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Sherlock Holmes und die Moriarty-Lüge

SHERLOCK HOLMES UND DIE MORIARTY-LÜGE
SHERLOCK HOLMES UND DIE MORIARTY-LÜGE

J.J. Preyer
Roman / Phantastischer Krimi

BLITZ

Sherlock Holmes - Neue Fälle: Band 1
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-389840336-8

Mai. 2012, 12.95 EUR
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JJ Preyer erzählt eine spannende Holmes-Episode, in der sowohl James Moriarty, Sherlock Holmes’ Erzfeind, aber auch Mary, Dr. Watsons Frau, einen neuen, eigenen Background erhalten.
Und das sei vorweggenommen ist das Großartige an diesem Roman!
Denn der Autor versteht es exzellent die geschichtlichen Fäden um Moriarty mit Marys Vorgeschichte zu verweben, ohne dass es konstruiert wirkt.
Mary Watson wird in diesem Roman als ehemalige – wenn auch unfreiweillige – Spionin entlarvt, die von ihrem Vater und Moriarty, mit dem er unter einer Decke steckt, auf Dr. Watson angesetzt wurde, um durch ihn mehr über Sherlock Holmes in Erfahrung zu bringen. Womit die beiden Männer jedoch nicht gerechnet haben ist, dass sich Mary ehrlichen Herzens in Dr. Watson verliebte und ihn heiratete.

Moriarty will auf die höchsten Ämter des Staates Einfluss nehmen, aber auch Holmes in die Knie zwingen. Zu dem Zweck lässt er Mary entführen.
So sehen sich Holmes und Watson in der Situation die Befreiung von Mary anzustreben und den Kampf gegen Moriarty und seine Organisation und Machenschaffen aufzunehmen.
Holmes nimmt dafür das Umfeld der Watsons in Augenschein und hört in einer Teestube direkt gegenüber der Praxis von Dr. Watson, dass zwei bis drei Jahre jeden Donnerstag eine schwarze Kutsche vor dem Haus der Watsons gehalten hatte, der ein Mann entstieg, der mit Mary für cia eine Stunde in den Regent’s Park ging und sich von ihr wieder mit einem Wangenkuss verabschiedete – was auf eine gewisse Vertrautheit schließen ließ.
Von eben jener Kutsche, die seit einem halben Jahr nicht mehr erschien, und zwei Männern wurde Mary auch am Tag ihres Verschwindens abgeholt.

Wie weit Moriarty seine dunklen Finger ausstreckt und sein Spinnennetz webt, wird bewusst, als der heimliche Geliebte des Premierministers ermordet wird, was wohl von Moriarty arrangiert wurde. Damit aber natürlich nicht genug: Selbst die Queen bleibt nicht verschont.

Mit Hilfe von Sherlock Holmes wird Mary gegen ein Lösegeld befreit. Holmes spricht darauf mit ihr und sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie zu Anfang von ihrem Vater auf Watson „angesetzt“ wurde, um ihn und Holmes auszuspionieren – was sie zugibt und ihm verrät, dass der wöchentliche Besucher immer ihr Vater war, zu dem sie aber eine sehr kritische Beziehung hat. Als sie sich in Watson verliebte, weigerte sie sich weiter mit ihrer Spionage fortzufahren und wurde so für ihren Vater und Moriarty gefährlich.
Mary wurde auf Moriartys Herrensitz „Kenwood House“ festgehalten.
Holmes fragt sich, warum die beiden Männer Mary nach der Entführung nicht töteten, sondern sie gegen das Lösegeld austauschten. Welchen Nutzen sieht Moriarty noch in Mary?
Diese Frage gilt es zu klären.
Ebenso welcher Plan hinter Moriartys gesamten Ränkespielen steckt.

Der Leser erfährt auch mehr über Marys Herkunft.
Ihr Vater ist wie Moriarty Mathematiker und Mary vermutet, dass er die Ursache des Todes ihrer Mutter war. Mary wuchs daraufhin in einem Internat in der Schweiz auf.

Holmes bleibt erst einmal im Hause der Watsons. Als er dort eine Überdosis Kokain zu sich nimmt, müssen er und die Watsons feststellen, dass die Lösung durch eine mit doppelter Konzentration ersetzt wurde. Sprich ein Mordanschlag auf Holmes verübt wurde.
Schnell stellt sich heraus, dass die langjährige Haushälterin der Watsons mitsamt ihrer Habseligkeiten verschwunden ist – somit vermutlich eine Agentin Moriartys war, die wohl auch an Watsons rätselhafter Erkrankung zu Anfang des Romans Schuld trug.

Holmes zieht wieder in seine Wohnung in der Baker Street. Mittlerweile wurde auch die Queen durch Moriartys Manipulationen denunziert, indem das Gerücht in die Welt gesetzt wurde, sie habe ein unschickliches Verhältnis mit Abdul Karim, ihrem jungen, exotisch schönen, indischen Diener.
Überhaupt ranken sich einige Plots dieses Romans um Liebschaften – einige homosexuelle - und verquicken die einzelnen Fäden miteinander.
Francis Douglas, der ermordete Privatsekretär und heimliche Geliebte des Premersministers, war z.B. ein Bruder von Lord Alfred Bruce Douglas, der wiederum ein Liebhaber von Oscar Wilde sein soll. Wildes Vater wiederum war früherer Arzt der Queen.
Durch ein Gerichtsverfahren wurde Oscar Wilde der homophoben Veranlagung überführt und sitzt im Gefängnis – mittellos und ausgestoßen aus der Gesellschaft.
Holmes will Wilde unbedingt sprechen. Und sucht danach auch Robert Baldwin Ross auf – Wildes Lektor, Freund und Ex-Geliebten. Von ihm erbittet er sich Wildes letztes Theaterstück“ „Ernst sein ist alles“, weil er vermutet, dass der Schriftsteller darin irgendjemandem zu nahe getreten ist. In dem Stück geht es um zwei reiche Lebemänner die ein unmoralisches Doppelleben führen.

Danach führt Holmes’ nächster Weg zu der Mutter und dem Bruder von Oscar Wilde. Auch dort erfährt er einige wesentliche Puzzlestücke – dennoch kommt Holmes bei seinen Nachforschungen nur mühsam voran. Jedoch wird immer klarer, dass zwischen den Familien Moriarty und Wilde früher eine Verbindung bestanden hat, in der wohl besonders Moriartys Mutter eine tragende Rolle innehatte – sie war schön, sehr schön, aber auch durch und durch bös ....


Die Handlung dieses Romans ist eine spannende und intelligente, denn nicht nur Moriarty bekommt einen familiären Background, in dem seine Mutter eine wesentliche Rolle spielt, man erfährt auch etwas über seinen Werdegang, seine Entwicklung und die möglichen Ursachen, warum er zu dem wurde, was es nun ist.
Selbst über Sherlock Holmes erfährt der geneigte Leser Rückblicke auf dessen Vergangenheit, z.B. seine erste Begegnung mit dem Kokain findet Erklärung.
Aber auch Oscar Wilde erhält seinen Part in diesem ungewöhnlichen Sherlock Holmes Roman, der für mich der beste aus JJ Preyers Feder ist. Denn Wilde steht im Fokus Moriartys, der den Schriftsteller vernichten will.

JJ Preyer ist es gelungen einen Holmes-Roman im klassischen Stil zu schaffen, der das von Arthur Conan Doyle geschaffene Universum durch wichtige Mosaiksteine bereichert.
Daher wirkt „Sherlock Holmes und die Moriarty-Lüge“ wie ein Intermezzo rund um Sherlock Holmes, dem endlich fehlende Passagen beigefügt wurden.
Neben der wieder einmal vom Autor mit viel Liebe zum Detail geschriebenen Handlung überzeugen auch die gelungenen Dialoge zwischen Holmes und Watson – besonders die Spitzfindigkeiten des Meisterdetektivs.
Aber auch die Plots um Moriarty und Marys eiskaltem Vater und Moriartys sonderbarer Beziehung zu seiner Mutter sind überzeugend gelungen.
Einzig der Schluss des Romans wirkt ein wenig überhastet und zu knapp, was vielleicht daran liegen mag, dass der Autor ein Seitenlimit nicht überschreiten durfte, was bedauerlich ist.

Die Aufmachung des Bandes ist auch ordentlich – besonders die Covergrafik von Mark Freier weiß zu überzeugen. Dennoch ist es bedauerlich, dass es die kleinen Hardcover nicht mehr gibt.

Fazit:

Holmes-Roman im klassischen Stil, der das von Arthur Conan Doyle geschaffene Universum durch wichtige Mosaiksteine bereichert und mit einer spannenden und intelligenten Handlung aufwartet. Absolut empfehlenswert.

20. Sep. 2012 - Alisha Bionda

Der Rezensent

Alisha Bionda
Balearen

Website: http://www.alisha-bionda.net
Total: 393 Rezensionen
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Autorin, Herausgeberin, Redakteurin, Journalistin, Rezensentin, Agentin

Alisha Bionda wurde in Düsseldorf geboren und lebt seit 1999 auf den Balearen. Die Autorin beendet ihren Tagesablauf nachts am Meer - bis zum 23.05.2009 mit ihrer afghanischen Windhündin Jamila, die dann leider über die Regenbogenbrücke “gegangen&#...

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