der Eltern trainieren die kleinen Wölfe die Jagd. Es dauert eine Weile, bis sie alles anwenden können, und manche Jagd misslingt. Junge Wölfe würden oft hungrig bleiben, wenn sie nicht erfahrene Eltern hätten. So erleben die kleinen Wölfe ihren ersten Sommer. („Ein Jahr als Wolf in Yellowstone“, Auszug aus „Die Wölfe von Yellowstone“, http://www.elli-radinger.de/html/yellowstone.html) WOLFSPUREN, Beitrag vom 07. Jul. 2010Weitere Beiträge
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