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Der Club der Amazonen
von Arthur Gordon Wolf

Wolfgang Sigl Wolfgang Sigl
© http://www.wolfgangsigl-grafiken.de/
»Du bist aber spät dran, Liebling«, bemerkte Eileen, als ihr Mann im Morgenmantel in die Küchegeschlurft kam. Mit nahezu geschlossenen Augen manövrierte sich Howard zum Frühstückstisch und ließ sich dann mit einem schweren Seufzer auf den Stuhl fallen. »Morgen, Liebes«, murmelte er mühsam, »ich hab' das Gefühl, als wäre ich erst vor einer halben Stunde ins Bett gestiegen.« Mit beiden Händen fuhr er sich energisch über das Gesicht und durch die Haare, eine Geste, die seine ohnehin schon ungebändigte Frisur noch weiter in Unordnung brachte.
Eileen reichte ihm kopfschüttelnd ein leicht gebuttertes Toast mit Orangenmarmelade. »Mit deinem Gefühl liegst du gar nicht so falsch; als ich heute Nacht auf die Uhr gesehen habe, war es kurz nach vier.«
»Oh, verdammt!«, entfuhr es Howard. »Hab' ich dich etwa geweckt, Liebes? Tut mir schrecklich Leid. Eigentlich wäre die Sitzung spätestens um Mitternacht beendet gewesen, aber Petterson hat uns alle noch zu einem kleinen Drink ins 'La Forge' überredet.«
»Überredet?«, fragte Eileen mit unverhohlener Ironie.
Ihr Mann stöhnte erneut. »Du weißt doch wie das ist; wenn dir Petterson auf die Schulter klopft, kannst du schlecht seinen Arm wegstoßen. Er gefällt sich halt in der Rolle des kumpelhaften Chefs. Und außerdem gab es auch einen Grund zum Feiern. Die Umsatzzahlen des letzten Quartals waren mehr als erfreulich. Die Firma hat auf dem Markt bereits Platz 5 erobert. Und die Prognosen bestätigen den Aufwärtstrend. Lance meinte gestern: 'Noch ein, zwei Jahre, und 'Microsoft' streicht die Flaggen.'«
»Klingt ja großartig«, nickte Eileen scheinbar zustimmend. Sie nahm Howards Tasse und füllte sie bis zum Rand mit dampfendem, heißen Kaffee. »Und für dieses 'hehre Ziel' lässt dich die Firma selbst an Sonntagen nicht aus ihren Fängen.« Sie konnte sich diese Bemerkung einfach nicht verkneifen. Seit ihr Mann vor zwei Jahren den Posten des stellvertretenden Vertriebsdirektors von 'Netware Inc.' übernommen hatte, war sein Arbeitsvolumen mit jedem neuen Monat gestiegen. Das Paar hatte zwar ein neues, elegantes Haus außerhalb der Stadt beziehen können, Howard tauschte seinen verbeulten Honda gegen einen BMW ein, und Eileen erstand Kleider der New Yorker Mode-Avantgarde, aber die Zeit, die ihnen noch für gemeinsame Unternehmungen blieb, war auf wenige seltene Momente an den Wochenenden zusammengeschmolzen. Und auch die schienen nun völlig zu verschwinden.
Howard nahm erst einen großen Schluck Kaffee, bevor er antwortete. »Aber Eileen, das heute hat doch nichts mit 'Netware' zu tun«, protestierte er. »Nun ja, fast nichts. Wir spielen Golf und haben einfach unseren Spaß. Sonst nichts.«
»Aber klar doch. Und rein zufällig ist eure gesamte Vorstandsetage Mitglied im 'Albatros- Club'. Selbst der fette McGregor. Der braucht doch schon zum Pinkeln zwei Außenspiegel; wie der einen Abschlag schafft, ist mir ein Rätsel.«
Howard leerte hastig seine Tasse und füllte sie erneut auf. Seine schwindende Müdigkeit wurde zunehmend von einem pochenden Kopfschmerz überlagert. »Ich dachte, das Thema hätten wir längst ausdiskutiert«, stöhnte er. »Pettersons 'Japan- Philosophie'. Allein bin ich nichts; die Firma ist alles. Du kennst den Scheiß ja. Ständig plappert er von 'Teamgeist' und 'Wir- Gefühl'. Eine strikte Trennung von Arbeit und Freizeit existiert für ihn nicht. Und der Golfclub ist halt eine ideale Möglichkeit, beide Bereiche miteinander zu verknüpfen. Du weißt, eine Mitgliedschaft ist nahezu obligatorisch; aber was mich betrifft, so gehe ich wegen des Golfspielens hin und nicht wegen seines Gesülzes.«
»Mag ja sein«, gab Eileen zu, »aber dennoch vergeht kaum ein Sonntag, an dem ihr nicht Abschlüsse getätigt oder neue Verkaufsstrategien geplant habt. Ein schöner Sport!«
»Tja, aber nirgendwo sonst kannst du ungezwungener mit einem potentiellen Kunden plaudern, als wenn du mit ihm gemütlich von Loch zu Loch über das Grün wanderst. Und außerdem, was regst du dich auf? Ich habe meinen Verein, du hast deinen. Jedem das seine, nicht wahr? 'Deuce', wie die Tennisspieler zu sagen pflegen.« Mit zwei großen Bissen ließ Howard seinen Toast verschwinden und spülte ihn mit dem restlichen Kaffee hinunter. Nahezu übergangslos griff er nach der Thermoskanne und schenkte sich wieder ein. Eileen war immer wieder erstaunt, wie schnell ihr Mann die heiße Flüssigkeit vertilgen konnte. 6 - 8 Tassen innerhalb einer Viertelstunde waren für ihn kein Problem. Gegenüber einer Freundin hatte sie ihn einmal als ein 'K.K.T.- (Kaffee- Ketten- Trinker) Monster' bezeichnet. Sie zwang sich, ihren Blick von der Tasse zu lösen und räusperte sich.
»Kein 'Deuce'«, sagte sie. »So einfach kannst du die Dinge nicht gegeneinander aufwiegen. Was glaubst du denn, warum ich mich den 'Amazonen' angeschlossen habe? Doch nur deshalb, weil ich nicht alleine zu Hause 'rumsitzen wollte. Ich bin eigentlich kein Vereinsmensch, das weißt du. Aber was will man tun, wenn der 'Göttergatte' in seiner Freizeit lieber Golfbälle in Sandbunkern vergräbt, als mit seiner Frau 'mal schick essen zu gehen oder einen Wochenendtrip nach Vegas oder so zu unternehmen.«
Ihr tiefes Seufzen machte es Howard unmöglich, einen weiteren Toast zu schmieren. »Aber 'Eileen-Schatz'«, säuselte er, »wir waren doch erst kürzlich drüben im 'Yosemite- Park'.«
»Kürzlich? Nach deinen Maßstäben vielleicht; nächste Woche sind es genau 5 Monate her.«
»Ja, ich weiß, ich müsste mehr Zeit für uns 'rausschlagen«, gestand Howard schuldbewusst. »In nächster Zukunft wird sicher auch mal wieder ein längerer Urlaub drin sein. 6 Wochen Hawaii, na, das wär' doch was, oder?«
Seine Frau blickte ihn zweifelnd an. »Deine Worte in Gottes Ohr, Howie, aber an eine solche Reise glaube ich erst, wenn mir am Flughafen eines der Hula- Mädchen einen Blumenkranz um den Hals legt.«
Howard wedelte demonstrativ mit seinem Toast. »Keine Bange, wart's nur ab. Diesmal klappt’s ganz bestimmt. Und in der Zwischenzeit machen wir halt das Beste aus der Situation. » Er hielt kurz inne, um einen stärkenden Schluck Kaffee zu nehmen. »Ich dachte übrigens, dir gefiele dein 'Amazonen-Club'.«
Eileen gab ein kurzes, humorloses Lachen von sich. »Oh ja, sehr gut sogar. Schließlich sind wir ja alle so etwas wie Leidensgefährtinnen. Das schweißt zusammen. Bis auf Maria und Camilla haben wir alle einen nahezu unsichtbaren 'Workaholic' zum Mann. Ist sozusagen die Eintrittskarte zum Club.«
»Heeeh, heeeh, heeehhh, nun mal langsam«, unterbrach sie Howard. Seine Stimme hatte nun einen deutlich gereizten Klang. »Was willst du eigentlich, hmm? Sollen wir etwa wieder in unser altes -ach - so - geliebtes - Appartement am Orchard Drive umziehen? Die lieben Schaben würden uns sicher einen herzlichen Empfang bereiten. Oder die Nachbarn; ich vermisse direkt die nette Mrs. Brunswick, die nachts um drei noch ihr Violoncello stimmt. Möchtest du wieder deinen Vater wegen eines kleinen Kredits anbetteln, nur weil die Rostlaube von Auto zum dritten Mal innerhalb einer Woche den Geist aufgegeben hat? Ist es das, was du willst?«
'Immer wieder dieselben Argumente', dachte Eileen. »Nein, natürlich bin ich froh, dass wir umziehen konnten«, sagte sie. »Das Haus, die Gegend, die Nachbarn, es gefällt mir sehr. Ich bin auch sehr stolz auf deinen beruflichen Erfolg, aber ich frage mich nun halt, ob diese Verbesserungen nicht ungleich größere Opfer fordern. Geld ist nicht alles, Howard!«
Ihr Mann verdrehte demonstrativ die Augen. »Aber es beruhigt ungemein«, nuschelte er mit vollem Mund. Während er sich eine vierte oder fünfte Tasse eingoss, blickte er kurz auf seine Uhr. »Was? Schon viertel nach zehn? Die Jungs werden stinksauer, wenn ich zu spät zum Clubhaus komme.«
-«Die Jungs?«, fragte Eileen, »du meinst wohl eher Petterson.«
Howard ging nicht auf ihren Einwand ein. Hastig vertilgte er mehrere Gabeln Rührei; seine Tasse
leerte er bereits schon im Stehen. 'Na prima', dachte Eileen, hektischer konnte es kaum an einem Montagmorgen zugehen. Aber es war Sonntag. Sonntag!
Howard war schon an der Tür, als er sich noch einmal umdrehte. »Ach, übrigens, findet heute nicht euer 'Kränzchen' bei uns statt?«
»In der Tat.«
»Und wann?«
»Die ersten erwarte ich kurz vor elf, warum?« Diese Mitteilung verfehlte nicht ihre Wirkung. Howards Nervosität verdreifachte sich. »Wa...warum?«, krächzte er. »Oh...verdammt, warum hast du denn nichts gesagt? Wie ich diese Hernandez kenne, schneit die doch jeden Augenblick herein.« Er wirbelte herum und stieß sich dabei hörbar den Ellenbogen an der Türklinke; unter Flüchen und unterdrücktem Stöhnen stolperte er in den Flur hinaus.
Eileen blieb nahezu unbewegt am Tisch sitzen. »Maria«, sagte sie gegen die halb geschlossene Tür, »ihr Name ist Maria«, wohl wissend, dass ihr Mann sie bereits nicht mehr hören konnte. Seit Howard einmal den Fehler begangen hatte, sich mit dieser Frau in eine Diskussion zum Thema 'Die Rolle der Frau in der Gesellschaft' einzulassen, mied er sie wie die Pest. Der 'Club der Amazonen' besaß zwar keine offizielle Vorsitzende, insgeheim erkannten jedoch alle Mitglieder die Führungsqualitäten von Maria Hernandez an. Eigentlich hätte dazu schon ihr äußeres Erscheinungsbild gereicht: Maria war knapp 1,86 m groß, schlank und besaß - obwohl sie nie ein Fitness- Studio von innen gesehen hatte - die Schulterpartie eines Mittelgewichtsboxers. Dieser kantig- muskulöse Zug wurde jedoch durch betont weibliche Rundungen an anderen Stellen wieder ausgeglichen. Zusammen mit ihrem schulterlangen, tiefschwarzen Haar strahlte sie Kraft, herb- wilde Schönheit und Stolz aus. Marias Hauptqualitäten lagen allerdings auf rhetorischer Ebene; wenn es um Fragen wie 'Gleichberechtigung', 'Emanzipation' oder 'Selbstbestimmung' ging, rammte sie eventuelle Gegner verbal förmlich in den Boden. Niemand, auch nicht die eingefleischtesten Chauvinisten, hatten gegen den pointierten Wortschwall und die oft bedrohlich wirkende Gestik der Streiterin auch nur den Hauch einer Chance. Hätte Maria entsprechende Ambitionen gehabt - da waren sich alle Clubmitglieder einig - so wäre die Politik die ideale Bühne für sie gewesen. Tatsächlich aber war sie ganz zufrieden damit, eine kleine, aber feine Modeboutique zu führen. Während Eileen die kläglichen Reste des Frühstücks im Müllschlucker und der Spülmaschine verschwinden ließ, hörte sie, wie oben die Dusche angestellt wurde. Bei der Vorstellung, wie Howard gerade hektisch wie ein halb gerupftes Huhn unter dem Wasserstrahl umher sprang, musste sie unweigerlich grinsen. Zweifellos stellte er soeben einen neuen persönlichen Rekord im 'Schnellduschen' auf. Sie öffnete die Thermoskanne und goss den restlichen Schluck Kaffee in die Spüle.
Fasziniert betrachtete sie, wie Howards 'Lebenselixier' in dunklen Spiralen im Ausguss verschwand. Schwazes Blut. Wie in Hitchcocks »Psycho«. Irgendwo hatte sie einmal gelesen, dass Hitchcock für die berühmte Duschszene tatsächlich kein »Blut«, sondern schwarzen Tee oder Kaffee verwendet hatte, da die Farbe Rot im Schwarzweiß- Film für ihn eine zu schwache Wirkung besaß. Eileen hörte das Prasseln des Wassers über sich und sah die letzten Kaffeespiralen verschwinden, und plötzlich verschmolzen die beiden Szenen zu einer einzigen. Vor ihrem geistigen Auge sah sie Howard, der aus unsichtbaren Wunden blutete. Schwarzer Kaffee quoll aus seinem Körper und vermischte sich wirbelnd mit dem Duschwasser zu seinen Füßen. Seltsamerweise empfand sie keinerlei Bedauern oder Schrecken bei dieser Vorstellung.
Der dunkle Ton der Türschelle ließ Eileen aus ihren mörderischen Tagträumen erwachen. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr - es war genau 10 Uhr 35 - ging sie summend in Richtung Flur. Wie
üblich trudelten einige der 'Amazonen' deutlich vor der festgesetzten Zeit am Treffpunkt ein. Diesmal machte Anne- Lucille den Anfang. Die Gastgeberin hatte kaum die Tür geöffnet, als man ihr schon eine überdimensionale Glasschüssel entgegenhielt. »'Mousse au Caramal a la mexicain'«, erläuterte Anne- Lucille, über das ganze Gesicht strahlend. »Ich hoffe, das reicht aus, um in dieses
ehrenwerte Haus zu kommen. Meine Einladung habe ich nämlich bedauerlicherweise zu Hause vergessen.«
Mit einer theatralischen Verbeugung ließ Eileen die Freundin eintreten. »Ich glaube, ich kann da heute einmal eine Ausnahme machen«, sagte sie mit der hohen Stimme eines vermeintlichen Hausmädchens. Sie nahm das Dessert entgegen und führte Anne- Lucille ins Wohnzimmer. Eileen dirigierte sie genau vor einen weichen Ledersessel. »So, mach's dir schon mal bequem, L. A.«, schlug sie vor, »die anderen werden sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.« ('L. A.' war Anne- Lucilles Eigenschöpfung; da sie ihren eigentlichen Namen nicht ausstehen konnte, hatte sie einfach nur die Anfangsbuchstaben genommen. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge. 'A. L.' klang ihrer Meinung nach noch dümmer als Anne- Lucille. In den Club war sie als 'grüne Witwe' eines Rechtsanwalts gekommen, der rund um die Uhr Wirtschaftsunternehmen an der Ost- und Westküste beriet.)
Bevor Eileen ging, nickte sie mit dem Kopf noch kurz nach oben. »Und falls du über dir seltsame Geräusche hören solltest, so musst du dich nicht wundern. Die stammen von Howard.«
-«Howard??«, entfuhr es L. A. , »aber....aber ich dachte, er wäre beim Golf?!«
»Keine Bange, L. A. , er ist eigentlich schon auf dem Weg. Allerdings ist er heute etwas spät dran. Apropos, meine Tortillas müssen auch noch in die Pfanne. Sei so nett und öffne den anderen, wenn es schellt. Ich muss erst einmal den halben Kühlschrank leer räumen, um dieses 'Taufbecken' hier unterzubringen.« Vorsichtig die Schüssel balancierend begab sich Eileen in Richtung Küche. »Mach dir ruhig Musik an, wenn du willst«, rief sie L. A. noch vom Flur aus zu. Howards Nervosität wuchs mit jeder Minute; nur halb abgetrocknet zwängte er sich fahrig in neue Unterwäsche. Obwohl er wie gewohnt abschließend eiskalt geduscht hatte, brach ihm nur Augenblicke später der Schweiß aus jeder Pore aus. Immer wieder starrte er auf die Uhr: 10 Uhr 45. Er fluchte über sein schemenhaftes Konterfei im beschlagenen Spiegel. So sehr er sich auch beeilte, pünktlich würde er den verabredeten Treffpunkt auf keinen Fall mehr erreichen. Allerdings waren weder Petterson, noch das Golfspielen für Howards Aufregung verantwortlich. Der wahre Grund hieß Amina Russo. Amina war Fremdsprachensekretärin in Howards Abteilung, aber in erster Linie war sie 25 Jahre alt, eine jüngere Ausgabe von Michelle Pfeiffer und - das hatte ihn völlig überrascht - einer zwanglosen Liaison durchaus nicht abgeneigt. Seit knapp drei Wochen war wegen Amina die Anzahl der 'Geschäftsessen' und 'Überstunden' deutlich angestiegen. Das 'Golfspiel' besaß eigentlich eine ähnliche Funktion: Der 'Albatros- Club' war kaum mehr als ein innerbetrieblicher Code, der es einem ermöglichte, einen Teil des Wochenendes für amouröse oder andere Interessen frei von familiären Zwängen zu nutzen. Zwar besaß jedes Vereinsmitglied eine komplette Golfausrüstung, doch benutzt wurde sie nur in den seltensten Fällen. Erst ein- oder zweimal war es vorgekommen, dass der Club vollzählig auf dem Grün gespielt hatte.
Anfangs hatte Howard die Existenz dieses unmoralischen Pseudo- Vereins nur belächelt - er war ohne jeden Hintergedanken eingetreten, nur, weil man es von ihm erwartet hatte - mittlerweile wünschte er sich immer öfter, dass er auch während der Woche in ähnlichen Clubs »Verpflichtungen« hätte. Montags 'Billard', dienstags 'Bowling'....den Donnerstag würde er selbstlos für Eileen reservieren. Trotz seiner Eile schlich sich ein Grinsen auf seine Lippen. 'Dumme Hirngespinste', dachte er. Eileen beklagte sich schon jetzt über seine expandierende Arbeitszeit, in einem derartigen Fall würde sie ohne zu zögern die Scheidung einreichen. Seltsam, denn das war etwas, was er auch wegen Aminas noch so aufregenden Liebeskünsten nicht riskieren wollte.
Eileen war gerade dabei, ihren Maissalat mit Thymian und Cayennepfeffer abzuschmecken, als es erneut an der Tür schellte. 'Noch mehr Desserts', dachte sie. Während sie sich für die Zubereitung einer vorwiegend vegetarischen Hauptmahlzeit bereiterklärt hatte, waren die übrigen 'Amazonen' dazu angehalten worden, die Getränke und Nachspeisen beizusteuern. 'Mexikanische Küche' lautete diesmal das Motto.
Dem Stimmengewirr im Flur entnahm sie, dass mehrere Gäste gleichzeitig angekommen waren. Besonders Camillas glucksendes Lachen war unverkennbar. Eileen konnte sich kaum daran erinnern, Camilla einmal betrübt gesehen zu haben. 'Wahrscheinlich lacht sie auch noch auf ihrer eigenen Beerdigung', dachte sie schmunzelnd. Nur wenige Augenblicke später platzte die fröhliche 'Amazone' höchstpersönlich in die Küche. »Hi, Süße, hast du hierfür 'n paar Gläser?«, begrüßte sie ihre Gastgeberin. In der Hand schwenkte sie dabei eine große Flasche Meskal.
»Hi, ja, im Schrank neben dir«, antwortete Eileen. »Ein Teller mit Salz und frischer Zitronensaft stehen hinten auf der Anrichte.« Camilla verdrehte lustvoll die Augen und schnalzte mit der Zunge. »Perfekt. Lass' dir hier ruhig Zeit mit deiner Brutzelei; Ethels gefüllte Avocados finden auch ohne dich einen reißenden Absatz.«
»Wie schön«, bemerkte Eileen trocken. Sie schob die fertigen Tortillas zum Warmhalten in den Backofen und füllte die Pfanne wieder auf. »Weißt du, Cammy, das, was ich besonders an dir mag, ist deine selbstlose, uneigennützige Art.« Die Türschelle machte sich erneut durch ein lang gezogenes, elektrisches Dröhnen bemerkbar. »Oh, ich muss leider schon wieder los, Süße«, fiel Camilla plötzlich ein, »bevor mir die gierige Konkurrenz auch noch die letzten Avocados wegschnappt.« Halb rennend, halb schlurfend beförderte sie das Tablett nach draußen.
Der zunehmende Tumult sagte Howard, dass es allerhöchste Zeit war, das Weite zu suchen. Es wurde immer unerträglicher; noch nicht einmal vor seiner geheiligten Jazz- Sammlung machten die verrückten Weiber halt. Gerade versuchte sich Dukes' »Daybreak Express« vergeblich gegen eine Mischung aus ignorantem Gekicher und Gekreisch zu behaupten. 'Perlen vor die 'Amazonen'', dachte er seufzend. Als sich der Geräuschpegel endlich wieder mehr vom Flur in Richtung Wohnzimmer verlagert hatte, wagte er einen 'Ausbruchsversuch'. Da er es auf jeden Fall vermeiden wollte, einer der Damen zu begegnen, schlich er so leise wie möglich die Treppe zum Hinterausgang hinunter. Eigentlich war er damals recht froh gewesen, als seine Frau so schnell Anschluss an diesen Verein gefunden hatte, doch als er einige der Mitglieder näher kennen lernte, spürte er eine unverhohlene Aggressivität, wenn nicht gar Feindseligkeit seiner Person gegenüber. Obwohl die meisten 'Amazonen' verheiratet waren, schienen sie die Männer als eine Art 'leidiges, gesellschaftliches Übel' zu betrachten. Zumindest dann, wenn sie als Gruppe auftraten. Im eigenen Heim verwandelten sich viele sicherlich wieder in treu sorgende, zufriedene Hausmütterchen, mutmaßte Howard. Eileen zeigte gottlob noch keine Anzeichen von diesem Virus.
Unbemerkt erreichte er die Hoftür; durch den leeren Flur hallte soeben das Tenorsaxophon von Charlie Parker. Birds' furioser Auftritt beim »Massey«- Hall- Konzert 1953. 'Untermalt durch das Geschnatter überdrehter Hausfrauen, die derweil Kochrezepte oder Make- up - Tipps austauschten', dachte er bitter. Howard gelangte nach draußen und ging mit schnellen Schritten auf das offene Tor der Garage zu. Er hechtete förmlich in den Wagen; nach einem Kavalierstart mit quietschenden Reifen gab er im Hof noch dreimal röhrend Zwischengas, bevor er den BMW die Auffahrt hinaufjagte. Er sehnte sich förmlich nach dem Aufheulen der Maschine; jedes Fünkchen seiner aufgestauten Energie konnte nun durch den Motor auf die Straße übertragen werden. Richtig wohl fühlte er sich allerdings erst, als das Haus außer Sichtweite war.
»Oh, ich glaube, das ist Howards Art, uns allen 'hallo' zu sagen«, kommentierte Maria die lautstarke Flucht des Hausherren. Ein allgemeines Schmunzeln war die Antwort. Mittlerweile waren nun auch die letzten 'Amazonen' eingetroffen. Neben Tequila, Melonensaft und Wein (allerdings kalifornischem) reihten sich Tabletts mit Ananaspudding, gebackenen Bananen, Anisplätzchen und süßem Brot aneinander. Eileen servierte nun auch ihre Mais- und Auberginensalate, sowie frische Tortillas und scharfe Tacos. Die vierzehnköpfige Gruppe sprach den Speisen in einer derart ungehemmten und feuchtfröhlichen Weise zu, dass man sie beinahe für eine mexikanische Großfamilie hätte halten können. Freddie Greens Gitarrenriffs fanden dabei allerdings kaum mehr Beachtung, als das metallische Scheppern eines defekten Deckenventilators.

Nachdem sich Eileen endlich von ihrer Schürze befreit hatte, erhob sie ihr Weinglas und wünschte allen ein »¡buen provecho, amazonas!Æ Ein helles Gläserklirren erfüllte daraufhin den Raum. Die Vereinssitzung war damit offiziell eröffnet. Howard war bereits schon auf halbem Wege zu Aminas Wohnung, als er plötzlich die Bremse voll durchtrat. Der Wagen schlingerte quietschend über den Asphalt, blieb aber dank ABS in der Spur. Ein nachfolgender Pontiac konnte nur noch mit Mühe ausweichen und gab seinen Unmut durch anhaltendes Hupen kund. Howard lenkte den BMW auf den unbefestigten Seitenstreifen, sprang heraus und riss die Kofferraumhaube auf. Er starrte die karierte Decke und den leeren Reservekanister an, als könnte er aus ihrer Lage sein zukünftiges Leben ablesen. Ein wenig war dies tatsächlich möglich. »Verdammt!«, fluchte er laut vor sich hin. »Verfluchter Mist!« Unbeherrscht trat er gegen den Hinterreifen. Er hatte es kommen sehen. Immer wieder. Aber ausgerechnet jetzt, wo er eine tatsächliche Ausrede brauchte, vergaß er doch die komplette Schlägertasche. Gut sichtbar lehnte sie am Regal seines Arbeitszimmers. Man stolperte förmlich darüber. Aber ihm war es dennoch auf wundersame Weise gelungen, jenes wichtigste Beweismittel für seine 'sportlichen Aktivitäten' einfach zu ignorieren. Und weswegen? Nur wegen dieser Hernandez und ihres unseligen Anhangs.
Es dauerte eine Weile, bis sich in seine chaotischen Gedankengänge wieder so etwas wie Ordnung bringen ließ. Konnte er es vielleicht riskieren, dennoch zu Amina zu fahren, so, als sei nichts geschehen? - Nein!, entschied er schließlich. Durch irgendeinen dummen Zufall konnte Eileen oder -noch besser - eine ihrer Freundinnen die Golftasche entdecken. Und was dann? Sollte er etwa erklären, er habe sich die Eisen mit McGregor geteilt? Nein, es war einfach zu absurd. Niemand, der ernsthaft Golf spielen wollte, vergaß seine Schläger.
Howard stieß einen leidvollen Seufzer aus. Es gab nur eine Möglichkeit: Er musste zurück! 'Und das möglichst unauffällig', dachte er. Nicht nur, weil niemand von seinem Missgeschick erfahren sollte, sondern auch, weil er nach wie vor diesen leidigen 'Amazonen' aus dem Weg gehen wollte.
Er wendete den Wagen und raste mit Vollgas zurück. Amina würde heute halt etwas Geduld mitbringen müssen; zuerst galt es wichtigeres zu erledigen.
Patty O'Rourke hatte sich ihren Teller bereits zum vierten Mal gut gefüllt und kämpfte sich mit den 'Beutestücken' vorsichtig schlingernd zu ihrem Platz neben Eileen zurück. Eine wacklige Pyramide aus Maiskuchen, Bananen und Caramelcreme türmte sich vor ihr auf. Patty war Anfang vierzig, knapp 1,70 m groß und hatte gut und gerne 20 kg Übergewicht. Seit sie ihren Mann, einen Werbefilmproduzenten, nur noch ein- oder zweimal wöchentlich sah, hatte sie nur noch zwei Hobbies: gutes Essen und die Aktivitäten der 'Amazonen'. Manchmal, wie heute, ließen sich beide Neigungen günstig miteinander verbinden. »Hach, ich weiß, dass ich sündige«, bekannte sie stöhnend ihrer Gastgeberin, »aber warum müssen die Sachen auch nur so verführerisch schmecken?«
Eileen hob abwehrend die Arme. »Ich bin nur für einen Teil der Speisen verantwortlich, liebste Patty.« Nach einem kurzen Blick auf die Pyramide meinte sie. »Ist aber kein großes Problem; beim nächsten Treffen werde ich dafür sorgen, dass du einen Extra- Teller bekommst. Mit sauer eingelegten Bananen, Schokoladenkuchen mit Chili- Füllung und dezent gesalzenen Puddings, na, was meinst du?«
Patty, die bereits damit begonnen hatte, ihr Bauwerk abzutragen, blieb bei dieser Aufzählung der Bissen im Halse stecken. »Schadischtin!«, empörte sie sich.
-«Na, was meint ihr, wer heute das Rennen macht?« Die Frage kam von Camilla, die den beiden schräg gegenüber saß. Eileen zuckte mit den Schultern. »Keinen Schimmer.«
»Wirklich nicht?« Camilla schaute sie mit großen Augen an. »Hast du denn keinen Vorschlag gemacht?«
»Nein, diesmal nicht.«
»Wie bitte?« Die Augen ihrer Freundin wurden noch größer. »Du hast tatsächlich niemanden gefunden, den du gerne auf Platz 1 sehen würdest? Ich kann es kaum fassen.«
»Nun, es gab da ein paar«, verteidigte sich Eileen, »aber sie erfüllten halt nicht alle Bedingungen.« Patty, die sehr schnell ihren alten Appetit wieder gefunden hatte, mischte sich nun in das Gespräch ein. »Eileen, Eileen«, seufzte sie, »Ich glaube, du übertreibst es mit deiner Genauigkeit. Schau' mich an; ich habe gleich drei Namen für die Wahl vorgeschlagen. War überhaupt kein Problem.«
-«Womit zumindest statistisch gesehen ein gewisser Ausgleich vorhanden wäre«, bemerkte Camilla und stibitzte sich dabei einen kleinen Maiskuchen von Pattys Teller.
Im Grunde hatte es Howard damals sehr begrüßt, als sie das Haus in diesem ländlichen Vorort kauften. Endlich heraus aus dem städtischen Ameisenhaufen mit all' seinem Dreck und Gestank. Hier konnte man noch kräftig durchatmen, ohne Gefahr zu laufen, anschließend einen Hustenanfall zu bekommen. Momentan allerdings verfluchte er jeden Weizenhalm und jeden Bauern im Umkreis von 50 Meilen. An jeder nur erdenklichen Stelle blockierten riesige Traktorgespanne die Straße. Er überholte selbst an unübersichtlichen Stellen und zwängte den Wagen danach recht brutal in kleinste Lücken. Die CD mit John Coltranes' »My Favorite Things« übertönte dabei gekonnt das protestierende Hupen und Abbremsen der anderen Autos.
Keine 15 Minuten später erreichte er wieder die Abzweigung zu seinem Haus. Ein neuer Rekord. Howard fuhr noch ein kleines Stück weiter und parkte den BMW dann im Schatten einer weit verzweigten Ulme.
Als er ausstieg, stellte er überrascht fest, wie stark er schwitzte, beinahe so, als sei er den gesamten Weg zurück gerannt. Mit geschlossenen Augen atmete er mehrmals das würzige Aroma der Bäume ein. Wollte sein Plan gelingen, musste er einen klaren Kopf behalten. Und ruhiger werden.
Während Howard langsam der dicht bewachsenen Auffahrt folgte, ging er im Geiste nochmals seine Marschroute durch. Lange bevor das Haus in Sichtweite kam, würde er sich ins Unterholz schlagen und einen weiten Bogen in westlicher Richtung gehen. Über den Hintereingang würde er - wie schon zuvor - unbemerkt das Haus betreten und wieder verlassen können. Die Tatsache, dass dort heute die 'Amazonen' tagten, hatte auch seine Vorteile. Auf diese Weise würden sich fast alle Aktivitäten auf das Wohnzimmer und die Küche beschränken. Die hinteren Räume und auch der Zugang vom Garten aus blieben somit unbeobachtet. Das einzige kleine Problem bildete ein etwa 20 bis 30 m langes Rasenstück, das keinerlei Deckung bot. Er würde diesen Bereich allerdings in einer so großen Entfernung vom Haus aus überqueren, dass selbst ein wachsamer Späher ihn unmöglich identifizieren konnte. Die Gefahr, dass eine der Damen die Gegend mit einem Feldstecher absuchte,
war wohl vernachlässigbar.
Howard war überrascht, wie schnell er vorwärts kam; hinter einer Barriere aus Farnen und Buschwerk lockerten sich die Reihen der Bäume nach und nach auf. Nur ganz selten einmal musste er vor einem tief hängenden Ast in die Knie gehen. Der ganzen Sache fehlte trotz allem nicht ein gewisser Witz. Zeitweilig fühlte er sich wie ein Trapper, der seine Fallen kontrollierte. Old Firehand und das Geheimnis der Golftasche. Laut kichernd stapfte er weiter.
Als er das freie Feld erreichte, musste er sich zwingen, nicht zu schnell zu gehen. Ein rennender Mann würde auch aus dieser Entfernung Aufsehen erregen. Ohne weitere Zwischenfälle gelangte er schließlich zur Rückfront des Hauses. Bevor er eintrat, öffnete er die Tür nur um einen winzigen Spalt und lauschte angestrengt nach ungewöhnlichen Geräuschen. Im Flur war es beinahe schon zu ruhig. Da sich nun offensichtlich alle Gäste ausgiebig den Speisen widmeten, hatte sich das Kreischen und Lachen auf ein dumpfes Gemurmel reduziert. Ein Stück aus Miles Davis' »Birth of the Cool« bildete daher den akustischen Hauptakzent. Howard war verblüfft. Trotz aller Ignoranz hatte dennoch jemand die Platte gewechselt.
Vorsichtig, die knarrenden Stufen aussparend, schlich er sich nach oben. Die Tür zu seinem Arbeitszimmer war nur halb geschlossen. Und da stand sie, die vermaledeite Tasche. Jeder hätte sie durch einen flüchtigen Blick entdecken können. Howard hoffte inständig, dass dies während der letzten Stunde nicht geschehen war. Schnell überprüfte er, ob die Schläger gut verschnürt waren und
warf sich dann das gewichtige Paket über die Schulter. Nach einem letzten Blick auf die Uhr verließ er das Zimmer. Es war jetzt kurz vor 12. 'Gut', dachte er. Wenn sein Rückweg ähnlich glatt verliefe, konnte er schon fast um eins bei Amina sein. Ein verschmerzbarer Zeitverlust.
Howard wollte gerade im Schutz des 'Cool Jazz' des »Capitol«- Orchesters die Treppe hinab steigen, als die Musik plötzlich verstummte. 'Oh, die Damen stehen wohl mehr auf 'Dixieland'', dachte er sarkastisch. Geduldig wartete er darauf, dass eine neue Platte aufgelegt würde. Er spürte bereits, wie sich der Lederriemen der Golftasche in seine Schulter schnitt, als er statt weiterer Jazz- Klänge undeutlich Maria Hernandez' Stimme vernahm. »Warum gerade jetzt?«, grollte er vor sich hin. Hätte die dumme Ziege mit ihrem Vortrag über 'Webmuster indianischer Pferdedecken' oder 'Die chemische Belastung des Trinkwassers' (und dessen Auswirkungen auf Drogenmissbrauch, Korruption und Promiskuität) nicht warten können, bis er sich eine Meile von seinem Haus entfernt hatte?!
Als es bis auf die Sprecherin immer ruhiger im Wohnzimmer wurde, stellte Howard entnervt seine Golftasche ab. Es hatte ganz den Anschein, als sollte die Sache länger dauern. Noch immer konnte er nur abgehackte Wortfetzen verstehen. Äußerst behutsam näherte er sich der Haupttreppe. Die Akustik blieb jedoch immer noch mangelhaft; jemand hatte offenbar die Tür zum Flur geschlossen. Howard dachte einen Moment nach und kroch dann auf allen Vieren zum nächsten Treppenabsatz hinunter. Er hatte sich schon immer gefragt, was die 'Amazonen' tatsächlich machten. Eileen hatte ihm zwar von Petitionen und Appellen erzählt, die regelmäßig an Senatoren und andere hohe Politiker verschickt wurden, um die tatsächliche Gleichberechtigung der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen zu gewährleisten, genaue Einzelheiten hatte er aber nie erfahren. Er gestand sich allerdings auch ein, dass er nur in den seltensten Fällen einmal genauer nachgefragt hatte. 'Emanzenpolitik' war nicht gerade eines seiner Lieblingsthemen.
Er blieb so flach wie möglich am Boden und presste sein Ohr an die Wand. Wenn er schon einmal 'zufällig in der Gegend' war, so wollte er die Gelegenheit auch nutzen.
».....unseren Schwestern Laura und Mae für ihre gelungene Arbeit danken«, sagte Maria Hernandez gerade. »Delbert Whitman war den 'Amazonen' schon seit langem ein Dorn im Auge. Seine Gier und Tyrannei haben viele Menschen ins Unglück gestürzt, vor allem viele Frauen. Nun ist dieser Stachel endlich aus unserem Fleisch gezogen worden. Für eine gerechtere Welt!«
»Für eine gerechtere Welt!!«, antwortete ein vielstimmiger Chor.
'Whitman...Whitman', dachte Howard. Irgendwoher kannte er den Namen; er konnte sich aber nicht daran erinnern, was es damit auf sich hatte.
»Obwohl man einwenden könnte«, fuhr Maria fort, »dass die von unseren Schwestern gewählte Lösung doch recht sanft war. Für ein verderbtes Subjekt wie Whitman war eine Überdosis Digitalis eigentlich viel zu human. Viel lieber hätten wir ihn aufgespießt gesehen, wie diesen Sparks oder langsam im Feuer geröstet wie McDowell.« Während der Lauscher noch versuchte, das Gehörte zu verarbeiten, erhob Maria beschwörend ihre Stimme: »Darum seid kreativ und mutig, Schwestern! Seid wie die Racheengel, und lasst die Schwerter sprechen unter den schwarzen Schafen der Herde! Übt keine Gnade gegenüber den Gnadenlosen und zermalmt die Tyrannen zu Staub! Tod und Verderben allen Feinden unserer Gemeinschaft!!«
»Tod und Verderben allen Feinden!!«, intonierte der Chor.
Howard fuhr plötzlich zusammen; er konnte zwar auch den Namen Sparks nicht einordnen, aber von einem McDowell hatte er gelesen. Jim oder James McDowell. Er war Abteilungsleiter in einem Versicherungsbüro gewesen. Eines Abends hatte er in einer Art Rausch zuerst seine Frau und dann seine beiden Kinder mit einer Axt erschlagen. Unbemerkt flüchtete er mit dem Auto. Etwa zwei Wochen später war er dann in ein Waldstück gefahren, hatte sich und den Wagen mit Benzin übergossen und daraufhin Feuer gelegt. Alle Zeitungen der Gegend hatten darüber berichtet. Howard erinnerte sich, dass er sich damals gefragt hatte, warum der Mann so spät nach seiner Bluttat noch Selbstmord verübt hatte. Plötzlich erschien da eine recht plausible, aber gleichzeitig auch wahnwitzige Antwort vor seinen Augen. Die 'Amazonen'. McDowell hatte keinen Selbstmord verübt; er war von der Schwesternschaft verfolgt und dann brutal hingerichtet worden. Er schüttelte den Kopf, als könnte er den Gedanken wie eine lästige Fliege vertreiben. Das war geradezu absurd. Seine kleine Eileen Mitglied in einer mordenden Geheimsekte? Einfach lächerlich. Sein Grinsen gefror in der Sekunde zu einer Grimasse, als plötzlich ein weiterer Erinnerungssplitter in seinem Bewusstsein erwachte. Delbert Whitman. Es war erst vor einer Woche gewesen. Howard hatte sogar einen kurzen Fernsehbericht im Lokalfunk über den Tod des Mannes gesehen. Whitman war Eigentümer mehrerer großer Textilfabriken gewesen. Der Firmenchef war in der Vergangenheit oft in die Schlagzeilen geraten, da er gewerkschaftliche Aktivitäten in seinen Betrieben massiv behinderte und vor allem Frauen untertariflich bezahlte. Nicht wenigen der meist weiblichen Beschäftigten war zudem aus meist dubiosen Gründen fristlos gekündigt worden. Eine Schar von Rechtsanwälten hatte bislang jede Klage erfolgreich abschmettern können. Der skrupellose Unternehmer war mit 52 Jahren an Herzversagen gestorben.
'Nein', dachte Howard, die Wahrheit sah anders aus. Die 'Amazonen' hatten - wie hatte diese Hernandez es noch bezeichnet? - eine Lösung für Whitman gefunden. In Form eines kaum nachweisbaren pflanzlichen Heilmittels. Er setzte sich auf die Treppe und vergrub seinen Kopf zwischen den Knien. Die Wände begannen sich um ihn zu drehen. »Nein...nein...nein...«, wiederholte er leise in einer endlosen Litanei, so als handelte es sich dabei um ein erlösendes Mantra. Er konnte, durfte es einfach nicht glauben; wenn er diese Dinge akzeptierte, dann konnten vielleicht auch andere, irreale Vorstellungen leibhaftige Realität sein. Drachen. Vampire. Dämonen. Wenn er nur einem dieser Alpträume Einlass in seine Welt gewährte, würde er mit Sicherheit wahnsinnig werden. In der Hoffnung, endlich eine logische Erklärung für den Spuk zu erhalten, lauschte er weiter.
»Schreiten wir nun zur Abstimmung für den kommenden Monat«, hörte er Maria sagen. »Neun Namen stehen zur Auswahl; hiervon heben sich bereits drei durch Mehrfachnennungen von den anderen ab. Doch gehen wir der Reihe nach...Nr.1: 'Barnes, Daniel. Barnes werden mehrere Vergewaltigungen und Inzest zur Last gelegt. Seine Opfer haben bislang aus Angst und Scham geschwiegen. Wer von euch für Barnes ist, hebe bitte jetzt seine Hand. Aber denkt daran, ihr habt jeder nur drei Stimmen...«
Howard musste sich beim Aufstehen an der Wand abstützen. Er hatte genug gehört. Die Farce nahm weiter ihren Lauf, ungebremst, ohne jede Kontrolle. Wie eine Lawine drohte sie ihn und sein Weltbild zu überrollen. Er musste raus aus diesem Haus, das ihm mit einem Mal so fremd erschien. Die Golftasche und Amina waren plötzlich vergessen. Howard dachte nur noch daran, so schnell wie möglich zum Hinterausgang zu kommen. Wenn er erst wieder in seinem Wagen säße, würde er die Dinge vielleicht aus einer anderen Perspektive betrachten können. Er musste nur wieder einen klaren Kopf bekommen. Vielleicht, so hoffte er, würde er dann über die dumme Geschichte sogar lachen können.
Er stand immer noch grübelnd auf dem Treppenabsatz, als unter ihm die Wohnzimmertür aufgerissen wurde. L. A. war derart in Eile, dass sie den Hausherrn beinahe übersehen hätte. Mit rudernden Armen bremste sie jedoch ihren Lauf ab und starrte ungläubig zu ihm hinauf. »How...Howard...was...?«, begann sie stockend.
Der Ertappte kam vorsichtig zwei Stufen näher. »Hallo, Anne- Lucille«, lächelte er. »Ich...ich hatte noch eine Kleinigkeit vergessen, und daher...« Weiter kam er nicht. L. A: hatte die Situation nun endlich erfasst und schrie aus Leibeskräften:«Alarm! Howard ist hier! Er hat alles mitgehört! Alaaaaaarm!!!«
Howard ging dennoch zwei Stufen weiter und versuchte die hysterische Frau zu besänftigen. Mit Ruhe und Freundlichkeit würde er den Damen seine Anwesenheit schon erklären können. Irgendwie jedenfalls. Als er aber in dem nun entstehenden Tumult das Umfallen von Stühlen und Zersplittern von Geschirr vernahm, blieb er abrupt stehen.
Drei 'Amazonen' kamen beinahe gleichzeitig zur Tür hinausgeschossen; eine von ihnen warf etwas nach ihm. Instinktiv wich er dem Geschoß aus und stolperte dabei rückwärts die Stufen hinauf. Als er sah, was die Frau geschleudert hatte, kam ihm zum ersten Mal der Gedanke an Flucht. Vor ihm auf dem Absatz lag ein etwa 20 cm langes Steakmesser. Seine Schneide war mit Blut verschmiert. Blut? Erst jetzt spürte er das leichte Brennen in seinem Oberarm. Das Messer hatte zwar seine Brust verfehlt, es war jedoch mit seinem Wellenschliff unmerklich über den Arm gestreift. Ein kleiner Blutfleck bildete sich bereits um das zerschnittene Gewebe des Oberhemdes.
Die Verletzung hatte ihn abgelenkt, und so bemerkte er die beiden Verfolgerinnen erst, als sie sich wie wild um seine Arme schlangen. Während er eine dritte 'Amazone' mit einem gezielten Tritt gegen das Kinn die Stufen hinuntersegeln ließ, gelang es Howard, eine seiner Hände zu befreien. Er holte kurz aus und schlug der Frau, einer attraktiven Brünetten Anfang 30, seine Faust genau auf die Stupsnase. Wie ein lebloses Kleiderbündel sackte sie in sich zusammen.
Seine zweite Gegnerin erwies sich als wesentlich zäher; grunzend steckte sie seine Schläge ein und verteilte dafür selbst schmerzhafte Hiebe gegen Nieren und Magen. Ihre Fingernägel hinterließen blutige Striemen auf seinen Unterarmen. Als Howard weitere Feinde nahen sah, wirbelte er sein unerwünschtes 'Anhängsel' herum, trat ihr die Beine weg und beförderte sie so in die Arme ihrer heranstürmenden Freundinnen. Ohne auf den Zusammenprall zu achten, hastete er keuchend die übrige Treppe hinauf. Wo sollte er hin? Wo konnte er sich vor der Meute verstecken? Das Bad? Das Schlafzimmer?
»Hinterher!«, hörte er von unten Marias energische Stimme. »Er darf uns nicht entkommen!« Während Howard noch auf das Bad zu steuerte, schnitt ihm eine weitere Gruppe von Amazonen, die über die Hintertreppe gekommen waren, den Weg ab. Fluchend stürzte er in den nächst besten Raum und ließ das Schloss einrasten. Ein schwacher Trost. Er war im Schlafzimmer gelandet; die Tür würde einem massiven Angriff nicht lange standhalten können. Unruhig blickte er sich um. Er musste von hier verschwinden, so schnell wie möglich. Beim Blick aus dem Fenster hatte er eine vage Idee. Das Zimmer besaß einen schmalen Balkon; vielleicht gab es ja dort eine Möglichkeit.
Nachdem er sich vergewissert hatte, dass sich niemand unten im Hof aufhielt, öffnete er leise die hohe Glastür. Die ersten dumpfen Schläge drangen wie unrhythmische Trommeln an sein Ohr. Noch hielt das Schloss. Howard trat hinaus und lehnte sich über das gusseiserne Geländer. Der Garten lag knapp 5 Meter unter ihm; zu hoch, um einen eleganten Sprung riskieren zu können. Die Trommelschläge an der Tür steigerten sich zu einem regelrechten Wirbel. Links neben sich erkannte er den Nachbarbalkon. Er war etwa 2 Meter entfernt und führte zum Ankleidezimmer seiner Frau. 'Eileen', dachte er. Noch immer konnte er nicht glauben, dass seine eigene Frau womöglich gerade mithalf, die Tür aufzubrechen. 'Verdammt, ja!' schrie er sich innerlich zu, 'sie gehört dazu!' Als er sah, dass die andere Balkontür nur angelehnt war, stieg er kurzerhand auf das Geländer, konzentrierte seinen Blick nach vorne und stieß sich dann mit aller Kraft ab. Seine Verzweiflung bestärkte ihn derart, dass er mit den Füßen genau auf der gegenüberliegenden Eisenumrahmung landete. Seine Ledersohlen rutschten augenblicklich ab, und nur mit letzter Kraft konnte er einen rückwärtigen Sturz verhindern. Während sein Brustkorb und Becken mit Wucht gegen den Balkon prallten, umklammerten seine Hände das Geländer, als wären sie damit verschweißt. Vor Schmerzen stöhnend zog er sich nach oben.
Das Zimmer war sonderbarerweise noch nicht besetzt worden. Mit pfeifendem Atem zwang er sich zur Tür zu gehen. Zittrig umfasste er die Klinke und sammelte seine letzten Reserven. Wenn er auf keinen Widerstand stieß, würde er den Hinterausgang nehmen und versuchen, sich zum Wagen durchzuschlagen. Obwohl das Atmen schmerzte, pumpte er möglichst viel Sauerstoff in seine Lungen. Er riss die Tür auf und sah sich augenblicklich vier 'Amazonen' gegenüber. Eine von ihnen hob einen Baseballschläger und lief schreiend auf ihn zu. Ihr Name war Camilla, glaubte er sich zu erinnern. Bevor die Furie ihn jedoch erreichte, hatte Howard die Tür schnell wieder geschlossen
und verriegelt. Jetzt gab es nur noch einen Ausweg. Er hastete zurück zum Balkon, stieg über das Geländer und ließ sich vorsichtig daran herunter. Mit ausgestreckten Armen waren es jetzt weniger als drei Meter, die ihn noch vom Rasen trennten. Er schloss die Augen und ließ sich fallen.
Der Aufprall war eine Explosion aus Schmerzen. Howard fand es trotz allem recht amüsant, dass seltsamerweise nicht seine Beine, sondern die Wirbelsäule, der Brustkorb und die rechte Schulter in tausend Teile zersplittert waren. So jedenfalls fühlte es sich an. Irgendwie gelang es ihm dennoch aufzustehen. 'Die Schmerzen sind nur eine Illusion', sagte er sich. 'Alles ist nur eine Illusion.'
Hinkend und in gekrümmter Haltung schleppte er sich die Auffahrt hinauf. 'Entweder so oder gar nicht', dachte er. Für Umwege durchs Unterholz fehlten ihm ohnehin die Kräfte.
Trotz seines schleppenden Tempos hatte er bereits mehr als die Hälfte des Weges zur Hauptstraße zurückgelegt, und noch immer hatten sich keine Verfolger gezeigt. Die Türen und Schlösser waren offensichtlich besser, als er gedacht hatte. Ein etwas entstelltes Grinsen stahl sich in seine Züge.
'Ich kann es tatsächlich schaffen', wunderte er sich. Seine Chancen stiegen mit jedem weiteren quälenden Schritt.
Er konnte bereits den Verkehrslärm der Straße hören, als vor ihm plötzlich jemand auf den Weg trat. »Hi, Howard, lange nicht mehr gesehen«, begrüßte ihn Maria. Langsam, beinahe lässig, schlenderte sie auf ihn zu. Howard blieb einfach nur stehen. An 'weglaufen' konnte er nicht einmal mehr denken. »Du siehst aber gar nicht gut aus«, bemerkte die hoch gewachsene Frau. »Du willst doch in diesem Zustand sicher nicht Auto fahren, oder? Hast übrigens einen seltsamen Parkplatz dort oben an der Straße.« Maria kam immer näher. »Komm', lass' uns zurück ins Haus gehen; dort warten ohnehin einige Damen, die dich dringend sprechen wollen.« Sie blieb direkt vor ihm stehen und reichte ihm hilfreich ihren Arm. Wie eine perfekte Krankenschwester.
»Nein!«, stieß Howard mühsam hervor. Kraftlos schlug er nach Marias Arm, ohne ihn jedoch zu treffen. »Du bist nicht da. Nur eine Illusion.«
»Tja, wenn das so ist«, seufzte die 'Amazone' scheinbar enttäuscht. Mit hängenden Schultern drehte sie sich um. Ihr Fuß traf seine Schläfe derart schnell, dass Howard noch nicht einmal mehr ein überraschtes Stöhnen von sich geben konnte.
Als er das Bewusstsein wiedererlangte, fand er sich fest verschnürt auf einem Stuhl im Wohnzimmer wieder. Ein quälender Kopfschmerz gesellte sich nun noch zu seinen anderen Beschwerden hinzu. 'Schmerz ist Illusion', dachte er wieder. 'Alles ist Illusion.' Was er sah, bestätigte nur seine Gedanken. Der große Tisch war bis auf einige Kuchen- und Plätzchentabletts säuberlich abgedeckt worden; nichts erinnerte mehr an das üppige mexikanische Festbankett. Alle 'Amazonen' - auch diejenigen, die Kampfspuren davongetragen hatten - saßen plaudernd an der Tafel. Nur Eileen lief unermüdlich mit einer großen Kanne zwischen den Frauen umher. »Noch jemand mexikanischen Kaffee?«, fragte sie alle paar Sekunden. Mit gierigen Augen ließ sich soeben Patty O'Rourke einen großen Becher auffüllen. »Er schmeckt einfach zu köstlich«, strahlte sie. »Du musst mir unbedingt das Rezept verraten.«
Howard konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ein Kaffeekränzchen. Er hatte es doch immer gewusst; die 'wilden Amazonen' waren nichts weiter als ein schnatternder Häkelclub.
Nach einer Weile erhob sich Maria Henandez am Kopf des Tisches und bat um Ruhe. »Liebe Schwestern«, begann sie, »nachdem sich die Wahl des 'schwarzen Schafes' in diesem Monat von selbst erübrigt hat, wollen wir nun zur Auslosung der beiden neuen 'Vollstreckerinnen' schreiten.«
Feierlich hielt sie einen roten Metallkübel empor. »12 Namen sind hier versammelt, die alle darauf brennen, die ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen. Auch der von Schwester Eileen.« Ein trommelnder Applaus war die Folge. Verschämt blickte sich die Gastgeberin in der Runde um. »Aber..aber das war doch selbstverständlich«, wehrte sie bescheiden ab. Sie schenkte Howard dabei ein bedauerndes Lächeln. Ihr Mann wusste nicht, ob er weinen oder lachen sollte, so grotesk war die Situation.
Als die Schwestern Laura und Mae die neuen Namen zogen, stieß Howard ein johlendes Gekicher aus. Für manche klang es aber eher wie ein Schrei.


© COPYRIGHT 1995 BY AUTHOR

03. Sep. 2007 - Arthur Gordon Wolf

Bereits veröffentlicht in:

Im Buch: Erstveröffentlichung 1996 in: "DER MÖRDER KENNT DIE SATZUNG NICHT" – GRAFIT VERLAG

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