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Tyrions Wacht
von Thomas Vaucher

Gaby Hylla Gaby Hylla
© http://www.gabyhylla-3d.de
Tyrion biss in den blutroten Apfel und zog sein Schwert. Der nächste Angriff würde ohne Zweifel bald erfolgen.
Tyrion sah sich um. Der Tempel des Oroses am Fusse des Arkor-Passes war ohne Zweifel ein Schmuckstück. Nicht ganz so prachtvoll wie das Gotteshaus in Krailsheim, der Hauptstadt des Landes, jedoch kaum weniger bedeutsam. Der Legende nach sollte Oroses hier geboren und aufgewachsen sein.
Eine kleine, aber wunderschön gearbeitete Kuppel erhob sich über dem schmalen Gebäude, welches sich die Menschen dieser Gegend zur Kommunikation mit Oroses, dem Sonnengott, erwählt hatten. Das Dach war vergoldet und strahlte in der aufgehenden Morgensonne wie ein blinkendes Meer bei Sonnenuntergang. Die vielen Leichen, die um den Ort des Friedens herumlagen, standen in radikalem Gegensatz zu dieser heiligen Stätte.
Tyrions Truppe war auf dem Weg ins Hochland gewesen und hatte diesen Tempel zur Raststätte für eine Nacht erkoren. Und genau in jener Nacht hatten die Feinde zugeschlagen. Hätten sie gewusst, wen dieses harmlos aussehende Heiligtum beherbergte, hätten sie es sich vielleicht zweimal überlegt, es anzugreifen.
Vielleicht aber auch nicht.
Der religiöse Wahnsinn schien also sogar hier um sich zu greifen. Die Fanatiker des Gnorm waren bestrebt, das Land zu missionieren und jede andere Religion auszurotten. Sie würden auch hier erst Halt machen, wenn dieser wunderschöne Tempel dem Erdboden gleichgemacht worden war. Doch dies wiederum konnte Tyrions Einheit nicht zulassen. Dieses Gotteshaus stellte für die Bevölkerung dieser Gegend alles dar, was sie kannten und liebten. Es war der Ort der Ruhe, des Friedens, des Glaubens und der Hoffnung. Nahm man ihnen dies, ihr schönstes Bauwerk, beraubte man sie ihrer Seele.
Tyrion spuckte aus.
Natürlich hatte mittlerweile jeder Tempel seine Wächter. Doch ihre Anzahl war im Vergleich zum Feind so gering, dass sie dem Angriff wohl nicht einmal eine Stunde hätten standhalten können. Aber Tyrion machte sich nichts vor. Die dreissig Soldaten, welche seinem Trupp unter der Führung des Hauptmanns Trelar angehörten, würden die über hundert Feinde auch nicht viel länger aufhalten können.
Aber vielleicht lange genug, bis Hilfe eintraf ...
Einem der Tempelwächter war es am Vorabend gelungen, durch die gegnerischen Reihen zu schleichen und zu entkommen, um Unterstützung zu holen. Zumindest hoffte Tyrion dies, denn wenn es ihm nicht gelungen war, würden ihre Leben hier ein Ende finden.
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, dachte Tyrion, nahm einen weiteren Bissen des Apfels und besah sich ihre Verteidigungslinie. Diese bestand aus einer von steilen Felswänden gesäumten Treppe, die zum Tempel hinaufführte und so schmal war, dass auf einer Stufe gerade drei Kämpfer nebeneinander stehen konnten. Das war für die Verteidiger natürlich ein grosser Vorteil, konnte der Feind somit doch seine zahlenmässige Überlegenheit nicht einsetzen. Dennoch war es nur eine Frage der Zeit, bis sie so arg dezimiert waren, dass der Gegner sie überwältigen konnte.
Aber es gab schlimmere Todesarten, als im Kampf bei der Verteidigung einer guten Sache zu sterben. Tyrion war mittlerweile beinahe vierzig Jahre alt und ein erfahrener Kämpfer. Er hatte gute Männer im Kampf sterben sehen und er hatte miterlebt, wie starke Krieger alt wurden, bis sie nicht mehr ohne Hilfe gehen konnten und wirres Zeug brabbelten. Nein, er zog es vor, sein Leben im Kampf für eine gerechte Sache zu lassen.
Ein Horn erklang in der Ferne. Tyrion hörte, wie Bewegung in die Soldaten hinter ihm kam und sie sich ihm anschlossen. Er nahm einen letzten Bissen vom Apfel, warf ihn in die Luft und halbierte ihn mit einem gekonnten Schwerthieb. Dann zog er sein zweites Schwert.
Unter ihm im Tal rückte der Feind nun langsam heran. Es mussten weit über hundert Krieger sein, die es sich zum Ziel gemacht hatten, diesen Tempel niederzureißen und alle seine Gläubigen zu töten. Ihre Schwerter funkelten in der Morgensonne, und ihre Schritte hallten dumpf durch das Tal.
Trelar trat neben ihn. Ein Freund aus Jugendtagen, mit welchem Tyrion schon manche Schlacht geschlagen hatte. Er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er dem Druck und der Verantwortung gewachsen war, die diese Aufgabe ihm auferlegen würde. Zumindest hoffte er dies.
„Lass uns diesmal gemeinsam kämpfen“, sagte Tyrion. „Wie früher.“
Trelar schaute ihn lange an und nickte schliesslich.
„Aber ich warne dich“, meinte dieser. „Pass auf, wo du hinschlägst. Ich würde lieber von Feindeshand sterben als von Freundeshand.“
Tyrion grinste und dachte an das Scharmützel vor fast zwanzig Jahren zurück, als er Seite an Seite mit Trelar gekämpft und diesem versehentlich mit seinem eigenen Schwert eine tiefe Bauchwunde zugefügt hatte.
„Nun übertreib mal nicht“, entgegnete Tyrion. „Sieh’s positiv: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.“
Trelar schnaubte und schnallte sich seinen schweren Schild an den Arm. Ein zweiter Schildkämpfer übernahm den Platz zu Tyrions Rechten, während die anderen Soldaten hinter ihnen Stellung bezogen.
Der Feind war mittlerweile schon so nahe, dass man ihre Rüstungen erkennen konnte. Die meisten trugen leichte, helle Lederrüstungen, doch einige schützten sich auch mit Kettenhemden und vereinzelt sah man sogar Plattenpanzer in der Sonne aufblitzen.
Trelars Soldaten hingegen waren durchweg mit Plattenrüstungen ausgestattet und deshalb weniger angreifbar, vor allem die vielen gegnerischen Bogenschützen betreffend, die sie schon in der Nacht mit einem Pfeilhagel zugedeckt hatten.
Wir sind zwar besser gegen ihre Bogenschützen gewappnet, doch haben wir selbst überhaupt keine Fernkämpfer bei uns, dachte Tyrion verbittert.
Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende geführt, als auch schon ein Pfeil an ihm vorbeiflog und an dem Brustpanzer des Mannes hinter ihm abprallte. Sie wurden von einem regelrechten Pfeilhagel überschüttet, und Tyrion hörte, wie hinter ihm Schmerzensschreie laut wurden. Doch wie durch ein Wunder wurde er selbst nicht getroffen.
Dann stampften auch schon die Fusskämpfer heran, an der Spitze die gut gerüsteten Krieger. Mit einem fanatischen Kampfschrei auf den Lippen griffen sie an. Tyrion ließ seine beiden Schwerter abwechselnd in einem irren Tanz auf den Gegner niedersausen. So mancher Schlag wurde durch die gegnerische Waffe oder Rüstung aufgefangen, doch endlich gelang es ihm, mit seinem scharfen Stahl den Panzer seines Feindes zu durchdringen. Ein Blutschwall schoss aus der Brust des sterbenden Kriegers, ehe ein Nächster seinen Platz einnahm. Eine Klinge durchdrang Tyrions Deckung und riss seinen linken Oberschenkel auf. Tyrion schrie wütend auf und hieb sein linkes Schwert dem Mann in den Hals. Der Soldat zu seiner Rechten wurde von einem Pfeil getroffen und ging im Getümmel unter. Aus dem Augenwinkel sah Tyrion, wie Trelar am Unterleib getroffen wurde, zurückwich und seinen Platz einem anderen Soldaten überließ. Tyrion blockte mit dem linken Schwert einen Hieb, der ihn vermutlich um einen Kopf kürzer gemacht hätte, und stieß dem Mann sein rechtes Schwert in den Bauch. Der Krieger taumelte zurück, doch schon trat an seine Stelle ein neuer Gegner. Tyrion parierte dessen nächsten Streich und versetzte seinem Gegenüber einen Hieb mit dem Knauf des linken Schwertes, der diesen zurückstolpern liess. Dann räumte auch er seinen Platz für einen frischen Kämpfer, um sich selbst nach hinten zum Wundarzt zu begeben.
Trelar kniete nach vorne gebeugt neben dem Arzt am Boden. Blut sprudelte aus seinem Unterleib und tränkte die trockene Erde.
„Ich war’s nicht“, keuchte Tyrion, humpelte zu Trelar hin und deutete auf dessen Wunde. Dieser hob kurz den Kopf, das Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse verzerrt, antwortete jedoch nicht.
In Anbetracht der vielen Verwundeten, welche sich um den einzigen Feldscher der Truppe gesammelt hatten, wickelte sich Tyrion selbst einen Verband um den Oberschenkel und humpelte dann zum Kampfgeschehen zurück. Die Verteidigung hielt weiterhin stand, allerdings gab es kaum einen unverletzten Soldaten auf ihrer Seite, und die Treppe war übersät mit Leichen und rutschig vom Blut der Gefallenen. Doch auch die Angreifer bezahlten einen hohen Blutzoll und zogen sich schliesslich zurück.
Sie hatten sie tatsächlich zurückgedrängt.
Zum zweiten Mal.

Szenentrenner


Trelar trat neben ihn.
„Wie geht’s dir?“, fragte Tyrion.
Trelar grunzte zur Antwort etwas, was Tyrion nicht verstand, doch er sah ihn dabei nicht an.
„Was ist?“, wollte Tyrion wissen.
„Wir ziehen uns zurück“, antwortete Trelar mit gesenktem Blick.
„Was?“ Tyrion konnte nicht glauben, was er da hörte. „Du willst dieses Heiligtum den Feinden zur Zerstörung überlassen?“
„Es sind bloß Steine, Tyrion“, entgegnete Trelar müde. „Man kann sie wieder aufbauen. Die Menschen, die diese Hallen füllen, sind wichtig und die werde ich retten und mitnehmen. Wenn wir hier bleiben, werden wir alle sterben.“
„Das sind nicht nur Steine und das weißt du genau“, sagte Tyrion kalt. „Diese Steine bedeuten diesen Menschen hier – uns – alles. Sie wurden vor vielen hundert Jahren errichtet, und der Sonnengott Oroses selbst wohnt hier!“
„Und warum tut er dann nichts, um seine Wohnstätte zu schützen?“, schnaubte Trelar. Tyrion wollte auffahren, doch Trelar schnitt ihm mit einer herrischen Geste das Wort ab. „Von den dreißig Männern unseres Trupps sind fast die Hälfte tot und kaum ein Dutzend mehr kampffähig. Den nächsten Angriff werden wir nicht überleben. Ich trage die Verantwortung für diese Menschen und ich werde sie nicht sinnlos in den Tod schicken.“
„Sinnlos? Du nennst den Kampf um diese Stätte hier sinnlos?“
„Wir ziehen uns über den Pass zurück. Sofort!“ Trelar schritt davon.
Tyrion drehte sich wutentbrannt um und sah zu, wie Trelar den Abzug organisierte. Die Schwerverwundeten wurden auf Bahren geladen, dann trat der kleine Zug den Aufstieg zum Pass an. Soldaten, Tempelwächter und Priester entfernten sich langsam, bis Tyrion allein vor dem nun menschenleeren Tempel stand.
Trelar kam auf ihn zu.
„Du kommst nicht mit uns?“, fragte er.
Tyrion schüttelte den Kopf, sein Zorn war verflogen und einer dumpfen Trauer und Entschlossenheit gewichen.
„Wie könnte ich diesen Ort aufgeben, wie könnte ich Oroses aufgeben, solange noch Hoffnung besteht, dass Verstärkung anrückt? Nein, ich werde bleiben und diesen Ort bis zum bitteren Ende bewachen.“
Trelar nickte. „Ich habe das erwartet“, sagte er.
„Ich verstehe deine Entscheidung, Trelar“, sagte Tyrion. „Du trägst hier die Verantwortung, und deine Entscheidung ist genauso richtig, wie es die meine ist. Ich werde sie solange aufhalten wie möglich. Nutzt den Vorsprung gut!“
Trelar nickte noch einmal und sah Tyrion lange an.
„Oroses behüte dich, Bruder! Wir sehen uns wieder.“
„Wohl kaum“, antwortete Tyrion mit einem Lächeln und reichte Trelar die Hand. „Leb wohl, Bruder! Und erzähl deinen Enkelkindern vom heutigen Tag.“
Trelar nickte beklommen, klopfte Tyrion noch einmal auf die Schulter und stapfte dann davon.

Szenentrenner


Der Apfel war rot. Blutrot. Wie es alle Äpfel gewesen waren, die Tyrion in den letzten Jahren vor seinen Kämpfen genossen hatte. Und doch war irgendetwas anders an ihm. Tyrion konnte es nicht genau benennen, aber als er in den Apfel biss, hatte er das Gefühl, statt der Süsse dieser Frucht Blut zu schmecken.
Tyrion spuckte aus und fluchte. Er hatte den Apfel beinahe zu Ende gegessen, aber der Feind war noch immer nicht angerückt. Normalerweise hatte er ein Gespür für die Zeit eines Kampfes, doch diesmal schien er sich zu irren. Tyrion warf den kümmerlichen Rest des Apfels in die Luft, zog blitzschnell seine beiden Schwerter und drittelte ihn mit zwei gekonnten Streichen. Dann schritt er auf die glitschige Treppe.
„Wo bleibt ihr, ihr Hurensöhne?“, schrie er ins Tal hinunter. „Ich bin noch nicht fertig mit euch!“
Das Echo von seinen Worten hallte von den Wänden wider. Doch es blieb unbeantwortet.
Für eine Weile.

Szenentrenner


Trelar blickte von hoch oben auf das Geschehen herab. Die Menschen sahen aus dieser Höhe aus wie Ameisen. Tief unter ihm im Tal lag der Tempel des Oroses mit dem güldenen Dach. Die Stiege, welche zum heiligen Gebäude führte, glitzerte rot in der Mittagssonne und auf ihr stand ein Mann. Er trug eine funkelnde Rüstung und zwei blitzende Schwerter. Trotz der Distanz hatte Trelar verstehen können, was der Mann ins Tal hinunter gebrüllt hatte und sich ein bitteres Lächeln nicht verkneifen können. Die Antwort hatte allerdings nicht lange auf sich warten lassen. Die Krieger hatten Tyrion mittlerweile beinahe erreicht. Dieser stand reglos mitten auf der Treppe zum Tempel, seine beiden Schwerter unbeweglich zu seinen Seiten in den Händen.
Als die ersten Krieger in unmittelbarer Reichweite waren, blitzten die beiden Klingen auf. Sie fuhren hoch und schon fielen zwei der Angreifer Tyrion vor die Füße. Der Dritte folgte kurz darauf. Trelar konnte seine Augen nicht von der Szene abwenden. Sie hatte ihn in ihren Bann gezogen. Die anderen Soldaten waren mittlerweile ebenfalls neben ihn getreten und betrachteten fasziniert das Geschehen unter ihnen.
Tyrions Arme hoben und senkten sich in einer Anmut, die diesen zerstörerischen Kampf wie einen Tanz aussehen ließ, den er dort unten vollführte. Nur das rote Glitzern, welches auf jeden Hieb folgte, war Beweis dafür, dass es viel mehr war als ein Tanz.
Die Leichen zu Tyrions Füßen häuften sich. Es hatte den Anschein, als würde dort unten kein Mann die Schwerter schwingen, sondern ein Racheengel oder gar Oroses, der Sonnengott persönlich. Die Gegner schienen zum gleichen Schluss gekommen zu sein, denn sie zogen sich für einen Moment zurück.
„Was für ein Mann“, sagte einer der Soldaten zu Trelars Rechten ehrfürchtig.
Dann sauste etwas durch die Luft und Tyrion stolperte einen Schritt zurück. Eine rote Fontäne schoss aus seiner Brust.
„Diese Schweine“, zischte Trelar.
Ein zweiter Pfeil sauste durch die Luft und fuhr Tyrion in die linke Schulter. Trelar konnte hören, wie das Schwert in Tyrions linker Hand zu Boden polterte. Dann sank dieser in die Knie.
Mit neuem Mut stürmten die Krieger vorwärts, doch kurz bevor sie Tyrion erreicht hatten, erhob er sich und ergriff sein verbliebenes Schwert mit beiden Händen. Der erste Angreifer wurde durch den kräftigen Hieb Tyrions beinahe enthauptet. Den Zweiten spießte er förmlich auf. Doch als er sein Schwert aus dem sterbenden Krieger zog, glitt Tyrion auf dem glitschigen Boden aus und stürzte rücklings auf die Stiege. Das Schwert wurde ihm aus den Händen geprellt und fiel klappernd zu Boden.
Dann waren die Feinde über ihm.
Trelar schloss die Augen und murmelte ein Gebet.
In der Ferne erklang ein Horn.
Trelar öffnete die Augen und sah weit hinten im Tal eine gewaltige Staubwolke sowie ein Glitzern und Funkeln von einem Meer aus blinkenden Rüstungen und Waffen.
„Mir nach“, schrie Trelar, zog sein Schwert und stürmte den Weg, den sie gerade erst erstiegen hatten, zum Tempel zurück.

Szenentrenner


„Was geschah mit Tyrion, Grossvater?“, wollte der blonde Junge wissen.
„Als wir den Tempel erreichten, war er bereits tot“, antwortete der alte Mann. „Doch vereint mit den Kräften der Verstärkung gelang es uns, die Feinde zu vertreiben. Letztendlich ist es jedoch Tyrion zu verdanken, dass der Tempel des Oroses noch immer dort steht, wo er vor vielen hundert Jahren errichtet worden war.“
„Heißt der Pass deshalb Tyrions Wacht?“, fragte der Kleine.
Der Alte nickte und blickte in die Glut des heruntergebrannten Feuers.
„Weisst du, mein Junge“, meinte er, „Tyrion hatte nie Angst vor einem Kampf. Seine größte Angst war es, einmal so zu werden wie ich. Ein alter, brabbelnder Mann, der kaum mehr ohne Stütze gehen kann.“
Mühsam stemmte sich der Greis in die Höhe und ergriff dankbar die ausgestreckte Hand des Jungen, der ihm dabei behilflich war.
„Und jetzt ist es an der Zeit für uns, schlafen zu gehen“, sagte der alte Mann und trippelte zum Esstisch hinüber, von welchem er aus einer Früchteschale einen kleinen roten Gegenstand nahm.
„Oder jedenfalls beinahe“, fügte er noch hinzu.
Sein Kiefer knackte, als er in den knallroten Apfel biss.

30. Jul. 2012 - Thomas Vaucher

Bereits veröffentlicht in:

DER TREUE GEOPFERT
J. Salzmann (Hrsg.)
Anthologie - Fantasy - Arcanum Fantasy Verlag - Dez. 2008

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