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eine rote minute

EINE ROTE MINUTE

Buch / Lyrik

Angela Litschev: eine rote minute. Lyrik, mit einem Vorwort von Dato Barbakadse, München 2005, ISBN 3938313048, 8.80 Euro.

Sie ist mir noch von einem Dichtertreffen in Minimalbesetzung von vor sechs Jahren bekannt; sie hat nicht geruht, sie hat ihre Worte fortgesetzt, kurze Atempausen eingelegt. Sie hat gewonnen, an Lebenserfahrung, an zwischenmenschlichen Enttäuschungen und vor allem an sprachlicher Finesse.
Man liest die Lyrik und denkt: Das ist jetzt aber schön gelungen. Oder auch: Wie nur kommt sie darauf? Stark auf das eigene Ich konzentriert sich Litschevs Dichtung; man erkennt zuweilen durchaus eine Handschrift heraus, die als weibliche entzifferbar ist. Ohne jetzt die überholte geschlechtsspezifische Stilistik aus der Schublade hervorzukramen, beziehen sich die Gedichte auf Angela und eben nicht auf jemand anderen. Love is the Drug liest sich dann auch sehr genießerisch, zu einfältig in diesem Moment der lyrischen Aufnahmen: "Manche Liebe ist Gin, / jeder Schluck brennt, bis er / ausgebrannt ist. / Manche Liebe ist Blue Curacao. / Sie kühlt ab, bis man nichts merkt." (S.79) Undsoweiter....
Andere Werke treffen einen Gedankengang in einer lässigen Sprache, die aufhorchen läßt, die tief in besonderer Stimmung wühlt. Es könnte immer oder nie so geschehen sein.
Das Gedicht Epilog in Rot sei in voller Gänze zitiert:
"Hundert Gedichte / und noch eines mehr. / Glaubst du, ich richte / mich nach dir, Herz? // Nimmst du an, dass ich Scherben / zusammenfüge, zu einem Kleid? / Meinst du, dass ich sterben / möchte wie Jesus – an Leid? // Du bist so klein / und du pochst nur leise / unterm Knochengestein / auf ungeklärte Weise. // Hundert Gedichte / und noch eines mehr. / Glaubst du, ich richte / mich nach dir, Herz?" (S. 60)

Der Band fällt nicht schwer, er liegt nicht wie ein Sauerbraten im Magen, er ist bekömmlich wie ein Grießpudding mit einer leichten Prise Zimt. Er führt den unbedarften Leser, der orientierungslos aus den Buchhandlungen flüchtet, weil die dort präsentierten Produkte massentauglich scheinen und kein Herz mehr unter ihrem Deckel pulsiert. Er nimmt sich Litschevs Bändchen zur Brust und betreibt Mentalyoga: einatmen, ein Gedicht lesen, ausatmen, erneut einatmen, ein weiteres Gedicht lesen, ausatmen. Kurze Pause einlegen, verdauen, dazu weißen Tee trinken. Erneut das Bändchen zur Brust nehmen. Undsoweiter....

eine rote minute bekennt sich zu Emotionen, was auch das gelungene Vorwort Dato Barbakadses hervorhebt; die Dichterin schert sich nicht um poststrukturalistische, psychoanalytische und weiß-der-Teufel-was-für-Theorien, die ihr Wortverständnis bereinigen könnten und schließlich womöglich gar nichts mehr übrig ließen. Sie beobachtet und schreibt, schreibt und beobachtet. "Die Muse küßt / nur bei Licht. / Was hat mich / heut Nacht erwischt? / Ich war nicht Herr meiner selbst. / Egal welches Licht du wählst, / du kommst immer an, bestellst / die Frau in dem roten Kleid, / den dreiundsiebziger Wein. / Die Augen, / den Tango, sie. / Immer / und immer sie." (S. 75)

Wer solche Verknappung auf das Wesentliche beherrscht und hierbei auf Vorbilder subtil verweisen kann, verdient Beachtung im Literaturbetrieb. Wenn zuweilen auch noch das trotzige Mädchen aus der dichtenden Frau spricht, so denke ich nichtsdestotrotz, daß sich eine tiefere Beschäftigung mit diesem Debüt anbietet.

17. Dez. 2006 - Dominik Irtenkauf

Der Rezensent

Dominik Irtenkauf
Deutschland

Total: 7 Rezensionen
November 2014: keine Rezensionen

Nun, ich bin im Jahre des Herrn 1979 unter einem dem Herrn geweihten Namen geboren worden, nämlich Dominik. Dem steht mein Nachname entgegen, der in etwa Zechmeister bedeutet und somit etwas Frivoles in sich birgt. Jedenfalls Sinnliches. Möglicherweise weist er auf meine doch vorhandene Bereitschaft zur Kommunikation hin; diese Bereitscha...

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