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Das Collier
DAS COLLIER
Andrea Fazioli
Waldgut Verlag
Roman - Band 1, Krimi
Fester Einband, 368 Seiten - 24.50 EUR
ISBN: 9783037403785
Mai. 2008
Status: erhältlich
Die italienischsprachige Originalausgabe befindet sich bereits in der 7. Auflage und der Roman wird derzeit auch für das Schweizer Fernsehen TSI verfilmt.
Es scheint sich um eine geruhsam erzählte, sogar romantische Geschichte zu handeln, deren Hauptpersonen ein beharrlich eigensinniger Detektiv namens Elia Contini, der es liebt, Füchse zu beobachten und zu photographieren, und eine junge Studentin namens Francesca Besson sind, die eben von ihrem Freund Lorenzo verlassen worden ist. Beim Stöbern auf dem Dachboden findet sie in den alten Kleidern ihrer verstorbenen Mutter ein Diamant-Collier, von dessen Existenz sie nichts ahnte. Sie wuchs in Argentinien auf, ihren Vater kannte sie nicht.
Als sie das Collier schätzen lassen will, gerät sie an den jungen Juwelier Marco Ruggeri, der es als das vor vierzig Jahren gestohlene Ruggerie-Collier erkennt. Zu Ehren des Familienvaters hatten die Ruggeris ein gleiches Collier, aber aus 28 falschen Diamanten, Moissanit-Steinen herstellen lassen, das aber ebenfalls gestohlen wurde. Contini ist der Privatdetektiv, den Jacopo Ruggeri, der Vater Marcos, mit den Nachforschungen beauftragt hat. Überprüft werden soll das Collier von Gino Bieri, einem zwielichtigen Geschäftsmann, der Geld zu überhöhten Zinsen verleiht.
Marco Ruggeri wird bald darauf erschossen, anscheinend in einem von innen verschlossenen Zimmer, aus dem kein Täter fliehen konnte. Sein Vater Jacopo ist der nächste, er wird in seinem Badezimmer erhängt; und Remo Ruggeri, Juwelier in Zürich, wird während der Züricher Streetparade, einer Schweizer Version der Love Parade, erstochen. Den Toten wurden jeweils 7 Moissanit-Steine von der Collier-Imitation gesteckt. Der Mörder handelt rituell, es handelt sich um eine lang geplante, gewissenhaft ausgeführte Rache. Wer es ist, erfährt der Leser sehr bald: Gino Bieri, der wieder eine Verkleidung von Guido Ruggeri ist, dem jüngsten der drei Brüder Jacopo, Remo und Guido Ruggeri. Er hat einst gefälschte Steine geschmuggelt, wurde vom Zoll erwischt, gewalttätig und von der Familie geopfert, die ihn auch des Diebstahls des Ruggeri-Colliers anklagte. Dafür saß er zehn Jahre im Gefängnis und verschwand dann. Er ist auch der Vater Francesca Bessons, und es ist zu vermuten, dass er auch seine eigene Tochter umbringen will, darauf deuten die 7 übriggebliebenen Steine hin. Contini, der es zunächst mit dem organisierten Verbrechen zu tun bekommt, die sich ihre Moissanit-Kreise nicht stören lassen wollen (was er bravourös in rasanten Szenen meistert), findet zu spät heraus, welcher weiterer Verkleidung sich Guido Ruggeri noch bedient, unter welchem Alias er sich bei seiner Familie eingeschlichen hat, um seine Rache zu vollziehen, und Francesca kann im Zug, in den sie gelockt worden ist, nicht vor ihrem Vater gerettet werden. Das gibt eine immens spannende Hetzjagd, die mit einer Überraschung endet, wie überhaupt der Roman noch mit etlichen Überraschungen aufwartet, die jedoch immer nachvollziehbar und psychologisch schlüssig sind.
Ein düsteres Familiengeheimnis, das nach und nach enthüllt wird, ein wahnsinniger, aber raffiniert kalkulierender Mörder, dessen Rachepläne in Einschüben dargelegt werden, eine zarte Liebesgeschichte zwischen Detektiv und junger Heldin, dann wieder gewalttätige Auseinandersetzungen, schöne Landschaftsschilderungen des Tessins mit viel Lokalkolorit, intelligente Dialoge –mit Fazioli betritt ein neuer Autor die europäische Krimi-Bühne, der eine packende und originelle Geschichte zu erzählen weiß.
20. Jun. 2008 - Dr. Franz Rottensteiner
Der Rezensent
Dr. Franz Rottensteiner

Total: 54 Rezensionen
Juli 2010: keine Rezensionen
Franz Rottensteiner
wurde am 18.01.1942 in Waidmannsfeld/Niederösterreich geboren.
Studium der Publizistik, Anglistik und Geschichte an der Universität Wien,
1968 Dr. phil. ...
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Krimi - Rezensent/in: Thomas Harbach |
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