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Trüffel von Dorothea Puschmann
Illustration © Wolfgang Sigl

Trüffel
© http://www.wolfgangsigl-grafiken.de/
Ein Wildschwein hastet durch den Wald, dass die Erde bebt und die Bäume wackeln. Vollkommen außer Rand und Band schnüffelt es hier, buddelt dort. Schüttelt dann unwillig seinen schweren Kopf, rennt laut grunzend weiter.
"Ja, um Himmels willen!", krächzt es da von oben. "Was machst du denn für einen Lärm? Was trampelst du hier herum, dass man meint, es handele sich um ein Erdbeben?"
"Ich suche etwas", antwortet das Schwein kurz und unwirsch.
"Ja, das ist nicht zu übersehen. Und was, wenn ich fragen darf? Ich könnte dir vielleicht dabei helfen. Von hier oben habe ich nämlich einen recht guten Überblick. "
Das Schwein bleibt so abrupt stehen, dass ihm ein paar Erdbrocken um die Ohren fliegen, und schaut hoch. "Rabe, bist du es?"
"Sicher bin ich es. Wer sonst. Wer, außer mir, hat eine so schöne einmalige Stimme? Also, was suchst du, Borstenvieh?"
"Trüffel", kommt es grunzend von unten. "Ich hab gehört, es gibt wieder Trüffel!"
"Trüffel? Ha!" Der Rabe lacht. Erst leise in sich hinein, dann immer lauter, schließlich so laut, dass es seinen ganzen Körper schüttelt und er beinah die Balance verliert. "Trüffel! Haben sie das wirklich gesagt?"
Das Schwein nickt.
"Und du glaubst das? Das sagen sie doch nur so daher. Ein einfacher Trick ist das. Das soll uns glauben machen, wir seien zu dumm, sie zu finden. Oder zu faul. Ach, Borstenvieh, hast du wirklich geglaubt ... Nun schau nicht so enttäuscht! Eher lernst du das Fliegen, als dass es wieder Trüffel gibt."
Das Schwein sinkt ermattet auf den Waldboden. Ihm ist zum Heulen.
"Keine Trüffel", schnieft es, "nie wieder Trüffel. Das ist das Ende."
"Quatsch, ist es nicht!", krächzt der Rabe. Er sitzt jetzt auf einem der untersten Zweige einer mächtigen Eiche. "Sei nicht albern. Was hast du denn früher gegessen?"
"Weiß nicht mehr."
"Aber ich. Kartoffeln, zum Beispiel! Und Äpfel und Mais und Rüben und Eicheln."
"Kartoffeln? Eicheln?"
"Genau! Und, waren die so schlecht, mal ehrlich?"
"Na ja - nein, eigentlich nicht."
"Eben! Und nun lass den Kopf nicht länger hängen. Trüffel - das war gestern. Trüffel, davon kannst du träumen. Es ist immer gut, noch etwas zu haben, wovon man träumen kann! Weißt du, Borstenvieh, ich kenn da einen Acker, nicht weit von hier, mit Rüben, so süß und lecker ... "

31. Aug. 2007 - Dorothea Puschmann

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