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Manni Decox und die blauen Fliegenpilze

LITERRA-ONLINE-SERIE: DIE DECOXE LITERRA-ONLINE-SERIE: DIE DECOXE

2. Episode von Tanja Bern


Im Dunkelwald fiel das Sonnenlicht durch die Blätter der großen Eichen. Lustige Schattenbilder malten sich am Boden ab und Manni Decox hüpfte über die sonnigen Stellen, sodass sein blaues T-Shirt nur so flatterte.
Als er über einen besonders großen Lichtfleck sprang, stolperte er plötzlich.
„Au!“, rief er und hielt sich das Knie.
Die kleine Baumekve Niri kam rasch von ihrer Eiche heruntergeklettert.
„Ist passiert dir was, Manni Decox?“, piepste die Kleine und krabbelte bis zu ihm auf den moosigen Boden.
Manni blickte zu Niri. Sie sah aus wie ein verzweigter Ast. Ihre Haare erinnerten ihn immer an einen Strauß voller Blätter. Ihr Gesicht lugte dazwischen hervor.
Baumekven sind kleine Feen, die mit ihren Bäumen verbunden sind und auch in ihnen leben. Sie sind die Freunde der Decoxe, die oft unter den Wurzeln ihre Höhlen haben.
„Ist nicht schlimm, Niri“, beruhigte Manni sie. „Guck mal, es blutet gar nicht.“
Niri hopste auf sein unversehrtes Knie und beäugte die Schramme, die man in Mannis Fell kaum sehen konnte.
„Gut. Rot ist Farbe, die nicht gefällt mir.“
Manni grinste. Baumekven redeten sehr lustig. Immer verdrehten sie die Sätze.
Der kleine Decox richtete sich auf. „Ich wird’ nach Hause gehen. Lilo will nämlich auf einen Blütentee vorbeikommen.“
Er winkte Niri zu und schlenderte zu seiner Höhle zurück. Überrascht bemerkte er, dass Lilo schon auf ihn wartete! Sein Herz begann, schneller zu pochen. Immer wenn er Lilo sah, wurde er ganz zappelig. Sie war so hübsch!
Lilo saß auf einer Bank und schaukelte mit den Füßen. Sie lächelte, als Manni auf sie zukam.

Szenentrenner


Elina lief durch den tiefen Wald und musste sich die Tränen verdrücken. Sie dachte an ihre Schwester Leila, die furchtbares Bauchweh hatte. Keiner von ihnen konnte eine Medizin dagegen herstellen und die alte Torika hatte sie hierhergeschickt, um die blauen Fliegenpilze zu finden. Nur die konnten ein schlimmes Bauchweh bei den Naturi stillen.
Die Naturi waren so groß wie Menschenkinder. Die Pupillen in ihren Augen erinnerten an rosa Edelsteine und zwischen ihren Haaren lugten Katzenohren hervor. Auch einen langen Schwanz besaßen sie. Bei Elina war er bräunlich, wie bei einer Wildkatze. Sonst hatte Elina kein Fell, nur an Ohren und Schwanz. Deshalb trug sie immer eine kurze Hose und ein T-Shirt.
Elina schob sich ihr grünes Stirnband nach oben, um einige Haarsträhnen weiter nach hinten zu schieben. Ihre Mama hatte Herzen darauf gestickt und Elina mochte den Haarschmuck besonders gern. Er passte so gut zu ihrer Haarfarbe, die genauso war, wie bei ihrem Ohrenpelz.
Ach, wenn sie nur wüsste, wo diese Pilze wuchsen! Der Wald war groß und allein fürchtete sie sich. Mutlos hockte sie sich in eine Mulde und wischte sich über die Augen.
„Was ist mit dir, kleines Mädchen? Warum weinst du?“, fragte eine fremde Stimme.
Elina sah auf und erschrak. Vor ihr stand ein Jaguar. Obwohl sie selbst ein Katzenwesen war, bekam sie bei seinem Anblick Angst. Er lächelte und man konnte seine spitzen Zähne viel zu gut sehen. Elina drückte sich nah an den Stamm der Eiche.
„Bitte tu mir nichts!“, bat sie. „Ich bin auf der Suche nach Medizin für meine Schwester.“
„Warum sollte ich dir etwas tun?“
„Na, weil du so spitze Zähne hast.“
Der Jaguar lachte. „Ich fresse kein Fleisch, deshalb brauchst du dich nicht zu fürchten. Ich bin Thomas Fleck und wohne hier in der Nähe. Was für eine Medizin brauchst du?“
„Die Heilerin unseres Dorfes hat gesagt, dass ich die blauen Fliegenpilze aus dem Dunkelwald holen soll.“
„Oh! Da können dir bestimmt die Decoxe helfen.“
„Was ist ein Decox?“
„Ach, das wirst du dann schon sehen. Vielleicht kann dich eine Baumekve zu ihnen hinführen?“ Thomas blickte in die Krone der Eiche. „Niri?!“
Die Baumekve kam hinter einem Blatt hervor. „Was du von mir wollen?“, fragte Niri.
„Kannst du die Kleine hier zu Manni bringen? Der weiß doch am Besten, wo die blauen Fliegenpilze wachsen.“
„Meine Eiche ich gar nicht gern verlasse. Das du doch wissen.“
„Vielleicht könntet ihr mir den Weg zeigen?“, fragte Elina und ihr Schwanz schlug vor Aufregung hin und her.
Thomas Fleck überlegte. „Ich würde dich ja hinbringen. Aber ich habe eine Verabredung mit meiner Freundin Susi Hirsch.“
„Was denn sein mit Füchsin Lilax?“, schlug die Baumekve Niri vor. „In dem Dachsbau da vorne sie wohnt.“
„Sie wohnt in dem Dachsbau?“, fragte Elina verblüfft.
„Ja, der Dachs ihr Freund ist. Sie sich haben lieb.“ Die kleine Baumekve schien keine Lust mehr auf eine Unterhaltung zu haben. Sie kletterte an der rauen Rinde hoch und ließ sich auf ein Blatt fallen, um es wie eine Hängematte zu benutzen.
Auch Thomas, der Jaguar, verabschiedete sich.
Elina lief zu dem Bau und klopfte höflich an eine Wurzel. Ein zartes Fuchsgesicht lugte aus der Höhle.
„Ähm, hallo Lilax. Die Baumekve Niri sagt, du könntest mir den Weg zu Manni dem Decox zeigen?“
Lilax schlängelte sich zwischen die Wurzeln und kam hervor. Ihr Fell war orange-rot und wirkte sehr flauschig. Elina hätte am Liebsten einmal gefühlt, ob es wirklich so weich war, wie es aussah. Lilax setzte sich hin und legte ihren buschigen Schwanz um sich.
„Ja, das könnte ich. Manni ist mein Freund. Was möchtest du von ihm?“
„Der Jaguar sagte mir, dass Manni am Besten weiß, wo die blauen Fliegenpilze wachsen.“
„Das ist richtig“, stimmte Lilax ihr zu. „Magst du sie so gern wie die Decoxe?“
„Probiert hab ich sie noch nicht“, antwortete Elina. „Ich brauche sie für meine Schwester. Die hat fürchterliches Bauchweh.“
„Oh je, Bauchweh? Das hatte ich auch mal! Und die blauen Fliegenpilze helfen dagegen?“
„Ich glaube schon.“
„Dann komm, ich bringe dich zu den Decoxen.“

Szenentrenner


Manni bat derweil seine Freundin Lilo in die Höhle, die er bewohnte. Sein Herzklopfen war ein bisschen besser geworden, weil sie ihm immer freundlich zulächelte. Lilo hüpfte von der Bank. Sie richtete ihr blaues T-Shirt, auf das sie eine Libellenblume gestickt hatte, und folgte Manni in seine Wohnstube.
„Wo warst du denn?“
„Ich hab drüben bei Niris Eiche Sonnenhüpfen gespielt.“
Lilos Augen blitzten vergnügt. „Vielleicht können wir nächstes Mal zusammen spielen?“
Manni freute sich, als Lilo ihm so etwa Schönes vorschlug. „Das wäre aber fein!“
Der kleine Decox nahm einen Kessel und kochte Wasser für Lilos Blütentee auf. Er stellte eine Tasse vor sie hin. Das Gefäß war aus einer halben Kastanienschale gefertigt, die Manni einmal gefunden hatte. Sie erschien ihm von der Größe her genau richtig für die feinen Hände seiner Freundin.
Lilo wartete geduldig, bis ihr Tee fertig war, und schlürfte dann aus ihrer Schale, in die Manni für sie kleine Schmetterlinge geschnitzt hatte.
Da klopfte es und Lilax’ Stimme ertönte von draußen. Manni erhob sich und öffnete die Tür. Überrascht blickte er auf ein Mädchen mit pelzigen Katzenohren. Sie war bestimmt doppelt so groß wie er und blickte bittend auf ihn herab.
Die Füchsin Lilax zupfte ihn am Ärmel. „Das ist Elina und sie braucht deine Hilfe!“
„Meine Hilfe?“
Das Mädchen – es hatte sogar einen Katzenschwanz – kniete sich vor Manni hin. „Man sagte mir, du weißt am besten, wo die blauen Pilze wachsen. Kannst du mir helfen, sie zu finden?“
„Oh, klar weiß ich, wo die wachsen. Leider nicht in meinem Garten, da will mir das nicht gelingen. Drüben in dem Tannenwald könnten allerdings welche sein.“
„Zeigst du mir den Weg?“
Lilo schaute vorsichtig hinter Manni auf das Mädchen. „Wer ist das?“, wisperte sie ihm ins Ohr. Lilo schien ein wenig ängstlich zu sein.
„Das ist Elina. Sie braucht blaue Pilze“, flüsterte Manni zurück.“
Lilos Nase zitterte ein wenig, als sie in Elinas Richtung schnupperte. „Sie riecht ein bisschen nach Katze. Sie wird uns doch nichts tun?“
„Bestimmt nicht. Sie braucht ja unsere Hilfe. Komm Lilo, wir zeigen ihr den Tannenwald. Kannst du bitte meinen Korb mitnehmen?“
Lilo streckte sich zu dem Haken und ergriff den Weidenkorb, mit dem Manni immer auf Pilzsuche ging.
Zusammen machten sie sich auf den Weg. Manni führte sie über einen Bach, in dem die Füchsin Lilax ganz nasse Füße bekam, weil sie nicht so gut springen konnte. Dann ragte der Tannenwald finster vor ihnen auf. Als sie in den Schatten der hohen Bäume liefen, erschien es Manni, als ob das Sonnenlicht einfach verschluckt werden würde. Er wusste, dass in dem Wald nur die kleinen Kobolde Plonsch und Snüpp lebten und auch wenn es oft düster war, bekam er hier nie Angst.
Es raschelte leise, als Lilax durch ein Gestrüpp spurtete und übermütig etwas nachjagte. Es quiekte und Manni wandte sich erschrocken um.
Lilax kam mit Plonsch wieder, den sie vorsichtig am Kragen gepackt hatte.
„Loslassen, du frecher Fuchs! Iiiiih, du sabberst mich ja voll!“
Manni lachte, als Snüpp ebenfalls aus den Büschen stürzte und begann, wild um die Füchsin herum zu rennen.
„Lass ihn los, lass ihn los, lass ihn los!“, schrie er mit einer Stimme, die sich anhörte, wie Mannis Kühlschranktür, wenn er vergaß, sie zu ölen.
„Lilax, lass den Kleinen doch los“, bat Manni.
„Er hat mif am Swanz gefogen“, nuschelte sie zwischen Plonschs Stoffstück, das sie immer noch zwischen den Zähnen hielt.
Der Kobold bettelte und entschuldigte sich, bis Lilax endlich nachgab und Plonsch neben seinem Freund absetzte.
Manni beugte sich zu den Kobolden. „Hey, ihr beiden. Wo finden wir heute den besten Pilzplatz?“
„Oioioi, gerade sind nicht viele hier im Wald. Nur noch drüben bei dem alten Uhu. Da, wo der Laubwald wieder beginnt.“
„Danke Plonsch. Ich bringe euch dafür das nächste Mal den Honig von Lisa mit.“
Die beiden Kobolde fingen an zu singen: „Wir schmufen und schnülen den ganzen Tag herum. Die Pilze sind unser, drum schnaken wir darum.“
Elina kicherte leise. „Was singen die da?“
Manni grinste. „Das ist Koboldsprache, die kann ich recht gut. Schmufen ist faulenzen und schnülen heißt glaub ich spielen. Schnaken bedeutet handeln. Sie kriegen den Honig, dafür sagen sie mir, wo die Pilze wachsen.“
Manni führte sie zu dem großen Baum, in dem der Uhu lebte. Tatsächlich wuchsen an dessen Stamm fünf blaue Fliegenpilze. Manni pflückte sie vorsichtig ab und grüßte die Eule, die nun aus ihrer Baumhöhle schaute.
Elina sah nachdenklich auf die Pilze, als Manni ihr den Korb reichte. „Wenn ich nur wüsste, wie man daraus jetzt eine Medizin macht.“
„Medizin?“, fragte der Uhu. „Wer hat denn Bauchweh?“
„Weißt du, wie man daraus ein Mittel herstellt?“, fragte Elina und ihr Gesicht drückte sehr viel Hoffnung aus.
„Ihr müsst die Pilze mit Libellenblumen einkochen. Der Sud hilft dann gegen alle Bauchschmerzen der Welt!“
Die Gefährten bedankten sich beim Uhu und gingen glücklich zurück zu Manni in die Wohnhöhle. Lilo holte aus ihrem Vorrat einige der Libellenblüten, die sie so liebte, und kochte eine Medizin für Elinas Schwester Leila. Manni lief fast das Wasser im Mund zusammen. Aber Elina brauchte ja nur den Sud. Die Pilze bekamen die Decoxe. Sofort backte Lilo einen leckeren Kuchen daraus.
„Ich danke euch für eure Hilfe!“, sagte Elina begeistert.
Sie verabschiedete sich von Manni und den anderen, die schon sehnsüchtig auf den Pilzkuchen warteten. Sogar Lilax trommelte ungeduldig mit den Pfoten auf der Tischplatte. Alle winkten sie Elina zu und wünschten ihr alles Gute.

Szenentrenner


Elina lief so schnell sie konnte, den Weg zurück in ihr Dorf. In ihren Händen war der noch warme Sud der blauen Fliegenpilze, der ihrer kleinen Schwester hoffentlich helfen würde. Am Abend kam das Katzenmädchen in ihr Naturi-Dorf, wo sie schon ungeduldig erwartet wurde.
„Hast du etwas für Leila?“, fragte ihre Mutter besorgt. Sie wich eigentlich nicht vom Bett ihrer Tochter, doch jetzt, wo sie Schritte gehört hatte, war sie Elina entgegen gekommen.
„Ja, Mama! Das hilft gegen alle Bauchschmerzen der Welt!“
Elinas Mama gab die Medizin in eine Tasse und half Leila daraus zu trinken. Die Naturi schlürfte den leckeren Sud. Schon nach kurzer Zeit lächelte sie. „Es tut nicht mehr weh!“
Elina setzte sich erleichtert auf die Bettkante und strich ihrer Schwester liebevoll über das schwarze Haar. „Wenn du wieder ganz gesund bist, gehen wir Manni, den Decox besuchen. Dem verdankst du die Medizin.“
„Was ist denn ein Decox?“, fragte Leila.
„Sie sehen aus wie kleine Waschbären und sind unglaublich hilfsbereit!“, erklärte Elina.
„Na, da bin ich aber gespannt!“

Peter Wall
Peter Wall
© http://www.picturewall.eu

LITERRA-ONLINE-SERIE: DIE DECOXE
Beitrag vom 05. Aug. 2012


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