Main Logo
LITERRA - Die Welt der Literatur
Home Autoren und ihre Werke Künstler und ihre Werke Hörbücher / Hörspiele Neuerscheinungen Vorschau Musik Filme Kurzgeschichten Magazine Verlage Specials Rezensionen Übersicht
Neu hinzugefügt
Rezensenten
Genres
Sammelkategorien Interviews Kolumnen Artikel Partner Das Team
PDF
Startseite > Rezensionen > Elmar Huber > Phantastische Geschichten > Dunkle Seiten 1
emperor-miniature

Dunkle Seiten 1

rezension:

HEIKO HÖLZEL – LIEBE BIS ZUM ERSTEN BISS
Dieser lächerliche Clown nennt sich selbst Jäger. Er selbst ist seit Jahrhunderten ein echter Jäger und verweist diesen anmaßenden Bastard in die Schranken. Doch die Kleine, die das Opfer dieser Witzfigur werden sollte gefällt ihm. Vielleicht kann er sie unter seinen Schutz nehmen, sie aufziehen, sie lehren. Vielleicht kann er gegen seine Natur ankämpfen.
Obgleich gute Ansätze vorhanden sind (Jaquelines heimisches Umfeld, die Schilderung aus verschiedenen Perspektiven) bricht das momentan ausgelutschte Thema „ edle Vampire“ und der damit verbundene Pathos der Geschichte das Genick. Mein Eindruck ist, dass sich der Autor etwas zu sehr den Klischees anbiedert, um ja nichts „falsch“ zu machen. Etwas mehr Vertrauen in die eigenen Ideen hätte LIEBE BIS ZUM ERSTEN BISS origineller und damit besser gemacht.

VINCENT VOSS - DER WOHNWAGEN
Ein Geschäft führt den Erzähler zurück in den Ort, wo er als Kind seine Sommerferien verbracht hat. Mit der Rückkehr kehren auch die Erinnerungen zurück. Erinnerungen an Paschas Clique zu der er unbedingt gehören wollte. Um dort zu bestehen musste man schon etwas cooles tun, seinen Mut beweißen. Und so erzählt er Pascha von dem versteckten, einsam stehenden Wohnwagen, durch dessen Fenster man nichts sehen kann. Doch man kann die Bewegungen im Innernen spüren.
Ich liebe diese Horrorgeschichten, die im Sommer und mit dem Kontrast „brütende Hitze/einskaltes Grauen“ spielen. Noch mehr, wenn es sich – wie hier – um überzeugend geschilderte Kindheitserinnerungen handelt. DER WOHNWAGEN ist ein gelungener Vertreter dieser Spezies und würde sich nahtlos in Markus Korbs Sommer-Horror-Stories einreihen, die uns dieser in WASSERSCHEU (Atlantis-Verlag) kredenzt hat. Auch Vincent Voss nimmt sich genügend Zeit, den Leser in die Geschichte eintauchen zu lassen. Er erschafft in aller Kürz plastische Figuren und verabreicht wohldosierte Schrecken. Klasse.

MADELINE FRÜHWEIN – HIMMEL ODER HÖLLE – GUT ODER BÖSE?
Gerade noch auf ihrem Motorrad - die herannahende Kurve im Blick - findet sich Filiz plötzlich außerhalb ihres Körpers wieder und Engelchen und Teufelchen streiten um ihre Seele. Beide wollen ihr je eine Aufgabe stellen und von der Art der Erfüllung hängt ab, ob Filiz im Himmel oder in der Hölle weiterleben darf.
Eine interessante Ausgangssituation, die allerdings weitestgehend verschenkt wird. Auch die letztendliche Entscheidung über Filiz Verbleib wollte mir nicht einleuchten. Keine Tiefe, kein Spannungsbogen, keine Logik und noch dazu war zumindest mir Filiz Schicksal schlicht egal. Verzichtbar.

BYRON BRINKMANN – HOLLY HELL
Das hat sie – Holly Hell – nun von ihrer Bereitschaft zur Therapie. Ein Tagebuch, in das sie alles eintragen soll. Alles, von den grünen Männchen, die aus Mr. Doubts Iris kriechen, von den fremden Welten, die sie in Dr. Haydens Innerem entdeckt hat und von ihrer Fähigkeit in andere Menschen einzudringen.
Obwohl die Idee nicht neu ist, gelingt es Byron Brinkmann mit HOLLY HELL die Wahnvorstellungen einer Verrückten fantasievoll und mit viel schwarzem Humor zu schildern. Dabei lässt er die Frage offen, ob es sich wirklich um Wahnvorstellungen handelt oder die Realität. Sehr gelungen.

MARC GORE – CHOPPER – DER SCHÄNDER
Der sadistische Triebtäter Gary Martens kann auf blutige Weise aus der Haft entfliehen und sucht sich auch gleich ein neues Opfer, um seine perversen Triebe zu befriedigen. Brenda Loomis kann den ersten Angriff abwehren, muss jedoch den Verlust ihrer Handtasche hinnehmen, in der auch ihre Adresse steckt. Und dort wartet bereits Brendas Familie auf Martens.
MARC GORE wollte wohl auf Teufel komm raus, seinem Namen Ehre machen. CHOPPER – DER SCHÄNDER strotzt vor blutig-abstoßenden Szenen, die dem reinen Selbstzweck dienen. Nun, es gibt durchaus heftige Geschichten ähnlicher Couleur, die jedoch wesentlich raffinierter erzählt sind (z.B. DIE WÖLFE VON NEBRASKA in ZWIELICHT 1, Eloy Edictions). Obwohl ein gewisses Potential nicht zu verleugnen ist, wird die Story des Menschenschlachters Gary Martens flach und ohne jegliche Raffinesse – nur auf Schocks ausgerichtet - erzählt. Auch der Umstand, dass Brenda Gleiches mit Gleichem vergilt, rettet hier nichts mehr. Schade.
Und warum muss eigentlich eine solche Story eines deutschen Autoren in den USA spielen?



Mit DUNKLE SEITEN stellt der Twilight-Line-Verlag eine Autorenplattform zur Verfügung, die jedem Hobbyautoren offen steht (Info Twilight-Line Verlag: „...erhielten wir eine ganze Menge an Anfragen, ob man nicht eine andere Plattform für das Thema schaffen könne, an welcher sich Hobbyautoren aktiv beteiligen können.). Das „Fehlen“ eines Herausgebers, eines Themas, einer Kontrolle ist Fluch und Segen gleichermaßen, wie schon Ausgabe 1 zeigt. Möglicherweise hätte eine Herausgeberschaft/Lektorat vielleicht bei CHOPPER – DER SCHÄNDER noch etwas gerettet, es darf jedoch bezweifelt werden, dass die Mischung so abwechslungsreich ausgefallen wäre.

Cover und Layout (außen wie innen) von DUNKLE SEITEN 1 sehen auch noch nicht besonders sexy aus. Doch sollte man nicht vergessen, dass es sich um den ersten Band und einen Versuch handelt, wie das Format angenommen wird. Band 2 zeigt zumindest in puncto Covermotiv eine erhebliche Steigerung. Angenommen wurde DUNKLE SEITEN bisher sehr gut. Über 1000 verkaufte Exemplare und Überlegungen, den Umfang zu verdopplen (beii gleichbleibender Erscheinungsweise) sprechen eine deutliche Sprache).

Es stellt sich jedoch die Frage, ob tatsächlich ein klassisches Printmedium benötigt wird, das „blind“ jede Story veröffentlicht (zumindest lese ich das so aus den Infos des Thilight-Line Verlags) und beim Käufer mit 8,- zu Buche schlägt, um Phantastik-Hobbyautoren (die dafür keine Vergütung erhalten) eine Plattform zu bieten. Davon sind im www reichlich vorhanden (Literra, Fantasyguide, Geisterspiegel, Corona, ...) und wer will kann seine Geschichten in diversen Foren präsentieren und diskutieren lassen. Davon hätten die Autoren zumindest ein direktes Feedback und somit die Möglichkeit an ihrem Stil zu arbeiten.

26. Aug. 2010 - Elmar Huber

Der Rezensent

Elmar Huber
Deutschland

Total: 637 Rezensionen
November 2017: 4 Rezensionen

(* 1972) kann sich noch dunkel an den "phantastischen Film" im Nachtprogramm des ZDFs erinnern, der damals (nicht zuletzt aufgrund des Zeichentrickvorspanns) schon eine gewisse Faszination ausübte.
Literarische Phantastik-Leseversuche folgten mit John Sinclair, Professor Zamorra und Stephen King. Auf der nachfolgenden Suche nach...

[Weiterlesen...]



[Zurück zur Übersicht]

Manuskripte

BITTE KEINE MANUS­KRIP­TE EIN­SENDEN!
Auf unverlangt ein­ge­sandte Texte erfolgt keine Antwort.

Über LITERRA

News-Archiv

Special Info

"Flucht aus der Komfort- zone!"
Im Sachbuch "TOP: Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen" geht es um die Befähigung Höchstleistungen zu vollbringen.

LITERRA - Die Welt der Literatur Facebook-Profil
Signierte Bücher
Die neueste Rattus Libri-Ausgabe
Home | Impressum | News-Archiv | RSS-Feeds Alle RSS-Feeds | Facebook-Seite Facebook LITERRA Literaturportal
Copyright © 2007 - 2017 literra.info