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Anke I, II & III von Wolfgang G. Fienhold Illustration © Wolfgang Sigl
 © http://www.wolfgangsigl-grafiken.de/
Anke und Bert
Das Leben von Anke und Bert verlief seit vielen Jahren harmonisch, wie sie glaubte. Gleichförmig nannten es die Besucher und Freunde und Bert
benannte es schon lange nicht mehr. Er sprach ein Wort aus, dachte drei Wörter weiter und dann redete nur noch sie. So sah ein normaler Tag aus und so hörte er sich an:
Bert: "Ich..." (möchte gerne nachher...)
Anke: "Ich will dir mal eines sagen, lass nicht immer deine Socken herumliegen, eine neue Haarbürste...
Es folgen 43 Minuten Monolog.
Bert: "Du..." (hast mir gestern...)
Anke: "Dupong, ist eine tolle Firma, gestern habe ich den ehemaligen Leiter der Abteilung..."
Es folgen 61 Minuten Monolog.
Bert: "Er..." (st mal will ich ...)
Anke: "Erkrankungen sind immer nur auf eine kranke Seele zurückzuführen, als sich Frau Meyer im Keller erhängte, war sie..."
Es folgen 35 Minuten Monolog.
Bert: "Sie..." (ist mir ganz...)
Anke: "Sie war ja schon eine schwere Alkoholikerin und überhaupt mit dem kranken Mann..."
Es folgen 22 Minuten Monolog.
Bert: "Es..." (stimmt mich traurig...)
Anke: " Es ist ja richtig, aber die Türken sind wirklich sehr laut, ich dachte ja die prügeln sich, aber dann..."
Bert: "Wir..." (sollten mal zu...)
Anke: "Wir müssen dringend zum Aldi. Ich habe keine Müslis und Joghurts mehr. Außerdem fehlt es an vielem, ich nehme auch meine Schwester mit und.."
Es folgen 37 Minuten Monolog.
Bert: "Ihr..." (könntet doch ohne...)
Anke: "Ihr, also meiner Schwester, habe ich letzt gesagt, dass sie mich nicht mehr so spät anrufen..."
Es folgen 12 Minuten Monolog.
Bert: "Sie.." (sollte sich halt...)
Anke: "Sie, jawoll genau, sie die doch nichts mehr zu tun hat, meint immer jeder und alle..."
Es folgen 19 Minuten Monolog.
Bert schleicht währenddessen auf die Toilette, setzt die Kopfhörer seines Walkmans auf und hört zum 12300sten Mal "Fifty ways to leave your lover", parallel dazu kramt er ein Buch hinter dem Spiegelschrank hervor und liest:
"Wie ich meine Frau um die Ecke bringe, ohne mich zu stoßen."
Und er weiß, dass er es nie tun wird, weil er die Folgen nicht zu
Ende denken kann.
Anke II
Bert: „Der Eiffelturm steht nun mal seit der Weltausstellung in Paris.“
Anke: „Das mag ja sein, aber heute will Cordula kommen und ich muss noch die Fenster putzen.“
Bert: „Ich hatte doch nur auf deine Frage geantwortet.“
Anke: „ Könnte sein, aber mein Sohn verdient viel zu wenig.“
Bert wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Anke: „Wo ist eigentlich mein Zeichenblock, ich muss doch noch die Mona Lisa malen.“
Bert (hustend): „In der obersten Schublade des Schreibtischs.“
Anke: „Das mag ja sein, aber wo sind die Farben? Ich habe heute Topflappen mit Knoblauch gebraten, magst du das?“
Bert: „Das ist wohl Geschmackssache.“
Anke: „ Ja, Geschmack ist alles und niemand kocht zu gut wie ich, wo sind eigentlich meine Schlüssel?“
Bert: „Die hast du gerade gepfeffert und in das Kühlfach gelegt.“
Anke: „Pfeffer ist sehr gut für alles, mein Sohn pfeffert auch alles in die Ecken, das erleichtert und ist gut für Nerven und Hirn. Wo ist eigentlich mein Sohn?“
Bert: „Der ist...“
Anke: „Könnte sein, da ist er aber fast nie mehr, hast du eigentlich mein Feuerzeug gesehen?“
Bert: „Du sitzt drauf.“
Anke: „Nein, so was mache ich nicht. Ich bin doch keine Amsel.“
Bert: „Doch du sitzt...“
Anke: „Du lässt mich nicht ausreden, immer unterbrichst du mich, du erzählst ständig nur von dir und Leuten, die ich überhaupt nicht kenne.“
Bert: „Ich...“
Anke: „Siehste, es geht schon wieder los. Immer nur ICHICHICH, an mir hast du überhaupt kein Interesse. Wo steht eigentlich mein Auto?Bert: „Vor dem Balkon.“
Anke: „Quatsch mit Sauce; mein Auto passt doch überhaupt nicht auf den Balkon. Ich lege jetzt erst mal die Daunenkissen in Erdbeermilch ein, das erfrischt und ist leicht für den Magen. Das magst du doch?“
Bert: „Besser als die verbrannt Kittelschürze mit Ingwer und Peperoni wird es wohl sein.“
Anke: „Du kapierst überhaupt nix, mein Sohn mag Kittelschürzen. Er hängt geradezu dran und scharf gewürzt muss alles sein. Wo ist der eigentlich?“
Bert: „Er wollte in den Weinkeller.“
Anke: „Ach, der Liebe, sorgt sich immer, dass bei mir alles zu voll werden könnte.“
Bert: „Ja und er opfert sich auf und wird es selbst.“
Anke: „Endlich hast du mal was verstanden.“
Bert: „Hast du eigentlich meine Geburtstagsgeschenke auf dem Nacht..“
Anke: „Meinst du die popeligen Halbedelsteine, die hast du wohl im Müll gefunden.“
Bert: „Naja, und das Gold..“
Anke: „Das Armband wiegt ja nur knapp 100 Gramm ist keine 1000 Euro wert, das hast sicher in der Gosse gefunden.“
Bert: „Ja, beim Gossen – Wempe, da...“
Anke: „Genau, gegen deine Wampe könntest du auch mal was tun. Mein Schwager hat Krebs, meine Schwester Thrombose, mein Sohn hört Stimmen aus dem All und du bist einfach nur fett. Schämst du dich eigentlich nicht?“
Bert: „Es geht.“
Anke: „Eigentlich solltest du schon längst tot sein, aber von dir bleibt ja nicht mal eine gescheite Witwenrente übrig.“
Bert: „Gut...“
Anke: „Gut wäre, wenn du mal die Küche putzen würdest, wo ist eigentlich mein Sohn?“
Bert: „Im Wein...“
Anke: Ach, der weint doch kaum noch, seit er Diplom-Psycho ist.“
Bert: ...“loge.“
Anke: „Idiot, mein Sohn log nie, der lügt nicht. Er schreibt gerade über Wulf Sänger und Einstones Gehirn, außerdem hat er Pointkärs Rätsel gelöst und das im STERN auch. So was könntest du nie.“
Bert: „Nie.“
Anke: „Widersprich nicht dauernd, putz lieber die Platten.“
Bert: „Welche?“
Anke: „Alle, die kleinen, die großen, die im Baddd, in der Küche und die im Schrank.“
Bert: „Deine Tassen auch?“
Anke: „Die arme Frau Müller hat ihre Tassen fallen lassen und sich deshalb im Keller aufgehängt und ihr Mann hat dann das Auto an den Baum gefahren und sich das Genick gebrochen. So eine treue Seele. Wo ist eigentlich mein Auto?“
Bert: „Im Weinkeller auf dem Balkon.“
Anke: „Könnte sein, da sind sie alle sehr gern. Aber zum Grillen ist es noch zu warm. Ich werde deshalb jetzt mein Müsli essen. Wo ist eigentlich die Schachtel mit den Kelloggs?“
Bert: „In der...“
Anke: „Ich vermisse meinen Sohn, wo könnte der wohl sein?“
Bert: „Inzwischen unter dem dritten Weinregal von hinten lin...“
Anke: „Das könnte sein, aber ich suche...“
Bert: „Hast du meine Kalaschnikow gesehen?“
Anke 3
Showdown
Anke hängt Gardinen auf.
Anke: "Es wird Zeit, dir mal die Globalisierung zu erklären."
Bert spielt mit Zinnsoldaten, die zwischen Bier- und Wodkaflaschen aufgebaut sind und versuchen die dazugehörigen Gläser zu erobern.
Bert: Achjaachja."
Antje: "Also das fängt bei den Rohstoffen an ..."
Bert: "Blubberlutsch, wo ist mein Blubberlutsch, das muss billiger werden.
Er stiert in seinen Wodka.
Anke: "Depp, alles wird teurer, weil die Konzerne, gerade auch die Energiegiganten den armen Rentnern und Eigenheimbesitzern den Hahn zudrehen wollen, ich meine, es ist doch eine Unverschämtheit, dass meine Renten von 233333 auf 233332 gesunken
sind."
Bert: "Ja, verstehe und Blubberlutsch wird immer teurer, da – schau mal – Napi hat den Wodka geentert. Prost!"
Anke: "Blöder Suffkopp, blöder. Du bist ja nicht mall einen Doppelfurz wert. Also das geht
so: Die Heuschrecken kaufen und kaufen und ..."
Bert: " Verstehe, schau mal: Wellington ist im Campari ersoffen."
Anke: "Also, die Hedge – Fonds grasen alles ab, machen die Kleinen kaputt..."
Bert stiert in sein Bier:
"Ja die Kleinen ersaufen zuerst. Eben ist Blücher in den Rumtopf gefallen."
Anke: "Was säufst denn wieder und dann noch durcheinander, also die Welt der Germanen war so geregelt: Global gesehen haben die die Weltmacht Rom erobert."
Bert: "Römer, Germanen, Wikinger...alle haben gesoffen."
Anke: "Aber nicht geraucht, du Himbeerheini, jetzt muss ich die Gardinen schon wieder waschen."
Sie hängt die frischgewaschenen Teile wieder ab, während Bert seine Zinnsoldaten umbenennt.
Bert: "Das sind jetzt Armin, Hermann, Augustus, Tiberius und Varus. Wo ist eigentlich der Met vom Bauernmarkt?"
Anke: "Du depperter Depp. Hermann war doch Armin und Augustus ..."
Bert: "Ruhe, ich globalisiere doch nur – außerdem meine ich Göring, denn ich spiele jetzt vom Teutoburger Wals bis zur Wolfsschanze durch."
Anke: "Es gab nie eine Schlacht im Teutoburger Wald, du Kalkriese, die war bei Osnabrück."
Bert: "Gab es doch . Ich habe damals mit meinem Hausmeier und meinem Hüttengesäß ein Ablenkungsmanöver durchgeführt und zwei Konsorten platt gemacht."
Anke: "Kohorten, ach so, du glaubst an Seelenwanderung und Wiedergeburt, dazu muss ich sagen, dass der Buddhismus eine globale Modererscheinung ist an die nur so unbedarfte Heidruns glauben."
Es klingelt.
Bert (lallend): "Jetzt kommen meine Freunde Hüttengesäß und Heiki, die bringen neue Kämpfer mit"
Anke (verächtlich): "Männer!"
Hüttengesäß kommt hereingestolpert: "Guck, ich habe zwei Armeen mitgebracht, Juden und Freimaurer, denn die beherrschen Welt."
Heiki: "Ja, die wissen Bescheid."
Sie bauen die Figuren auf.
Heiki: "Anke, bring mir mal nen Red Bull und für den Kleinen Milch mit Viagra."
Hüttengesäß: " Oh ja, ich muss ja heute noch nach Polen."
Anke: "Nimm dir ein Beispiel an deinen Freunden, die trinken keinen Alk und erobern später auch noch Polen zurück, so ist Globalisierung richtig und wenn ich noch bei Du Pont wäre, hätte ich schon China gekauft ..."
Bert: Du bist doch gegen Globali, globalli oder?"
Anke: "Ja, wenn sie von Heuschrecken gemacht wird, aber ich habe den Durchblick."
Hüttengesäß: "Guck, guck, die Juden erobern gerade Jericho."
Bert: "Das ist eine Flasche Jim Beam und in die ist eben eine Fruchtfliege gefallen."
Hüttengesäß: "Juden, Freimaurer, Araber, Neger – alle müssen rausfliegen. Der deutsche Schäferhund ist der einzige Freund der Deutschen."
Heiki: "Ja, die Hundilein wissen Bescheid."
Bert: "Ihr habt die Illuminati vergessen. Die verkaufen Blubberlutsch an die Zeugen Jehovas und Tom Cruise."
Heiki: "Eben – die wissen Bescheid."
Hüttengesäß: "So jetzt entern die Freimaurer, nee, ich glaube die Mauren dein schales Bier."
Bert (kann kaum noch aus den Augen gucken): "Bei mir wird nie ne Schale kalt."
Anke: "Ich trinke jetzt doch was, aber ich trinke nie mehr als vier Flaschen Wein, weil ich sonst kotzen muss."
Bert: "Global gesehen liegen vier Flaschen über dem Durchschnitt."
Anke: "Noch so einen blöden Satz von dir und ich schnüffel mir die Tour de France rein."
Bert: "Hüttengesäß, du mogelst - du kannst deine Freimaurer doch nicht auf meinen Moet stellen."
Anke: "Irre, nur Irre."
Bert: "Gib dem mal nen Strafzettel, der mogelt."
Hüttengesäß: "Ich bescheiß nie, das tun nur Juden, Neger und Araber."
Bert (beginnt zu singen): "It`s a wonnnnderful, wonnnnerful world."
Anke: "Irre, immer nur Irre.”
Bert: "Die Welt ist eine Büroklammer."
Heiki: "Genau, die hält zusammen, was zusammen gehört."
Hüttengesäß: "Ich spiel nur noch mit wenn ich den Obersalzberg haben kann."
Bert: "Du meinscht den Tekilllla mit Zitro?"
Hüttengesäß: "Ich bin der geborene Führer, weil ich so deutsch bin wie sonst nur der Wackeldackel und die Klorollenmütze."
Anke (hat, die erste Flasche Wein geleert): "Ich erkläre euch jetzt mal Darwin in Kurzfassung:
Nur Männer stammen vom Affen ab."
Heiki: "Echt wahr?"
Bert: "Ja, denn Frafraufrauen kommen ausch dem Senegal."
Hüttengesäß: "Mein Opa war aber auch Senner."
Anke: "Na und, das ist doch ein ehrbarer Beruf, mein Vater war Diplom – Müller. Ohne Diplom ist man ein Nichts. Ich bin Diplom – Schriftstellerin und das ist global wichtig."
Bert: "Anke, issss sehr wischtisch."
Anke: "Jawoll, und diesen Titel verleiht nur die Uni Leipzig und der G. Meyer Verlag."
Heiki: "Ich weiß Bescheid, der Meyer bestellt jede Woche sieben Kästen Diplom-Champagner bei mir. Der kann wirklich was und wenn er nicht farbenblind und zwergwüchsig wäre, wäre er ... na dann wäre er ICH."
Hüttengesäß: "Ich habe vor Meyer keine Angst, nur vor Frauen, aber wenn ich einen Führer hätte, eigentlich bin ich ja der Führer, aber ich, ich brauche halt einen Führer, der mich zum Diplom-Führer ausbildet. Ihr sagt ja alle: Ohne Diplom ist man nix."
Anke: "Rad ab, irrer geht’s nicht."
Bert: "Global gesehen: Ja. Aber die Welt gehört den Zinnsoldaten."
Anke: "Bist du etwa wieder nüchtern?"
Bert: "Ja, ich habe eben acht arabische Fruchtfliegen aus der Wolfschanze getrunken und die saßen noch auf ihrem Gebetsteppich, das hat mich abgetörnt. Hol trotzdem noch ne Flasche Chandon."
Anke: "Geh doch selbst."
Bert: "Global gesehen, stehst du aber näher am Kühlschrank."
Hüttengesäß: "Ich habe keinen Kühlschrank, denn meine Mutter sagt: Da sitzen Neger drin."
Anke: "Irrer und irrer, womit habe ich das verdient? Milliarden flossen durch meine Flossen und ich sitze mit Irren in einer armseligen Bude."
Bert: "Das ist global gesehen die Rache der Dritten Welt. Als die Cherusker unter Führung von Armin Meyer den Senegal besetzten, haben sie die Gesichter ..."
Anke: "Ich kann nicht mehr."
Bert: "So soll es sein!"
16. Okt. 2007 - Wolfgang G. Fienhold
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