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Nächtliche Turbulenzen

LITERRA-ONLINE-SERIE Höllischer Alltag LITERRA-ONLINE-SERIE Höllischer Alltag

Episode 11 von Alisha Bionda


Nefaria schoss mit ihrem schnittigen knallroten Alfa Spider durch die Nacht und grübelte über Asmodin nach, dem sie vor dem Verlassen der Höllen-WG über den Weg gelaufen war.
Komisch, dachte sie, er wohnt genauso lange wie Chapeau Claque und ich hier und ich weiß im Grunde nichts von ihm. Rein gar nichts. Asmodin hatte bisher nur sehr wenig von sich preisgegeben, war wie ein Schatten seiner selbst geblieben … mit wenig Präsenz ... im Gegensatz … im Gegensatz zu … ihm …
Sie seufzte.
Diese begehrenswerte Höllenfürst-Rothaut mit Hörnchen, Pferdefuß und Knackarsch, dachte sie. Der sie so deutlich ignorierte als wäre sie eine Matrone mit Damenbart und Dreifachkinn.
Ihr Seufzen wurde eine Spur zorniger und ihr rechter Fuß trat das Gaspedal fast in den Unterboden des Cabrios, das einen Satz nach vorne machte.
,,Na warte, Luzifer, dir werde ich es zeigen … dir werde ich heute Nacht gehörig Feuer unter eben jenen Knackarsch machen!”
Die Kampfansage kam durchaus wohlwollend über ihre vollen Lippen, denn sie hatte längst einen Narren an Luzifer gefressen -– und sich das auch eingestanden.
Schon besser gelaunt, ob des Planes, den sie in die Tat umzusetzen gedachte, trällerte sie lauthals Highway to Hell von AC/DC mit, die gewohnt kernig aus dem CD-Player ihres kleinen Flitzers klangen.
Nefaria liebte solche Klänge während ihrer nächtlichen Spritztouren. Ihre Gedanken schweiften zu Chapeau Claque und ein zufriedenes Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Der Rabe hatte ihr im wahrsten Sinne des Wortes auf die Sprünge geholfen. Auch wenn sein Gesichtsausdruck wieder einmal mehr als deutliches Missfallen an ihrem Lebenswandel bekundet hatte.
Manchmal könnte man meinen, er sei eifersüchtig, dachte sie, schüttelte aber den Kopf und schalt sich insgeheim eine Närrin.
Worauf sollte ein Rabe schon eifersüchtig sein?
Nefaria trat mit Schmackes auf die Bremse und der Alfa kam schlingernd und mit einem schrillen Kreischen der Reifen vor dem derzeit angesagten Szene-Club 69 zum Stehen. Dem Dating-Treff schlechthin. Das Grinsen auf Nefarias Gesicht wurde noch eine Spur breiter, als sie auf das flimmernde Schild über dem Eingang blickte, auf dem sich ein Paar gegenseitig oral befriedigte. Wenn sie hier keinen geeigneten Toyboy auftreiben konnte, dann würde sie freiwillig einen Liter Weihwasser trinken, auch auf die Gefahr hin, von dem heiligen Gesöff, das sicher wie Salzsäure ätzte, perforiert zu werden.
Mit Elan verließ sie das Auto und stöckelte mit ihrem verheißungsvollen Hüftschwung und wippenden Brüsten (trotz der engen Corsage) in den Club.
Rauchgeschwängerte Luft empfing sie, und entlockte Nefaria das nächste Grinsen. „Dabei wollte ich doch mal dem Höllendunst entgehen.“

Szenentrenner


Nach nur zehn Minuten hatte Nefaria ihre Wahl getroffen, was angesichts der Tatsache, dass hier ein deutlicher Männerüberschuss herrschte, keine unbedingte Glanzleistung war.
Aber Nefaria hatte bei ihrem Eintreten ohnehin in Nanosekundenschnelle alle Blicke auf sich gezogen, ihr Anblick zauberte so manches gierige Glitzern in die Augen einiger Männer. Und als sie mit wiegenden Hüften an die Bar schritt, auch etliche Hormone in Wallung versetzt, wie Nefarias rasche Blicke in Richtung so mancher prallgefüllter Hose feststellen konnten.
Wie gut, dass Männer ihre Gier so schlecht verbergen können, dachte sie amüsiert, fühlte sich aber augenblicklich davon angesprochen. Auch ihr Blut geriet in Wallung, besonders als sie sah, wer am Ende der Bar an einen Pfeiler gelehnt stand und sie mit unverhohlenem Interesse beäugte.
Höllenfeuer und Krötenschwanz, dachte Nefaria, der kann sich aber sehen lassen. Der Typ war ein wahrer Höschenschmelzer, dem würde sie nur allzu gerne sein allerheiligstes „Dreigestirn“ küssen und sich mit ihm verlustieren bis die Hölle wackelte, sodass Lou Stützpfeiler aufstellen musste.
Nefaria leckte sich alleine bei dem Gedanken schon über die Lippen. Was das „Objekt“ ihrer Begierde mit einem keuchenden Laut honorierte, den sie selbstgefällig vernahm. So ist es recht, dachte sie und wusste, dass er bereits „angefixt“ war. Er würde ihr nicht mehr entgehen.
Betont lässig schlenderte sie zu ihm herüber, blieb so nah vor ihm stehen, dass nichtmal ein Lufthauch zwischen ihnen durchwehen konnte.
Wieder keuchte der schöne Unbekannte, besonders als er einen Blick auf ihre vollen Brüste werfen konnte.
„Hast du Lust?“, fragte Nefaria eindeutig zweideutig und schob, als er nur stumm nickte, noch nach: „Ich hoffe, du hältst, was dein Aussehen versprichst und gehörst nicht zu der Fraktion Männer, die den G-Punkt für ein Satzzeichen halten.“ Sie kicherte leise in sich hinein, als sie sah, dass er heftig schluckte.

Szenentrenner


Chapeau Claque öffnete mit einem Ruck die Augen.
Ein Geräusch hatte ihn aus einem ohnehin oberflächlichen und unruhigen Schlummer geweckt, der ihn immer befiel wenn sich Nefaria auf der „Pirsch“ befand.
Wie er solche Nächte hasste!
„Dieses Höllenweib“, murmelte er verdrossen, wurde aber sofort von dem Geräusch abgelenkt. Wenngleich man treffender von einer wahren Geräuschkulisse hätte reden können, denn die rhythmischen Bewegungen mit denen Nefarias Metallbett gegen die Wand knallte waren unverkennbar, und ihre verzückten spitzen Lustschreie erst recht. Von dem tiefen Keuchen ihres Gespielen ganz zu schweigen.
Chapeau Claque hätte sich am liebsten die Flügelspitzen tief in die Ohren gesteckt, um nichts mehr zu hören, wäre das möglich gewesen. Doch die Anatomie eines Raben ließ das nicht zu – darüber hinaus hatte er es nicht besser verdient. Schließlich hatte er ihr selbst diesen „grandiosen“ Rat gegeben, Luzifer eifersüchtig zu machen.
Wahrscheinlich schlage ich ihn da aber um Längen, dachte Chapeau Claque missmutig.
„Ja, ja jaaaaaaaaaaaaaaaa ...“, schrie derweil Nefaria mit ihrem „Stecher“ um die Wette und feuerte ihn mit einem lauten „tiefer, fester, meeeeeehr“ zu Höchstleistungen an.
Chapeau Claque wurde es immer schwerer um sein Rabenherz. Benommen entkorkte er die Le Panto-Karaffe und goss sich einen ordentlichen Schluck davon ein und diesen dann mit einem einzigen Zug hinter die Federn.
Er war nicht gerade überwältigt vor Freude, dass ihr schöner Plan so vorzüglich funktionierte, denn die anderen Bewohner schienen mittlerweile ebenfalls in ihrer nächtlichen Ruhe gestört worden zu sein, da Chapeau Claque etliche Türen aufgehen hörte. Dazu gedämpfte Stimmen.
Luzifer und Asmodin? Vermutlich.
Ersterem geschah es ganz recht und Letzterer war Chapeau Claque immer noch so fremd wie am Tag ihres Einzuges. Was wohl an seiner vornehmen Zurückhaltung lag, die so gar nicht zu Luzifer und erst recht nicht zu Nefaria passte. Wobei er wieder bei der zentralen Person seines Denkens und Handels war. Es musste einen Grund geben, dass ausgerechnet sie ihn als kleines Rabenkind gefunden und aufgezogen hatte. Sie, die sich vermeintlich ansonsten nur für sich und ihr gepudertes Näschen interessierte. Aber Chapeau Claque wusste natürlich längst, dass dem nicht so war, dass Nefaria über bedeutend mehr Tiefe verfügte, als sie nach außen erkennen ließ. Er allein wusste, mit wie viel Hingabe und Fürsorge sie das kleine Rabenjunge aufgepäppelt und wohl vor dem sicheren Tod bewahrt hatte. Schon damals wurde das Saatkorn seiner Liebe für sie gesät. Eines, das mächtige Früchte trug.
Wieder ertönten spitze Lustschreie aus Nefarias Schlafgemach, gefolgt von einem langgezogenen wolfsähnlichen Geheul, das sich in einem Echo vervielfachte.
Lupus!
Chapeau Claque griente vor sich hin. Dem Hund waren die unbekannten Laute wohl suspekt oder sie folterten sein empfindliches Gehör. Wenn nicht sogar beides.
Dabei muss er das doch von seinem Herrchen gewohnt sein, dachte der Rabe, schließlich steht unser guter Luzifer doch in dem Ruf nichts anbrennen zu lassen ... bis auf Nefaria – was wohl nur unser Höllenfürst selbst versteht.
Chapeau Claque seufzte, als das Bettgestell in immer schnelleren Stößen gegen die Wand knallte und somit effektvoll das Finale ankündigte.
Wieder entschlüpfte dem Raben ein abgrundtiefer Seufzer. Überhaupt kam er aus dem Seufzen nicht mehr heraus.
Nefaria spielte ihre Rolle aber auch verflucht gut. Veranstaltete wirklich einen Höllenspektakel. Zumindest redete sich der Rabe das ein. Sie veranstaltet das nur, weil sie Luzifer eifersüchtig machen will ... sie veranstaltet das nur, weil sie Luzifer eifersüchtig machen will ... sie veranstaltet das nur, weil die Luzifer eifersüchtig machen will ..., hämmerte er sich gebetesmühlenartig vor.
Ohne Erfolg.
In seinem Rabenherz schwoll mit jedem ihrer JAAAAAAs und MEEEEEEEEHRs die Eifersucht an. Bis es zu bersten drohte.
Und ihm ein bedrohliches: ,,Es ist endgültig der Zeitpunkt für eine Gegenmaßnahme gekommen – und zwar eine mit Pauken und Trompete, meine Liebe!“, entfuhr.
Die Tantalusqualen mussten endlich ein Ende haben – und zwar ein rasches. Chapeau Claque sah sich in der Bleibe um, die er sich mit Nefaria teilte. Es wurde Zeit, ihr für eine Weile den Rücken zu kehren, zurück zu seinem Ursprung zu gehen und sich seiner wahren Natur zu stellen.
Seinem Zwitterwesen, das einmalig in seiner Art war.
Chapeau Claque überlegte nicht lange, mit Bedacht drapierte er seinen Zylinder, den er erst einmal nicht mehr benötigte, auf einem Regal, schüttelte sein Schwingen, hüpfte auf die Fensterbank und entflatterte in die Nacht. Wobei er einen unheimlichen Schrei ausstieß – just in dem Moment, als auch Nefaria und ihr Liebhaber einen gemeinsamen ausstießen.

Crossvalley Smith
Crossvalley Smith
© http://www.crossvalley-design.de

LITERRA-ONLINE-SERIE Höllischer Alltag
Beitrag vom 11. Sep. 2012


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